10.03.2020 - 16:21

Schutz vor Infektionen Nicht ins Gesicht fassen: So halten Sie Ihre Hände fern!

Nicht ins Gesicht fassen – aber wie?

Nicht ins Gesicht fassen – aber wie?

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Überall kursiert er zurzeit, der Tipp, sich möglichst nicht mit den Händen im Gesicht zu berühren – zum Schutz vor Infektionen. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Mit ein paar Tricks lässt sich der ständige Griff ins Gesicht aber abtrainieren.

Oft greifen wir uns einfach unbewusst mit ungewaschenen Händen ins Gesicht, etwa weil die Nase juckt oder aber einfach, um unseren Kopf abzustützen. Doch Viren und Bakterien, die an unseren Händen kleben, haben im Gesicht ein Leichtes, durch Körperöffnungen und über Schleimhäute in unseren Körper einzudringen und dort Unheil anzurichten. Daher ist einer der Haupttipps – auch angesichts der aktuell weiter steigenden Infektionsfälle mit dem Coronavirus Sars-CoV-2, aber auch zum Schutz vor Grippeviren und anderen uns regelmäßig heimsuchenden Krankheitserregern: Nicht mit den Händen ins Gesicht fassen! Aber wie um alles in der Welt hält man sich davon ab? Hier gibt's Tipps.

Mit den Händen ins Gesicht fassen: Passiert öfter, als Sie denken

Erst einmal müssen wir uns darüber bewusst werden: Wann fassen wir uns überhaupt mit (ungewaschenen) Händen ins Gesicht – und wohin? Das ist sicher immer irgendwie individuell, aber so ein paar Verhaltensweisen legen wir dann doch alle an den Tag: etwa wenn wir nachdenken, wenn wir auf einen Juckreiz oder ähnliches reagieren, wenn wir das Gefühl haben, uns ist etwas ins Gesicht geflogen, aufgrund von Nervosität oder einfach aus Langeweile. Sie merken: Die Gründe, warum wir uns regelmäßig rund um Nase, Mund und Augen und damit um sowieso schon sehr exponierte Körperöffnungen herumtatschen, sind äußerst vielfältig.

Klar, ein Juckreiz lässt sich nur mit viel Disziplin unterdrücken und die Reaktion auf etwas ins Gesicht Geflogenes, das da einfach nicht hingehört, sogar noch weniger. Doch gerade die Gesicht-Griffe aus Langeweile oder beim Grübeln, die können wir uns eigentlich ganz gut abtrainieren, wenn wir uns derer bewusst werden.

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Zuvor sei gesagt: Es wird wahrscheinlich seine Zeit dauern, denn gerade unbewusst ausgeführte Gewohnheiten lassen sich nicht immer erfolgreich abtrainieren – und sicher kommt die eine auch mit manchen Tipps besser zurecht als der andere. Aber es ist den Versuch immer wert.

  • Hände in den Hosentaschen oder Jackentaschen halten: Zugegeben, das ist eher ein Tipp für unterwegs und auch nur dann, wenn wir nicht mit anderen Dingen beschäftigt sind, etwa damit, eine Treppe zu steigen – allein, um das Gleichgewicht zu halten und uns im Sturzfall auffangen zu können. Schon Kleinigkeiten können uns unbewusst wieder dazu bewegen, die Hand aus der Tasche zu holen. Und im Gespräch mit anderen ist es auch nicht immer angebracht, die Hände in den Hosentaschen zu vergraben – Körpersprache und so.
  • Geruchsnerven triggern: Die Psychologin Zach Sikora schlägt beispielsweise in der "New York Times" vor, beim Händewaschen stark riechende Seife zu nutzen oder sich die Hände mit einer parfümierten Handcreme einzucremen. Dann falle direkt durch den Geruch auf, wenn man sich die Hände zu nah ans Gesicht hält und kann vorher stoppen.
  • Notizzettel aufhängen: Klappt bei Vokabeln und Co, warum also nicht als ständige Erinnerung? Aber: Auch wenn Post-its schön bunt sind, irgendwann schauen wir daran vorbei und nehmen sie nicht mehr wahr.

Generell gilt: Gründlich Hände waschen hilft am meisten zum Schutz vor Coronavirus und Co, und dann ist es auch nicht zu tragisch, wenn wir uns hin und wieder mal ins Gesicht fassen. Wie das geht, sehen Sie beispielsweise im Video:

Richtig Hände waschen

Richtig Hände waschen

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In Stresssituationen fassen wir uns öfter ins Gesicht

Ein kleiner Exkurs: Es gibt übrigens noch einen weiteren Grund, warum wir uns in manchen Situationen (meist) unbewusst ins Gesicht fassen. Forscher der Universitäten Leipzig und Jena haben vor einigen Jahren herausgefunden, dass wir genau das machen, um kognitive Überforderungen und emotionalen Stress auszugleichen.

Heißt in Kurzform: Wir löschen dadurch sozusagen unseren Arbeitsspeicher. Und heißt etwas genauer erklärt: Alles, was wir erleben, wird nicht direkt im Gehirn abgespeichert, sondern landet erst einmal in einer Art Vorform des Gedächtnisses – vergleichbar mit dem Arbeitsspeicher eines Computers. Von diesen Informationen werden anschließend nur die Wichtigsten tatsächlich gespeichert. Wie beim PC füllt sich so ein Arbeitsspeicher aber recht schnell, vor allem bei vielen gleichzeitigen Eindrücken. Der Gesicht-Griff fungiert dabei wie eine Art "Reset". Gut fürs Gehirn also, schlecht aber für den Schutz vor Krankheitserregern.

Erklärt aber wiederum auch: Wenn wir unseren Stress reduzieren, fassen wir uns auch seltener unbewusst ins Gesicht. Das gilt übrigens auch für den Stress, dem wir uns aussetzen, wenn wir nicht zu krampfhaft darüber nachdenken, uns nicht ins Gesicht fassen zu dürfen oder unsere Hände desinfizieren zu müssen. Denn Stress wirkt sich auch auf das Immunsystem aus. Je stärker man gestresst sei, desto schlechter könne auch der Körper gegen Infektionen kämpfen, sagt etwa der US-amerikanische Psychiater und Verhaltensforscher Stew Shankman. Und ist Ihnen mal aufgefallen, dass immer dann irgendwas juckt oder kitzelt, wenn Sie gerade daran denken?

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Zusatztipps für Stresssituationen

Wir können also noch drei Tipps anhängen:

  • Entspannen: Statt uns auf die Stresssituation einzulassen, können wir mit etwas Alltagsentspannung schon viel erreichen. Bedeutet: beispielsweise Atemübungen ausprobieren. Das hilft zum einen, die Herzfrequenz wieder herunterzufahren und gleichzeitig, uns abzulenken. Probieren Sie es beispielsweise mit achtsamkeitsbasierter Stressreduktion (MBSR)!
  • Ablenken: Stichwort Ablenkung – zumindest wenn wir zuhause oder im Büro sind, kann auch ein Stressball helfen. Da schadet es aber nicht, den hin und wieder mal zu desinifzieren.
  • Gewohnheit austauschen: Hat sich in vielen Fällen bewährt, die bewusste Wahrnehmung. Dabei versuchen wir, nach und nach zu merken, wann wir die unbewusste Handlung durchführen und dann zu lernen, uns statt ins Gesicht an ein anderes Körperteil zu fassen, etwa an den Ellenbogen, oder Daumen und Zeigefinger zu berühren.

Seien Sie aber nicht zu streng mit sich – wie erwähnt, triggert das Nachdenken darüber dann nämlich noch mehr, uns ständig ins Gesicht zu fassen.

Das Gute: Wenn Sie dranbleiben und tatsächlich den regelmäßigen Griff ins Gesicht nicht mehr ganz so regelmäßig stattfinden zu lassen, schützen Sie sich nicht nur vor dem Coronavirus, sondern auch vor der nicht minder gefährlichen Grippe sowie vor Erkältung, aber auch vor Hautunreinheiten wie Pickeln und Mitessern – und Sie wirken gleich selbstsicherer in Gesprächen. Na, wenn das mal nicht jede Menge Vorteile sind.

Und übrigens: Statt sich zur Begrüßung die Hand zu geben, versuchen Sie's doch mal mit dem Wuhan-Shake!