24.02.2020

Schaden statt Nutzen Öko-Test: Vitamin D-Tabletten sind oft überdosiert

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Vitamin D-Präparate sind laut Experten bei gesunden Menschen unnötig. Ökotest hat die verschiedenen Mittel untersucht und kommt zu diesen Ergebnissen.

Foto: imago images/Jochen Tack

Vitamin D-Präparate sind laut Experten bei gesunden Menschen unnötig. Ökotest hat die verschiedenen Mittel untersucht und kommt zu diesen Ergebnissen.

In der Erkältungszeit greifen viele Menschen zu Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminpräparaten. Auch zu Vitamin D. Was hier zu beachten ist und warum Öko-Test von bestimmten Mitteln abrät, erfahren Sie hier.

Vitamin D benötigt unser Körper für Funktion und Gesunderhaltung von Muskeln und Knochen. Der Mensch produziert rund 80 bis 90 Prozent seines Vitamin D-Bedarfs mithilfe der Sonne in seiner Haut. In Deutschland gilt laut einer RKI-Studie (Robert-Koch-Institut) bei über 7000 Menschen dennoch knapp ein Drittel der Erwachsenen als unzureichend mit Vitamin D versorgt.

Viel hilft viel, denken sich zahlreiche Verbraucher von Vitamin-Präparaten und übersehen dabei, dass einige Nahrungsergänzungsmittel nicht nur unnötig, sondern auch schädlich sein können. Öko-Test hat Vitamin D-Präparate untersucht. Das sind die Ergebnisse.

Öko-Test: Vitamin D-Tabletten sind oft überdosiert

Die Experten haben 20 Vitamin D-Mittel untersucht und bewertet. Das Ergebnis: Der Nutzen ist in der Regel fraglich, und einige Vitamin D-Präparate sind darüberhinaus überdosiert. Das kann sogar gefährlich sein.

Vitamin D-Präparate gibt es in der Apotheke und der Drogerie, und sind in der kalten Jahreszeit sehr gefragt. Aber: Gesundheitsexperten sind sich einig, dass gesunde Erwachsene und Kinder in der Regel kein zusätzliches Vitamin benötigen, da sie ihren Bedarf auf natürliche Weise decken können. Da aber Säuglinge direkte Sonne meiden sollen, und wenn die Muttermilch nicht ausreichend Vitamin D liefert, müssen diese grundsätzlich mit Vitamin D versorgt werden, um einer Rachitis vorzubeugen.

Vitamin D im Test: Eine zu hohe Dosis ist schädlich

Viele Menschen, die ohne ärztliche Indikation dauerhaft zu hohe Dosen Vitamin D einnehmen, riskieren neben Störungen des Calciumstoffwechsels und der Knochengesundheit, auch gefährliche Nierenschäden.

Öko-Test hat insgesamt 20 Mittel mit Vitamin D untersucht, darunter fünf rezeptfreie Arzneimittel und 15 Nahrungsergänzungsmittel, erhältlich in Drogerie- und Supermärkten. Im Fokus der Analyse standen Wirksamkeit und Nutzen der Präparate.

Diese neun Vitamin D-Präparate fallen im Test durch

Das Ergebnis: Die Arzneimittel im Test sind meist "sehr gut" und grundsätzlich zu empfehlen – aber ausschließlich nach Abklärung des Vitamin D-Blutspiegels durch einen Arzt. Sechs Nahrungsergänzungsmittel erhielten nur die Note "befriedigend", neun Mittel fielen ganz durch.

Vorsicht vor diesen sieben Nahrungsergänzungsmitteln, deren Gehalte an Vitamin D aus Öko-Test-Sicht erhöht oder stark erhöht waren. Orientierungspunkt bei der Beurteilung der Vitamin D-Gehalte pro Tagesdosis war die Höchstmengen-Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für Nahrungsergänzungsmittel. Dieser Wert liegt seit Anfang 2018 bei 20 Mikrogramm (µg) oder 800 Internationalen Einheiten (I.E.).

Experten des Bundesamtes für Verbraucherschutz (BVL) und des Bundesinstituts für Arzneimittel (BfArM) stellten bereits 2017 klar: Mehr als 20 µg Vitamin D in Nahrungsergänzungsmitteln sind nicht sinnvoll. Die Europäische Lebensmittelbehörde sieht die gesundheitlich kritische Obergrenze für die tägliche Gesamtzufuhr von Vitamin D bei 100 μg.

Im Test fiel außerdem der Beipackzettel eines Präparates mit Vitamin D negativ auf, da der Text auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin D und Krebserkrankungen, multipler Sklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus hinweist. Das Problem: Es gibt keine Belege, dass Vitamin D vor solchen Erkrankungen schützt. Für Öko-Test eine unnötige Verunsicherung der Verbraucher.

Risikogruppen für einen Vitamin D-Mangel

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dem Robert-Koch-Institut (RKI) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind Vitamin D-Präparate nur dann sinnvoll, wenn ein Bluttest einen Mangel nachweist, der nicht durch kurze Sonnenbäder und Ernährung verbessert werden kann. Bei Menschen aus folgenden Risikogruppen funktioniert die körpereigene Vitamin D-Produktion nicht richtig.

  • ältere Menschen ab etwa 65 Jahren
  • chronisch Kranke und Pflegebedürftige
  • Menschen, die sich selten oder nur mit bedeckter Haut draußen aufhalten
  • Säuglinge und Babys bis zum zweiten Lebensjahr

So können Sie einen Vitamin D-Mangel feststellen lassen

Eine Blutanalyse durch den Hausarzt kann die Versorgung mit Vitamin D feststellen. Diese Untersuchung sollte aber nur in begründeten Einzelfällen sowie bei Risikogruppen durchgeführt werden. Wenn ein konkreter Mangelverdacht besteht, übernehmen die Krankenkassen die Laborkosten. Für Selbstzahler betragen die Kosten ab 26 Euro.

Die ausführlichen Ergebnisse finden Sie auf der Öko-Test-Seite.

Vitamin D-Mangel wird erst ab sehr niedrigem Blutwert indiziert

Das BfR spricht, wie auch etwa die DGE oder das BfArM, von einer ausreichenden Versorgung ab einer Blutkonzentration von 50 Nanomol pro Liter (nmol/l). Auch geringere Mengen sind den Experten zufolge noch akzeptabel. Werte zwischen 30 bis 50 nmol/l gelten als "suboptimal". Erst Werte von unter 12,5 nmol/l deuten laut RKI auf einen schweren Vitamin D-Mangel hin. Er kann zu Osteomalazie oder Rachitis führen. Bei Werten zwischen 12,5 bis unter 25 nmol /l spricht man von einem moderaten Vitamin D-Mangel mit wissenschaftlich gut belegter Auswirkung auf den Knochenstoffwechsel.

Den Vitamin D-Bedarf lieber natürlich decken

In der Regel lässt sich eine ausreichende Vitamin D-Versorgung auch ohne Tabletten und Zusatzpräparate sicherstellen:

  • Lassen Sie Ihre Haut, zum Beispiel Gesicht und Arme, regelmäßig für 5 bis 25 Minuten von der Sonne verwöhnen, natürlich ohne einen Sonnenbrand zu riskieren. Auch die Handinnenflächen nehmen gut die Sonne auf.
  • Lebensmittel wie fetter Seefisch, Pilze, Eier und Milchprodukte sind gute Vitamin D-Lieferanten.

Wichtig: Wenn Sie dennoch einen zu geringen Vitamin D-Spiegel befürchten, lassen Sie ihn ärztlich abchecken und nehmen Sie Präparate nur nach Rücksprache mit einem Arzt und unter ärztlicher Kontrolle ein.

Quelle: ÖKO-TEST Magazin Oktober 2019

Die Öko-Tester haben schon viele Produkte untersucht. Wussten Sie eigentlich, wie ungesund viele Hustentees sind und welche Kaffeebohnen im Test durchgefallen sind? Auch diese beliebten Handcremes sind mit Schadstoffen belastet , und bei vegane Burgern stellte Öko-Test Verunreinigungen durch Mineralöl und Gentechnik fest.

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