07.02.2020

PTFE Ist Teflon giftig? Ein Mythos beleuchtet

Ist Teflon giftig?
Fr, 07.02.2020, 16.02 Uhr

Ist Teflon giftig?

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Das Braten wird ganz leicht, nichts backt an und gereinigt sind sie fix wie nix: Antihaftbeschichtetes Kochgeschirr ist praktisch – aber das oft genutzte Teflon beispielsweise kann auch absplittern. Sind Töpfe und Pfannen mit PTFE gesundheitsschädlich?

Mal eben mit der Gabel drin herumgekratzt und schon löst sich die Beschichtung: Wer das bei seiner Teflon-Pfanne feststellt, fragt sich schnell, ob Gesundheitsgefahr beim Verschlucken besteht. Das Giftige an Teflon ist aber etwas ganz anderes. Und um das zu verstehen, müssen wir erst einmal klären, was Teflon eigentlich ist.

Ist Teflon giftig, weil es ein Kunststoff ist?

Teflon eine der Handelsbezeichnungen für Polytetrafluorethylen, kurz "PTFE". Es ist ein Kunststoff-Polymer, das unter anderem als sogenannte Antihaftbeschichtung auf Koch-, Brat- und Backgeschirr aufgetragen werden kann und das dafür sorgt, dass eben nichts mehr anbrennt, man trotzdem sein Essen fettfreier zubereiten kann und Pfannen und Töpfe schneller sauber sind. Langwieriges Einweichen und Schrubben entfallen, denn nichts haftet an Teflon.

Wie Teflon dann aber an der Pfanne haftet, ist ein anderes Thema – und hier kommen weitere Hilfsstoffe zum Zug. Solche Emulgatoren, Füllstoffe und Farbstoffe werden zusammen mit dem PTFE in einem sogenannten Sinterprozess an die Oberfläche des Pfannen- oder Topfrohlings aufgebracht. Bei sehr hohen Temperaturen werden die Stoffe geschmolzen, backen zusammen und verfestigen sich. Bei diesem Prozess verdampfen die meisten Hilfsstoffe wieder oder werden fest in die PTFE-Beschichtung eingebunden. Bei normalen Betriebstemperaturen kann dann nichts mehr daraus entweichen.

Anders sieht das aber aus, wenn das Kochgeschirr zu stark erhitzt wird.

Teflon-Kochutensilien: Giftige Dämpfe bei zu hoher Erhitzung

Hier liegt eine Gefahr, die tatsächlich auftreten kann – im normalen Alltag bei sachgemäßem Gebrauch aber nicht passiert. Ab einer Temperatur von etwa 360 °C beginnt PTFE, sich zu zersetzen. Dabei können giftige Substanzen austreten, auch ohne Rauchentwicklung.

Die giftigen Dämpfe aus fluorierten Verbindungen und Partikeln werden zwar auch bei Überhitzung nur in geringen Mengen freigesetzt. Ein Übergang auf Lebensmittel kann aber laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nach aktuellem Wissensstand nicht ausgeschlossen werden. Zwar sind keine Krankheitsfälle aus dem Privatbereich bekannt, sondern nur aus der industriellen PTFE-Fertigung. Doch sicher ist sicher.

Symptome einer Vergiftung mit eingeatmeten giftigen Dämpfen aus Teflon sind ähnlich einer Grippe. Man spricht von Teflonfieber oder Polymerfieber.

Hinweis für Vogelbesitzer: Vögel sind sehr anfällig für Gase aus Teflonpfannen, die sich schon ab rund 200 °C bilden. Ihren Wellensittich sollten Sie daher nicht in der Küche halten. Für den Menschen sind diese geringen Mengen an Gasen völlig unbedenklich.

Normal genutztes Koch-, Brat- und Backgeschirr mit Teflon kann aber unbedenklich genutzt werden, wenn Sie auf die richtige Handhabung achten.

Teflon-Partikel verschluckt: Was tun?

Als Teflongeschirr erstmals aufkam und die ersten Fälle von zerkratzten Pfannen und Co laut wurden, stieg auch die Unsicherheit in der Bevölkerung, was das Verschlucken von PTFE-Partikeln betrifft. Hier gibt das BfR klare Entwarnung:

Auch kleinste Teilchen von PTFE sind vollkommen unbedenklich, wenn sie verschluckt werden. Sie werden nicht verdaut und kurz später wieder ausgeschieden. Das liegt daran, dass PTFE inert ist. Bedeutet: reaktionsträge. Es reagiert eben nur bei den oben genannten hohen Temperaturen, die in unserem Körper gar nicht erreicht werden können.

Tipps für den Umgang mit Teflon: So schützen Sie sich

  1. Erhitzen Sie Ihre Pfannen und Töpfe sowie Backformen aus Teflon niemals ohne Inhalt länger als drei Minuten. Das heißt: Direkt beim Auf-den-Herd-stellen einen guten Klecks Öl rein und dann so zügig wie möglich das Essen hinterher. Öl ist ein guter Indikator: Das Fett fängt spätestens ab rund 220 °C an zu rauchen. Spätestens dann sollten Sie die Pfanne sowieso vom Herd nehmen und alles auskühlen lassen. Denn das Öl wird nicht nur ungenießbar, sondern kann jetzt auch anfangen zu brennen. Welches Öl für welchen Zweck geeignet ist, lesen Sie auch bei uns.
  2. Bei Induktionsherden und Gasherden gilt: nie länger als eine Minute ohne Inhalt, da sich beide Herdarten sehr schnell erhitzen. Im besten Fall verzichten Sie hier auf Teflon-Geschirr.
  3. Sind Lebensmittel im Topf oder in der Pfanne, ist eine Überhitzung sehr unwahrscheinlich. Vorher würden die Nahrungsmittel einfach verbrennen. Ist Wasser im Topf, kann die Temperatur nicht weit über 100 °C steigen. Das ist der Siedepunkt von Wasser.
  4. Normale Backöfen lassen sich nur bis zu einer Maximaltemperatur von 250 °C aufheizen.
  5. Auch wenn Teflon-Splitter weitgehend unbedenklich sind: Kratzen Sie möglichst nicht mit scharfen Gegenständen wie Gabeln oder Messern in einer antihaftbeschichteten Pfanne herum. Sollten Kratzer vorhanden sein, entsorgen Sie das Kochgeschirr.
  6. Lesen Sie sich die Beilage des Herstellers zu Ihrem Teflongeschirr dennoch gut durch. Hier stehen weitere hilfreiche Tipps.

Ein weiteres Problem bei Teflon-Geschirr ist übrigens die Umwelt: Teflonpfannen und -töpfe verschleißen schnell und produzieren so viel Müll. Und beim Entsorgen können durch Verbrennen bei sehr hohen Temperaturen eben doch die genannten giftigen Stoffe austreten und in die Umwelt gelangen. Also: Vielleicht dann doch lieber die gute alte Edelstahlpfanne oder ein mit Keramik beschichtetes Exemplar wählen.

Übrigens befindet sich Teflon nicht nur auf Pfannen und Töpfen. Auch wasserabweisende Kleidungsstücke, Brillengläser, Angelschnüre oder Implantate werden mit PTFE beschichtet. Das beugt Verschmutzung vor, lässt Wasser abperlen und hilft (im Fall der Angelschnur) beim Entwirren.

Verbraucher machen sich regelmäßig Sorgen über bedenklich wirkende Waren für Haus, Körper und Co. Schädlich sein kann beispielsweise übermäßiger Gebrauch von Desinfektionsmittel. Erfahren Sie, wie Sie beispielsweise giftige Inhaltsstoffe in Kosmetik erkennen und warum auch Duftkerzen schädlich sein können.