07.02.2020

Ruhe bewahren? Schlaftabletten: Diese Risiken können Ihnen den Schlaf rauben

Schlafmittel können kurzzeitig Abhilfe schaffen, doch die Risiken und Nebenwirkungen von Schlaftabletten sind nicht zu unterschätzen. Welche Wirkstoffe gibt es und worauf ist zu achten?

Foto: imago images / CHROMORANGE

Schlafmittel können kurzzeitig Abhilfe schaffen, doch die Risiken und Nebenwirkungen von Schlaftabletten sind nicht zu unterschätzen. Welche Wirkstoffe gibt es und worauf ist zu achten?

Schnell mal eine Tablette eingeworfen, um der Insomnie zu entgehen? Klingt einfach, kann auch helfen, birgt langfristig aber einige Risiken.

Schlafmittel gibt es so einige. Die einen schwören auf natürliche Schlafförderer wie heiße Milch oder den Duft von Lavendel. Doch wenn die nächtliche Ruhe so gar nicht eintreten will, hilft manchem nur noch die kurzfristige Einnahme von Schlaftabletten. Die Betonung liegt aber nicht umsonst auf dem Wort "kurzfristig". Denn der Konsum solcher Wirkstoffe auf lange Sicht birgt die Gefahr schwerer Nebenwirkungen. Welche Risiken Schlaftabletten mit sich bringen, welche Wirkstoffe es überhaupt gibt und auf welche Alternativen Sie zurückgreifen.

Risiken von Schlaftabletten nicht unterschätzen

Mal eine Schlaftablette, dagegen ist gar nichts einzuwenden. Wir alle kennen wohl das Gefühl, einfach nicht einschlafen zu können und dann am nächsten Tag komplett gerädert den Hürden des Alltags entgegentreten zu müssen. Die Gründe der Schlafprobleme sind dabei unglaublich vielseitig. Und manchmal ist die Verzweiflung so groß, dass nur noch die "Keule" hilft.

Um möglichst alle Risiken auszuschließen oder zumindest einzudämmen, sollten Sie Schlaftabletten nie ohne ärztlichen Rat einnehmen. Viele Wirkstoffe müssen Sie sich sowieso ärztlich verschreiben lassen. Gerade Stoffe wie Valium (Lorazepam), Tetrazepam und Oxazepam, allesamt den Benzodiazepinen zugehörig, können schon nach wenigen Wochen süchtig machen. Zudem unterdrücken sie die Tiefschlafphase – und die ist für die Erholung enorm wichtig. Auch Angstzustände gehören zu den Nebenwirkungen und am Ende können diese Stoffe die Schlafstörungen noch verstärken, so dass Sie immer stärkere Dosen benötigen.

Die mittlerweile öfter verschriebenen sogenannten "Z-Substanzen" wie Zopiclon oder Zaleplon können zwar auch auf Dauer abhängig machen und den Schlaf verändern, doch anscheinend nicht in dem Ausmaß wie die Benzodiazepine. Dennoch sind auch sie nicht frei von Nebenwirkungen.

Diese Wirkstoff-Gruppen gibt es

  • Benzodiazepine: angstlösende, krampflösende und schlaffördernde Wirkung; verstärken schlaffördernden Signalstoff im Gehirn, können bei längerer Einnahme abhängig machen. Beispiele: Flurazepam, Nitrazepam, Temazepam, Triazolam, Lorazepam, Tetrazepam, Oxazepam
  • Nicht-Benzodiazepin-Agonisten (Z-Substanzen): Wirken trotz anderer Struktur ähnlich wie die Benzodiazepine, sind aber weniger abhängig machend.
  • Barbiturate: Wurden einst als Schlafmittel eingesetzt, heute nur noch in Ausnahmefällen, wenn sonst nichts wirkt, da sie starke Nebenwirkungen haben und bei Überdosierung tödlich wirken können.
  • Antidepressiva: Amitriptylin, Doxepin und Trimipramin haben nicht nur eine antidepressive, sondern auch eine beruhigend-dämpfende Wirkung. Werden gereicht bei durch Depressionen verursachte Schlafstörungen und gegen durch Schlafstörung ausgelöste ängstliche Stimmung.
  • Antihistaminika: Eigentlich gegen Allergien eingesetzt. Die erste Generation der Wirkstoffe (Doxylamin, Meclozin, Promethazin) hat eine sedierende Wirkung. Leicht schlaffördernd wirkt auch noch Cetirizin, ein Antihistaminikum der zweiten Generation.
  • Neuroleptika: Eigentlich eingesetzt zur Behandlung psychischer Störungen, wirken aber ähnlich wie manche Antidepressiva beruhigend-dämpfend. Eingesetzt vor allem bei Schlafstörungen durch eine Psychose.
  • Melatonin: Körpereigenes Schlafhormon, kann aber in synthetischer Form eingenommen werden.

Nebenwirkungen von Schlaftabletten: Das verursachen die Wirkstoffe

Benzodiazepine können also süchtig machen, Z-Substanzen nicht ganz so sehr, aber sollten auch nicht länger als 2-4 Wochen eingenommen werden.

Antidepressiva wiederum können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Gewichtszunahme und einen Verlust an Potenz und Libido haben.

Viele Mittel, die erst langsam abgebaut werden, können außerdem am nächsten Tag eine Art "Hangover" hervorrufen, der sich anfühlen kann wie ein Alkoholkater. Es kommt zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit sowie Schwindel und auch die Reaktion kann stark eingeschränkt sein.

Melatonin kann gerade bei älteren Menschen kurzfristig helfen, wenn die Schlafstörungen nachweislich auf einen Rückgang des Schlafhormons zurückzuführen sind. Ob Nahrungsergänzungsmittel mit dem Stoff aber helfen, ist nicht nachgewiesen, daher sollten Sie bei einer unbedarften Einnahme vorsichtig sein – wir raten davon ab.

Nicht von heute auf morgen absetzen

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum zu Schlaftabletten greifen mussten, sollten Sie sie, egal welche Art, nicht von heute auf morgen absetzen. Verringern Sie die Dosis mit jedem Tag, sonst kann es zu Entzungserscheinungen kommen.

Wer über einen längeren Zeitraum zu Schlaftabletten greift, zerstört außerdem die Struktur seines Schlafes. Gerade Benzodiazepine und Z-Substanzen wirken sich wie gesagt auf die Schlafphasen aus, was die Schlafqualität deutlich senkt. Wird das eingenommene Medikament abrupt abgesetzt, kommt es oft zu noch größeren Schlafproblemen, die weitere Medikamente erfordern. Daher bedenken Sie: Schlafmittel nur im äußersten Notfall!

Wichtig: Wer unter einer Lebererkrankung leidet oder schwanger ist, sollte zu keinem der Schlafmittel greifen.

Die Alternative: Helfen pflanzliche Schlafmittel?

Beliebt sind auch pflanzliche Alternativen, von denen zwar nicht alle nachgewiesenermaßen Wirkung zeigen, von denen aber viele positiv berichten. Baldrian etwa gilt seit eh und je als natürliches Schlafmittel, denn die Heilpflanze wirkt beruhigend. Allerdings setzt die Wirkung meist erst nach ein bis zwei Wochen ein, wenn der Extrakt regelmäßig eingenommen wird. Genauso verhält es sich mit Hopfen, Johanniskraut, Melisse oder Passionsblumenkraut sowie die ebenfalls beruhigende Kamille. Johanniskraut hat außerdem die Nebenwirkung, dass es lichtempfindlich machen und zu Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut führen kann. Im Sommer, wenn Sie sich oft in der Sonne aufhalten, sollten Sie daher auf Mittel mit dem Kraut verzichten. Ansonsten sind diese Heilkräuter in Maßen aber sehr gut verträglich. Ob sie wirken, muss jeder für sich entscheiden. Aber: Von heute auf morgen wird das nichts.

Ob schlaffördernde Tees, Milch mit Honig oder andere Kräuterlösungen sowie etwa Lavendelbäder und Co helfen, ist nicht wissenschaftlich belegt, hat aber einen entscheidenden Vorteil: die "Ritualwirkung". Denn nicht zu unterschätzen ist ein wiederkehrendes, beruhigendes Ritual am Abend. Es gibt diverse hilfreiche Tipps für erholsames Einschlafen: Eine heiße Tasse Tee vor dem Schlafengehen, während man sich eine halbe Stunde Zeit für sich nimmt, kann helfen. Ebenso hilft vielen Menschen abendliches Lesen, vor allem, wenn die Schlafstörungen auf kreisende Gedanken zurückzuführen sind. Dann hilft Ablenkung ungemein. Auch entspannendes Yoga etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen kann helfen.

Fazit: Sie sollten Schlafmittel also aufgrund der zahlreichen Nebenwirkungen nur dann einnehmen, wenn es wirklich nicht anders geht, und auch dann nur über einen kurzen Zeitraum. Wichtig ist, dass Sie sich bei Schlafstörungen ärztlich beraten lassen. Wenn alles nichts hilft, zögern Sie nicht, einen Termin in einem Schlafzentrum wahrzunehmen.