06.03.2020 - 16:26

Komischer Geruch im Schritt? Experten-Tipps: Wie viel Intimpflege brauchen Vulva und Vagina?

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Zu ihren Genitalien haben einige Frauen ein ambivalentes Verhältnis. Vielleicht auch, weil sie zu wenig darüber wissen. Dabei lohnt es sich, sich mit der richtigen Intimhygiene auseinanderzusetzen.

Foto: iStock/Teerasak1988

Zu ihren Genitalien haben einige Frauen ein ambivalentes Verhältnis. Vielleicht auch, weil sie zu wenig darüber wissen. Dabei lohnt es sich, sich mit der richtigen Intimhygiene auseinanderzusetzen.

Trotz Informationszeitalter wissen nicht alle Frauen, welche Pflege "untenrum" gut tut. Autorin und Gynäkologin Dr. Sheila de Liz verrät ihre Experten-Tipps.

Wie viel Geruch ist unten herum normal? Wie muss der Ausfluss aussehen? Welche Hygieneprodukte sind sinnvoll? Viele Frauen sind trotz des Informationszeitalters nicht besonders gut über ihr Geschlecht aufgeklärt. Dieses Wissensdefizit hat auch Auswirkungen auf den Alltag, wenn sich in puncto Intimpflege die Frage stellt: Wie pflege ich Vulva und Vagina richtig?

BILD der FRAU hat mit Bestseller-Autorin und Gynäkologin Dr. Sheila de Liz darüber gesprochen, wie Intimpflege aussehen sollte und ob wir die Helfer der Drogeriemärkte brauchen.

Intimpflege für die Vagina: Der Ausfluss hat eine Botschaft

Viele Mädchen und Frauen verunsichert vaginaler Ausfluss. Vor allem, weil wir nicht wissen, was "normal" ist. Außerdem wird er häufig mit Schmutz assoziiert. Was viele Frauen nicht wissen: Der vaginale Ausfluss ist das Selbstreinigungsprogramm der Vagina. Und weil die Vagina nach unten hin nicht verschlossen ist, läuft es raus.

Viel wichtiger ist, was uns unser Ausfluss mitzuteilen hat: Mal ist er weiß, nächste Woche gelblich, an manchen Tagen sieht er aus wie zäher Schnodder und an anderen wie feste Nasenpopel. Damit zeigt er uns an, wo wir uns gerade im Zyklus befinden, ob unsere fruchtbaren Tage anstehen und ob unsere Vagina gesund ist oder nicht.

Deshalb nennt Dr. Sheila de Liz den Fleck in der Unterhose, den wir am Ende des Tages sehen, einen kleinen "Post-it der Vagina".

In ihrem Buch "Unverschämt: Alles über den fabelhaften weiblichen Körper" erklärt de Liz, dass Ausfluss aus toten Zellen der Vaginalhaut sowie Gebärmutterhalsschleim und sogenanntem Transsudat besteht, das ist Flüssigkeit, die von den Gefäßen durch die Vaginalwand dringt. Ausfluss ist grundsätzlich ein Zeichen dafür, dass die Vagina gesund ist. Er hält sie feucht und bietet so eine Schutzbarriere gegen Bakterien, nicht unähnlich der Nasenschleimhaut.

Welcher Ausfluss ist normal? Dr. Sheila de Liz: "Der Ausfluss, medizinisch Fluor genannt, kann transparent, hellweiß, dunkelweiß bis gelblich oder gelb sein. Er kann dünnflüssig erscheinen, klebrig, eiweißartig, rotzartig oder gummiartig wie eine Babyqualle am Strand. Der Fluor kann auch in kleinen Bällchen vertrocknen und wie eine Klabusterbeere an den Schamhaaren hängen bleiben. All das ist normal und kann wie gesagt schwanken, je nach Stand des Zyklus: Am Ende der Periode kann der Fluor noch braun/beige tangiert sein, dann heller werden, um den Eisprung herum sich dünnfädig ziehen und danach sich schließlich als kleine gummiartige Krümel bemerkbar machen."

Unangenehmes Jucken im Schritt

Ist die Vaginalflora gestört, macht sich das zum Beispiel durch ein Jucken im Schritt bemerkbar. Vaginales Jucken wird meist durch einen Pilz – durch den Erreger Candida albicans – ausgelöst, der in jeder Vagina zu finden ist. Entgegen der allgemeinen Annahme, einen Pilz hole man sich auf der Toilette, im Schwimmbad oder beim Sex, ist das Ausbrechen eines Pilzes häufig ein Immunabwehrproblem, das meist schnell mit Vaginalcremes oder -zäpfchen behandelt und gelöst werden kann. Der Pilz nutzt eine Schwäche des Immunsystems und breitet sich über die Maßen aus. Kehrt ein Pilz immer wieder zurück, kann eine Langzeittherapie helfen.

Übrigens: Ein Pilz riecht nicht. Womit wir beim einem weiteren Thema sind, über das sich viele Frauen – entgegen ihrer Natur – gern ausschweigen: Geruch im Schritt.

Jede "Mumu" riecht anders

Der gesunde, normale Geruch des Vulva-Vagina-Duos hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel davon, wo man sich gerade im Zyklus befindet, ob man die Pille nimmt, schwanger ist oder gerade Sport gemacht hat. Der Geruch kann würzig oder mit einem Schweißgeruch vermischt sein. Der Ausfluss selbst riecht meist säuerlich.

Wenn der Ausfluss strenger riecht, vielleicht nach Fisch oder Abfall, kann sich dahinter ein bakterieller Infekt verbergen. In diesem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden. Alles andere ist völlig normal.

Ein Tipp der Expertin: "Wer im Schritt sehr nach Schweiß riecht, kann ein Deo seines Vertrauens morgens nach dem Duschen auf die Leisten auftragen. Ich würde aber darauf achten, dass es ein Anti-Perspirant enthält (also die Schweißbildung bekämpft). Und ich würde kein Deospray nehmen, weil man eventuell zu viel auf die Schamlippen sprüht, und das mögen die nicht."

Von übermäßigen Reinigungsaktionen rät die Expertin ab. Bei der Intimpflege ist weniger mehr.

Intimpflege: Weniger ist mehr

Die Vagina ist ein sich selbstreinigendes Organ. Mithilfe ihrer Milchsäurebakterien sorgt sie für ein saures Milieu und hält Pilze und Bakterien in Schach. Wasser ist also für die Reinigung völlig ausreichend. Seife dagegen gehört zu den natürlichen Feinden der Milchsäurebazillen und öffnet Pilzen und Bakterien Tür und Tor. Die Folge laut dr. de Liz: "Wir waschen uns noch mehr, um das Jucken loszuwerden, und machen es dadurch nur noch schlimmer."

Grundsätzlich erledigt der Körper die Reinigung der Vagina also dank der Milchsäurebakterien wunderbar selbst. Deshlab genügt es, den Intimbereich einmal täglich äußerlich mit Wasser zu reinigen. Wenn es unbedingt eine Waschlotion sein muss, dann sollte sie möglichst hautneutral sein (pH-Wert von 4 bis 4,4).

Sollte die Haut an der Vulva gereizt sein, liegt das vermutlich an äußeren Faktoren wie austrocknenden Slipeinlagen oder Tangas, die Keime vom After nach vorne wischen. Also lieber weglassen! Dr. Sheila de Liz: "Wichtig ist es auch, die Intimzone immer gut abzutrocknen. Wer öfter Probleme mit Pilzinfektionen in der Leiste hat, kann sich nach dem Duschen von unten anföhnen. Natürlich nicht zu lange und zu heiß!"

Ist die Verwendung von Duschschwämmen oder Waschlappen sinnvoll? Sheila de Liz: "Tatsächlich ist eine Reinigung mit der Hand sinnvoller. So läuft man nicht Gefahr, zu heftig zu rubbeln und zu scheuern. Gerade in Schwämmen sind außerdem oftmals Keime und Bakterien zu finden, die der Intimregion mehr schaden als nutzen."

Hygiene während der Periode

Aus medizinischer Sicht ist es vor allem wichtig, Slipeinlagen und Binden während der Erdbeerwoche spätestens aller drei bis vier Stunden zu wechseln. "Manche Vulvas mögen diese Produkte aber generell nicht und reagieren mit Pickeln oder Irritationen an den kleinen Schamlippen oder am Damm. Wer also häufiger unklare Entzündungen im Untergeschoss hat, sollte die Slipeinlagen lieber weglassen und während der Menstruation andere 'Blutsauger-Methoden' ausprobieren", rät Dr. Sheila de Liz.

Alternativen zu Tampons und Binden:

Für wen eignen sich Intimtücher? "Wer unterwegs ist und seine Monatsblutung hat, fühlt sich eventuell wohler, wenn er eine Art "Katzenwäsche" machen kann – für den normalen Toilettengang würde ich aber davon abraten, weil sie nicht nötig sind", sagt die Gynäkologin.

Übrigens: Auch "Free Bleeding", also freies Menstruieren ohne jegliche Hygieneprodukte, ist ein Trend, der für unterschiedliche Reaktionen sorgt. Dabei ist die Frau aufgerufen, sich aktiv mit ihrem Körper auseinanderzusetzen. Gefeiert wird die Bewegung vor allem in feministischen Kreisen, die einen offenen Umgang mit dem weiblichen Zyklus und eine Enttabuisierung der Periode fordern. Während der Menstruation blutet Frau in Intervallen, wer deswegen auf seinen Körper hört und herausfindet, wie er getaktet ist, kann rechtzeitig auf die Toilette gehen.

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Während sich Frauen meist viel zu viele Gedanken machen, sehen Männer das Hygiene-Thema entspannt. Vielleicht sogar zu entspannt. Laut einer Intimhygiene: Jeder zweite Mann wäscht sich nicht richtig. Das kann nicht nur eklig werden, sondern durchaus auch gefährlich. Lesen Sie mehr.

Ihnen war nicht bekannt, dass eine Pilz-Erkrankung ihren Ursprung in einer Schwäche des Immunsystems hat? Hier finden Sie weiitere Informationen zum Thema Scheidenpilz.

Mehr über die Vagina erfahren Sie auf unserer Themenseite.

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