19.12.2019 - 00:00

#WirHabenStimmungsschwankungen Stimmungsschwankungen: Das hilft, wenn die Gefühle ständig Aufzug fahren

Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt: Stimmungsschwankungen gehören zum Alltag dazu. Doch wenn sie gar nicht mehr aufhören wollen oder unser Leben stark beeinträchtigen, könnte mehr dahinterstecken.

Foto: iStock / sdominick

Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt: Stimmungsschwankungen gehören zum Alltag dazu. Doch wenn sie gar nicht mehr aufhören wollen oder unser Leben stark beeinträchtigen, könnte mehr dahinterstecken.

Gerade noch bestens gelaunt, im nächsten Moment zu Tode betrübt: Viele Frauen kennen die Gefühlsachterbahn nur zu gut. Was dahinterstecken kann und wie sich selbst helfen können.

„Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt“, das kommt auch bei sonst ausgeglichenen Frauen immer mal wieder vor. Leicht ausgeprägte Stimmungsschwankungen gehören einfach zum Alltag dazu. Doch wenn das Gefühlschaos sich gar nicht mehr auflöst, können die Launen zum ernsten Problem werden, einmal für uns selbst, aber auch für die Familie, Freunde und Kollegen um uns herum. Welche Ursachen hinter Stimmungsschwankungen stecken können und was hilft, wenn die Gefühle länger anhaltend wie im Fahrstuhl auf und ab fahren, lesen Sie hier. #GesundOhneTabus

#GesundOhneTabus: Sprechen wir über Stimmungsschwankungen

Wenn die Laune wie Ebbe und Flut von einem Extrem zum anderen umspringt, müssen wir damit erst einmal klarkommen. Einige von uns scheuen sich, Stimmungsschwankungen offen anzusprechen. Vielleicht, um nicht als „zickig“ abgestempelt zu werden oder um nicht als Spielball der eigenen Gefühle zu wirken. Denn die moderne Frauen will gerne alles unter Kontrolle behalten und steuern. Nur so ist der enge Terminkalender zu bewältigen. Doch Gefühle, die verrücktspielen, können für uns zu einer extremen Belastung werden. Besser ist, wir reden über unsere Stimmungsschwankungen. Nur dann können unsere Mitmenschen uns auch Verständnis entgegenbringen. Und wenn wir mit einem Arzt offen sprechen, kann der entweder etwaige Erkrankungen ausschließen, die hinter dem Auf und Ab der Stimmung stecken können – oder aber bei entsprechender Diagnose, auch die nötige Hilfe oder Therapie anbieten und uns helfen. Also: Schluss mit den Tabus und lasst uns reden.

Was sind Stimmungsschwankungen?

Bereits aus dem Namen lässt es sich ablesen: Stimmungsschwankungen zeichnen sich durch einen, meist plötzlichen und auffälligen, Wechsel der Stimmung aus. Oft schwankt die Laune dabei ohne eine auf den ersten Blick erkennbare Ursache. Eben noch war das Gefühl ausgelassen und fröhlich, plötzlich schlägt es um auf mies gelaunt bis hin zur depressiven Verstimmung. Je nach Persönlichkeit und Lebensumstand kann der Stimmungswechsel mehr oder weniger stark ausfallen. Ein Auf und Ab der Stimmung über den Tag hinweg gehört schlichtweg zum Alltag dazu. Die wenigsten von uns haben eine stets konstante Laune oder Stimmung. Wenn extreme Stimmungsschwankungen uns stark belasten oder sehr häufig und auch ohne Grund auftreten, sollten wir diese genauer untersuchen lassen. Denn es können auch psychische oder physische Erkrankungen dahinterstecken.

Hormone als Ursache für Stimmungsschwankungen

Stimmungsschwankungen können ganz vielfältige Ursachen haben. Bei uns Frauen steht häufig der Hormonhaushalt im Zusammenhang mit unerklärlichen Launen. Die zahlreichen hormonellen Übergänge, die wir in der fruchtbaren Lebensphase durchleben, werden von einer erhöhten Anfälligkeit für Gemütsschwankungen begleitet. Diese sogenannte Affektlabilität erleben wir in der Pubertät, eventuellen Schwangerschaften und Wochenbettzeiten sowie beim Wechsel zur Menopause als Endpunkt des „reproduktiven Alters“. Die hormonellen Übergangsphasen gehen mit deutlichen Östrogenveränderungen einher, zum Beispiel fällt der Östrogenspiegel nach einer Geburt um das 100- bis 1.000-Fache. Viele Frauen erleben dann kurzzeitige, depressive Symptome im Rahmen des bekannten Phänomens „Babyblues“. Forscher des Max-Planck-Instituts fanden in Kooperation mit kanadischen Kollegen parallel zum Abfall des Östrogenspiegels einen Anstieg eines Enzyms (Monoaminoxidase-A), das in erster Linie das „Glückshormon“ Serotonin abbaut. Dieser Umstand nach der Geburt scheint maßgeblich an der Entstehung einer Wochenbettdepression beteiligt zu sein.

Periode
Viele Frauen haben in aller Regelmäßigkeit einmal im Monat mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen, und zwar dann, wenn ihre Periode wieder ansteht. Laut der Techniker Krankenkasse leiden circa 20 bis 40 Prozent aller Frauen unter dem Prämenstruellen Syndrom (PMS). Bei etwa fünf Prozent der Frauen führen die prämenstruellen Beschwerden zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen von privatem und beruflichem Alltag. Eine Extremform des PMS mit dominierender schwerer psychischer Symptomatik ist die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS).

Zu den Beschwerden zählen neben Stimmungsschwankungen und den körperlichen Beschwerden zum Beispiel auch Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, innere Unruhe. Die Ursachen für PMS oder PMDS sind wissenschaftlich noch nicht final geklärt. Möglicherweise spielt unser Gehirn dabei eine Rolle. Forscher vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig stellten in einer Studie fest, dass sich die Struktur des weiblichen Gehirns im Laufe des Zyklus' verändert. Im Speziellen die Größe des Hippocampus. Dieser Teil des Hirns spielt eine zentrale Rolle für unser Gedächtnis, unsere Stimmung und Emotionen. Menschen mit Depressionen zeigen beispielsweise ein reduziertes Volumen der Hippocampusformation. Wenn sich das Volumen also während der Menses verändert, könnte das depressive Gefühle zur Folge haben.

Wechseljahre
Östrogene wirken stimmungsaufhellend und aktivieren das zentrale Nervensystem. Verringert sich ihr Pegel in den Wechseljahren, gerät bei manchen Frauen das seelische Gleichgewicht ganz schön ins Wanken, was sich in einer ausgeprägten Gemütslabilität mit Stimmungsschwankungen zeigen kann. Zudem vollziehen sich häufig auch private und berufliche Umbrüche gerade während der Wechseljahre. Die Auswirkungen sind dann von den Beschwerden durch hormonelle Veränderungen schwer zu trennen.

Weitere Ursachen für Stimmungsschwankungen

Neben den Hormonen können auch andere Auslöser verantwortlich für Gemütsschwankungen sein. Laut einer Studie gibt das Auf und Ab der Laune möglicherweise auch Hinweise auf erhöhte Entzündungswerte im Blut. Auch sollte bei starken Stimmungsschwankungen immer auch die Schilddrüse als Ursache in Betracht gezogen werden. Denn sowohl die Unterfunktion (Hypothyreose) als auch die Überfunktion (Hyperthyreose) sind mit psychischen Symptomen gekoppelt.

Bei extremen, langanhaltenden Stimmungsschwankungen, kann auch eine bipolarer Störung vorliegen. Je nach Folgenschwere spricht man auch von manisch-depressiver Erkrankung. Bei einem solchen Verdacht ist dringend geraten, einen Facharzt aufzusuchen.

Auch Probleme im Magen-Darm-Trakt und der Darmflora, die von Verstopfung, unangenehmen Blähungen und Völlegefühl begleitet werden, können auf die Stimmung schlagen. In Redensarten wird deutlich, dass die Menschen die enge Verbindung zwischen Kopf und Bauch schon immer ahnten: Schlechte Nachrichten schlagen auf den Magen, bereiten Bauchschmerzen und wollen erst einmal verdaut werden. Und Verliebtheit sorgt für Schmetterlinge im Bauch. Kopf und Bauch verständigen sich demnach, was Studien zufolge mit der Darmflora, also den dort ansässigen Bakterien, in Zusammenhang steht. Die Bakterien tauschen sich über Signalstoffe miteinander und dem menschlichen Wirt aus. Die Kommunikation läuft über die vielen Tausend Nervenzellen in der Darmwand, die die Informationen über den Vagusnerv ins Gehirn weiterleiten.

Stimmungsschwankungen können auch ein Hinweis auf einen Tumor sowie Demenzerkrankungen sein oder aber auch mit Suchterkrankungen und generell Drogenkonsum in Zusammenhang stehen.

Was hilft gegen Stimmungsschwankungen?

Ein Auf und Ab der Stimmung ist häufig phasenbedingt und auf vermehrten Stress oder emotionale Belastung zurückzuführen. Halten die Stimmungsschwankungen jedoch länger an oder treten diese ganz plötzlich und unerklärlich auf und wirken sich diese zudem stark belastend auf das Arbeitsleben oder das private Umfeld aus, ist die Abklärung durch einen Arzt absolut angeraten. Ihr Arzt versucht mögliche Ursachen durch ein genaues Anamnesegespräch in Erfahrung zu bringen. Die Ursachenforschung können Sie bestens unterstützen, indem Sie sich notieren, wann und wie oft die Stimmungsschwankungen auftreten, wie stark sie sind und ob es unter Umständen bestimmte Auslöser gibt. Physische Erkrankungen können durch organische und hormonelle Untersuchungen aufgedeckt oder ausgeschlossen werden. Im Falle einer solchen Erkrankung, verschwinden in der Regel mit der entsprechenden, medikamentösen Behandlung auch die Stimmungsschwankungen. Liegen psychische Ursachen vor, kann der Arzt an einen Psychotherapeuten verweisen.

So können Sie selbst Stimmungsschwankungen entgegenwirken

Entspannung
Da Stimmungsschwankungen häufig in besonders stressigen Zeiten – beruflich oder privat – auftreten, ist es hilfreich, für viel Entspannung zu sorgen. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei ausreichender und regelmäßiger Schlaf. Auch ausgedehnte Spaziergänge sowie ein heißes Bad helfen zu entspannen. Einen weiteren großen Beitrag zu verbesserter Ausgeglichenheit und mehr Gelassenheit können Entspannungstechniken wie Meditation und autogenes Training leisten. Ein weiterer interessanter Ansatz ist das sogenannte Phänomen ASMR. Hier reagiert der Körper mit Entspannung auf bestimmte auditive Reize, also Geräusche oder auf visuelle Trigger, wie ruhige Bewegungen.
Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, sich selbst genügend Raum für Achtsamkeit und Selbstfürsorge zu geben, damit uns der Druck von außen durch Arbeit oder privates Umfeld sowie der Stress, den wir uns häufig selbst machen, nicht über den Kopf wachsen.

Bewegung
Mit Bewegung und Sport kommen Sie aktiv aus dem Stimmungstief, denn dabei werden Endorphine ausgeschüttet. Diese Glücksbotenstoffe erzeugen entsprechend positive Gefühle in uns. Die Bewegung und die angenehme Müdigkeit nach dem Sport wecken das Körperbewusstsein und sorgen für die so wichtige Entspannung. Als besonders geeignet hat sich eine moderate Ausdauer-Belastung gezeigt in Form von leichtem Lauf- oder Walking-Training von 30-45 Minuten, 2 bis 3 Mal in der Woche durchgeführt. Auch Yoga kann Stimmungsschwankungen und Angststörungen positiv beeinflussen.

Gut zu wissen: Sport in den Wechseljahren – so hilft Bewegung gegen Beschwerden!

Ernährung

Die Ernährung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für unsere Stimmung und psychische Gesundheit. Es gibt jede Menge Lebensmittel, die glücklich machen. Offensichtlich haben sie positiven Einfluss auf die Produktion der Glückshormone Serotonin und Dopamin. Was außerdem noch helfen kann:

#GesundOhneTabus

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Ist in Ihrem Umfeld jemand von Depression betroffen und Sie wissen nicht, wie Sie am besten reagieren sollen? Hier gibt es die wichtigsten Verhaltens-Tipps, wie man richtig mit depressiven Menschen umgeht.

Wenn Sie depressiv sind, das Gefühl haben, in einer ausweglosen Lage zu sein oder Suizid-Gedanken haben, zögern Sie nicht, umgehend Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Hilfsangebote der Telefonseelsorge sind jederzeit erreichbar, per Mail, Chat oder Telefon unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222. Dort erhalten Sie Unterstützung von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können. Und auch die Deutsche Depressionshilfe kann unterstützen und weiterhelfen.