25.10.2019

Eine Stunde vor oder zurück? Winterzeit: Wie wird nochmal die Uhr umgestellt?

In der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 2019 ist es soweit: Die Uhr wird wieder auf Winterzeit umgestellt.

Foto: iStock/nito100

In der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 2019 ist es soweit: Die Uhr wird wieder auf Winterzeit umgestellt.

Zweimal im Jahr müssen wir an der Uhr drehen – und zweimal im Jahr stellt sich die Frage: wie herum eigentlich? Eine Stunde vor? Eine zurück? Und wie kommt der Körper dann am besten mit dem Mini-Jetlag klar?

"Wer hat an der Uhr gedreht?" Am Wochenende lautet die Antwort darauf entgegen des eigentlichen Textes: "Ist es wirklich noch so früh?". Denn in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober wird die Uhr auf Winterzeit umgestellt – und damit eine Stunde zurück. Aber: Warum machen wir das eigentlich? Was macht das mit unserem Körper? Und wird es vielleicht die letzte Umstellung auf Winterzeit sein?

Uhr auf Winterzeit umstellen: eine Stunde zurück!

Hilfreich ist ja die Eselsbrücke mit den Gartenmöbeln:

  • "Im Frühjahr stellen wir die Gartenmöbel vor die Tür, im Herbst stellen wir sie zurück in den Schuppen!"
  • Analog dazu stellen wir die Uhr im Frühjahr eine Stunde vor auf Sommerzeit und im Herbst eine Stunde zurück auf Winterzeit.

Ende Oktober ist es nun wieder soweit, die Uhr wird eine Stunde zurückgestellt, und zwar von 3 Uhr auf 2 Uhr nachts. Das Schöne: Wir können eine Stunde länger schlafen.

Dann beginnt sie wieder, die Winterzeit, die auch eigentlich die Normalzeit ist.

Woher der Brauch mit der Zeitumstellung kommt

Die Sommerzeit gibt es einheitlich in der EU eigentlich noch gar nicht so lange. Erst seit 1996 wird die Uhr jedes Jahr am letzten Sonntag im März eine Stunde vorgestellt – und am letzten Sonntag im Oktober eben wieder eine Stunde auf Normalzeit zurückgestellt. In Deutschland gilt die Zeitumstellung allerdings seit 1980.

Ursprünglich kommt diese Idee aber aus den USA, wo Benjamin Franklin eine solche Zeitumstellung erstmals 1784 in einem Brief erwähnte. Humorvoll hatte er dort den hohen Verbrauch an Kerzen kritisiert und vorgeschlagen, die Menschen doch lieber bei Sonnenaufgang zu wecken.

Im Deutschen Reich gab es 1916 dann ähnliche Überlegungen. Seit 1893 galt die einheitliche mitteleuropäische Zeit. Davor hatte jeder Ort eine andere Zeit, je nach Stand der Sonne. In der Zeit des ersten Weltkrieges aber wurde dann eine Sommerzeit eingeführt, um Kohle zu sparen. 1919 wurde die Regelung aber wieder verworfen. Einen zweiten Versuch, gleich mit zwei Stunden Unterschied, gab es im Jahr 1940 – aber lediglich für sieben Wochen.

Nach der Ölkrise im Jahr 1973 dann führten verschiedene europäische Länder eine Zeitumstellung ein. In Deutschland zögerte man zunächst, ab 1980 einigte man sich. Seit 1996 gilt eine einheitliche Sommerzeit in allen EU-Mitgliedsstaaten, immer vom letzten März-Sonntag 2 Uhr MEZ bis zum letzten Oktober-Sonntag 3 Uhr MEZ.

Gesundheitliche Nachteile? Also warum das Ganze?

Tage nach dem Wechsel der Uhrzeit klagen viele Menschen über anhaltende Müdigkeit und andere körperliche sowie psychische Probleme. Warum also überhaupt die Zeit umstellen?

Die Gründe für die Zeitumstellung hängen vor allem damit zusammen, die Natur und unseren gesellschaftlichen Tagesrhythmus in möglichst großen Einklang zu bringen. Wir Menschen sollten durch die Zeitumstellung das Tageslicht länger nutzen können, gleichzeitig sollte sich der Stromverbrauch ändern.

Jedoch sind die Einsparungen nur marginal, hieß es auch seitens der Bundesregierung bereits im Jahr 2005: "Zwar knipsen die Bürger im Sommer abends weniger häufig das Licht an, allerdings heizen sie im Frühjahr und im Herbst in den Morgenstunden auch mehr – das hebt sich gegenseitig auf."

Einer amerikanischen Studie zufolge würden die Menschen in der Sommerzeit jedoch mehr Zeit im Freien verbringen.

Unter diesen Beschwerden leiden die Deutschen am häufigsten aufgrund der Umstellung

Umfragen zufolge hat jeder Dritte mit körperlichen und seelischen Problemen während der Zeitumstellung zu kämpfen, vornehmlich Frauen. Genannt wurden vorrangig:

  • Müdigkeit, schwieriges Einschlafen
  • mangelnde Konzentration
  • depressive Verstimmungen

Grund dafür ist die Störung der inneren Uhr, der biologischen Uhr. Unser Biorhythmus muss sich erst einmal wieder an die geänderten Zeiten gewöhnen – auch wenn es sich lediglich um eine Stunde handelt. Dafür braucht der Körper zwei bis drei Tage.

Was hilft? Vor allem Zeit an der frischen Luft und Ruhe.

Ein Trick ist auch, an den Tagen vor einer Zeitumstellung immer eine Viertelstunde eher ins Bett zu gehen als sonst. Helfen kann auch ein ausgedehnter Spaziergang am späten Nachmittag – bevor die Sonne untergeht. Auch beruhigende Tees zum Einschlafen vor dem Zubettgehen und warme Vollbäder helfen, den Körper zu entspannen, ebenso wie Entspannungsübungen, beispielsweise die progressive Muskelentspannung.

Zurzeit wird europaweit darüber debattiert, ob die Zeitumstellung wieder abgeschafft wird. Dann müsste man sich allerdings auf eine Zeit einigen: Sommer- oder Winterzeit. Jede davon hat ihre Vor- und Nachteile. So wäre es bei ständiger Winterzeit im Sommer in unseren Breitengraden noch früher hell. Bei anhaltender Sommerzeit jedoch im Winter noch länger morgens dunkel. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin sieht die ewige Sommerzeit etwa als gesundheitliche Gefahr. Die Menschheit würde dabei etwa für Depressionen noch anfälliger.

Probleme im Alltag: Dank Funkuhren und Mobiltelefonen nicht mehr so ausgeprägt

In den ersten Jahren der Zeitumstellung war es immer ein Graus – hatte man die Uhr nun richtig umgestellt? Wann war nochmal der Termin? Plötzlich fand man sich kuriosen Fragen gegenüber und zweifelte nicht selten an sich selbst. Taktgeber bei uns sind übrigens die äußerst genauen Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Die übertragen die aktuelle Zeit haargenau an alle Funkuhren, die sich daraufhin automatisch umstellen. Ebenso verhält es sich mit unseren internetfähigen Mobiltelefonen und ans Internet angeschlossenen Computern. Die allgemeine Verwirrung ist seitdem nicht mehr ganz so ausgeprägt. Nur Ihre Armbanduhr oder die analoge Wanduhr dürfen Sie nicht vergessen: eine Stunde zurück!

Einzig im Bahnverkehr müssen sich Fahrgäste bei der Umstellung auf die Sommerzeit nachts ein wenig gedulden, es kann zu Verspätungen kommen.

Am 29. März 2020 wird die Winterzeit dann auf die Sommerzeit umgestellt – vielleicht aber auch schon zum letzten Mal. Allerdings müssen sich da erstmal alle EU-Mitgliedsstaaten einig werden. Und davon scheinen sie zurzeit noch weit entfernt.

Bis es soweit ist, haben wir noch ein paar Tricks gegen den Mini-Jetlag bei der Zeitumstellung für Sie parat.