26.03.2020 - 14:27

Eine Stunde vor oder zurück? Sommerzeit: Wie wird nochmal die Uhr umgestellt?

In der Nacht vom 28. auf den 29. März ist es wieder soweit: Die Uhrzeit wird auf Sommerzeit eingestellt.

Foto: iStock/Wavetop

In der Nacht vom 28. auf den 29. März ist es wieder soweit: Die Uhrzeit wird auf Sommerzeit eingestellt.

Zweimal im Jahr müssen wir an der Uhr drehen – und zweimal im Jahr stellt sich die Frage: Wie herum eigentlich? Eine Stunde vor? Eine zurück? Und wie kommt der Körper dann am besten mit dem Mini-Jetlag klar?

"Wer hat an der Uhr gedreht?" Am Wochenende lautet die Antwort darauf, wie es auch im Liedtext steht: "Ist es wirklich schon so spät?". Denn in der Nacht vom 28. auf den 29. März wird die Uhr auf Sommerzeit umgestellt – und damit eine Stunde vor. Aber: Warum machen wir das eigentlich? Was macht das mit unserem Körper? Und wird es vielleicht die letzte Umstellung auf die Sommerzeit sein?

Uhr auf Sommerzeit umstellen: eine Stunde vor!

Hilfreich ist ja die Eselsbrücke mit den Gartenmöbeln:

  • "Im Frühjahr stellen wir die Gartenmöbel vor die Tür, im Herbst stellen wir sie zurück in den Schuppen!"
  • Analog dazu stellen wir die Uhr im Frühjahr eine Stunde vor auf Sommerzeit und im Herbst eine Stunde zurück auf Winterzeit.

Ende März ist es nun also wieder soweit, die Uhr wird eine Stunde vorgestellt, und zwar von 2 Uhr auf 3 Uhr nachts. Das Traurige daran: Wir müssen auf eine Stunde Schlaf oder Tagesgeschehen verzichten. Dafür ist es draußen aber auch wieder länger hell.

Dann beginnt sie wieder, die Sommerzeit, die aber eigentlich nicht die Normalzeit ist. Dieser Titel gebührt eigentlich der Winterzeit.

Woher der Brauch mit der Zeitumstellung kommt

Die Sommerzeit gibt es einheitlich in der EU eigentlich noch gar nicht so lange. Erst seit 1996 wird die Uhr jedes Jahr am letzten Sonntag im März eine Stunde vorgestellt – und am letzten Sonntag im Oktober eben wieder eine Stunde auf Normalzeit zurückgestellt. In Deutschland gilt die Zeitumstellung allerdings seit 1980.

Ursprünglich kommt diese Idee aber aus den USA, wo Benjamin Franklin eine solche Zeitumstellung erstmals 1784 in einem Brief erwähnte. Humorvoll hatte er dort den hohen Verbrauch an Kerzen kritisiert und vorgeschlagen, die Menschen doch lieber bei Sonnenaufgang zu wecken.

Im Deutschen Reich gab es 1916 dann ähnliche Überlegungen. Seit 1893 galt die einheitliche mitteleuropäische Zeit. Davor hatte jeder Ort eine andere Zeit, je nach Stand der Sonne. In der Zeit des Ersten Weltkrieges aber wurde dann eine Sommerzeit eingeführt, um Kohle zu sparen. 1919 wurde die Regelung aber wieder verworfen. Einen zweiten Versuch, gleich mit zwei Stunden Unterschied, gab es im Jahr 1940 – aber lediglich für sieben Wochen.

Nach der Ölkrise im Jahr 1973 dann führten verschiedene europäische Länder eine Zeitumstellung ein. In Deutschland zögerte man zunächst, ab 1980 einigte man sich. Seit 1996 gilt eine einheitliche Sommerzeit in allen EU-Mitgliedsstaaten, immer vom letzten März-Sonntag 2 Uhr MEZ bis zum letzten Oktober-Sonntag 3 Uhr MEZ.

Gesundheitliche Nachteile? Also warum das Ganze?

Tage nach dem Wechsel der Uhrzeit klagen viele Menschen über anhaltende Müdigkeit und andere körperliche sowie psychische Probleme. Warum also überhaupt die Zeit umstellen?

Die Gründe für die Zeitumstellung hängen vor allem damit zusammen, die Natur und unseren gesellschaftlichen Tagesrhythmus in möglichst großen Einklang zu bringen. Wir Menschen sollten durch die Zeitumstellung das Tageslicht länger nutzen können, gleichzeitig sollte sich der Stromverbrauch ändern.

Jedoch sind die Einsparungen nur marginal, hieß es auch seitens der Bundesregierung bereits im Jahr 2005: "Zwar knipsen die Bürger im Sommer abends weniger häufig das Licht an, allerdings heizen sie im Frühjahr und im Herbst in den Morgenstunden auch mehr – das hebt sich gegenseitig auf."

Einer amerikanischen Studie zufolge würden die Menschen in der Sommerzeit jedoch mehr Zeit im Freien verbringen. Jedenfalls normalerweise. In diesem Jahr gestaltet sich das aufgrund der weltweiten Coronavirus-Pandemie wohl etwas schwieriger.

Unter diesen Beschwerden leiden die Deutschen am häufigsten aufgrund der Umstellung

Umfragen zufolge hat jeder Dritte mit körperlichen und seelischen Problemen während der Zeitumstellung zu kämpfen, vornehmlich Frauen. Genannt wurden vorrangig:

  • Müdigkeit, schwieriges Einschlafen
  • mangelnde Konzentration
  • depressive Verstimmungen

Grund dafür ist die Störung der inneren Uhr, der biologischen Uhr. Unser Biorhythmus muss sich erst einmal wieder an die geänderten Zeiten gewöhnen – auch wenn es sich lediglich um eine Stunde handelt. Dafür braucht der Körper zwei bis drei Tage.

Was hilft? Vor allem Zeit an der frischen Luft und Ruhe. Mit der frischen Luft ist das zurzeit aber leider gar nicht so einfach. Denn das grassierende Coronavirus Sars-CoV-2 zwingt uns dazu, möglichst selten vor die Tür zu gehen. Zwar sind laut Verhaltensregeln zur Eindämmung der Pandemie bisher keine kompletten Ausgangssperren verhängt, wir dürfen beispielsweise noch zum Joggen nach draußen. Helfen kann eigentlich auch ein ausgedehnter Spaziergang am späten Nachmittag – bevor die Sonne untergeht. Doch die Zeit außerhalb der eigenen vier Wände bzw. des eigenen Grundstücks ist begrenzt. Gut für alle, die auf einen Balkon oder gar einen eigenen Garten zurückgreifen können. Doch es gibt glücklicherweise noch ein paar andere Tipps:

Ein Trick ist auch, an den Tagen vor einer Zeitumstellung immer eine Viertelstunde eher ins Bett zu gehen als sonst. Auch beruhigende Tees zum Einschlafen vor dem Zubettgehen und warme Vollbäder helfen, den Körper zu entspannen, ebenso wie Entspannungsübungen, beispielsweise die progressive Muskelentspannung.

Fit & gesund durch die Coronakrise
Fit & gesund durch die Coronakrise

Noch immer wird übrigens europaweit darüber debattiert, ob die Zeitumstellung wieder abgeschafft wird. Dann müsste man sich allerdings auf eine Zeit einigen: Sommer- oder Winterzeit. Jede davon hat ihre Vor- und Nachteile. So wäre es bei ständiger Winterzeit im Sommer in unseren Breitengraden noch früher hell. Bei anhaltender Sommerzeit jedoch im Winter noch länger morgens dunkel. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin sieht die ewige Sommerzeit etwa als gesundheitliche Gefahr. Die Menschheit würde dabei etwa für Depressionen noch anfälliger.

Probleme im Alltag: Dank Funkuhren und Mobiltelefonen nicht mehr so ausgeprägt

In den ersten Jahren der Zeitumstellung war es immer ein Graus – hatte man die Uhr nun richtig umgestellt? Wann war nochmal der Termin? Plötzlich fand man sich kuriosen Fragen gegenüber und zweifelte nicht selten an sich selbst. Taktgeber bei uns sind übrigens die äußerst genauen Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Die übertragen die aktuelle Zeit haargenau an alle Funkuhren, die sich daraufhin automatisch umstellen. Ebenso verhält es sich mit unseren internetfähigen Mobiltelefonen und ans Internet angeschlossenen Computern. Die allgemeine Verwirrung ist seitdem nicht mehr ganz so ausgeprägt. Nur Ihre Armbanduhr oder die analoge Wanduhr dürfen Sie nicht vergessen: eine Stunde vor!

Einzig im Bahnverkehr müssen sich Fahrgäste bei der Umstellung auf die Sommerzeit nachts ein wenig gedulden, es kann zu Verspätungen kommen.

Am 25. Oktober 2020 wird die Sommerzeit dann wieder auf die Winterzeit umgestellt – vielleicht aber auch schon zum letzten Mal. Zuletzt sprach sich auch das Europaparlament in Starßburg mit großer Mehrheit dafür aus, die Zeitumstellung im Jahr 2021 zum letzten Mal durchzuführen. Ob nun danach Sommer- oder Winterzeit gelten soll, sollen, so wollen es die Abgeordneten, die Mitgliedsstaaten treffen. Doch um einen Flickenteppich aus verschiedenen Zeitmodellen zu verhindern, müssen die sich erst einmal einigen. Bis April 2020 sollen die Länder ihren Wunsch äußern. Wir werden sehen, ob diese Debatte in Zeiten der Corona-Krise nicht doch weiter nach hinten rücken muss.

Bis es soweit ist, haben wir noch ein paar Tricks gegen den Mini-Jetlag bei der Zeitumstellung für Sie parat.

Darum ergibt die Zeitumstellung keinen Sinn

Darum ergibt die Zeitumstellung keinen Sinn

Beschreibung anzeigen