18.10.2019

Angst, aufzufliegen Das steckt hinter dem Hochstapler-Syndrom

Erfolge werden von Betroffenen des Hochstapler-Syndroms nicht auf das eigene Können, sondern externe Ursachen geschoben.

Foto: izusek

Erfolge werden von Betroffenen des Hochstapler-Syndroms nicht auf das eigene Können, sondern externe Ursachen geschoben.

Erfolgreich zu sein bedeutet nicht, dass man den Erfolg auch sich selbst zuschreibt. Wir erklären, was hinter dem Hochstapler-Syndrom steckt.

Jeder versucht, sein Bestes zu geben: Ob im ganz normalen Alltag, im Beruf oder im Privatleben. Und oft gelingt dies auch – doch die Leistung wird in der eigenen Wahrnehmung manchmal ganz anders gesehen. Und das kann schnell gefährlich werden.

Popstar Ellie Goulding hat genau damit Probleme, wie sie vor Kurzem bekanntgab. Sie ist als Sängerin mega erfolgreich, kann das, was sie erreicht hat, aber nicht anerkennen als ihre eigene Leistung. Die Rede ist in diesem Zusammenhang vom sogenannten Hochstapler-Syndrom. Wir erklären, was es genau damit auf sich hat.

Hochstapler-Syndrom: Das steckt dahinter

Hochstapler-Syndrom – das bedeutet in erster Linie, dass Betroffene von sich selbst denken, sie seien ein Hochstapler bezogen auf ihre eigene Leistung und das eigene Schaffen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine psychische Störung im klassischen Sinne, sondern lediglich um ein feststellbares Syndrom. Ellie Goulding hat ihr Leiden auf Instagram öffentlich gemacht.

Vor allem Frauen sollen oft darunter leiden. Sie sind erfolgreich, wie in diesem Fall auch Ellie Goulding, glauben aber, dass sie nicht intelligent oder kompetent genug seien und ihre eigene Leistung von anderen Personen überschätzt werde. Im Büroalltag wäre es zum Beispiel so, dass man eine hochqualifizierte Position bekleidet und Erfolge erzielt. Doch man selbst ist der Auffassung, man spiele dem Chef nur etwas vor, sodass er glaubt, man sei sehr leistungsfähig. Personen mit Hochstapler-Syndrom sind also der Meinung, sie täuschen andere und haben Angst davor, aufzufliegen.

Erfolg und Misserfolg unterschiedlich interpretierbar

Erklären kann man das Syndrom durch die Ursachenzuschreibung von Dingen oder Ereignissen, die passieren – im Fachjargon Kausalattribution genannt. Personen, die erfolgsmotiviert sind, schreiben Erfolge vor allem sogenannten internalen Faktoren zu, zum Beispiel die eigene Fähigkeit und Tüchtigkeit oder aber Anstrengung. Misserfolge hingegen werden eher externalen Faktoren zugewiesen, also zum Beispiel der Aufgabenschwierigkeit, an der man gescheitert sein könnte, oder aber Pech. Das ist gut für das Selbstkonzept und den Selbstwert, weil er durch diese Ursachenzuschreibung gestärkt oder geschützt wird.

Misserfolgsmotivierte hingegen schreiben die Ursachen für Erfolg und Misserfolg genau den umgekehrten Faktoren zu. Erfolg wird external attribuiert, also auf Glück oder die Aufgabenschwierigkeit, sodass man gute Leistungen zum Beispiel erklärt mit: "Es ist nur gelungen, weil die Aufgabe so leicht war" oder "Das habe nicht ich geschafft, das war nur Glück". Misserfolge bezieht man dafür auf sich selber, also auf seine (vermeintlich) nicht vorhandene Fähigkeit. Das bildet die Basis für das Hochstapler-Syndrom – denn das Selbstkonzept wird dadurch angegriffen und droht damit, fragil zu werden.

Psychotherapie und Coaching können helfen

Wichtig für Betroffene ist deshalb, diese Denkmuster zu erkennen und auch klar zu benennen. Dann kann es bereits helfen, selbst Maßnahmen zu ergreifen und versuchen, sein Denken – plakativ ausgedrückt – selbst zu ändern. Also: Erfolge sich selbst zuzuschreiben, Misserfolge dagegen lieber auf andere Faktoren abzuwälzen. Coaching kann auch hier Abhilfe schaffen.

Oft jedoch kann das Hochstapler-Syndrom auch zu starken Minderwertigkeitsgefühlen oder Versagensängsten führen, welche dann in ein Burnout oder eine Depression münden können.

Hier klären wir, ob das Gehirn bei Depression entzündet ist. Und hier lesen Sie, woran Sie ein Burnout im Privatleben erkennen.

Je nach Störungsbild hilft dann eine Psychotherapie, zum Beispiel eine Verhaltenstherapie, wo an den Denkmustern gearbeitet wird. Hier klären wir auf, was eine Psychotherapie kostet und wer dafür zahlt.

Weitere Informationen zu psychischen Störungen finden Sie auf unserer Themenseite Depression.

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