20.09.2019

Das können Sie tun Wenn das Lächeln nicht mehr strahlt: Zähne remineralisieren

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Ein Lächeln öffnet alle Herzen. Damit es auch so strahlend bleibt, sollten Sie Ihre Zähne remineralisieren.

Foto: iStock/mihailomilovanovic

Ein Lächeln öffnet alle Herzen. Damit es auch so strahlend bleibt, sollten Sie Ihre Zähne remineralisieren.

Ob Sie sich über strahlend weiße Zähnen freuen können, hängt auch von der Mineralstoffversorgung von Zähnen und Zahnschmelz ab. So sorgen Sie vor.

Ein offenes Lächeln mit strahlend weißen Zähnen kann verzücken – und kaum einem Menschen ist bewusst, wie sehr dieses strahlende Lächeln von einer guten Mineralisierung der Zähne abhängt. Wenn die Mineralstoffversorgung von Zähnen und Zahnschmelz nicht stimmt, droht allerdings noch ganz anderes Unbill, weshalb es in solchen Fällen dringend ratsam ist, die Zähne zu remineralisieren.

Anlass zum Zähne remineralisieren: Zu weicher Zahnschmelz

Zähne sind sogenannte Hartgebilde mit einer kompliziert aufgebauten Struktur, die durch den besonders harten Zahnschmelz nach außen begrenzt und geschützt werden. Dieser Zahnschmelz ist das härteste Gewebe, das im gesamten menschlichen Körper zu finden ist – gesunder, gut mineralisierter Zahnschmelz ist ungefähr drei Mal so hart wie Knochen, druckfester als Stahlbeton, kratzfest wie Strassstein und schmilzt erst bei sagenhaften 1620° C (das ist der Grund, warum im Krimi so oft die Zähne untersucht werden).

Für diese Eigenschaften sorgt das hauptsächliche "Baumaterial": Ein kristallähnlicher Verbundstoff namens Hydroxylapatit, der vor allem aus Phosphat und Calcium besteht und normalerweise 95 Prozent vom Zahnschmelz ausmacht.

Trotz seiner erstaunlichen Härte kann der Zahnschmelz jedoch durch bestimmte Einflüsse geschädigt werden:

  • Zahnschmelz ist säureempfindlich, Flüssigkeiten mit einem pH-Wert unter 5,5 können Calcium und Phosphat herauslösen und den Zahnschmelz so demineralisieren.
  • Einen pH-Wert unter 5,5 haben Fruchtsäuren, deshalb greifen Obst und Fruchtsäfte den Zahnschmelz an.
  • Auch Kariesbakterien produzieren Säuren, die die Kristalle vom Zahnschmelz zerstören.
  • Ein weiterer Feind vom Zahnschmelz ist saurer Magensaft, wenn er durch Erbrechen, Sodbrennen etc. in die Mundhöhle gelangt.
  • Der Zahnschmelz leidet auch, wenn der Körper nicht richtig mit den notwendigen Mineralstoffen versorgt wird.
  • Mängel in der Mineralstoffversorgung drohen z. B. bei längerer unausgewogener Ernährung und wiederholten, einseitigen Diäten.
  • Auch Essstörungen und Störungen der Darmflora durch Fehlernährung, Krankheiten, Medikamente (Antibiotika u. a.) können zu unzureichender Einlagerung von Mineralien führen.

Demineralisierter Zahnschmelz: Unschön bis gefährlich

Die Folgen solcher Demineralisierung sind vielfältig und nicht angenehm, sie können sich bis in gefährliche Bereiche steigern. Zuerst leidet das "strahlend weiße Lächeln", weil der Mineralverlust die geschlossene Schutzschicht der Zahnoberfläche für Verfärbung durch Farbstoffe in Lebensmitteln, Süßigkeiten, Getränken öffnet. Bereits in diesem Stadium ist der Zahnschmelz leichter angreifbar durch Bakterien, die Karies, Parodontitis und weitere Zahnkrankheiten verursachen.

Mit fortschreitender Demineralisierung wird der Zahnschmelz dünner; dann scheint das dunklere Zahnbein durch und verleiht den Zähnen eine gelbliche Färbung (je dünner der Zahnschmelz, desto gelblicher der Zahn). Stärkere Entmineralisierung macht die Zähne dann irgendwann brüchig und spröde, bis sogar das organische Kollagengerüst aufgelöst wird und der Zahn ausfällt oder kaputt geht.

Tipp: Das Weißen der natürlichen Zähne mit mehr oder weniger aggressiven Mitteln hilft gegen äußerliche Anlagerungen von Substanzen aus Kaffee, Tee, Tabak usw. Wenn solche Substanzen aufgrund von Mineralmangel bis in den Zahnschmelz vordringen konnten, hilft Weißen nur bedingt und nicht lange. Falls das "Wundermittel für leuchtend weiße Zähne" nicht den gewünschten Erfolg bringt, sollte deshalb immer geprüft werden, ob es nicht sinnvoller ist, die Zähne zu remineralisieren.

Zähne remineralisieren sich selbst – wenn die Ernährung stimmt

Unsere Zähne haben sich entwickelt, um eine sehr wichtige Aufgabe optimal zu erfüllen: Die Nahrungszerkleinerung, mit der die Verdauung beginnt. Der menschliche Verdauungsapparat ist eine geniale "Verwertungsfabrik": Was auch immer der "Allesfresser Mensch" über die Mundöffnung zuführt, wird zerhackt, zerquetscht und zermahlen, eingeweicht und durch Säuren aufgelöst, fermentiert und chemisch gespalten, transportiert und sortiert, bis auch der letzte Nährstoff körperverfügbar ist und der "Restmüll" entsorgt werden kann.

Schon die Zähne sind kompliziert und aus vielen Schichten aufgebaut, andere Verdauungsorgane wie der Darm funktionieren um ein Vielfaches komplizierter – und die Nahrungsaufnahme ist auch dazu da, diese verdauenden Gewebe und Organe selbst mit den nötigen Nährstoffen zu versorgen. Beim Zerkauen der Nahrung bildet sich Speichel, der die Nahrung bereits hier mit sehr produktiven Enzymen anreichert und außerdem Mineralstoffe enthält, die ständig dafür sorgen, dass sich die Zähne selbst remineralisieren. Diese Mineralstoffe hat der Speichel aus den letzten Mahlzeiten angereichert; aus der Nahrung werden außerdem Nährstoffe gelöst, die die Zähne von innen remineralisieren und ernähren.

Soweit die Theorie; in der Praxis stellt der moderne Mensch die körperliche Bakterienabwehr und den Verdauungstrakt gerne vor fast unlösbare Aufgaben, die mit wenig Aufwand in lösbare umgewandelt werden können:

  • Nahrung im Mund gut zerkleinern: Die Nahrung wird selten gründlich gekaut, aber häufig in größeren Stücken heruntergeschlungen. Besser ist, das Essen schon mit den Zähnen möglichst gut zu zerkleinern, weil dadurch wichtige Verdauungsprozesse in Gang gesetzt werden, die auch die Zähne remineralisieren.
  • Zuckerhaltige Lebensmittel möglichst vermeiden: Lebensmittel mit viel Zucker sind das Lieblingsfutter der Kariesbakterien. Kariesbakterien bilden aus Zucker Stoffe, die ihnen helfen, sich im Mund festzusetzen (Biofilm), bauen den Zucker zu demineralisierenden Säuren ab und können in diesem sauren Milieu auch noch sehr gut überleben. Besonders freuen sich diese Bakterien über klebrige Naschereien zwischendurch und übersüßte Limos, Fruchtsäfte, Colas.
    Es ist eine gute Idee, statt Limo und Co mehr Wasser zu trinken: Wasser ist die Flüssigkeit, die der Körper am besten nutzen kann; ein gesunder Flüssigkeitshaushalt ist für viele Stoffwechselvorgänge wichtig. Mit Fruchtsäften, Zitrusfrüchten, Essig, Ketchup etc. wird die Säure den Bakterien auch noch ganz komfortabel direkt zugeführt. Fast Food, Kuchen, Weißmehl-Backwaren haben wenig Nährstoffe zu bieten, die enthaltenen Kohlenhydrate werden jedoch zu Zucker abgebaut, mit den gerade geschilderten Folgen.
  • Lebensmittel mit hochwertigen Nährwerten bevorzugen: Wenn all diese "Lebensmittel" von zweifelhaftem Wert reduziert werden, ist das für den gesamten Körper gesund. Dabei geht es oft mehr um Aufmerksamkeit und Umgewöhnung als um tatsächlichen Verzicht, wie folgendes Beispiel zeigt: Ein Apfel und ein paar Gummibärchen stillen den Süßhunger erfolgreicher als die Tüte Gummibärchen, der Apfel muss nur griffbereit präsent sein.
  • Auf eine ausgewogene Vitamin- und Mineralstoffversorgung achten: Nach Diäten, Darmkrankheiten etc. sollte der Hausarzt die körperliche Vitamin- und Mineralstoffversorgung per Blutbild überprüfen. Die lebensnotwendigen Vitamine wirken im gesamten Stoffwechsel; u. a. helfen sie bei korrekter Verarbeitung und Einlagerung der Mineralstoffe und damit dabei, die Zähne zu remineralisieren. Wenn die Speicher annähernd leer sind, können sie über mehr Obst, Gemüse in der Nahrung, Vitamin- und Mineralstoffpräparate aufgefüllt werden Das für die Mineralstoffversorgung wichtige Vitamin D lässt sich auch durch kontrollierte Aufenthalte in der Sonne anreichern (15 min Sonne am frühen Nachmittag, jeden oder jeden zweiten Tag).
    Je besser der Körper "bis in die letzte Zahnspitze" mit Nährstoffen versorgt ist, desto weniger braucht er an irgendeiner Stelle eine Remineralisation. Deshalb sind gesündere Ernährung (der Körper würde sagen: normalere Ernährung) und möglichst häufiger Verzicht auf alle gerade genannten "Ernährungs-Katastrophen" auch die nachhaltigsten Schritte zum Zähne remineralisieren.

Mundhygiene hilft sehr beim Zähne remineralisieren

Der nächste Schritt zum Zähne remineralisieren ist disziplinierte Mundhygiene und korrekte Reinigung der Zähne:

  • Wenn Süßes oder Saures zugeführt werden, kann die Bakterien-Wellness-Oase im Mund sehr leicht zerstört werden. Einfach den Mund nach dem Essen/Naschen gründlich mit Wasser ausspülen, einen Kaugummi mit dem kariesfeindlichen Zuckerersatzstoff Xylitol kauen oder Zähne richtig putzen. Der Kaugummi regt auch gleich die Speichelproduktion an, der Speichel bewirkt ständiges Zähne remineralisieren und bekämpft die Kariesbakterien.
  • Abgesehen von diesen Zwischendurch-Reinigungen sollten die Zähne zweimal täglich ausgiebig mit fluoridhaltiger Zahncreme geputzt werden. Fluorid ist ein allgemein anerkanntes Mittel zur Härtung des Zahnschmelzes, weil nachgewiesen ist, dass das Mineral die Remineralisation mit Calcium- und Phosphationen aus dem Speichel beschleunigt. Außerdem wirkt Fluorid antibakteriell und unterstützt auch dadurch die Remineralisierung. Um gut zu wirken, sollte das Zahnpflegeprodukt mindestens 1000 ppm Fluorid enthalten (Millionstel Teile, steht auf der Verpackung).
  • Beim Zähneputzen immer die Zunge mit putzen, auf der sich Massen von Bakterien tummeln. Das kann anfangs etwas unangenehm sein, aber man gewöhnt sich schnell daran.
  • Sehr wichtig für das Zähne remineralisieren ist der tägliche Einsatz von Zahnseide, weil nur so alle "Bakterien-Verstecke" aus dem Mund entfernt werden können. Auch das erscheint anfangs nicht sehr angenehm und kompliziert, lässt sich aber heute mühelos in die Reinigungsroutine einbauen. Denn Zahnseide gibt es in vielen anwendungsfreundlichen Varianten. Die richtige Zahnseide, die regelmäßig für die Reinigung der Zahnzwischenräume benutzt wird, ist auch das wirkungsvollste Mittel gegen Mundgeruch

Tipp: "Ötzi hatte auch keine Zahnseide" – man kann sie förmlich hören, die schlagenden Argumente putzunwilliger Kids oder Teenies. Ist richtig: Ötzi hatte keine Zahnseide, er hat sich vermutlich noch nicht einmal die die Zähne geputzt. Er hatte aber auch starken Karies, einen abgestorbenen Frontzahn und durch gefährlich fortgeschrittene Parodontitis einen derartigen Schwund des Zahnhalteapparats, dass einer der hinteren Backenzähne bereits am Zerbröseln war – und das mit nur 46 Jahren! Das können wir heute besser, nur mit ein wenig Achtsamkeit und regelmäßiger Zahnpflege.

Zähne remineralisieren: Auch der Zahnarzt hilft gerne

Der Zahnarzt kann durch eine professionelle Zahnreinigung die verhärteten Ablagerungen beseitigen, in die sich Bakterien bevorzugt einnisten. Diese gründliche, umfassende Reinigung vermindert die Bakterienlast erheblich und sollte regelmäßig wiederholt werden. Außerdem geht er mit antibakteriellen Gels und durch Desinfizieren und Füllen von Löchern gegen die Zahnfäule Karies vor, was wiederum die Bakterienlast verringert und dem Körper das Zähne remineralisieren erleichtert.

Der Zahnarzt kann auch Auskunft darüber geben, wie der Mineralgehalt der Zähne einzuschätzen ist. Danach bestimmt sich, mit welcher Dringlichkeit und in welchem Umfang die körpereigene Remineralisierung durch externe Maßnahmen unterstützt werden sollte. Wenn die Demineralisierung bereits weit fortgeschritten ist, kann der Zahnarzt den zusätzlichen Einsatz eines fluoridhaltigen Mundwassers bei der täglichen Zahnpflege empfehlen.

Vielleicht versiegelt er die Zahnoberflächen auch sofort mit einem Fluorid-Lack, verordnet die gezielte Einnahme von Fluoridpräparaten oder Bestreichen mit einem Fluoridgel (i. d. R. einmal wöchentlich), die die Remineralisierung noch mehr beschleunigen. Der Erfolg solcher externer Fluorid-Behandlungen muss während der Remineralisierung regelmäßig überprüft werden, weil Fluorid nicht im Übermaß zugeführt werden sollte.

Der Zahnarzt kann weiter Auskunft darüber geben, wie weit die Entwicklungen auf dem Feld der Zahncremes mit Hydroxylapatit gediehen sind. An solchen fluoridfreien Reparaturpasten zum "Aufputzen" von Zahnschmelz wird seit Jahren geforscht. Ob sie wirklich wirksam sind und welche dieser Zahnpasten zu empfehlen sind, ist aber immer noch recht umstritten. Es soll sich aber lohnen, immer wieder nachzufragen, weil in diesem Bereich mehrere interessante Studien kurz vor dem Abschluss stehen.

Fazit

Zähne remineralisieren ist nicht nur eine kosmetische Maßnahme, sondern für die gesamte Gesundheit gut, weil sich eine gute Mineralstoffversorgung auf viele Stoffwechselvorgänge positiv auswirkt. Außerdem lernt man im Zuge dieser Remineralisierung, wie einfach richtige und effektive Zahnpflege ist – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem umfassenden Wohlbefinden.

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Leidiges Thema Zahnschmerzen! Was hilft, was steckt dahinter?

Die Forschung kommt jedes Jahr etwas weiter: Zähne könnten bald nachwachsen.

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