16.08.2019

Erste Hilfe nach dem Stich Bei Insektenallergie: Wie funktioniert eigentlich ein Notfall-Set?

Die Allergie gegen Wespengift ist die häufigste unter den Insektengiftallergien. Ein Notfallset kann Allergikern das Leben retten – es muss aber richtig angewendet werden.

Foto: Shutterstock/Irina Kozorog

Die Allergie gegen Wespengift ist die häufigste unter den Insektengiftallergien. Ein Notfallset kann Allergikern das Leben retten – es muss aber richtig angewendet werden.

Wer an einer Insektenallergie leidet, muss schnell handeln. Zum Glück gibt es Notfallsets. Aber bei steigenden Allergikerzahlen fragen sich viele: Wann brauche ich so etwas eigentlich, wo bekomme ich es her – und wie wende ich es an?

In den Sommermonaten haben sie Hochsaison: fliegende Insekten, die dazu auch noch liebend gern zustechen – entweder, um unser Blut zu saugen oder um sich zu verteidigen. Eines haben sie gemeinsam: Sie injizieren uns ein Gift, auf das so mancher allergisch reagiert. Die Stelle schwillt an, in schlimmen Fällen kann sogar ein sogenannter anaphylaktischer Schock entstehen. Und die Zahlen der Allergiker steigen. Daher ist es gut zu wissen, wie ein Insektenstich-Notfallset eigentlich funktioniert, wann es zum Einsatz kommen sollte.

Insektenstich-Notfallset: Das sollte enthalten sein

Rund 2,8 Millionen Insektengift-Allergiker gibt es allein in Deutschland. Ein Notfallset gegen Insektenstiche kann hier Leben retten – und sollte daher nach ärztlicher Rücksprache immer im Handgepäck dabei sein. Meist enthält ein solches Täschchen drei Medikamente:

  • ein flüssiges Antihistaminikum
  • Kortison zum Schlucken (ein Glukokortikosteroid)
  • und eine Adrenalin-Fertigspritze.

Das Antihistaminikum und Kortison wirken abschwellend und helfen, die Reaktion zu verringern. Das Adrenalin wird in den Oberschenkel gespritzt. "Das Adrenalin verengt bei einem Blutdruckabfall die Gefäße. Blutdruck- und Kreislaufprobleme werden dadurch verhindert", erklärt Prof. Dr. Schreml, Dermatologe an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie des Universitätsklinikums Regensburg.

Auch Angehörige sollten den Anwendungsablauf kennen

Wer an einer Insektengift-Allergie leidet, lernt den Umgang mit einem solchen Set in der Regel kennen, nachdem es ärztlich verordnet wurde. Dennoch kann vor allem der Umgang mit der Adrenalin-Spritze Ängste und Sorgen hervorrufen. Wie also richtig damit umgehen?

Zusätzlich sollten Angehörige sowie Kollegen und Freunde im besten Fall wissen, wie das Set zu nutzen ist, sollte der Allergiker dazu selbst nicht in der Lage sein. "Vom schnellen und korrekten Einsatz der Erste-Hilfe-Medikamente hängt ab, ob die Betroffenen einen Stich unbeschadet überstehen", sagt dazu Prof. Dr. Schreml.

Der Injektor ist heute in den meisten Fällen glücklicherweise so entwickelt, dass auch Laien ihn problemlos anwenden können.

Notfallset gegen Insektengift anwenden – so geht's!

Die Sets können untereinander variieren, daher ist es immer wichtig, sich vor einem Notfall mit der Anwendungsweise auseinanderzusetzen und andere einzuweihen. Jedoch gibt es einen groben Ablauf, der bei den Sets in der Regel gilt:

  1. Adrenalin-Pen (Spritze/Injektor) greifen.
  2. Schutzkappe mit der anderen Hand entfernen.
  3. Nadelende fest auf die Oberschenkel-Außenseite drücken. Der Pen klickt, wenn das Mittel erfolgreich injiziert worden ist.
  4. Injektor für 10 Sekunden fest an dieser Position halten.
  5. Danach Injektionsstelle für weitere 10 Sekunden massieren.
  6. Notruf (112) wählen und allergischen Notfall melden.
  7. Sollte keine Besserung eintreten, noch keine Hilfe eingetroffen sein und ein zweiter Pen vorhanden sein, diesen nach 5 bis 15 Minuten anwenden.

Prof. Dr. Schreml weist darauf hin, dass auch Kinder, die an einer Insektengift-Allergie leiden und ein Notfallset dabeihaben sollten, den richtigen Umgang damit lernen sollten. "Bei kleineren Kindern müssen die Eltern oder Betreuer den korrekten Einsatz des Adrenalin-Pens kennen." Für Kinder gibt es Notfallsets gegen Insektengift in einer besonderen Ausführung mit niedriger dosiertem Adrenalin-Pen.

Welches Insekt löst eigentlich was aus?

Eine Insektengift-Allergie kann durch verschiedene Insektenstiche ausgelöst werden. Die häufigste Form ist die Allergie auf Wespenstiche, die rund zwei Drittel aller Fälle umfasst. Ähnlich läuft die allergische Reaktion gegen Bienenstiche ab, die aber seltener vorkommt, da Bienen friedlicher sind als Wespen und nur unter Gefahr zustechen. Zu unterscheiden sind Bienenstiche von Wespenstichen durch den Stachel, den die Biene verliert und der in der Wunde stecken bleibt.

Aber auch Allergien gegen das Gift von Hummeln sind möglich. Hummeln stechen allerdings extrem selten zu. Ähnlich verhält es sich mit Hornissen. Auch wenn sie gefährlich aussehen, sind sie weitaus friedlicher als Wespen und stechen seltener. Dafür ist der Stich schmerzhafter. Dennoch sollten Allergiker aufpassen, da sich die Gifte sowohl von Wespen, Bienen, Hummeln als auch Hornissen ähneln.

Harmloser sind da die Stiche von Mücken. Eine Allergie kommt zwar recht oft vor, löst aber fast nie lebensbedrohliche Komplikationen aus. Im Allergiefall schwillt die gestochene Stelle stark an, was allerdings im Halsbereich zu Problemen führen kann. In seltenen, schweren Fällen sind aber auch Kreislaufbeschwerden, Erbrechen oder Durchfall möglich.

Schwerwiegender sind Bremsenstiche. Die sind nicht nur äußerst schmerzhaft (Bremsen beißen sozusagen ein Loch in die Haut, um Blut zu saugen). Der Speichel kann bei Nichtallergikern große Quaddeln, starken Juckreiz und Schmerzen hervorrufen. Bei Allergikern gegen Bremsengift können Schockzustände, Atemnot und Schwellungen auftreten, die sofort behandelt werden sollten.

Zu unterscheiden, welches Insekt Sie gestochen hat, kann bei der späteren Behandlung wichtig sein. Wer nicht allergisch ist, kann mit Hausmitteln gegen Insektenstiche vorgehen. Auch bei Wespenstichen kann erste Hilfe mit Hausmitteln den Schmerz verringern. Bei Allergieanzeichen gilt aber: Ab zum Arzt!

Weitere Artikel über Allergien und Intoleranzen lesen Sie auf unserer Themenseite. Mehr erfahren Sie außerdem bei der Initiative Insektengift-Allergie.

Seite