09.08.2019

Herzprobleme oder harmlos? Roemheld-Syndrom: Ist es Herzinfarkt oder nur Blähungen?

Ist es etwa ein Herzinfarkt? Das sogenannte Roemheld-Syndrom kann echte Panik auslösen, denn die Symptome ähneln denen eines Infarkts. Dabei stecken harmlose Blähungen dahinter. Wie Sie hier unterscheiden können.

Foto: iStock/patrickheagney

Ist es etwa ein Herzinfarkt? Das sogenannte Roemheld-Syndrom kann echte Panik auslösen, denn die Symptome ähneln denen eines Infarkts. Dabei stecken harmlose Blähungen dahinter. Wie Sie hier unterscheiden können.

Brust-Enge, Herzrasen, Panik! Nicht nur ein Herzinfarkt verursacht diese Symptome, auch das harmlose Roemheld-Syndrom. Blähungen sind schuld!

Blähungen sind nicht nur im Darm unangenehm, beim Roemheld-Syndrom drücken sie auch aufs Herz und lösen nicht selten Panik vor einem Infarkt aus. Es trifft vor allem Männer, oft mit Übergewicht, die plötzlich ein Engegefühl in der Brust wahrnehmen.

Herzinfarkt? Das kann natürlich sein und sollte auf jeden Fall durch einen Arzt ausgeschlossen werden. Die Ursache kann aber auch viel harmloser sein – zu viel fettes Essen auf einmal. Ja, das verursacht nicht nur Sodbrennen oder Blähungen im Darm (mit bekannten Auswirkungen), sondern rückt manchmal auch dem Herz zu nahe. Dieses relativ unbedenkliche Phänomen wurde vom deutschen Arzt Ludwig von Roemheld Anfang des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal beschrieben und erhielt deshalb den Namen Roemheld-Syndrom.

Ursachen: Das löst das Roemheld-Syndrom aus

Eine kurze Erklärung zu unserer Anatomie: Unter dem Zwerchfell befinden sich auf der linken Körperseite der Magen und Abschnitte des Darms. Hier können sich viele Gase bilden, z. B. durch stark blähendes und fettreiches Essen oder die Reaktion auf eine Nahrungsmittelintoleranz. In der Folge sind Magen und Darm aufgebläht und drücken gegen Zwerchfell und Herz. Dann kommt es zu einer Kettenreaktion – Druck auf der Brust, Beklemmung, Angst vor einem Herzinfarkt!

Die Panik lässt das Herz schneller schlagen, die Atmung wird flacher, der Blutdruck kann absinken. Die Betroffenen fühlen sich elend und glauben noch sicherer, gerade einen Infarkt zu erleiden, auch, weil das Roemheld-Syndrom vergleichsweise unbekannt ist.

Romheld-Syndrom-Symptome müssen abgeklärt werden

Ein Vorteil der Herzinfarkt-Panik ist unbestreitbar, dass die meisten Betroffenen sich sofort an einen Arzt wenden. Das Roemheld-Syndrom und die Symptome eines Herzinfarkts sind für einen Mediziner durch die richtigen Untersuchungen deutlich voneinander zu unterscheiden.

Außer des Engegefühls in der Brust zeigt sich das Roemheld-Syndrom oft noch durch folgendes:

  • Herzrasen und Herzrhythmusstörungen
  • Atemnot / das subjektive Gefühl keine Luft zu bekommen
  • Probleme beim Schlucken
  • Angstzustände mit Schwindel und Hitzewallungen
  • Kreislaufkollaps (selten)

Der Arzt oder evtl. gerufene Rettungssanitäter untersuchen zunächst die grundsätzlichen Vitalfunktionen wie Blutdruck und Herzschlag. Um einen Infarkt oder andere schwere Erkrankungen auszuschließen werden außerdem EKG und Ultraschall, evtl. MRT- oder CT-Aufnahmen vom Herz gemacht. Wenn sich der Infarkt-Verdacht zunächst nicht eindeutig ausschließen lässt, kommt manchmal auch eine Herzkatheter-Untersuchung zum Einsatz, um die Differentialdiagnose Roemheld-Syndrom zu stellen. Natürlich wird auch der Magen-Darmtrakt untersucht, oft kann ein Arzt die Blähungen schon durch bloßes Ertasten auf der Bauchdecke spüren.

Maßnahmen bei Roemheld-Syndrom: Soforthilfe und Behandlung

Da das Roemheld zwar harmlos ist, aber sehr unangenehm sein kann, wollen die Betroffenen möglichst etwas, dass sie sofort von den Beschwerden befreit. An sich könnten sie warten, bis sich die Blähungen von selbst auflösen, wenn der Körper die Nahrung verdaut. Wenn der Darm träge ist, kann er durch natürliche Maßnahmen angeregt werden, z. B. einen Spaziergang, eine sanfte Bauchmassage und verdauungsfördernde Tees, etwa mit Kümmel oder Anis. Wem das nicht schnell genug hilft, der kann auch auf rezeptfreie Mittel gegen Blähungen zurückgreifen, etwa mit den Wirkstoffen Simeticon oder Dimeticon.

Wer häufiger unter dem Roemheld-Syndrom leidet – auch ohne übermäßig gegessen zu haben – sollte sich auf (Lebensmittel-)Allergien und Intoleranzen testen lassen, da sie unbehandelt zu starken Blähungen führen können. Das gilt auch für bestimmte Nahrungsmittel, vor allem Hülsenfrüchte wie Bohnen, Zwiebeln, Kohl und Milch.

Natürlich ist eine insgesamt ausgewogene, fettarme Ernährung hilfreich und die Reduzierung von Übergewicht. Und das schützt auch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Regelmäßige Bewegung (vor allem nach dem Essen) regt außerdem einen trägen Darm an und unterstützt damit die Verdauung. Wenn der erste Schreck vorbei ist, kann das Roemheld-Syndrom also sogar positive Folgen haben und dazu führen, dass man in Zukunft gesünder lebt.

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