26.07.2019

Im Test durchgefallen Stiftung Warentest warnt vor Schadstoffen in Bambusbechern

Von

Mehrfach verwendbare Kaffeebecher sind nicht nur sehr praktisch sondern auch voll im Trend.

Foto: iStock/luza studios

Mehrfach verwendbare Kaffeebecher sind nicht nur sehr praktisch sondern auch voll im Trend.

Wer seinen Kaffee aus Mehrwegbechern trinkt, lebt möglicherweise gefährlich. Die Stiftung Warentest warnt vor den Schadstoffen in Bambusbechern.

Der "Coffee to go" ist nicht nur praktisch, sondern steht geradezu für ein freiheitliches Lebensgefühl – wird aber oft aufgrund des Wegwerf-Charakters (Pappbecher und Plastikdeckel) kritisiert. Besonders beliebt für den Transport sind daher Mehrweg-Bambusbecher. Wer damit etwas für sich und die Umwelt tun möchte, sollte aber aufpassen: In einer Untersuchung der Stiftung Warentest wurden Schadstoffe in Bambusbechern nachgewiesen.

Das Problem: In den Bechern werden mehr als nur unbedenkliche Bambusfasern verarbeitet: Das vermeintliche Naturprodukt enthält Kunststoffe wie Melamin und Form­aldehyd (zusammen Melaminharz), die durch das leicht saure Milieu im Becher an den heißen Kaffee abgegeben werden können.

Schadstoffe in Bambusbechern: Die 12 getesteten Produkte

Stiftung Warentest hat insgesamt 12 Produkte getestet. Das einzige Produkt, das unauffällig blieb und bedenkenlos gekauft werden kann, war der Bamboo Cup von Chicmic. Die restlichen Produkte fielen entweder durch zu hohe Schadstoffabgabe, durch irreführende bzw. ungenügende Kennzeichnung oder durch beides negativ auf.

Getestet wurden neben dem von Chicmic noch Produkte von Ikea, Aldi Nord, Ebos, Morgenheld, Pandoo, ppd, Zuperzozial, Ecoffee, Grafik Werkstatt, La Vida und Rex London.

Schadstoffe in den Bambusbechern: Hier liegt das Problem

Das in den Bambusbechern enthaltene Melaminharz ist prinzipiell kein gefähr­licher Stoff, solange einige Bedingungen berücksichtigt werden, wie zum Beispiel der Gebrauch unter einer Temperatur von 70 Grad – was bei heiß eingefülltem Kaffee schon zum Problem wird.

Wie Stiftung Warentest feststellte, gaben sieben der zwölf Becher zu hohe Gehalte von Melamin und Formaldehyd an die eingefüllte Flüssigkeit ab – zum Teil über den EU-Grenzwerten liegend.

"Melamin steht im Verdacht, Erkrankungen im Blasen- und Nieren­system zu verursachen. Form­aldehyd kann Haut, Atemwege oder Augen reizen sowie beim Einatmen Krebs im Nase-Rachen-Raum verursachen", warnt die Stiftung Warentest.

Unzureichende oder irreführende Kennzeichnung: Bambusbecher sind nicht recyclebar!

Der mögliche Schadstoff-Inhalt ist aber nicht alleiniger Grund für Kritik seitens Stiftung Warentest:

Für Verbraucher ist wichtig zu wissen, dass Bambusbecher nicht Mikrowellen-geeignet sind, da sich die Materialien dabei zersetzen. Diese Information gaben einige Hersteller schlicht nicht an oder nur als Gebrauchsempfehlung für eine lange Lebensdauer.

Wer zum Mehrwegbecher greift, macht das nicht selten aus Umweltschutzgründen und greift deshalb besonders gern zu Naturmaterialien wie Bambus. Doch im Gegensatz zu dem auf der Verpackung häufig suggerierten "Naturprodukt" ist ein Bambusbecher NICHT recyclebar.

Das gaben nicht alle Hersteller zweifelsfrei auf ihren Verpackungen an. Bezeichnungen wie "Naturprodukt" führen in die Irre, wer die Becher als "recyclebar" ausweist, lügt. Aufgrund des Kunststoffanteils können Bambusbecher nach ihrer Entsorgung nur verbrannt werden, was zwar manchmal auch als energetisches Recycling bezeichnet wird, aber alles andere als "biologisch abbaubar" ist.

Ökobilanz: Ab wann ist ein eigener Mehrwegbecher empfehlenswert?

In einem weiterführenden Beitrag der Stiftung Warentest wird die Ökobilanz von Mehrwegbechern thematisiert. Benedikt Kauertz vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) empfiehlt: "Wer täglich unterwegs Kaffee konsumiert, sollte einen eigenen Mehrwegbecher nutzen. Ab einer Wieder­verwendungs­häufig­keit von über 50 Malen fallen die Aufwendungen für Herstellung und Entsorgung des Bechers kaum ins Gewicht."

Plastik vermeiden ist also wichtig, aber gar nicht so einfach – das zeigen auch andere Beispiele im Haushalt: Einzeln verpackte Äpfel, Tomaten im Plastikeimer, verschweißte Gurken: Wir alle kennen das Problem, doch wissen Sie eigentlich, warum und wie Sie Plastik vermeiden sollten und können?

Bereits diese kleinen Achtsamkeiten können enorm viel bewirken. Finden Sie hier noch mehr Anregungen, wie Sie ganz leicht Plastikaus Ihrer Küche verbannen können.

Aber zurück zu unseren Bechern: Ob aus Bambus oder nicht – Experte Kauertz rät außerdem zur Spülmaschinen-Reinigung, die energieeffizienter als die Handwäsche ist.

Wie der Test zeigt, lohnt es sich auch, die Produkte und Ihre Angaben der Hersteller vor dem Kauf eines solchen Bechers genau zu studieren. Die Stiftung Warentest rät also in den meisten Fällen: Finger weg – lieber Mehrwegbecher aus anderen Materialien nutzen. Den kompletten Test finden Sie hier.

___________________________

Wie sehr schaden Plastik-Kleinstteilchen nicht nur der Umwelt, sondern auch uns selbst? Forscher haben Mikroplastik im Körper von Menschen nachgewiesen. Ein Experte erklärt, was das für unsere Gesundheit bedeutet.

Noch mehr Haushaltstipps sowie spannende Ergebnisse seitens Stiftung Warentest finden Sie auf unserer Themenseite.

Seite