06.06.2019

Bei Medikamenten auf Rezept Nach BGH-Urteil: Das ändert sich jetzt in Apotheken

Bonbons und Taschentücher: Die kleinen Geschenkchen in der Apotheke gibt es jetzt nicht mehr bei jedem Besuch.

Foto: imago images/Ralph Peters

Bonbons und Taschentücher: Die kleinen Geschenkchen in der Apotheke gibt es jetzt nicht mehr bei jedem Besuch.

Zum Antibiotikum gibt es künftig keine Taschentücher oder Traubenzucker geschenkt. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied, Apothekenkunden dürfen zu ihren rezeptpflichtigen Medikamenten auch keine Kleinigkeiten im Centbereich mehr dazubekommen.

Bislang konnten wir uns kränkelnd immer darauf verlassen: In der Apotheke gab‘s zu den kurierenden Mitteln vom Arzt stets noch ein Geschenkchen obendrauf. Mal waren es die dringend nötigen Taschentücher zur ohnehin schniefenden Nase, ein anderes Mal die leckeren Traubenzuckerbonbons, die bei uns wenigstens für bessere Stimmung sorgten. Doch damit ist jetzt Schluss, sagt der Bundesgerichtshof. Was sich durch das BGH-Urteil jetzt in den Apotheken ändert und was dahinter steckt.

Geschenke-Verbot: Das ändert sich nach BGH-Urteil in Apotheken

Das Urteil bezieht sich nur auf verschreibungspflichtige Medikamente. Zum Antibiotikum wandert also in Zukunft keine der kleinen Gaben mit über den Apothekertisch. Das 2013 verschärfte Verbot solcher Werbegeschenke sei eindeutig, lautet die Entscheidung des Gerichtshofs in Karlsruhe. Auch "geringwertige Werbegaben" seien ein spürbarer Verstoß gegen Preisvorschriften und damit wettbewerbswidrig (Az. I ZR 206/17 u.a.).

Verschreibungspflichtige Arzneimittel müssen in Deutschland überall gleich viel kosten

Hinter der Aufregung steckt: Verschreibungspflichtige Arzneimittel müssen in Deutschland überall gleich viel kosten. Mit Geschenken würden Apotheken diese Preisbindung unterlaufen, sagt das BGH. Bislang hatte der Gerichtshof bei kleineren Geschenken, die weniger als einen Euro wert sind, beide Augen zugedrückt – das ist nun vorbei, zumindest in Verbindung mit Medikamenten auf Rezept vom Arzt.

Den Anlass gaben zwei Apotheken in Darmstadt und Berlin. Konkret beanstandete der BGH deren Gutscheinaktionen – einmal gab es einen Gutschein für Gratis-Brötchen bei einem Bäcker in der Nähe, einmal einen Euro Rabatt beim nächsten Einkauf. Solche Aktionen sind in Zukunft nicht mehr möglich. Geklagt hatte die "Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs".

Medikamente ohne Preisbindung sind von den Vorschriften nicht betroffen

Die gute Nachricht: Für Kunden, die auf eigene Kosten einkaufen, ändert sich nichts. Bei Arzneimitteln, für die es kein Rezept braucht, wie beispielsweise rezeptfreie Mittel gegen Heuschnupfen, sind die Vorschriften nämlich ohnehin lockerer: Für solche Medikamente dürfen Apotheken seit 2004 die Preise selbst bestimmen. Hier ist, im Gegensatz zu den rezeptpflichtigen Arzneimitteln, Wettbewerb erwünscht und kleine Geschenke somit kein Problem.

Also können wir uns weiter auf die Taschentücher und Traubenzucker-Leckereien aus der Apotheke freuen, nur eben nicht mehr bei Medikamenten auf Rezept. Damit können wir sicher gut leben, wenn so der Wettbewerb nicht verzerrt wird.

Wichtig zu wissen für die Medikamentaufbewahrung zu Hause: So halten Arzneimittel bis zum MHD und das gehört alles in die Hausapotheke.

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