31.05.2019

Nicht nur im Job Daran erkennen Sie ein Burnout im Privatleben

Ihr Alltag schlaucht Sie enorm? Gerade Erschöpfung und Schlafprobleme können auf ein Burnout im Privatleben hindeuten.

Foto: Shutterstock/wavebreakmedia

Ihr Alltag schlaucht Sie enorm? Gerade Erschöpfung und Schlafprobleme können auf ein Burnout im Privatleben hindeuten.

Sie stehen im privaten Alltag unter Strom? Dann könnten Sie gefährdet sein, an einem Burnout im Privatleben zu erkranken. Unser Experte gibt Rat.

Den angespannten Manager, der wegen Burnouts eine Auszeit nehmen muss, haben vermutlich viele vor Augen. Beruflicher Stress kann erwiesenermaßen krank machen und mittlerweile ist die Akzeptanz dafür in der Gesellschaft weitgehend angekommen.

Doch es wäre ein Trugschluss, anzunehmen, dass nur Menschen in der Arbeitswelt unter psychischen Problemen und extremer Beanspruchung leiden. Auch im Privatleben kann man an einem Burnout erkranken.

BILD der FRAU hat mit Thomas Dürst über dieses Phänomen gesprochen. Der Diplom-Psychologe aus Berlin erklärt, woran man ein Burnout im Privatleben erkennt, wie es sich von einem im Berufsleben unterscheidet, wie man vorbeugen kann – und wann professionelle Hilfe ratsam ist.

Burnout im Privatleben – was versteht man eigentlich darunter?

Vielleicht hilft ein Beispiel, um das Phänomen Burnout im Privatleben zu erklären. Stellen Sie sich vor, neben Ihrer Arbeit haben Sie zig weitere private Baustellen. Die Kinder müssen zum Ballett-Unterricht gebracht und auch wieder abgeholt werden. Anschließend müssen Sie zum Yoga, der Haushalt muss parallel auch noch geschmissen werden, frisch kochen ist Ihnen dabei ganz wichtig. Ihr Partner und die Kinder verlangen Aufmerksam – und am Wochenende kündigt sich auch noch Familienbesuch an, für den Sie die Kaffeetafel perfekt gestalten wollen. Stress pur!

Es immer allen Recht machen müssen, Freundes- und Familienkreis perfekt gerecht werden wollen. Das verursacht Stress. Und das kann in einem Burnout enden. Testen Sie hier ganz schnell, ob Sie gefährdet sind, an einem Burnout zu erkranken.

Wer ist akut vom Burnout im Privatleben betroffen? Laut Diplom-Psychologe Thomas Dürst sind es vor allem "Menschen mit hohen Leistungsidealen, Menschen die ihren Selbstwert aus beruflichen Erfolgen und viel Leistung ziehen. Häufig sind es auch Menschen in Positionen, die komplexe Tätigkeiten beinhalten. Gefährdet sind auch Menschen, die schwer Nein sagen können."

Schlaflosigkeit, negative Gedanken, Erschöpfung

Die Symptome unterscheiden sich Thomas Dürst zufolge beim privaten Burnout nicht wesentlich vom beruflichen. "Schlaflosigkeit, Mangel an Konzentration, Vergesslichkeit, Erschöpfungsgefühle, Gedanken wie "Ich schaffe das alles nicht mehr", Gereiztheit." Das, was beide eint: Das Gefühl der Überforderung. Hier erfahren Sie, wie Sie lernen, Ängste zu überwinden.

Bei einem Burnout im Job – im Gegensatz zum Privatleben – ist es klassischerweise so, dass man durch erhöhtes Leistungsverhalten die Symptome vorerst kompensieren kann. Hier die eine Überstunde mehr, dort noch eine aufwendige PowerPoint-Präsentation und die Verschleierungs-Taktik geht perfekt auf. Im Privatleben geht das nicht so leicht. Man kann nicht noch mehr leisten, der Familie zum Beispiel neben der Arbeit und den täglichen Pflichten nicht täglich noch ein Drei-Gänge-Menü vorsetzen.

Anzeichen für Burnout: Aggressives oder depressives Verhalten

Doch es gibt einen weiteren Unterschied zwischen beruflichem und privatem Burnout. "Da es sich im Privaten in der Regel um engere Beziehungen handelt, kommt es dann jedoch häufiger aus der Gereiztheit und Überforderung heraus zu aggressivem Verhalten", erklärt Dürst. Dies könne sowohl in körperlicher als auch verbaler Form hervortreten.

Klar, denn während man im Job dem Chef gegenüber weiter Respekt zeigen und funktionieren muss, kann man sich in den eigenen vier Wänden und gegenüber der engsten Familie so verhalten, wie man sich wirklich fühlt, ganz ohne Hemmungen. Im Privaten müsse man sich nicht so stark zurückhalten, so Dürst. Generell sei es aber so, dass sich beruflicher und privater Burnout gegenseitig bedingen.

Aggressives Verhalten ist die eine Option. Doch das Gefühl der Überforderung im Alltag kann sich auch anders äußern. Thomas Dürst: "Das Gegenteil wäre: Man rutscht in ein depressives Verhalten, bleibt im Bett liegen, kann den Anforderungen im Haushalt nicht mehr folgen, zieht sich insgesamt stark zurück und vermeidet Kontakte in der Partnerschaft oder anderen Beziehungen." Wir haben für Sie 7 Anzeichen aufgelistet, an denen Sie eine versteckte Depression erkennen.

"Symptome sind nur die Spitze des Eisberges"

Betroffene müssten sich klar werden, dass die Symptome nicht von alleine wieder verschwinden. Dabei ist vor allem Einsicht der Weg zur Besserung. "Der 1. Schritt ist vor allem die klare Benennung und das sich Eingestehen von Erschöpfungsgefühlen, Konzentrationsstörungen, vor allem aber Schlafproblemen", sagt Diplom-Psychologe Thomas Dürst. "Burnout-Symptome bedürfen einer Beachtung und auch Behandlung. Sie sind häufig das Ergebnis einer bereits länger anhaltenden Überforderung und sind von daher meistens nur die Spitze des Eisberges."

Sobald man Symptome erkennt, sollte man schnell handeln, rät der Experte. Denn: "Je länger man mit einer Betrachtung und Behandlung wartet, desto länger dauern auch die Symptome, bis hin zu einer Chronifizierungstendenz."

Heißt: Die Burnout-Symptome können sich so verfestigen, dass sie langfristig bestehen bleiben.

Wann professionelle Hilfe wichtig ist

Doch wie geht man das Problem konkret an? Kriegt man ein Burnout alleine in den Griff oder sollte man professionelle Hilfe aufsuchen?

Thomas Dürst hat eine genaue Vorstellung davon, wie man vorgehen sollte. "Im Anfangsstadium reicht es eventuell aus, Burnout-Symptomen über Veränderungen des Arbeitsverhaltens, mehr Ruhephasen oder mit sportlicher Betätigung entgegenzuwirken. Da die Symptome jedoch häufig erst nach einem längeren Vorstadium auftreten, ist es ratsam, sich dann professionelle Hilfe zu holen", so der Diplom-Psychologe.

"Dies ist häufig der schwierigste Schritt, weil man sich eingestehen muss, dass man aktuell nicht mehr so leistungsfähig ist und Unterstützung braucht." Auch hier kämen wieder die hohen Leistungsideale zum Tragen. Vielen Betroffenen kommt es als Scheitern vor, dass sie sich nicht selber helfen können und in Therapie gehen.

4 Tipps, wie Sie einem Burnout vorbeugen

Mit einigen Handkniffen kann man aber im Alltag bereits versuchen, einem Burnout im Privatleben vorzubeugen. Thomas Dürst hat dafür einige präventive Tipps. Wichtig ist "eine ausgewogene Balance zwischen Anspannung, Leistung und Entspannung".

  • ausreichend Schlaf
  • gesunde Ernährung
  • Sport (v. a. Ausdauer-Training)
  • wöchentliche Saunabesuche

Zentral beim Burnout sind auch negative Glaubenssätze. Dürst: "Gedanken wie: "Ich schaffe das nicht", "Ich bin nicht gut genug", "Was ich mache, reicht nicht", "Nur wenn ich leiste bin ich wertvoll" sind zentrale Themen auf mentaler Ebene in Bezug auf Burnout-Symptome." Deshalb ist es wichtig, sich mit diesen Gedanken auseinanderzusetzen und diese positiv umzupolen. Sich selbst Mut machen, an die eigene Schaffenskraft glauben. Um den Kampf gegen das Burnout im Privatleben zu gewinnen.

Burnout kann sich in aggressivem oder auch depressivem Verhalten niederschlagen. Auf unserer Themenseite Depression erfahren Sie mehr über die Volkskrankheit.

Thomas Dürst arbeitet als Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut in Berlin. Seine Spezialgebiete sind vor allem psychosomatische Erkrankungen, Burnout-Syptomatiken sowie Angst- und Depressionserkrankungen. Mehr Informationen über Herrn Dürst und seine Kontakt-Daten finden Sie auf seiner Website.

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