15.05.2019

E-Zigaretten im Trend Gesünder oder nicht? Das sind die Alternativen zum Rauchen

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Alternativen zum Rauchen: Ist der Griff zur E-Zigarette wirklich gesünder?

Foto: iStock/Andrea Carpedi

Alternativen zum Rauchen: Ist der Griff zur E-Zigarette wirklich gesünder?

Dampfen, schnupfen oder doch rauchen? Nikotin lässt sich heute in vielerlei Formen aufnehmen. Ganz besonders im Trend: E-Zigaretten. Aber sind die wirklich so viel gesünder?

Es dampft und duftet allerorten, wo früher beißender Zigarettengeruch aufstieg. Klingt idyllisch, und Fakt ist auch: Die Alternativen zu klassischen Kippen sind auf dem Vormarsch, während die Zahl der Raucher in Deutschland kontinuierlich abnimmt. Waren vor gut 20 Jahren noch 34 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen aktive Raucher, sind es mittlerweile nur noch 27 Prozent bzw. 21 Prozent. Vor allem Jugendliche greifen immer seltener zum Glimmstengel. Doch was ist dran an den Alternativen zum Rauchen? Sind sie wirklich besser oder gesünder, und welche Unterschiede gibt es?

Dampfen oder erhitzen?

Im Prinzip gibt es aktuell zwei Gegenentwürfe zur Zigarette, die in Zigarettenform daher kommen. Bei den E-Zigaretten wird eine Flüssigkeit erhitzt, der dabei entstehende Dampf wird eingeatmet, daher auch der Begriff des Dampfens statt des Rauchens. E-Zigaretten sind immer tabakfrei. Laut Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum, entstehen dabei kaum krebserregende Substanzen, solange die akkubetriebenen Geräte sachgemäß verwendet werden.

Die zweite Alternative sind sogenannte Tabakerhitzer. Hier ist zwar immer noch Tabak im Einsatz, allerdings wird er nicht verbrannt, sondern, daher auch der Name, erhitzt. So entstehen zwar weniger Schadstoffe als bei der Verbrennung, aber dennoch in nicht unerheblicher Menge, so Mons.

Nicht gesund, aber weniger schädlich

Das heißt: Gesund ist auch E-Rauchen nicht. Das bestätigt auch Grant O'Connell, der als Wissenschaftler beim Tabakunternehmen Reemtsma unter anderem für die E-Zigarette myblu forscht: "Wir sprechen ausdrücklich nicht von 'gesünder', sondern von 'weniger schädlich'", erklärt er, "denn am besten ist es, gar nicht mit dem Rauchen oder Dampfen anzufangen." Wer aber mit dem Rauchen aufhören wolle, für den seien E-Zigaretten ein erfolgreicheres Hilfsmittel als zum Beispiel Nikotinpflaster oder -kaugummis, so O'Connell.

Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt entsprechend darauf, die neuen Zigaretten-Alternativen zu erforschen. Laut dem Wissenschaftler bestätigen unabhängige Studien der Gesundheitsbehörden in Großbritannien sogar eine um 95 Prozent reduzierte Schädlichkeit für die E-Zigarette.

Mit oder ohne Geschmack?

Vermeintlicher Vorteil bei den E-Zigaretten: Die sogenannten Liquids, also die Flüssigkeiten, die verdampfen, gibt es in zahlreichen Geschmacksrichtungen und übrigens auch nikotinfrei. Wer will, kann also die Nikotinmenge nach und nach reduzieren und schließlich ganz darauf verzichten.

Bei den Erhitzern ist die Geschmackspalette eher eingeschränkt. Zwar entsteht keinerlei Rauch wie bei der bisherigen Verbrennung – und damit auch keine Asche –, aber mehr als Zigaretten-typische Variationen in unterschiedlicher Intensität oder beispielsweise mit Menthol versetzt gibt es hier nicht.

Gibt es Passiv-Rauch bei E-Zigaretten?

Die oft süßlich duftenden Dampfwolken sind meist deutlich zu sehen, lösen sich aber laut einer Studie mehrerer europäischer Universitäten innerhalb von einigen Sekunden komplett auf und lassen die Raumluft so zurück wie zuvor. Ein sogenanntes Passiv-Dampfen gibt es demnach nicht – oder nur eingeschränkt, wenn etwa jemand den ausgepusteten Dampf direkt inhaliert. Zum Vergleich: Bei herkömmlichen Zigaretten dauert es 30 bis 45 Minuten, bis die Raumluft wieder frei vom Rauch ist.

Alternativen ohne Dampf oder Rauch: Snus und Schnupftabak

Natürlich gibt es auch noch ganz andere Wege für Nikotin-Enthusiasten, sich mit dem Stoff zu versorgen. Sofern es denn "nötig" ist. Schon vor Jahrzehnten ein in Wirtshäusern gern genutztes Mittel ist etwa Schnupftabak. Und der erfährt gerade eine kleine Renaissance. Dabei wird der spezielle Tabak einfach durch die Nase gezogen. Oder sogar mit eigens entwickelten Schnupftabak-Kanonen nahezu durch die Atemwege katapultiert. Zugegeben, das ist aus guten Gründen nicht jedermanns Sache und tut auch den Schleimhäuten auf Dauer nicht gut.

Eine andere Alternative zum Rauchen ist der vor allem in skandinavischen Ländern beliebte "Snus". Diese kaugummiähnliche Masse, eigentlich ein feuchtes Pulver, gibt es auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen und wird sich in Form eines kleinen Pakets hinter die Ober- oder Unterlippe in den Mund geklebt. Dort verbleibt er dann bis zu eine Stunde und gibt seinen Geschmack und sein Nikotin ab. Und zwar mehr als bei einer Zigarette. Snus wird jedoch mit Zahnverfärbungen in Verbindung gebracht. Studien haben zwar die Befürchtung, dass diese Tabakart Mundhöhlenkrebs verursacht, widerlegen können. Das Schlucken des Saftes bei unsachgemäßem Gebrauch kann aber zu Übelkeit führen. Schwedische Forscher konnten zudem herausfinden, dass sich das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöht. Snus darf aber so oder so lediglich in Schweden verkauft werden. In den anderen Mitgliedsstaaten der EU, so auch in Deutschland, ist der Verkauf verboten.

Fazit: Ganz aufhören ist immer noch am besten

Kein Wunder also, dass viele Raucher umsteigen. Schon eine Zigarette am Tag schadet mehr, als Sie denken. Bei E-Zigaretten und Tabakerhitzern gibt es entsprechend "einen klaren Aufwärtstrend", resümiert auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler. Zwar seien in den aktuellen Alternativen generell weniger krebserregende Stoffe enthalten als in herkömmlichen Zigaretten, unproblematisch seien sie damit aber noch lange nicht. Und die derzeitigen Möglichkeiten sollten niemanden davon ablenken, was das eigentliche Ziel sein sollte: ganz mit dem Rauchen aufzuhören. Das schützt dann auch nicht nur vor häufigeren Halsschmerzen, sondern vor allem auch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schlaganfall.

Das Gute: Auch wer lange Zeit Raucher war, kann seine Atemwege dabei unterstützen, sich zu regenerieren und aktiv dazu beitragen, die Lunge wieder zu reinigen.

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