13.05.2019

Das ist dran am Hype Ist eine Gewichtsdecke die Lösung gegen Schlafstörungen?

Ein erholsamer Schlaf ist immens wichtig, um gesund zu bleiben. Bei Schlafstörungen könnte eine Gewichtsdecke abhelfen.

Foto: iStock/monkeybusinessimages

Ein erholsamer Schlaf ist immens wichtig, um gesund zu bleiben. Bei Schlafstörungen könnte eine Gewichtsdecke abhelfen.

Sie wälzen sich nachts hin und her und können einfach nicht einschlafen? Da könnte eine Gewichtsdecke Abhilfe schaffen…

Millionen Deutsche leiden an Schlafstörungen – entweder können sie erst gar nicht einschlafen oder wachen nachts immer wieder auf. Statt Schlaftabletten könnte die Hilfe viel "schwerwiegender" sein: Sogenannte Gewichtsdecken, Therapiedecken oder auch sensorische Decken erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Ist der Hype berechtigt um die besonders schweren Bettdecken, was genau ist das überhaupt und können Gewichtsdecken bei Schlafstörungen helfen?

Was genau sind Gewichtsdecken?

Dabei handelt es sich um Bettdecken, die aus kleinen Fächern bestehen, die beispielsweise mit natürlichen Materialien wie Reis, Bohnen, Schrot oder aber mit Tausenden sandfeinen Glasperlen befüllt sind und dadurch deutlich mehr wiegen als gewöhnliche Bettdecken. Daher werden sie auch Gewichtsdecken genannt. Eine Gewichtsdecke sollte idealerweise rund 10 Prozent des eigenen Körpergewichts wiegen, um ihren besänftigenden Effekt zu entfalten und sich nicht etwa erdrückend anzufühlen. Das heißt für eine Frau, die selbst 70 Kilo wiegt, dass die Gewichtsdecke 7 Kilo schwer sein sollte.

Wie wirken solche Therapiedecken?

Die Therapiedecken üben mit ihrem Gewicht leichten Druck auf Muskulatur und Nervensystem aus, genau wie eine liebevolle Umarmung. Der gleichmäßige Tiefendruck gibt den Schlaflosen beim Zudecken ein Geborgenheitsgfühl. Das Gewicht, das auf den Schläfern lastet, wirkt dabei wie ein Anker. Wer beispielsweise beim Einschlafen immer wieder hochschreckt, wenn ein Gefühl der Schwerelosigkeit einsetzt, fühlt sich dann so sicherer.

Das wohlige Gefühl animiert zudem den Körper, das Glückshormon Serotonin, das Kuschelhormon Oxytocin sowie das Schlafhormon Melatonin auszuschütten. Damit wird der glückliche und entspannte Schlaf also quasi vorprogrammiert. Die sensorische Decke soll helfen, schneller die Tiefschlafphase zu erreichen, und so die Schlafqualität verbessern.

Wichtig ist, dass sie weder zu leicht (und somit weniger wirksam) oder zu schwer (und dadurch unangenehm und drückend) für die schlafgestörte Person ist.

Sind Gewichtsdecken die Lösung bei Schlafstörungen?

Manche versuchen es mit Gute-Nacht-Tees zum Einschlafen, helfen sich mit leckerer und gesunder Moon Milk, versuchen zu lesen oder wandern durch die Wohnung, um irgendwann zur Ruhe und in den Schlaf zu kommen. Sie alle leiden an Schlafstörungen – ein massives Problem, das sehr viele Deutsche betrifft. Der DAK-Gesundheitsreport von 2017 deckte die erschreckenden Zahlen auf: Seit 2010 sind die Probleme beim Ein- und Durchschlafen bei Berufstätigen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren um mehr als 60 Prozent angestiegen. Laut der repräsentativen Studie fühlen sich 80 Prozent der Arbeitnehmer betroffen – dabei handelt es sich hochgerechnet auf die Bevölkerung um etwa 34 Millionen Menschen. Unter der besonders schweren Schlafstörung Insomnie leidet jeder zehnte Arbeitnehmer.
Als häufigste Ursache ist Stress zu nennen. Und da könnten die besonders schweren Bettdecken Hilfe leisten.

Wie und wo werden sie eingesetzt?

Traditionell werden Therapiedecken in Krankenhäusern eingesetzt. Hier ist die "Deep Pressure Touch Stimulation" (DPTS) genannte Methode schon länger bekannt und mit Gewichtsdecken werden unter anderem Kinder mit sensorischen Störungen, Angsterkrankungen oder Autismus erfolgreich behandelt.

Für Schlafmangelgeplagte bietet sich die Gewichtsdecke natürlich nachts, aber auch zur Erholung zwischendurch an, beispielsweise während eines gesundheitsfördernden Mittagsschlafs.

Sind Therapiedecken nachweislich wirksam?

Die Wirksamkeit von Gewichtsdecken konnten bereits mehrere Untersuchungen belegen. In der bisher größten, amerikanischen Studie wurde 2015 die Wirkung einer 13 kg schweren Therapiedecke an 30 Erwachsenen in einer psychiatrischen Einrichtung untersucht. Bei zwei Drittel der getesteten Erwachsenen reduzierten sich die Angstsymptome und fast alle gaben an, sich nach Gebrauch der Gewichtsdecke entspannter zu fühlen.

Eine weitere schwedische Studie konnte ebenfalls 2015 nachweisen, dass Gewichtsdecken sowohl subjektiv als auch objektiv einen positiven Effekt auf den Schlaf haben. Der Schlaf der Studienteilnehmer war ruhiger und bewegungsärmer, was als Indikator für bessere Schlafqualität gilt. Die Studienteilnehmer selbst gaben an, besser und tiefer geschlafen zu haben.

Was ist zu beachten?

Sollte beispielsweise eine Erkrankung der Atemwege, des Herzens oder Kreislaufprobleme vorliegen, empfiehlt es sich, sich vor dem Kauf einer Gewichtsdecke sicherheitshalber mit dem Hausarzt zu besprechen. Auch Menschen, die mit Skoliose oder Diabetes diagnostiziert wurden, sollten sich besser einen ärztlichen Rat einholen.

Wie teuer sind Gewichtsdecken?

Verschiedene Hersteller bieten Produkte bereits ab 150 Euro an. Im Netz finden sich mittlerweile auch jede Menge Websites und Videos mit Selbermach-Anleitungen für Gewichtsdecken.

Bei Angstzuständen und massiven Schlafstörungen wird der Gebrauch einer Gewichtsdecke also empfohlen. Doch das Gefühl einer liebevollen Umarmung können wir alle ganz gut gebrauchen!

---------------

Wann und wie ein Schlaf-BH hilfreich ist, erfahren Sie hier und so oft sollten Sie Ihre Nachtwäsche wechseln.

Auch spannend: Lesen Sie mal, mit wem Frauen Seite an Seite im Bett besser schlafen.

Seite