06.05.2019

Wenn die Gedanken krank machen Gefühlschaos: So bringen Sie wieder Ordnung in Ihr Leben

Manchmal gerät das Leben durcheinander. Wie Sie wieder Ordnung in Ihr Gefühlschaos bringen können, lesen Sie hier.

Foto: iStock/Vladimir Vladimirov

Manchmal gerät das Leben durcheinander. Wie Sie wieder Ordnung in Ihr Gefühlschaos bringen können, lesen Sie hier.

Was tun, wenn die Gefühle Achterbahn fahren? Eine Situation, die wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt hat. Gute und sinnvolle Entscheidungen treffen fällt schwer – oder ist gar unmöglich. Da hilft es nur, die Gedanken und Gefühle wieder zu ordnen. Lesen Sie hier, was Sie gegen das Gefühlschaos tun können.

Niemand hat gesagt, dass das Leben einfach ist. Egal ob im Alltag, im Job oder in der Liebe – immer wieder hält das Leben Überraschungen und Veränderungen für uns parat. Pläne müssen spontan über den Haufen geworfen werden und natürlich gibt es auch Zeiten, in denen die Leichtigkeit und das Lächeln fehlen. Wenn die Gefühle durcheinander geraten, sind klare Gedanken nicht mehr möglich. Wie Sie den Weg aus dem Gefühlschaos schaffen können, erklärt der Diplom-Psychologe Thomas Dürst. Im Interview mit BILD der FRAU beantwortet der Experte die wichtigsten Fragen.

Hilfe bei Gefühlschaos: So bringen Sie wieder Ordnung in Ihr Leben

Was ist Gefühlschaos überhaupt?

Thomas Dürst: Das Wort sagt es eigentlich schon: Beim Gefühlschaos fehlt die Ordnung in den Gedanken. Die aktuelle Situation kann nicht richtig eingeordnet werden. Dabei können diese Gefühle durchaus gegensätzlich sein, also z.B. Freude und Trauer. Die Gedanken im Kopf kreisen. Die Lage scheint festgefahren zu sein. Es gibt kein Vor und kein Zurück. Dadurch können Entscheidungen auch nur schwer getroffen werden.

Welche Auswirkungen hat ein Gefühlschaos?

Das kann sich ganz unterschiedlich darstellen. Folgende Probleme, Gefühle und Auswirkungen kann ein Gefühlschaos haben:

  • Konzentrationsprobleme
  • Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung
  • Schnelle und extreme Stimmungs-Schwankungen
  • Ein Gefühl der Überforderung
  • Das Leben bekommt eine gewisse "Schwere", die Freude geht verloren
  • Rückzug, weniger soziale Kontakte

Wie entsteht ein Gefühlschaos?

Bei einer uneindeutigen Lage. Etwas Gutes ist geschehen, aber das hat auch seine schlechten Seiten – oder umgekehrt. Eine beispielhafte Situation wäre, wenn jemand einen neuen Partner kennengelernt hat, sich darüber zwar freut, aber gleichzeitig zweifelt, ob es auch wirklich der Richtige ist. Da kann der Anfang des Gefühlschaos' sein. Aus einem Gedanken werden Zweifel und schließlich entsteht die komplette Verunsicherung. Dazu kommt die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. Die Lage scheint festgefahren und sorgt für Stress.

Gefühlschaos und die Liebe

Besonders häufig kommt es in der Liebe bzw. der Beziehung zum Gefühlschaos. Warum ist das so?

Natürlich sind in der Liebe besonders viele Gefühle im Spiel. Darum fällt es gerade in diesem Lebensbereich vielen Menschen schwer, Entscheidungen zu treffen. Folgende Fragen beispielsweise treten in der Liebe oder in Beziehungen besonders häufig auf:

  • Liebe ich ihn wirklich?
  • Soll ich Schluss machen?
  • Ist er der Richtige für mich?

Eine eindeutige Haltung zu dem Thema fehlt. Freunde und Bekannte, die in solch einer Situation eigentlich unterstützen sollen, können das Gefühlschaos durch ihre Einschätzung noch verstärken. Aber natürlich kann ein Gefühlschaos nicht nur in der Liebe entstehen.

Die Gefahren eines Gefühlschaos

Wann wird das Gefühlschaos gefährlich?

Jede dieser Situationen kann ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle hervorrufen. Und das kann sogar gefährlich werden, denn emotionale Überforderung verursacht Stress. Dauert dieser Zustand länger an, kann uns das sogar krank machen. Stress kann körperliche Probleme, wie zum Beispiel Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Depressionen und Panikattacken hervorrufen. Experten sprechen in solchen Fällen von der Psychosomatik.

Wie ist der Weg aus dem Gefühlschaos möglich?

In solch einer Situation ist es wichtig, dass die Person im Gefühlschaos den Druck rausnimmt, den Gedankenkreis durchbricht. Man sollte sich selbst Zeit geben, den Kopf wieder frei kriegen. Ein langer Spaziergang kann zum Beispiel dabei helfen, die Gedanken zu ordnen. Ziel dabei ist es herauszufinden, was man eigentlich will.

Was ist das Schlimmste, was passieren könnte? Eine Pro- und Contra-Liste kann helfen, die Situation besser einordnen zu können. Auch die Betrachtung aus einem anderen Blickwinkel kann eine Möglichkeit sein.

Wichtig: Überhastete Entscheidungen sind nicht sinnvoll, denn sie führen nur zu neuen Zweifeln. Körper und Geist müssen aus der absoluten Stresssituation rauskommen. Erst dann ist es wieder möglich, die Gedanken zu ordnen und Entscheidungen zu treffen.

Hier sind noch einmal einige Möglichkeiten aufgelistet, um aus dem Gefühlschaos herauszukommen:

  • Sich auf andere Gedanken bringen
  • Zeit nehmen
  • Entspannungsübungen, Achtsamkeit, um sich selbst kümmern
  • Gedanken aufschreiben
  • Nicht unter Druck setzen

Wichtig: Wenn Sie den Weg aus dem Gefühlschaos nicht alleine schaffen, dann sollten Sie sich professionelle Unterstützung suchen. Ein Psychotherapeut kann in solchen Fällen helfen und Ihnen ganz individuelle Hilfe bei Ihrem Gefühlschaos aufzeigen. Manchmal ist eine Psychotherapie sinnvoll – das muss aber von Fall zu Fall entschieden werden.

Und denken Sie dran: Gefühle sind grundsätzlich etwas Gutes. Nehmen Sie sie als Teil Ihrer Persönlichkeit an. Mit jeder Krisensituation, die Sie meistern, entwickeln Sie sich weiter und lernen sich selbst besser kennen.

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Thomas Dürst arbeitet als Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut in Berlin. Seine Spezialgebiete sind vor allem psychosomatische Erkrankungen, Burnout-Symptomatiken und sowie Angst- und Depressionserkrankungen. Mehr Informationen über Herrn Dürst und seine Kontakt-Daten finden Sie auf seiner Website.

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