26.04.2019

"Dunkel und trocken" Medikamente aufbewahren: So halten Arzneimittel bis zum MHD

Bewahren Sie Ihre Medikamente richtig auf? Das Bad ist meist keine gute Idee. Und manche Arzneimittel benötigen besondere Bedingungen.

Foto: iStock/SelectStock

Bewahren Sie Ihre Medikamente richtig auf? Das Bad ist meist keine gute Idee. Und manche Arzneimittel benötigen besondere Bedingungen.

Im Laufe unseres Lebens plagen uns allerhand Beschwerden, für die es meist auch das passende Mittelchen gibt. Mit der Zeit sammelt sich so aber auch schnell eine bemerkenswert große Hausapotheke an. Da stellt sich irgendwann die Frage: Wohin mit dem ganzen Zeug?

Medikamente aufbewahren ist nämlich eine kleine Wissenschaft für sich. Denn: Nicht jedes Arzneimittel darf überall gelagert werden. Manche sind wasserempfindlich, andere müssen dunkel und kühl gelagert werden, das eine oder andere Mittel muss gar in den Kühlschrank – in dem andere wiederum gar nichts zu suchen haben. Hier gibt’s Tipps!

Medikamente richtig aufbewahren ist wichtig! Warum?

Auf jedem Arzneimittel ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) aufgedruckt. Dieses gibt an, bis zu welchem Zeitpunkt Sie das Medikament einnehmen oder anwenden können, bevor es sich möglicherweise in seiner Struktur verändert oder beginnt, sich zu zersetzen – und damit seine Wirksamkeit verliert. Oder gar eine Nebenwirkung hinzukommt.

Damit das MHD aber seine Aussagekraft behält und das Medikament bis zu diesem Datum stabil bleibt, müssen wir es auch richtig lagern. Denn manche Stoffe sind etwa hitzeempfindlich und müssen daher gekühlt aufbewahrt werden. Oder ein Medikament beinhaltet einen hydrophilen, das heißt wasseranziehenden Stoff und darf daher nicht im Bad gelagert werden. Aspirin sowie andere Medikamente zum Auflösen (in Tablettenform oder als Pulver in Sachets) gehört beispielsweise dazu. Auch Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin-C-Tabletten müssen trocken, dunkel und kühl gelagert werden – nicht nur aus dem Grund, dass sich eine Brausetablette etwa auflösen könnte, sondern auch, weil das Antioxidans Vitamin C stark hitze- und lichtempfindlich ist. Und auch Tablettenblister sind nicht immer zu hundert Prozent dicht.

Hinzu kommt aber noch ein anderer wichtiger Punkt: der Schutz anderer Personen – etwa Kindern. Medikamente sollten immer so aufbewahrt werden, dass Kinder nicht einfach zugreifen können und bunte Pillchen etwa für Bonbons halten.

Was gehört wo hin? Allgemeine Hinweise

Muss ein Medikament unter besonderen Bedingungen aufbewahrt werden, ist dies in der Regel in der Packungsbeilage und in den meisten Fällen schon auf der Außenverpackung vermerkt.

Generell gelten aber für alle Medikamente auch allgemeine Lagerungshinweise:

  • Medikamente möglichst immer in der Originalverpackung aufbewahren – mit Umverpackung und Packungsbeilage
  • Arzneimittel sollten immer dunkel aufbewahrt werden
  • Insbesondere Tabletten, Brausetabletten und Pulver immer trocken aufbewahren
  • Es sollte auf die angegebene Lagerungstemperatur geachtet werden

Besonderheiten zur Temperatur

Die Lagerungstemperatur wiederum kann variieren. In der Regel gelten folgende Angaben:

  • Raumtemperatur: 15 bis 25 °C (in Ausnahmefällen, wenn vermerkt, bis 30 °C)
  • Im Kühlschrank: 2 bis 8 °C
  • Tiefgekühlt: -18 °C oder kälter

Wird die Temperatur bei Medikamenten, die bei Raumtemperatur zu lagern sind, für kurze Zeit über- oder unterschritten, zeigt das in der Regel keine problematischen Auswirkungen. Dennoch sollten Sie sich das Medikament vor der Einnahme noch einmal genau ansehen: Sind Verfärbungen oder Änderungen der Konsistenz zu erkennen? Wenn ja, lieber entsorgen.

Große Hitze und direkte Sonneneinstrahlung sollten Sie ihren Arzneimitteln nicht zumuten. Im Sommer ist daher besonders auf korrekte Lagerung zu achten: Daher niemals Medikamente einfach im Auto liegen lassen! Ein Auto kann sich unter Sonneneinstrahlung extrem aufheizen.

Vorsicht vor Luftfeuchtigkeit

Trockene Medikamente, also Tabletten – auch Kapseln – sowie Pulver und andere feuchtigkeitsempfindliche Medikamente sollten Sie niemals im Bad lagern. Dort kann die Luftfeuchtigkeit stark schwanken und sehr hoch sein. Außerdem steigt die Temperatur im Bad schneller an als in anderen, trockeneren Räumen.

Aus ähnlichen Gründen ist eine Lagerung in der Küche nicht ratsam – es sei denn, es handelt sich um Medikamente, die im Kühlschrank aufbewahrt werden müssen.

Kalte Medikamentenlagerung

Auch, wenn der Gedanke "möglichst kalt" dies erst einmal nahe legt: Medikamente, die gekühlt – also im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C – aufbewahrt werden müssen, dürfen nicht eingefroren werden. Dadurch verlieren sie in den meisten Fällen ihre Wirksamkeit. Fragen Sie im Zweifel Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker, sollten Sie ein Medikament versehentlich eingefroren haben.

Der Ort der Lagerung: Unzugänglich für Kinder und Tiere

Wie bereits angesprochen, ist es ergänzend dazu auch wichtig, Medikamente so zu lagern, dass Kinder, aber auch Tiere, keine Chance haben, ranzukommen. Also möglichst in einem hohen Schrank, der im besten Fall auch noch abschließbar ist.

Leicht verderbliche Medizin: Was tun nach dem Öffnen

Bei Arzneien, die anfällig für mikrobielle Verunreinigungen sind – sprich, Tropfen oder Säfte, die nicht in kleinen Portionen einzeln verpackt sind, wird auf der Verpackung und in der Beilage angegeben, wie lange sie nach Anbruch verwendet werden dürfen. Beispielsweise gilt dies für Augentropfen – auch für rezeptfreie Mittel etwa gegen Heuschnupfen.

Tipp: Notieren Sie das Datum, an dem Sie das Medikament geöffnet haben, auf der Verpackung.

Wenn möglich, sollten Sie Tropfen, Saft und Co immer unter hygienischen Bedingungen entnehmen: Hände waschen, verbleibende Reste nicht mit dem Finger abwischen, bei Cremes die Dosis am besten mit einem sauberen Spatel entnehmen.

Nach der Anwendung sollten Sie das Arzneimittel wieder sorgfältig verschließen und weiter nach Hinweis auf der Verpackung lagern.

Wann ist ein Medikament unbrauchbar?

Wird ein Medikament nicht richtig gelagert, kann es trotz noch nicht erreichtem MHD unbrauchbar werden. Ein Blick vor der Einnahme lohnt sich also immer. Darauf sollten Sie achten:

  • Cremes, Salben, Gele und Zäpfchen: Verflüssigung oder Verfärbung
  • Tabletten: Risse oder Verfärbungen
  • Flüssigkeiten: Ausflockung, (nicht vorgesehene) Trübung
  • Geruchsentwicklung
  • Aufgeblähte Verpackung

Im Zweifel wissen Apothekerin oder Apotheker Rat. Aber gerade, da Arzneimittel gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder etwa Migräne und andere gesundheitliche Probleme oft teuer sind, wäre es ärgerlich, sie zu schnell entsorgen zu müssen. Daher sollten Sie immer darauf achten, Medikamente richtig aufzubewahren.

Sind die Medikamente allerdings abgelaufen, sollten Sie sie in der Regel nicht mehr einnehmen. Ob und wann es Ausnahmen gibt und auch, wie Sie abgelaufene Medikamente fachgerecht entsorgen, verraten wir Ihnen.

Übrigens: Tabletten schlucken ist ja nicht immer so einfach. Wussten Sie, dass es da ein paar Tipps und Tricks gibt, mit deren Hilfe Sie auch trockene oder große Medikamente besser "runterkriegen"?

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