18.04.2019

Ob vor Ort oder im Netz Stiftung Warentest: Nur einer von zwölf Optikern schneidet "gut" ab

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Optiker im Test: Stiftung Warentest bescheinigt nur einem Optiker ein gutes Gesamturteil.

Foto: iStock/Chris Ryan

Optiker im Test: Stiftung Warentest bescheinigt nur einem Optiker ein gutes Gesamturteil.

Große Auswahl im Netz oder Beratung beim Händler vor Ort? Stiftung Warentest wollte wissen, welche Optiker besser sind und hat 12 von ihnen getestet. Die Ergebnisse.

Der Markt ist hart umkämpft. Vor einigen Jahren drängten die ersten Pioniere im Onlinehandel auf den Markt. Seither kommen jährlich weitere Webshops dazu. Daneben werben auch große Ketten mit Vor-Ort-Geschäft im Netz um Kunden. Andere früher reine Onlineshops kooperieren inzwischen mit Partnern vor Ort oder haben sogar eigene "Stores" gegründet. Hier den Überblick zu behalten fällt schwer. Was ist besser? Der günstige Onlinehandel oder der serviceorientierte Optiker vor Ort? Stiftung Warentest zeigt 12 Optiker im Test.

Stiftung Warentest – so wurden die Optiker getestet

Der Test erstreckte sich über die ganze Palette der Anbieter: Vom reinen Onlineanbietern über Großhändler mit und ohne Webshop bis hin zu Einzeloptikern vor Ort. Bei Letzteren wählten die Tester beispielhaft zwei Berliner Mitglieder der Optikervereinigung Ama aus. Und so lief der Test: Bei jedem Anbieter gaben fünf fehlsichtige Kunden Brillen in Auftrag, Gutachter sollten dann die Qualität beurteilen. Zusammengefasst sei gesagt: Die Bilanz war gemischt. Die größten Probleme traten bei der Anpassung und dem Feinjustieren der Brillen, also der Zentrierung, auf.

Stiftung Warentest –nur einer ist gut

Die größten deutschen Augenoptikerketten Apollo und Fielmann schnitten fast gleich ab und belegten vordere Plätze. Hier konnte sich auch die Optikerkette Matt platzieren. Sieger des Test war dagegen mit der einzigen "gut"-Bewertung Andreas Wittig, einer der beiden Berliner Einzeloptiker. Der zweite Einzeloptiker Kindt lag wie Fielmann nur knapp hinter einem gutem Gesamturteil. Vergleichsweise teuer sind beide Einzeloptiker sowie die Optikerkette Matt. Die beiden Schlusslichter des Tests sind laut Stiftung Warentest die günstigen Online-Anbieter Lensbest und My-Spexx – nicht zu verwechseln mit Mister Spex.

Fazit von Stiftung Warentest: "Bei komplizierten Anforderungen wie Gleitsicht empfehlen wir den Gang ins Geschäft", so die Projektleiterin des Tests, Katrin Andruschow.

Hier gab es Punktabzug bei Onlineshops

Zur Begründung: Im Laden wählen Kunden die Fassungen unmittelbar aus und können sie auch anprobieren. Service gibt es dann vor Ort durch die Mitarbeiter.

Online wählen die Kunden allein im Sortiment. Brillen werden virtuell aufprobiert, z. B. per hochgeladenem Foto oder Webcam. Allerdings können bei einigen Anbietern Fassungen auch gratis zur Anprobe nach Hause oder in eine Filiale der Kette bestellt werden.

Wer online bestellt, gibt die Werte für die Fehlsichtigkeit – wie sie z. B. im Brillenpass stehen – am Bildschirm ein. Wer bei Brille24 und Mister Spex bestellt, kann für den Sehtest zu lokalen "Partneroptikern" gehen. Diese Möglichkeit gibt es nicht bei reinen Webshops wie Lensbest und My-Spexx. Das führte im Test zu Punktabzug beim Kundenservice.

Unstimmige Feinjustierung mit fatalen Folgen

Nicht nur die Werte, auch die "Pupillendistanz", also die Strecke von der Nasenwurzel zur Augenmitte, muss im Webshop angegeben werden. Sie dient der "Zentrierung", um Gläser so zu schleifen und auszurichten, dass man optimal hindurchsehen kann. Wer diesen Wert nicht angeben kann, wird mitunter aufgefordert sich eine Art Messschablone auszudrucken, auszuschneiden, ans Gesicht zu halten und die Millimeter abzulesen. In den Augen der Tester eine unzureichende Methode, die sich nicht mit professionellen Geräten messen kann. Weiterer Nachteil: Hier werden nur horizontale, keine vertikalen Werte ermittelt, die ebenfalls wichtig für die Zentrierung sind.

Das Problem der Zentrierung mussten die Tester aber auch bei mehreren Vor-Ort-Optikern feststellen und bewerteten diese nur mit "ausreichend", denn eine unstimmige Feinjustierung kann fatale Folgen haben. Kunden sehen so möglicherweise schlechter, verrenken zum Ausgleich unbewusst den Hals oder quälen sich mit Kopf- oder Rückenschmerzen.

Beispiel: Ein Proband, der eine Lesebrille wollte, berichtete, dass die meisten Anbieter die Brille so zentrierten, als würde er geradeaus sehen, dabei muss der Durchblick bei einer Lesebrille eher nach unten gerichtet sein. "In der Folge musste ich den Nacken zum Lesen unnatürlich nach vorne knicken", erzählt er. "Teils sah ich unten sogar einen unerträglich schillernden Farbsaum."

Was online schwer ist, war bei einigen Anbietern vor Ort nicht besser. Die Tester bestätigten: Idealerweise biegt ein Optiker an zwei Terminen an der gewählten Fassung. Einmal bevor er die Zentrierwerte ermittelt und ein anderes Mal, wenn der Kunde die fertige Brille abholt. Das ist wichtig, denn eine schlecht angepasste Brille sieht nicht nur "schräg" aus, sondern kann auch drücken oder rutschen sowie die Zentrierung unmöglich machen.

Gute Fertigung laut Stiftung Warentest

Gut erledigten fast alle geprüften Optiker dagegen die Sehtests – sofern sie denn welche anboten. Gut gefertigt waren die meisten Brillen im Test auch, sogar bei fast allen günstigen Anbietern. Große Unterschiede gab es aber bei der Preisgestaltung. Bei Einstärkenbrillen etwa reichte die Spanne von 70 Euro bei My-Spexx bis hin zu 570 Euro bei Matt. Die Preisunterschiede hängen unter anderem auch von empfohlenen Extras bei den Gläsern ab.

Die Beratungsqualität – "befriedigend"

Viele Vor-Ort-Optiker erfragten den persönlichen Bedarf im Optiker-Test nicht ausreichend. Sie gaben nur spärlich Informationen zu Gläsern und Fassungen. Onlinekäufer können Informationen dazu auf den Websites finden. Insgesamt war die Beratung im Test durch die Optiker maximal "befriedigend". Nicht jeder Proband bekam einen Brillenpass. In diesem Fall empfiehlt Stiftung Warentest in jedem Fall die Rechnung für Garantiefragen aufzuheben. Gut zu wissen: Elf der zwölf getesteten Anbieter nehmen Brillen sogar bei Nichtgefallen zurück.

Die Fertigungsdauer: Online geht nicht immer schnell

Ca. 11 Tage mussten die Probanten auf ihr Brille warten. Schlusslicht My-Spexx brauchte insgesamt am längsten. Und ein Päckchen von Brille24 ließ sogar knapp sieben Wochen auf sich warten.

Nur einer von zwölf Optikern im Test schneidet also "gut" ab. Und was sagen Tester zu anderen Gesundheitsthemen? Lesen Sie hier welche besten günstigen Arzneimittel bei Erkältung Stiftung Warentest empfiehlt und welche 9 Lippenpflegestifte aufrgund schädlicher Inhaltsstoffe durch den Test fallen."Finanztest" hat Zahnzusatzversicherungen unter die Lupe genommen.

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