11.04.2019

Ärzte sind schon informiert Behörde warnt vor vielen gängigen Antibiotika

Diese Antibiotika sollen nur noch eingeschränkt verordnet werden

Ärzte sollen Fluorchinolon-Antibiotika nur noch sehr eingeschränkt verschreiben.
Do, 11.04.2019, 14.50 Uhr

Diese Antibiotika sollen nur noch eingeschränkt verordnet werden

Beschreibung anzeigen

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat eine Warnung für bestimmte Antibiotika ausgesprochen. Ärzte sollen diese nur noch eingeschränkt verschreiben.

Sie werden millionenfach bei Bronchitis, Mandelentzündung und Reisedurchfall verschrieben. Doch die zuständige Behörde warnt nun vor Antibiotika der Gruppe Fluorchinolone. Der Grund: sie können schwere Nebenwirkungen verursachen. Ärzte sollen die entsprechenden Antibiotika nur noch stark eingeschränkt verschreiben.

Behörde warnt vor vielen gängigen Antibiotika

Die Medikamente der Gruppe der Fluorchinolone sollen nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn nicht mehr bei "leichten und mittelschweren Infektionen" eingesetzt werden, das teilte das BfArM in einem sogenannten "Rote-Hand-Brief "an Ärzte und Krankenhäuser mit. Betroffen davon sind alle Fluorchinolone, die oral (d.h. über den Mund) eingenommen, injiziert oder inhaliert werden.

BfArM: Nebenwirkungen können irreversibel sein

Das BfArM warnt vor den Nebenwirkungen. Die Behörde schreibt: "Bestimmte schwerwiegende Nebenwirkungen von Fluorchinolonen können lang anhalten, die Lebensqualität beeinträchtigen und sind möglicherweise irreversibel." Betroffen seien vor allem Sehnen, Muskeln, Gelenke und das Nervensystem, starke Schmerzen können auftreten. Auch Depressionen kommen vor.

Produkte von mehr als 30 Pharmaherstellern betroffen

Insgesamt sind Produkte von mehr als 30 Pharmaherstellern betroffen. Es geht dabei um folgende Wirkstoffe:

  • Ciprofloxacin
  • Levofloxacin
  • Moxifloxacin
  • Norfloxacin
  • Ofloxacin

Anwendungsgebiete werden eingeschränkt

Nach Angaben des BfArM wurden die Anwendungsgebiete dieser fluorchinolonhaltigen Antibiotika jetzt eingeschränkt. Sie sollen insbesondere nicht mehr verschrieben werden bei Infektionen, die auch ohne Behandlung abklingen oder nicht schwerwiegend sind (wie beispielsweise bei Pharyngitis, Tonsillitis und akuter Bronchitis ). Gleiches gilt bei nicht bakteriellen Infektionen.

Die ärztliche Entscheidung, Fluorchinolone zu verschreiben, sollte laut BfArM nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung im Einzelfall getroffen werden.

Bei einer Bronchitis sollten Patienten vorsichtig mit Antibiotika umgehen. Welche Folgen die Einnahme haben kann und wie schnell sich Resistenzen bilden können, das lesen Sie hier.

Bei Nebenwirkungen sofort den Arzt kontaktieren

Das BfArM empfiehlt: "Wenn Sie als Patientin oder Patient ein Fluorchinolon anwenden und erste Anzeichen einer der oben beschriebenen Nebenwirkungen vermuten, kontaktieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt." Die Nebenwirkungen können "zwei Tagen nach dem Beginn der Behandlung mit einem Fluorchinolon, aber auch erst einige Monate nach dem Behandlungsende auftreten".

Besonders älteren Menschen, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, Organtransplantaten und bei gleichzeitiger Einnahme von Kortikosteroiden sollen betroffene Medikamente nicht mehr verschrieben werden bzw. besonders vorsichtig sein bei der Einnahme.

Nebenwirkungen im Überblick

Hier noch einmal die vom BfArM aufgelisteten möglichen Nebenwirkungen im Überblick:

  • Entzündungen oder Risse der Sehnen
  • Muskelschmerzen oder Muskelschwäche
  • Gelenkschmerzen oder Gelenkschwellungen
  • Schwierigkeiten beim Gehen
  • Gefühle von Nadelstichen oder Kribbeln
  • brennende Schmerzen
  • Müdigkeit
  • Depressionen
  • Gedächtnisstörungen
  • Schlafstörungen
  • Probleme beim Sehen oder Hören
  • veränderter Geschmacks- oder Geruchssinn
  • es können mehrere Organe oder Organsystemklassen gleichzeitig und mehrere Sinne betroffen sein
  • Sehnenschwellungen und Sehnenverletzungen

Ergebnisse einer europäischen Risikobewertung

Die neuen Einschränkungen sind das Ergebnis einer vom BfArM angestoßenen europäischen Risikobewertung.

In Deutschland wurden 2015 laut BfArM knapp 5,9 Millionen Arzneimittelpackungen mit den angegebenen Wirkstoffen von niedergelassenen Ärzten verordnet. Das waren bezogen auf alle Antibiotikaverordnungen die vierthäufigsten. Die betroffenen Wirkstoffe sind antibakteriell wirksam und können schwerwiegende, lebensbedrohende Infektionen heilen.

Die Warnung vom BfArM für Antibiotika der Gruppe Fluorchinolone sollte sehr ernst genommen werden. Bei weiteren Fragen sollten Patienten sich an ihren behandelnden Arzt wenden. Sie wollen gut vorbereitet für den Termin beim Doktor sein? Diese fünf Dinge sollte Ihr Arzt über Sie wissen, damit er Sie möglichst umfassend beraten und behandeln kann.

Hier erfahren Sie noch mehr über Antibiotika. Die Stiftung Warentest hat vor einiger Zeit sieben Mythen rund um Antibiotika aufgeklärt.

_____________

Vor einigen Monaten gab es Wirbel um das Magenmittel Iberogast. Ein Patient starb nach der Einnahme des Medikaments. Und erfahren Sie hier, wie gefährlich Paracetamol ist. Denn auch hier können ungewollte Nebenwirkungen auftreten.

Seite