08.04.2019

Umwelt, Tier und Mensch gefährdet Mikroplastik: Darum ist Plastik in Kosmetik so gefährlich

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Mikroplastik in Kosmetik ist ein No-Go für Umwelt und Mensch. Warum die Partikel so gefährlich sind und woran sie sie erkennen.

Foto: iStock/Tinatin1

Mikroplastik in Kosmetik ist ein No-Go für Umwelt und Mensch. Warum die Partikel so gefährlich sind und woran sie sie erkennen.

Es verschmutzt Trinkwasser und Meere und steht im Verdacht, auch die Gesundheit des Menschen zu schädigen. So gefährlich ist Mikroplastik und so schützen Sie sich.

Laut einer Studie des Bundesumweltamtes werden in Deutschland jährlich ca. 500 Tonnen primärer Mikropartikel aus Polyethylen in kosmetischen Mitteln wie Gesichtscremes, Haarshampoos und Duschgels verwendet. Als Mikroplastik werden feste und unlösliche synthetische Polymere (Kunststoffe) bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Wenn diese ungefiltert in den Wasserkreislauf gelangen, verschmutzen sie Trinkwasser und Meere – und gefährden somit Mensch und Tier.

In den USA und Schweden ist der Verkauf von Kosmetik mit Mikroplastik inzwischen verboten. Und in Deutschland? Schon lange wird auch hierzulande über die schädlichen Auswirkungen von Mikroplastik für die Umwelt diskutiert. Eine Erfolgsmeldung: Aktuell sind dem Bund für Naturschutz und Umwelt (BUND) deutschlandweit keine Zahnpasta-Hersteller mehr bekannt, die Mikroplastik in ihren Kosmetik-Produkten verwenden.

Warum gibt es Mikroplastik in Kosmetik-Produkten?

Einige Produkte wie Reinigungscremes, Dusch- und Waschgele sowie Peelings werden vom Hersteller allerdings immer noch mit winzigen Kügelchen aus Kunststoff angereichert, um die Reinigungswirkung zu verbessern oder abgestorbene Hautschüppchen zu entfernen. Sie sind Schleifmittel, Füllmittel und Filmbildner zugleich. Auch als Bindemittel z. B. in Anti-Falten-Cremes, Make-ups oder Lippenstiften sind solche Plastikzusätze zu finden. Aber auch Tages- und Nachtcremes, Concealer, Rouge, Lidschatten, Puder, Augenbrauenstifte, Mascara und Eyeliner können Mikroplastik enthalten. Auf www.bund.net können sich Verbraucher eine Liste mit den betreffenden Produkten herunterladen.

So wirkt sich Mikroplastik auf die Umwelt aus

Bekannt ist, dass der tagtäglich anfallende Plastikmüll die Meere vergiftet, da Plastik sich nicht von selbst auflöst, und über Jahrzehnte in unserem Meeren umherschwimmt, aber eben nicht verschwindet, sondern am Ende als winzige Partikel überall ablagert, von Fischen und anderen Meeresbewohnern aufgenommen wird und schließlich durch den Verzehr dieser Tiere auch in unserem Körper landet. Aber nicht nur klassischer Plastikmüll wie Tüten, Flaschen und Co setzen unserer Umwelt zu. Auch Mikroplastik aus Beautyprodukten und Pflegemitteln zerstören unsere Umwelt.

Inzwischen ist kein Gewässer unserer Erde mehr unbelastet von Mikroplastik. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung belegten, dass sogar in einem der am wenigsten berührten Lebensräume, in der arktischen Tiefsee, die Menge an Plastikmüll in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen hat.

Professor Gerd Liebezeit vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg fand bei Untersuchungen an den Ausläufern von Klärwerken und an der Nordseeküste winzige Plastikperlen, die durch Verdunstung und Regen in die Atmosphäre gelangen und über den Dünger aus den Klärwerken auch auf den Feldern landen. Er konnte die Kügelchen im Trinkwasser, in Milch, einigen Honigsorten sowie in Bier und diversen Softdrinks nachweisen.

Macht Mikroplastik krank?

Wissenschaftler aus den USA haben an Fischen geforscht und festgestellt, dass Mikroplastik ihre Magenwand durchdringt, sich im Organismus der Tiere ablagert und Entzündungen verursacht. Erst langfristige Studien werden zeigen können, wie sich Mikroplastik auf den menschlichen Organismus auswirkt.

Weiteres Problem: Mikroplastik gerät gleich in Kombination mit anderen Giften in die Nahrungskette. Forschungen im Auftrag des Umweltbundesamtes sollen die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Umwelt in den nächsten Jahren untersuchen.

Reaktionen der Kosmetikindustrie und persönliche Verantwortung

Medialer und gesellschaftlicher Protest sowie eindringliche wissenschaftliche Studien haben inzwischen einige große Kosmetikhersteller zum Umdenken gebracht. Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. empfiehlt seinen Mitgliedern, Mikroplastik aus Kosmetika zu entfernen. Außerdem haben sich viele Hersteller beim BUND direkt gemeldet und den Ausstieg aus der Mikroplastik angekündigt. Einschränkung: Gemeint sind hierbei aber nur sogenannte Microbeads, d.h. feste, sichtbare Partikel. In gelöster oder flüssiger Form vorliegende synthetische Polymere sind von diesen Ankündigungen ausgenommen. Diese sind laut BUND allerdings ebenfalls schwer bis nicht abbaubar. Eine Liste der teilnehmenden Unternehmen finden Sie ebenso auf der BUND-Website.

Wie erkenne ich Mikroplastik im Produkt?

Generell hat der Verbraucher durch die verpflichtende Angabe der Inhaltsstoffe auf Verpackungen immer die Möglichkeit vor dem Kauf eines Produktes nachzulesen, was wirklich drinsteckt. Wer folgende Angaben findet, sollte besser die Finger davon lassen, denn dann steckt Plastik im Produkt.

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polyethylenterephthalat (PET)
  • Nylon-12 (Nylon-12)
  • Nylon-6 (Nylon-6)
  • Polyurethan (PUR)
  • Acrylates Copolymer (AC)
  • Acrylates Crosspolymer (ACS)
  • Polyacrylat (PA)
  • Polymethylmethacrylat (PMMA)
  • Polystyren (PS)
  • Polyquaternium (PQ)

Gesunde Alternativen zu Kosmetik mit Mikroplastik

Dabei muss niemand auf Peelings verzichten, denn die gibt es aus 100 % biologischen Zutaten wie zum Beispiel Salzen, gemahlenen Aprikosen- oder Traubenkernen, Mandelkleie, Heilerde oder Kieselsäure. Auch diese Naturprodukte entfernen schonend abgestorbene Haut, machen die Haut wunderbar glatt und erfrischen sie.

So können Sie Ihr Peeling selber machen, zum Beispiel mit dem Hausmittel Kaffee: Was das geniale Pulver alles wirklich kann!

Mikroplastik ist überall. Lesen Sie was PET-Flaschen und Lebensmittelverpackungen für Schaden in der Umwelt anrichten können. Mikroplastik ist nur in Kosmetik? Weit gefehlt! Berichte über Mikroplastik im Fleur de Sel lässt aufhorchen. Ist das ein Risiko für Verbraucher?

Dass Deutschland unbedingt gesetzlich nachziehen muss, ist klar. Hoffnungsfroh stimmt bisher, dass es künftig schärfere EU-Regeln für Bio-Reinigungsmittel geben soll. Das Wichtigste aber ist, dass der Verbraucher sensibilisiert ist und beim Kauf des Produktes genauer hinsieht. Denn wenn wir alle Mikroplastik meiden und unseren Plastikverbrauch drastisch reduzieren, sieht sich die Industrie durch schwindenden Absatz gezwungen zu handeln.

Mehr Informationen bekommen Sie auf unseren Themenseiten Make-up und Naturheilkunde.

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