12.04.2019

Schmerzhaft und unangenehm Furunkulose – so entsteht sie und das können Sie dagegen tun!

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Auch, wenn es noch so verführerisch ist: Das Ausdrücken von Furunkeln kann zu schwerwiegenden Entzündungen im Körper führen. Das können Sie bei Furunkulose tun.

Foto: iStock/nensuria

Auch, wenn es noch so verführerisch ist: Das Ausdrücken von Furunkeln kann zu schwerwiegenden Entzündungen im Körper führen. Das können Sie bei Furunkulose tun.

Schmerzen und Infektionen: Eine Furunkulose kann zum Problem werden. Wo liegen die Ursachen und welche Behandlungsmethoden gibt es?

Hin und wieder ein Pickel, das kennen wir alle. Auch eine sogenannte Haarfolikel-Entzündung (Furunkel) hat sicher jeder schon einmal erlebt. Wenn diese aber häufiger und regelmäßig auftritt, spricht man von einer Furunkulose. Wo liegen die Ursachen von Furunkulose und welche Behandlungsmethoden gibt es? Im Gespräch mit unserer Expertin Frau Dr. Sophie Brümmer klären wir auf!

Furunkulose – so entstehen Furunkel

Jedes Körperhaar liegt in einem Haarbalg, auch Haarfollikel genannt. Anatomisch gesehen ist es die längliche Vertiefung in der Haut, in der sich auch die Haarwurzel befindet. Jeder Haarfollikel ist mit verschiedenen Drüsen versehen. Talgdrüsen produzieren hautrückfettende Stoffe, die die Haut vor Austrocknung schützen. Schweißdrüsen regulieren die Körpertemperatur, während die Duftdrüsen durch die Abgabe von Pheromonen für die Duftsignale zuständig sind. Diese zahlreichen für den Körper wichtigen Sekrete können aber auch Entzündungen begünstigen, da sie Keimen eine gute Wachstumsgrundlage bieten.

Wenn sich das ganze Follikel, inklusive des umliegenden Gewebes entzündet hat, spricht man von einem Furunkel. Typisch für Furunkel ist ein Pfropf aus Eiter und abgestorbenem Hautgewebe, sichtbar als härteres, gerötetes, überwärmtes, geschwollenes und druckempfindliches Gewebe. Obwohl Furunkel Schmerzen verursachen können, sind sie – wenn sie nur vereinzelt und unregelmäßig auftreten sowie eine gewisse Größe nicht überschreiten, kein Grund zur Panik. Besonders große Furunkel dagegen müssen medizinisch entfernt werden, da sie sonst tiefe Narben hinterlassen können. Auch wenn Furunkel mehrere, nebeneinander liegende Follikel betreffen und sich die Infektion in die Tiefe ausweitet, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Rezidivierende Furunkulose

Wenn Furunkel wiederholt an verschiedenen Hautstellen auftreten, sprechen Ärzte von einer Furunkulose, einer "Furunkelkrankheit". Grundsätzlich kann jede Körperstelle betroffen sein. Allerdings treten sie am häufigsten an Gesicht, Nacken, Gesäß und der Innenseite der Oberschenkel auf. Bei einer rezidivierenden (wiederholt auftretenden) Furunkulose wird eine antibiotische Behandlung empfohlen, um die Wiederholungsneigung zu verringern.

Ursachen der Furunkulose

Die häufigsten Ursachen der Follikelentzündung sind bakterielle Infektionen z. B. durch Staphylokokken. Aber auch Stoffwechselstörungen, generelle Probleme in der Sekretleitung der Haarfollikel, Immunschwächen und mangelnde Körperhygiene können eine Furunkulose begünstigen.

Hautkrankheiten begünstigen Furunkulose

Menschen mit Akne leiden auch überdurchschnittlich oft an Furunkeln. Gründe können anfängliche Eiterpickel sein, deren Entzündung im weiteren Verlauf in die Tiefe wandert. Begünstigt wird dies oft durch Kratzen und Ausdrücken der Pickel. Hierdurch wird das Gewebe nicht nur weiter gereizt, über Hände und Finger gelangen so auch zusätzliche Bakterien in die bereits geschädigte Haut.

Vor allem das Ausdrücken von Furunkeln im Gesicht begünstigt die Auslösung einer Furunkulose. Die Hautschichten sind hier besonders empfindlich und mit zahlreichen Gefäßen durchzogen. Leichtes Spiel also für Bakterien, die auf diesem Weg sehr schnell in andere Bereiche des Kopfes vordringen und die Infektion ausweiten können. Wenn hier nicht sofort behandelt wird, kann es zu ernsthaften Folgeerkrankungen wie einer Hirnhautentzündung kommen.

Furunkulose durch Stoffwechselstörungen

Auch Störungen im Stoffwechsel oder chronische Stoffwechselerkrankungen können eine Furunkulose durch vermehrte Talg-Sekretion auslösen. Die Haut wird in der Folge stark fettig, die Haarfollikel sind mit der schnellen Entleerung der Talgdrüsen überfordert und die Follikel verstopfen. Darüber freuen sich die Bakterien, die hier einen perfekten Nährboden vorfinden.

Stoffwechselstörungen können auch durch den Konsum sehr fettiger oder zuckerhaltiger Lebensmittel Furunkulose begünstigen, da der Körper mit seinem Versuch, die Inhaltsstoffe über den Tag auszuscheiden, scheitert. Stoffwechselstörungen können ebenso hormonelle Ursachen haben, wie man bei Jugendlichen mit Furunkulose sieht.

Auch die Volkskrankheit Diabetes Mellitus wird mit Furunkulose in Zusammenhang gebracht. Da ihm das nötige Insulin zum körperinternen Abbau fehlt, bemüht sich der Köper von Diabetes-Kranken, den überschüssigen Zucker über die Haut abzubauen. Die Folge können verstopfte Follikel und bei chronischem Verlauf eine Furunkulose sein.

Wer gleichzeitig unter Akne und einer erhöhten Schweißproduktion leidet (Hyperhidrose) ist ebenso empfänglich für eine Furunkulose, da der Schweiß die Verstopfung der Follikel weiter begünstigt und die Gefahr einer Entzündung verstärkt. Die Ursachen für eine Hyperhidrose können ebenso in hormonellen und Stoffwechselproblemen liegen. Dazu gehören Erkrankungen wie Schilddrüsenfehlfunktionen, Wechseljahresbeschwerden, Diabetes Mellitus und Übergewicht.

Furunkulose durch Schnittverletzungen oder mangelnde Hygiene

Die tägliche Bartrasur kann Furunkulose im Kinn- und im Wangenbereich fördern. Dabei wandern Krankheitserreger durch mangelnde Sterilhaltung der Rasierwunde in die Haut.

Menschen mit stark fettiger Haut leiden, müssen mehr als andere auf die regelmäßige Reinigung der Haut und umfassende Hygienemaßnahmen setzen, um Verstopfungen der Haarfollikel und Furunkulose vorzubeugen. Das bedeutet nicht, dass die allgemeine Körperhygiene evtl. unzureichend ist. Schon das einfache Anfassen oder das Aufdrücken von Pickeln mit ungewaschenen Händen kann böse Entzündungen hervorrufen.

Immunschwächen und Furunkulose

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Entstehung von Furunkulose ist ein geschwächtes Immunsystem, denn Infektionserreger haben hier bekanntlich leichtes Spiel. Besonders problematisch ist, dass die Bakterien nicht lokal auf das Follikel begrenzt bleiben, sondern bis in die Blut- und Lymphbahnen eindringen können. Neben Abgeschlagenheit und Unwohlsein, können auch Symptome wie Fieber und anschwellende Lymphknoten auftreten. Im Falle besonders schwerer Verläufe kann eine Furunkulose bis zur Sepsis (Blutvergiftung) oder Hirnhautentzündung führen.

Furunkulose – diese Therapien gibt es

Wenn die Ursache des Furunkels in einer Infektion mit einem MRSA-Keim liegt, kann die Therapie besonders problematisch sein, da die Bakterienstämme resistent gegen viele Antibiotika sind. So schützen Sie sich gegen den ansteckenden Krankenhauskeim MRSA.

Die Therapie einer Furunkulose hängt natürlich stark von den Ursachen und der Stärke ihrer Ausprägung ab. Während bei einigen Menschen eine Behandlung mit Hausmitteln bzw. naturheilkundlichen Präparaten sowie die Einhaltung bestimmter Hygienevorschriften ausreicht, um die Furunkulose zu therapieren, ist in schweren Fällen eine Medikamententherapie oder sogar eine Operation vonnöten.

Generell gilt: Furunkel dürfen weder ausgedrückt noch weggekratzt werden, da neben der potenziellen Infektionsgefahr durch verschmutzte Hände Bakterien aus der Furunkelhöhle in die Blutbahn gedrückt werden können.

Naturheilmittel gegen Furunkulose

Wer die Reifung des Furunkels beschleunigen möchte, kann dies auf verschiedene Weise erreichen: Führen Sie lokale Wärme zu (z. B. mit einer Rotlichtlampe oder feucht-warmen Umschlägen). Auch in der Apotheke freiverkäufliche Zugsalben oder Umschläge mit Wundklee können helfen. Kamille, Calendula oder Arnika fördern die Wundheilung. Auch Ackerhellerkraut, Bockshornklee, Brennnessel, Eibisch, Ringelblume und Teebaum können zur Herstellung eines pflegenden Reinigungswassers verwendet werden.

Tipp: Aggressive Reinigungsmittel oder Kosmetika belasten und reizen die Haut zusätzlich. Die Hautreinigung mit bloßem Wasser unter Verwendung spezieller Naturpflegeprodukte ist dagegen empfehlenswert. Natürliches Urea, besser bekannt als Harnsäure, gilt als Geheimwaffe bei der Behandlung durch seine entzündungshemmenden und antibakteriellen Eigenschaften.

Die richtige Ernährung bei Furunkulose

Meiden Sie fettige und zuckerhaltige Nahrung, auch Lebensmittel mit künstlichen Zusatzstoffen sind ungünstig. Setzen Sie auf hautfreundliche Lebensmittel wie Beerenfrüchte. Sie liefern der Haut wichtige Antioxidantien zur Abwehr freier Radikale, die u.a. für ein unreines Hautbild verantwortlich sind.

Verbessern Sie Ihren Hautschutz außerdem durch Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Mineralstoffe wie Silizium und Zink sind wichtig für die Haut, und finden sich u.a. in Kohl- und Wurzelgemüse wie Grünkohl, Rosenkohl, Brokkoli, Radieschen und Rettich. Wer auf Möhren, Paprika und Spinat sowie Johannisbeeren, Sanddorn und Hagebutten setzt, versorgt seine Haut mit ausreichend Vitamin C und Vitamin B.

Wer unter Furunkulose leidet, sollte auch sein Trinkverhalten überprüfen. Ausreichend Mineralwasser (mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag) beeinflusst die natürliche Reinigung und Entleerung der Hautporen positiv. Mineralwasser und ungesüßte Tees sind zuckerhaltigen Softdrinks und Säften vorzuziehen. Wer es gerne süß mag, kann als Alternative zu Zucker zu Süßungsmitteln wie Stevia oder Honigkraut greifen.

Eine weitere Möglichkeit sind homöopathische Präparate mit Silicea und Myristica, die die Eiterproduktion beschleunigen können. Ist der Furunkel eröffnet, helfen Propolis und Calcium sulfuricum.

Medikamentöse und operative Therapien

Ist die Furunkulose medikamentös behandlungsbedürftig, wird u.U. eine Antibiotikatherapie mit Penicillin erwogen. Bei zusätzlichem Fieber und starken Schmerzen werden zusätzlich Schmerzmittel mit fiebersenkende Komponenten wie Ibuprofen oder Paracetamol eingesetzt.

Wenn das Furunkel sehr schmerzhaft oder sehr groß ist bzw. sich an einer ungünstigen Körperstelle wie im Intim- oder Achselbereich befindet, kann eine operative Entfernung Erleichterung verschaffen.

Autovakzine als Therapie bei Furunkulose

Nach der operativen Entfernung eines tiefer liegender Abszesses, bietet es sich zusätzlich zur klassischen Furunkeltherapie an, eine Art Impfung mit den im Eiter nachweisbaren Erregern durchzuführen, um das Immunsystem für zukünftige Infektionen besser auszurüsten.

Die Expertin im Interview

Frau Dr. Sophie Brümmer ist seit sechs Jahren niedergelassene Orthopädin und Unfallchirurgin, praktizierte 14 Jahre in diversen Berliner Krankenhäusern als Unfallchirurgin, Notfallärztin und als hygienebeauftragte Ärztin der Charité Campus Mitte. In Ihrer Praxis behandelt sie auch Patienten mit Furunkulose.

Liebe Frau Dr. Brümmer, wie genau werden Furunkel operativ entfernt?

In der Regel wird der Hautbereich im ambulanten Eingriff unter sterilen Bedingungen eröffnet, die Wundhöhle ausgeschält und gereinigt und anschließend mit desinfizierenden Wundauflagen austamponiert. Wenn nötig wird eine Art Mini-Drainage eingebracht, die das Abfließen von weiterem Wundsekret ermöglicht. Die postoperative Versorgung kann in der Regel vom Hausarzt übernommen werden.

Was halten Sie von Autovakzinen als Therapie bei Furunkulose?

Bei Autovakzinen werden abgetötete Erreger dem Patienten als Totimpfstoff unter oder in die Haut gespritzt, ca. acht bis zehnmal im Abstand von einer Woche. Diese Impfung mit körpereigenen Stoffen hat einigen Patienten bereits zur Linderung verholfen, bei denen es immer wieder zu Furunkelbildungen kam und die wiederholt operiert werden mussten. Sie ist auch besonders bei Menschen mit Reaktionen auf Antibiotika sinnvoll, bei denen die Nebenwirkungen wie Durchfall, Blähungen etc. den Nutzen einer Antibiose relativieren. Außerdem zeigen viele Erreger immer häufiger Resistenzen gegen Antibiotika, so dass wir uns bei entsprechender Indikation wieder vermehrt dieser fast vergessenen Therapie zuwenden sollten.

Gibt es weitere Möglichkeiten der Therapierung von Furunkulose?

Auch Akupunktur kann bei Furunkulose Erfolge zeigen, ob bei der Schmerzlinderung oder Wundheilung.

Auch bei Bronchitis etwa wird manchmal viel zu schnell ein Antibiotikum verschrieben. Auf Dauer gewöhnen sich die Erreger so an die Medikamente, die dann eben nicht mehr wirken. Resistenzen können aber auch entstehen, wenn abgelaufene Medikamente – in dem Fall Antibiotika – eingenommen werden.

Wer mehr wissen will: Hier geht's zu unserer Themenseite Hautpflege.

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