22.03.2019 - 16:16

Kurze Ruhe zur Tagesmitte Diese Auswirkung hat der Mittagsschlaf auf ihre Gesundheit

Von Janna Dohrmann

Einer griechischen Studie zufolge soll ein kurzer Schlaf zur Tagesmitte den Blutdruck senken. Aber ist ein Mittagsschlaf per se gesund?

Foto: imago/Westend61

Einer griechischen Studie zufolge soll ein kurzer Schlaf zur Tagesmitte den Blutdruck senken. Aber ist ein Mittagsschlaf per se gesund?

Je älter wir werden, desto eher sehnen wir uns wieder nach einem kleinen Mittagsschlaf. Aber tut uns das wirklich gut? Welche Auswirkungen kann die kleine Auszeit am Tag haben? Genau darum ging es in einer griechischen Studie, die wir uns angeschaut haben.

Mal soll er ungesund sein, mal sehr gesund. Der Mittagsschlaf, auf den der eine oder andere nicht verzichten möchte, beschäftigt Wissenschaftler immer wieder. So auch einige Forscher des Asklepieion General Hospital, die ihre Studie dazu veröffentlichten.

Mittagsschlaf: Gesund oder nicht?

Die einen schwören ja drauf, andere wiederum sagen, sie fühlen sich nach einem "Power Nap" geradezu gerädert. Die Zeit scheint da eine große Rolle zu spielen. Wer sich schnell auf ein kurzes Schläfchen einlassen kann, dem reichen rund 20 Minuten, um danach putzmunter in den weiteren Tagesverlauf starten zu können.

Doch viele sehen sich auch der Problematik gegenüber, in einer solch kurzen Zeit gar nicht richtig abschalten zu können. Und wenn man dann mal eingeschlafen ist, wacht man viel zu spät wieder auf – und ist müder als zuvor.

Eine Studie des American College of Cardiology hatte einst herausgefunden, dass ein kurzer Schlaf zur Tagesmitte das Risiko erhöht, am Metabolischen Syndrom zu "erkranken" – das sogenannte tödliche Quartett umfasst Fettleibigkeit am Bauch, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Insulinresistenz und gilt neben dem Rauchen als Hauptrisikofaktor für Erkrankungen der arteriellen Gefäße. Das Risiko steigt allerdings erst, wenn der Mittagsschlaf über 40 Minuten dauert und regelmäßig erfolgt. Wer regelmäßig mittags mehr als 90 Minuten schläft, erhöht demnach sogar sein Diabetes-Risiko um 50 Prozent.

Ein Nickerchen unter 40 Minuten hingegen scheint unbedenklich zu sein – und kann sogar das Risiko des Metabolischen Syndroms verringern. Dass aber auch etwas längere Schläfchen gerade älteren Personen gut tun können und dass dadurch der Blutdruck sogar sinken kann, besagt nun die Studie des griechischen Asklepieion General Hospital.

Mittagsschlaf kann wie niedrig dosierte Blutdruckmedikamente wirken

Um erstmals den Einfluss des Mittagsschlafs auf den Blutdruck von Menschen abschätzen zu können, wurden 212 Probanden mit mittlerem Blutdruck-Wert von 129,9 mmHg beobachtet. Wichtig war, dass der Blutdruck der Probanden angemessen kontrolliert wird. Das Durchschnittsalter der Personen, von denen etwas über die Hälfte weiblich waren, lag bei 62 Jahren, darunter auch Raucher und Diabetes-Patienten.

Neben der Messung und Bewertung des Blutdrucks über 24 Stunden mit durchschnittlich 50 Minuten Schlaf am Mittag, mittels ambulanten Blutdruckmessgeräten, wurden außerdem Gewohnheiten, wie der Kaffee-, Salz- und Alkoholkonsum, sowie sportliche Betätigungen und Pulswellengeschwindigkeit (sagt aus, wie schnell sich die Druckwelle des Blutes nach einem Herzschlag in den Arterien bewegt) berücksichtigt. Zusätzlich wurde ein Echokardiogramm, ein Ultraschall des Herzens, durchgeführt.

Während des Tages konnten die Studienführer bei den Probanden einen deutlichen Blutdruckabfall beobachten, wie er auch von niedrig dosierten Medikamenten erreicht wird (Senkung um 5 bis 7 mmHg). Studienautor Manolis Kallistratos aus Griechenland meint, dass bereits ein Blutdruckabfall von bis zu 2 mmHg das Risiko von Herz- und Gefäßerkrankungen senken kann. Auch andere Lebensumstellungen, wie die Reduzierung von Alkohol und Salz können ähnlich wirken.

Schlaf ist kein Allheilmittel – in Maßen aber hilfreich.

Wer also an hohem Blutdruck leidet, sollte den Mittagsschlaf als Maßnahme durchaus in Betracht ziehen. Doch nicht nur dann! Auch alle anderen, dürfen sich gerne eine solche Pause gönnen, die nämlich in vielen Fällen die Leistungsfähigkeit, Konzentration und Stimmung verbessern kann und gegen Stress und innere Unruhe helfen soll. Dabei gilt allerdings erst einmal: lieber kürzer als länger.

Im Idealfall also in Form eines "Power Nap", der mittags zwischen 13 Uhr und 14 Uhr stattfindet und 20 bis 30 Minuten dauert. In diesem Rahmen ist ein Mittagsschlaf also gesund und kann als natürliches Mittel den Blutdruck senken. Er bringt neue Energie, stärkt das Gedächtnis und senkt das Risiko für ein Metabolisches Syndrom.

Da sich die Forschungsergebnisse, in die sich die griechische Studie einreiht, alle stark voneinander unterscheiden, lässt sich allerdings immer noch keine klare Aussage treffen, ob sich ein Mittagsschlaf grundsätzlich positiv oder negativ auf die Gesundheit des Menschen auswirkt. Welche Art von Schlaf sich für wen am besten eignet und wer was für seine persönliche Gesundheit braucht, sollte daher jeder selbst herausfinden und auf seine Bedürfnisse abstimmen.

Klar ist jedoch, dass ein gesunder Lebensstil mit Bewegung und gesunder Ernährung sowie mit Verzicht auf Zigaretten und Alkohol immer noch am besten vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. Bleiben Sie agil, dann kann auch ein Mittagsschlaf besonders gut tun.

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