07.03.2019

Masern-Mumps-Röteln Großstudie beweist: MMR-Impfung löst KEINEN Autismus aus

Impfen ist wichtig! Masern könnten längst ausgerottet sein. Doch Impf-Skeptiker zitieren immer wieder eine uralte, mittlerweile ungültige Autismus-Studie. Forscher haben jetzt erneut bestätigt: Die MMR-Impfung löst keinen Autismus aus.

Foto: iStock/AlekZotoff

Impfen ist wichtig! Masern könnten längst ausgerottet sein. Doch Impf-Skeptiker zitieren immer wieder eine uralte, mittlerweile ungültige Autismus-Studie. Forscher haben jetzt erneut bestätigt: Die MMR-Impfung löst keinen Autismus aus.

Wer seine Kinder gegen Masern, Mumps und Röteln impfen lässt, setzt sie der Gefahr aus, Autismus zu entwickeln? Stimmt nicht! Das haben Forscher jetzt in einer groß angelegten Studie bewiesen – erneut.

Und da hat es erneut eine Studie gebraucht, um zu beweisen, was eigentlich bewiesen ist: Forscher haben in einer groß angelegten Untersuchung festgestellt: Eine Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln löst keinen Autismus aus. Der Grund für die Studie: Impfgegner.

MMR-Impfung und Autismus stehen in keinem Zusammenhang

Immer wieder steht sie im Raum, wenn es darum geht, Menschen vor Krankheiten zu schützen: Die Theorie, dass Impfungen, gezielt die MMR-Immunisierung (die Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln werden als Mischimpfung gegeben) Autismus auslösen können.

Ausschlaggebend für viele Impf-Skeptiker ist dabei vor allem eine alte Studie aus dem Jahr 1998. In der lediglich zwölf Kinder untersucht worden waren und die damit wenig repräsentativ war. Die mittlerweile mehrfach widerlegt und zurückgezogen wurde. Und die die einzige war, die den Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus gezogen hatte. Der damals verantwortliche Arzt Andrew Wakefield musste aufgrund gravierender Fehler sogar mittlerweile seine Approbation abgeben. Dennoch wird sich gerne auch heute noch auf ebendiese Studie berufen.

Nun wollten Forscher aus Dänemark neue Beweise zeigen – und haben die Daten von rund 650.000 Kindern ausgewertet. Darunter: über 6.500 Kinder mit Autismus. Sie suchten während der über zehn Jahre angesetzten Studienzeit nach Hinweisen zu einem Zusammenhang zwischen Autismus und Impfungen – und fanden keine.

Auch vorbelastete Kinder weisen kein höheres Risiko auf

Im Fachjournal "Annals of Internal Medicine" beschreiben die Forscher um Anders Hviid vom Statens Serum Institut in Kopenhagen ihr Ergebnis: Eine MMR-Impfung hängt demnach nicht mit einem erhöhten Risiko für Autismus zusammen.

Untersucht wurden dabei auch Kinder, in deren Familie bereits Autismus-Fälle aufgetreten waren. Auch bei diesen gab es keine Hinweise auf vermehrte Diagnosen in einem festgelegten Zeitraum nach der Impfung mit dem Dreifach-Wirkstoff.

Genau das wollten die Forscher herausfinden. Denn in vorhergehenden Studien war kritisiert worden, dass nicht untersucht worden war, ob in besonders gefährdeten Gruppen nach der Impfung mehr Autismus-Diagnosen gestellt werden. In der aktuellen Studie fanden die Wissenschaftler keine Anhaltspunkte für ein erhöhtes Risiko.

Grund der Studie: Verschwörungstheorien

Wie erwähnt – eigentlich sind diese Ergebnisse nicht neu. Die Großstudie unterstreicht nur, was eigentlich bekannt ist. Es sei ihnen wichtig gewesen, die Behauptungen von Impfgegnern nochmals wissenschaftlich zu überprüfen, um falsche Theorien endgültig zu widerlegen, heißt es seitens der Forscher. Denn gerade Masern treten immer wieder großflächig auf. Durch weniger Impfungen sind Masern-Fälle vergangenes Jahr um das Vierfache angestiegen – in Europa.

Damals hatte der britische ehemalige Arzt Andrew Wakefield im Fachmagazin "Lancet" angegeben, zwölf Kinder untersucht zu haben, deren Entwicklung nach einer Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln verzögert gewesen sei. Man habe bei acht der zwölf Kinder einen Monat nach der Immunisierung eine Form des Autismus diagnostiziert. Später wurde die Studie zurückgezogen – doch das Misstrauen gegenüber Impfungen blieb, und konnte auch durch spätere Studien nicht wiederhergestellt werden. Für Verschwörungstheoretiker und Pharma-Gegner immer ein gefundenes Fressen – und für Eltern aus nachvollziehbaren Gründen beängstigend.

"Für gewöhnlich werden Studien gemacht, um wissenschaftliche Fragestellungen zu beantworten – und nicht als Reaktion auf Verschwörungstheorien", heißt es in einem begleitenden Vorwort zur Studie seitens Saad B. Omer und Inci Yildirim von der Emory University in Atlanta (USA). "In einer idealen Welt würde sich die Impfforschung nur wissenschaftlich begründeten Hypothesen widmen und nicht Verschwörungstheorien." Eine klare Erklärung sei notwendig, um auch Impf-Skeptiker zu überzeugen, falschen Informationen nicht blind zu vertrauen.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört das Vermeiden oder Verzögern von Impfungen mittlerweile zu den zehn großen Bedrohungen für die Gesundheit weltweit – neben Luftverschmutzung, Antibiotika-Resistenzen oder Ebola. Masern zum Beispiel könnten durch Impfen längst ausgerottet sein. Stattdessen gibt es immer wieder Ausbrüche – auch in Deutschland. Die meisten Opfer: Kinder bis 4 Jahre, denen der Schutz vor der Krankheit noch fehlt.

Aber auch Erwachsene können an der Kinderkrankheit Masern erkranken – oft mit schlimmem Ausgang. Im Jahr 2017 war etwa eine 37-Jährige an Masern gestorben. Allgemein sind Kinderkrankheiten für Erwachsene gefährlich, etwa weil durch nicht ausreichenden Impfschutz Superinfektionen drohen.

Für Babys ist die Krankheit aber noch einmal besonders gefährlich, weil sich zum einen ihr Immunsystem erst aufbauen muss und zum anderen Spätfolgen wie Masern-Gehirnentzündung auftreten können.

Die Studienergebnisse in englischer Sprache im Journal "Annals of Internal Medicine" finden Sie hier.

Welche Impfungensollte jeder Erwachsene haben? Sie erfahren es im Video:

Diese Impfungen sollte jeder Erwachsene haben

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