15.03.2019

Begleiterscheinung der Handysucht Leiden Sie unter Nomophobie? Daran erkennen Sie es

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Panik, das Handy verlegt zu haben und nicht erreichbar zu sein? Dann leiden Sie vielleicht unter Nomophobie.

Foto: iStock/Motortion

Panik, das Handy verlegt zu haben und nicht erreichbar zu sein? Dann leiden Sie vielleicht unter Nomophobie.

Eine ungewollte Abstinenz kann zu depressiver Stimmung, Nervosität oder sogar Panik führen. So finden Sie heraus, ob Sie unter Nomophobie leiden.

Die Zahlen überraschen: Laut Studien blicken wir durchschnittlich mindestens 85 Mal täglich aufs Smartphone. Die durchschnittliche Nutzung beträgt pro Tag sogar satte fünf Stunden! Sie bekommen Panik, wenn der Akku sich leert und Sie kein Ladekabel dabeihaben oder in einem Funkloch sitzen? Sie suchen ständig nach dem Handy, aus Angst, es eventuell verloren zu haben? Dann leiden Sie vielleicht unter Nomophobie.

Was ist Nomophobie?

Nomophobie ist ein Kunstwort – eine Abkürzung für das englische Wort "No-Mobile-Phone-Phobia", also die Angst, kein Mobiltelefon dabei zu haben und für Kontakte – ob geschäftlich oder privat – nicht erreichbar zu sein. Eine britische Studie ergab im Jahr 2012, dass 66 Prozent der Smartphone-Nutzer Angst vor Unerreichbarkeit haben. Auch bei uns zeigen immer mehr Nutzer Anzeichen von nomophobem Verhalten. Besonders ausgeprägt ist dieses in der Gruppe der 18 bis 25-Jährigen. Auch scheinen Frauen häufiger unter Nomophobie zu leiden als Männer.

Nomophobie: Was steckt dahinter?

Neben der Tatsache, für seine Familie und Freunde stets erreichbar sein zu wollen, manifestiert Nomophobie auch den Kontrollwahn. Dadurch, dass wir theoretisch stets online sein können, können wir in jeder Lebenslage und zu jeder Tageszeit schnell reagieren. Wir kommen uns flexibler und informierter vor. Ohne Smartphone haben wir das Gefühl unseren Alltag nicht meistern zu können, sei es über Navigation oder Kommunikation. Die tiefenpsychologischen Ursachen der Nomophobie liegen in der Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und der Furcht vor Einsamkeit.

Das sind die Anzeichen für Nomophobie

  • Sie werden nervös, unruhig oder ängstlich, wenn Sie Ihr Handy vergessen haben oder der Akku leer ist
  • Sie schalten Ihr Handy nie aus oder auf lautlos
  • Sie hören Ruftöne oder Signale, obwohl weder Anrufe noch Nachrichten eingehen
  • Sie haben Ihr Smartphone immer griffbereit am Tisch und halten es beim Gehen in der Hand. Sie nehmen es sogar auf die Toilette oder ins Bett mit
  • Für Notfälle haben Sie ein Ersatzhandy
  • Sie hören Ihrem Gegenüber kaum zu, weil Sie mit Ihrem Smartphone beschäftigt sind.
  • Sie verwenden Ihr Smartphone häufiger als der Durchschnitt.

Typische Verhaltensweisen als Folge der Nomophobie

Bei ungewollter Abstinenz zeigt der Körper Entzugserscheinungen wie Nervosität und Angst. Ist das Smartphone ausgeschaltet machen sich Stressempfinden und Beklemmung bemerkbar. Bei Unerreichbarkeit aufgrund eines leeren Akkus oder eines verlegten Handys steigert sich das negative Empfinden durch Schweißausbrüche, Zittern, Herzklopfen und mündet in Angstzustände und sogar Panik.

Von einer Sucht spricht man, wenn der Griff zum Handy nicht mehr kontrolliert werden kann. Oft ist die Nomophobie gekoppelt mit einer allgemeinen Handy- und Internetsucht. Nomophobiker vermeiden den Kommunikationsverlust ganz bewusst, in dem sie das Handy nie ausschalten und immer nah bei sich tragen.

Nomophobie: Was kann ich dagegen tun?

Wie bei anderen Phobien kann man auch bei Nomophobie versuchen, durch kontrollierte Konfrontation eine Verhaltensveränderung herbeiführen. Man stellt sich also seiner Angst, um zu lernen, dass man in diesem Fall auch ohne Smartphone überleben kann. Die Unerreichbarkeit wird also gezielt hergestellt, das Handy wird ausgestellt oder außer Sichtweise aufbewahrt. Man kann auch "harmlosere" Testläufe machen, indem man das Handy beim Essen bewusst nicht auf den Tisch legt, es generell auf lautlos stellt oder in der Nacht ausmacht. In der Regel nimmt der ständige Blick aufs Handy mit der Zeit ab, ebenso auch die Anspannung, die sich durch die ständige Beantwortung von Fragen und der Online-Pflege von sozialen Kontakten aufbaut.

Tipp: Inzwischen gibt es Suchteinrichtungen, die auf die Behandlung von modernen Süchten und Ängsten wie Internet-, Handysucht und auch Nomophobie therapieren. Auch Psychotherapeuten und Tageskliniken sind mit der Behandlung dieser Süchte inzwischen vertraut.

So problematisch kann der Liebestöter Handy sein und so ruiniert Phubbing Ihre Beziehung. Auch Sie befinden sich im Bann des Displays: Was gegen Handysucht hilft.

Wenn professionelle Hilfe gefragt ist: So läuft eine Psychotherapie ab.

Der Stress ist bei Handysucht und Nomophobie vorprogrammiert? Mehr Wissenswertes bietet auch unsere Themenseite Beziehungstipps.

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