07.03.2019

Uhrenticken, lautes Atmen Störende Alltagsgeräusche: Leiden Sie unter Misophonie?

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Ganz alltägliche Geräusche wie das Ticken einer Uhr oder der kauende Kollege am Arbeitsplatz stören Sie kolossal? Vielleicht steckt hinter der Überempfindlichkeit auf diese Geräusche in Wahrheit Misophonie. Was das ist, erklären wir Ihnen.

Foto: iStock/PeopleImages

Ganz alltägliche Geräusche wie das Ticken einer Uhr oder der kauende Kollege am Arbeitsplatz stören Sie kolossal? Vielleicht steckt hinter der Überempfindlichkeit auf diese Geräusche in Wahrheit Misophonie. Was das ist, erklären wir Ihnen.

Alltägliche Geräusche wie Schmatzen oder Nägelkauen bringen Sie zur Weißglut? Das könnte ein erstes Anzeichen für Misophonie sein. Wir erklären, was dahinter steckt.

Ihr Büro-Alptraum ist wahrgeworden: Der Kollege am Nebentisch knackt mit den Fingern, klickt immer wieder mit seinem Kugelschreiber und haut mit einer beispiellosen Gewalt in die Tasten seines Laptops. Aus Nervosität kaut er an seinen Nägeln, atmet laut und schmatzt obendrein. Und Sie? Sie platzen bald vor innerer Anspannung und Nervosität und fühlen sich unbändig gestört von den Geräuschen.

Nicht wenige Menschen haben Probleme, ihre Umgebungsgeräusche aushalten zu können. In schweren Fällen kann es aber sein, dass hinter der Gereiztheit auf eine normale Geräuschkulisse mehr steckt. Von Misophonie spricht man, wenn man eine geringe Toleranzgrenze hat für bestimmte Geräusche. Misophonie, das bedeutet auf Griechisch ”Hass auf Geräusche”. Was genau dahinter steckt und wie man das Problem in den Griff kriegt, erfahren Sie hier.

Bei Misophonie werden körpereigene Signale stärker wahrgenommen

Wo liegt die Ursache für die Überempfindlichkeit auf bestimmte Geräusche? Einen großen Einfluss hat wohl das Gehirn. Englische Forscher der Universität Newcastle entdeckten durch verschiedene Untersuchungen eine Hirnregion, die bei Geräuschen, die als extrem störend wahrgenommenen werden, aktiviert ist. Die vordere Inselrinde, abgekürzt AIC, dient als Hirnregion vor allem dazu, dass Sinneseindrücke wie Geräusche mit Emotionen verknüpft werden. Dabei werden körperliche Signale ebenso berücksichtigt, wie zum Beispiel der Herzschlag. Die Theorie besagt, dass körpereigene Signale deutlich stärker wahrgenommen werden und das dazu führt, dass Menschen mit Misophonie Geräusche stärker und störender wahrnehmen. Geräusche können den Körper schnell aus dem Gleichgewicht bringen. Sie haben das Gefühl, Watte im Ohr zu haben? Das könnte ein erstes Anzeichen für einen Hörsturz sein.

Erhöhter Puls, Panik, Aggression

Wissenschaftler beobachteten in Studien in einigen Hirngebieten auch bereits leicht veränderte Neuronen, welche einen Einfluss auf das Steuerungszentrum im Gehirn haben. Zähneknirschen, Schmatzen oder Flüstern können einen deshalb so völlig aus dem Konzept bringen. Diese Geräusche führen zu erhöhter Nervosität, Panik, Stress, höherem Puls, Schweißausbrüchen, Aggression oder auch angespannten Muskeln. Klar ist: Die Forschung von Misophonie ist noch nicht abgeschlossen und weitere Erkenntnisse werden vermutlich in den kommenden Jahren folgen.

Misophonie ist keine Phobie

Es ist wichtig zu wissen, dass Misophonie keine Angstreaktion auf ein Geräusch ist und damit einer Phobie ähnelt. Viel mehr steht die Aggression, die Menschen auf die Geräusche entwickeln, im Vordergrund. Forschern zufolge beginnt die Erkrankung häufig bereits in der Kindheit. Doch wie kann man diesem Teufelskreis entkommen? Eine ”Heilung” für Misophonie gibt es leider bisher nicht. Man sollte versuchen, störende Geräusche zu vermeiden, ihnen aus dem Weg zu gehen – oder auch einfach auf klassische Ohrstöpsel zurückgreifen.

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