01.03.2019

Die Seele heilen Hilfe vom Psychologen: Wann ist eine Psychotherapie sinnvoll?

Manchmal gerät das seelische Gleichgewicht durcheinander. Ein Psychologe kann in solchen Phasen helfen. Wann ist eine Psychotherapie sinnvoll?

Foto: iStock/Daisy-Daisy

Manchmal gerät das seelische Gleichgewicht durcheinander. Ein Psychologe kann in solchen Phasen helfen. Wann ist eine Psychotherapie sinnvoll?

In jedem Leben gibt es Höhen und Tiefen. Aus vielen Krisen schaffen wir es alleine wieder raus, aber manchmal braucht es einfach professionelle Hilfe, um das eigene Leben wieder in geregelte Bahnen zu lenken. In solchen Fällen kann eine Psychotherapie helfen. Aber wann ist ein Gang zum Psychologen eigentlich ratsam?

Bei einem Schnupfen gehen wir zum Hausarzt, bei Rückenbeschwerden zum Orthopäden und bei Zahnschmerzen zum Zahnarzt. Natürlich – das ist ganz logisch. Aber was, wenn die Seele krank wird? Viele Menschen durchleiden mindestens einmal im Laufe ihres Lebens eine Phase, in der sie psychische Probleme haben. In dieser Zeit bekommen der Alltag und das Leben eine gewisse Schwere. Ein Gefühl der dauerhaften Überforderung macht sich breit. Die Hilfe von einem Psychologen kann in so einer Phase nötig sein. Aber wann genau ist eine Psychotherapie sinnvoll?

Wann ist eine Psychotherapie sinnvoll?

BILD der FRAU hat bei Thomas Dürst, Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut aus Berlin, nachgefragt: "Wenn die psychischen Probleme über einen längeren Zeitraum andauern, können sie sich auf den Körper auswirken. Die Belastung der Seele führt zu körperlichen Beschwerden." Hinweise auf so eine seelische Störung können beispielsweise dauerhafte Schlaflosigkeit, chronische Kopfschmerzen oder ausgeprägte Angstzustände sein.

Aber wann genau ist eine Psychotherapie sinnvoll? Dürst: "Wer das Gefühl hat, dem Alltag nicht mehr gewachsen zu sein oder denkt, dass er sein Leben alleine nicht mehr in den Griff bekommt, der sollte professionelle Hilfe aufsuchen. Ob eine Psychotherapie für einen Patienten geeignet ist oder nicht, muss natürlich von Fall zu Fall entschieden werden."

Was ist eine Psychotherapie genau?

Wörtlich übersetzt bedeutet Psychotherapie "Behandlung der Seele" bzw. Behandlung von seelischen Problemen. Sie kann bei seelischen Störungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handelns helfen. Die Psychotherapie wird häufig bei psychischen Störungen mit Krankheitswert angewandt, dazu zählen beispielsweise Depressionen, Ängste, Essstörungen und Zwänge. Auch psychosomatische Probleme – das heißt, wenn der Körper durch die Belastungen der Seele erkrankt – gehören zum Aufgabenfeld eines Psychotherapeuten. Hierzu zählen auch Alltagsbeschwerden wie Rückenschmerzen, Magenprobleme oder Schlafstörungen.

Welchen Nutzen hat eine Psychotherapie?

Bei einer Psychotherapie bespricht der Patient seine Probleme mit dem Therapeuten. Dürst: "Das psychotherapeutische Gespräch ist für viele Menschen das erste Mal eine Situation, wo sie offen über ihre Probleme und Schwierigkeiten sprechen können. Dabei dienen die ersten Stunden ("Probatorische Sitzungen") zum gegenseitigen Kennenlernen und Vertrauensaufbau. Wenn Patient und Therapeut danach das Gefühl haben, dass eine weitere Zusammenarbeit sinnvoll und positiv sein kann, beginnt die eigentliche Therapiephase. In weiteren Gesprächen werden die Probleme genauer umrissen und mit der eigenen Lebensgeschichte in Verbindung gebracht, so dass der Patient zunächst die Geschichte seiner Problematik versteht und seine Probleme nicht weiter als unabänderbares Schicksal bewertet. Weiter werden anschließend spezifische Auslöser der Probleme festgemacht. Dies bietet dann die Möglichkeit neue Perspektiven und gesündere Verhaltens- und Umgangsweisen mit sich und anderen zu erarbeiten. Ziel dabei ist auch immer, wieder ein besseres Selbstwertgefühl erleben zu können. Im Lauf der Therapie lernt der Patient "Werkzeuge" um dann aus eigener Kraft sein Leben wieder in geordneten Bahnen lenken zu können."

Mehr über den Ablauf einer Psychotherapie lesen Sie hier.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass es 80 Prozent der Patienten nach einer Psychotherapie deutlich besser geht, als wenn sie keine Therapie gemacht hätten. Je nach Therapieform, Störung und Therapieziel beträgt die Dauer eine Psychotherapie zwischen 24 und 200 Sitzungen, im Normalfall zwischen 24 und 50 Sitzungen.

In welchem Alter treten die häufigsten psychischen Erkrankungen auf?

Dürst: "Das kann natürlich jedes Alter treffen. Und man muss auch immer unterscheiden, ob es nur eine kurze Phase einer psychischen Dysbalance ist, über einen längeren Zeitraum besteht oder vielleicht schon chronisch ist."

Die meisten Menschen machen eine Psychotherapie in der Lebensmitte. Dürst: "In dieser Phase des Lebens setzen sich viele Menschen selbst enorm unter Druck. Sie vergleichen sich verstärkt mit anderen, lassen die vergangenen Jahre Revue passieren oder setzen sich neue Ziele für die Zukunft. Dadurch durchleben viele Menschen zwischen 35 und 45 Jahren einen Umbruch, sie kriegen ihr Leben nicht mehr geordnet. Unzufriedenheit, Rastlosigkeit und auch das Gefühl der mangelnden Wertschätzung breiten sich aus. Um zurück in die Normalität bzw. den Alltag zu finden, kann eine Psychotherapie ratsam sein."

Was ist der häufigste Grund für eine Psychotherapie?

Dürst: "Es gibt nicht den einen Grund. Häufig leiden Patienten unter Angstzuständen oder sie haben eine Traurigkeit bis hin zu einer völligen Lähmung. Auch Zwangsgedanken, Schmerzen und sogar Selbsthass sind nicht selten. Und aus dieser Abwärtsspirale finden sie einfach alleine keinen Weg mehr heraus." Seelische Erkrankungen sind sehr vielfältig, deshalb sind sie in unserer Gesellschaft auch so schwer greifbar und kämpfen immer noch um Akzeptanz.

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Was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Psychotherapie?

Entscheidend für den Erfolg einer Psychotherapie ist, dass Patient und Therapeut zueinander passen. Je vertrauensvoller diese Beziehung ist, desto besser wird die Psychotherapie funktionieren. Der Patient sollte sich zu Beginn auf jeden Fall Zeit nehmen. Er kann bis zu vier Probesitzungen bei einem kassenzugelassenen Therapeuten in Anspruch nehmen, erst dann muss er sich entscheiden, ob er eine Therapie beginnen möchte.

Wenn die intensive Phase der Therapie begonnen hat, kann der Patient ebenfalls großen Einfluss auf deren Verlauf nehmen. Dürst: "Der Patient muss wirklich den Willen haben, seine psychischen Probleme offen anzugehen. Er sollte in den Sitzungen ehrlich sein – zu sich selbst und zu seinem Therapeuten. Wer sich selbst weiterhin belügt, der wird es schwer haben, die wahren Gründe seiner Erkrankung zu erkennen. Außerdem hilft es Probleme laut zu formulieren, das gibt häufig ein Gefühl der Befreiung und ist damit der erste Schritt auf dem Weg zu einer gesunden Seele."

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Thomas Dürst arbeitet als Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut in Berlin. Seine Spezialgebiete sind vor allem psychosomatische Erkrankungen, Burnout-Symptomatiken und sowie Angst- und Depressionserkrankungen. Mehr Informationen über Herrn Dürst und seine Kontakt-Daten finden Sie auf seiner Website.

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