01.03.2019

Hilfe vom Experten Ausweg aus der Seelen-Krise: Der Ablauf einer Psychotherapie

Was passiert bei eine Psychotherapie? Erfahren Sie hier mehr über den Ablauf.

Foto: iStock/KatarzynaBialasiewicz

Was passiert bei eine Psychotherapie? Erfahren Sie hier mehr über den Ablauf.

Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Problemen. Wenn die Seele krank wird, braucht sie professionelle Hilfe. Lesen Sie hier die wichtigsten Informationen über den Ablauf einer Psychotherapie.

Der Schritt zum Psychotherapeuten bzw. Psychologen fällt vielen Menschen schwer: oft ist es die Angst vor dem Ungewissen – und die Überwindung. Dabei zeigen Studien, dass eine Psychotherapie häufig eine signifikante Verbesserung der seelischen Probleme bewirken kann. Sie ist eine anerkannte Therapieform – und obwohl jeder Patient unterschiedlich ist, unterliegt die Psychotherapie einem festgeschriebenen Ablauf.

Der Ablauf einer Psychotherapie

Thomas Dürst, Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut aus Berlin, erklärt: "Viele Patienten kommen anfangs mit einer gewissen Skepsis in die Praxis. Sie wissen nicht, was passiert, sie haben Angst, etwas falsch zu machen, etwas Falsches zu sagen. Den Beleg dafür zu kriegen, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.“

Das ist aber der falsche Ansatz, erklärt Dürst: "Die Psychotherapie will den Patienten helfen. Sie zeigt Möglichkeiten und Wege auf, die seelischen Probleme zu bewältigen. Zum Beispiel, wenn das Denken, Fühlen, Erleben und Handeln beeinträchtigt ist und es keine körperlichen Ursachen dafür gibt.“

Die psychotherapeutische Auseinandersetzung mit den eigenen Problemen kann die Seele heilen und die Lebensqualität steigern. Patient und Therapeut sollten dafür eng zusammenarbeiten. Aber natürlich müssen die Patienten während der Therapie nichts tun, was sie nicht möchten.

Dürst: "Im Zentrum einer Psychotherapie stehen Gespräche zwischen dem Therapeuten und dem Patienten. Je nach Therapieform werden dabei unterschiedliche Methoden verwendet. Während der Sitzungen entscheidet der Patient, wo es langgeht und in welchen Maßen er sich öffnen will, der Therapeut unterstützt und zeigt verschiedene Wege, Denkrichtungen und Handlungsmöglichkeiten auf. Die Psychotherapie ist ein Miteinander.“

Aber was genau passiert bei einer Psychotherapie? Im Folgenden können Sie hier mehr über den Ablauf lesen.

Probleme angehen

Aus manchen Krisen im Leben kommt man einfach nicht mehr alleine raus. Wenn psychische Probleme länger anhalten, zur Belastung im Alltag werden oder sich sogar durch körperliche Symptome ausdrücken, ist es ratsam, professionelle Hilfe aufzusuchen. Wer eine Psychotherapie macht, ist bereit, seine Probleme nicht mehr zu verdrängen, sondern einen aktiven Weg für die Bewältigung zu suchen. Dürst: "Fast jeder Mensch durchlebt im Laufe seines Lebens mindestens einmal eine seelische Krisensituation, die ihn aus dem Gleichgewicht bringt. Halten die Probleme über einen längeren Zeitraum an oder verursachen sie sogar körperliche Schmerzen, sollte über eine Psychotherapie nachgedacht werden."

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Der erste Kontakt

Der erste Schritt, um einen Psychotherapeuten zu finden, ist meist das Telefon. Patient und Therapeut besprechen kurz die Art der seelischen Erkrankung, danach wird ein Termin für eine Probe-Sitzung ausgemacht, bei der sich beide persönlich kennenlernen können.

Vier Probesitzungen

Damit die Therapie erfolgreich verlaufen kann, muss die Chemie – die sogenannte Passung – zwischen Patient und Therapeut stimmen. Der Patient sollte den Therapeuten daher bewusst auswählen und kann dafür verschiedene Praxen aufsuchen. Er kann bis zu vier sogenannte probatorische, also prüfende Sitzungen besuchen. Sie dienen beiden Seiten zum Kennenlernen.

In der ersten Stunde der Probesitzungen geht es zunächst um das Kennenlernen. In den Stunden zwei bis fünf klärt der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten die Symptomatik, die aktuelle Lebenssituation und die Lebensgeschichte ab. Häufig werden in dieser Phase Fragebögen oder standardisierte Interviews eingesetzt, so kann die Entwicklung während der Therapie besser bewertet werden.

Am Ende der Probesitzungen sollte der Therapeut dem Patienten seine Eindrücke mitteilen und eine erste Einschätzung vom Krankheitsbild abgeben. Der Patient sollte nach den vier Sitzungen genügend Erfahrungen mit dem Therapeuten gesammelt haben und Kenntnis über das Therapieangebot haben, so dass er sich für oder gegen eine Psychotherapie entscheiden kann.

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Antrag bei der Krankenkasse einreichen

Entscheidet sich der Patient für eine Psychotherapie, muss nach den vier Probesitzungen ein Antrag an die Krankenkasse gestellt werden, damit diese die Kosten übernimmt. Dieser Antrag kann für eine Kurzzeit-Therapie mit 24 Stunden oder eine Langzeittherapie mit 60 Stunden sein. Bei der Kurzzeit-Therapie reicht meist ein Formular, das der Therapeut zur Krankenkasse schickt.

Sofern der Patient in den letzten zwei Jahren vor Antragstellung keine ambulante Psychotherapie zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung durchgeführt hat, wird der Antrag in der Regel befürwortet.

Die ersten 10 Stunden der Psychotherapie

Jetzt kann die Psychotherapie beginnen. Und natürlich gibt es auch hierfür einen genauen Ablauf, dem ausgebildete Psychotherapeuten folgen. Dürst: "Die ersten zehn Stunden sind die Startphase der Therapie. Hier wird die Diagnostik noch einmal vertieft, die seelischen Beschwerden konkreter formuliert und die Ziele festgelegt. Der Patient soll in dieser Zeit mithilfe seines Therapeuten erkennen, wie sein seelisches Ungleichgewicht entstanden ist und wo seine Probleme liegen – um diese in der nächsten Phase aktiv angehen zu können."

Ab der 10. Stunde

Nachdem in den ersten Stunden der frühere Zustand und der Ist-Zustand besprochen wurden, folgt jetzt die Phase, in der die Probleme durch ein Umdenken, konkrete Handlungen und weitere Maßnahmen bearbeitet werden. Dürst: "Jetzt beginnt die sogenannte zentrale Arbeitsphase der Therapie. Der Patient soll das Gelernte in seinen Alltag integrieren, sich über die Therapiesitzung hinaus mit dem Thema beschäftigen. Hierbei helfen häufig auch Hausaufgaben oder häusliche Beobachtungsübungen. Dabei ist es wichtig, dass der Patient lernt: die Therapie geht auch zwischen den Stunden weiter."

Diese sogenannte Selbstregulationsphase dauert natürlich bei jedem Patienten unterschiedlich lang. Sie kann zwischen zehn, 20 oder auch 30 Stunden in Anspruch nehmen. Sollten Therapeut und Patient merken, dass eine Kurzzeit-Therapie doch nicht ausreichend ist, kann bei der Krankenkasse einen Verlängerung beantragt werden.

Ende der Psychotherapie

Konnten die seelischen Probleme des Patienten aufgearbeitet werden und fühlt er sich wieder fit für den Alltag, folgt die Beendigungsphase. Fünf bis acht Sitzungen vor dem Ende sollte der Therapeut explizit angesprochen haben, dass die Therapie bald vorbei sein wird. Dürst: "Im Rahmen einer Therapiebilanz wird dann erarbeitet, was der Patient in der Therapie erreicht hat oder auch, an welchen Stellen er noch weiter an sich arbeiten sollte. In den Sitzungen hat der Patient das 'Werkzeug' mitbekommen, um seinen Alltag und sein Leben wieder alleine zu meistern."

Nachbetreuung

Sollte der Patient nach Abschluss der Therapie merken, dass er doch weiterhin professionelle Hilfe braucht, sollte er wieder Kontakt mit seinem Therapeuten aufnehmen. Zusammen wird dann nach individuellen Lösungen gesucht.

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Thomas Dürst arbeitet als Psychologe und psychologischer Psychotherapeut in Berlin. Seine Spezialgebiete sind vor allem psychosomatische Erkrankungen, Burnout-Syptomatiken sowie Angst- und Depressionserkrankungen. Mehr Informationen über Herrn Dürst und seine Kontakt-Daten finden Sie auf seiner Website.

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