15.02.2019

Gefährlich oder harmlos? Abgelaufene Medikamente: "Kann man die noch nehmen?"

Schauen Sie genau hin: Ist das Medikament, das Sie einnehmen müssen, abgelaufen? Dann sollten Sie es besser entsorgen.

Foto: iStock/Thomas_EyeDesign

Schauen Sie genau hin: Ist das Medikament, das Sie einnehmen müssen, abgelaufen? Dann sollten Sie es besser entsorgen.

"Die verlieren doch nur ihre Wirksamkeit", heißt es immer. Doch abgelaufene Medikamente können durchaus gefährlich sein. Warum Sie das Verfallsdatum unbedingt beachten sollten.

Da sucht man mal wieder verzweifelt im Arzneischrank nach diesem einen Mittel, das man nur alle heiligen Zeiten mal braucht – und stellt fest: das Haltbarkeitsdatum ist überschritten! Was tun? Neu kaufen? Oder darf man abgelaufene Medikamente noch nehmen? Und wenn ja, welche? Was kann passieren?

Abgelaufene Medikamente: Warum lieber wegwerfen?

Anders als bei Lebensmitteln, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum eher eine Empfehlung ist – wie der Name schon verrät –, kann es bei Arzneimitteln etwas anders aussehen. Der Standardsatz "ein Medikament verliert nur seine Wirksamkeit" lässt sich nämlich so nicht bestätigen.

Tatsächlich ist dem so beispielsweise im Falle von Acetylsalicylsäure, dem Arzneistoff, aus dem Aspirin hergestellt wird. Der Stoff beginnt zwar, sich nach einigen Jahren zu zersetzen – aber lediglich in nichtschädliche Bestandteile. Die Wirkung lässt also nach. Dennoch empfehlen Apotheker, auch Aspirin nicht mehr zu nehmen, ist es bereits längere Zeit abgelaufen. Denn jeder Mensch reagiert anders. Selbst wenn der eine nichts merkt, reagiert ein anderer vielleicht allergisch.

Anders sieht es etwa bei Medikamenten gegen Bluthochdruck aus. Manche davon enthalten Hydrochlorothiazid – und das wiederum zersetzt sich nach einigen Jahren unter anderem in Formaldehyd, ein krebserregender Stoff.

Wieder anders verhält es sich mit Antibiotika: Hier ist die Wirkstoffabnahme das Problem an der Sache. "Genügt die Wirkstoff-Dosis nicht, um die minimale Hemmkonzentration zu erreichen, befördert das Resistenzen", erklärt dazu Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker gegenüber der Apotheken-Umschau. Soll heißen: Wenn die Wirkstoffkonzentration nicht mehr ausreicht, um alle Bakterien abzutöten, könnten widerstandsfähige Bakterien überleben – und eben resistent gegenüber dem Antibiotikum werden.

Nicht nur aufs Datum kommt es an: Welche Medikamente sind besonders empfindlich?

Wer seine Arzneien im Badezimmer lagert, hat es möglicherweise schon einmal erlebt: Acetylsalicylsäure ist extrem sensibel gegen Feuchtigkeit. Kommt der Stoff etwa mit hoher Luftfeuchtigkeit in Berührung und die Verpackung ist nicht ganz dicht, zersetzt er sich.

Andere Stoffe, darunter diverse Kalzium-Antagonisten in Mitteln gegen Bluthochdruck, vertragen kein Licht und zersetzen sich etwa unter Sonneneinstrahlung. Dunkel und trocken lagern lautet also die Devise. Immer!

Ab wann gehören Medikamente in den Müll?

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. (ABDA) erklärt, dass Medikamente rund fünf Jahre lang haltbar sind – zumindest bei Tabletten oder Pulvern.

Bei flüssigen Produkten – Tropfen, Säften und Sprays, aber auch bei vielen Salben – kann sich das Verfallsdatum nach Anbruch auf nur wenige Wochen verkürzen.

Generell sollten Sie am besten die Verpackung aufbewahren oder zusehen, dass Sie den eingeprägten Datumsteil in einem Blister behalten. Denn anders als es bei Lebensmitteln der Fall ist, sieht man Medikamenten in der Regel nicht an, wenn sie "schlecht" werden.

Da man bei den meisten Arzneimitteln gar nicht genau sagen kann, in welche Bestandteile sie sich nach Verfall zersetzen, sollte für Endverbraucher gelten: Abgelaufene Medikamente entsorgen!

Abgelaufene Medikamente entsorgen: Nicht einfach in den Hausmüll!

Wohin aber nun mit den abgelaufenen Medikamenten? Entsorgen sollten Sie diese nur unter bestimmten Umständen einfach so über den Hausmüll, da die Bestandteile unter anderem ins Grundwasser übergehen und dieses verseuchen können. Darunter leiden Landwirtschaft, Umwelt und auch Sie selbst, sollten Sie mit Medikamenten versetztes Trinkwasser zu sich nehmen.

Aus diesem Grund sollten Sie Arzneimittel auch niemals über die Toilette in die Kanalisation spülen oder etwa Säfte und Tropfen einfach in den Ausguss kippen.

Im Restmüll dürfen Sie Tabletten und Co nur dann entsorgen, wenn die Kommune oder der Landkreis, in dem Sie leben, diesen verbrennt. Nachlesen können Sie das auf der Seite Ihrer städtischen Müllabfuhr.

Besser sind Schadstoffsammelstellen, die es zumindest in Städten meist gibt.

Aber auch manche Apotheken nehmen alte Medikamente zurück. Am besten fragen Sie in der Apotheke Ihres Vertrauens nach, wo Sie mit den abgelaufenen Medikamenten hin können.

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Sie haben Probleme beim Tabletten schlucken? Wir haben da noch ein paar Tricks für Sie zusammengestellt.

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