04.02.2019

Lipödem: Neue Hoffnung für Betroffene Ist die Fettabsaugung bald Kassenleistung?

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Darum zahlen Krankenkassen ab 2020 das Fettabsaugen bei Frauen

Fettabsaugen wird für Frauen ab 2020 von den Kassen gezahlt
Fr, 25.01.2019, 17.22 Uhr

Darum zahlen Krankenkassen ab 2020 das Fettabsaugen bei Frauen

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Menschen, die unter einer krankhaften Fettverteilung, einem Lipödem leiden, sind in ihrem Alltag eingeschränkt. Berührungen sind schmerzhaft und auch der psychische Leidensdruck ist enorm.

Bis zu drei Millionen Frauen mit krankhaften Fettverteilungsstörungen leiden täglich darunter, dass die Krankenkassen ihre Therapie nicht bezahlen. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will das jetzt ändern und verspricht schnelle und unbürokratische Hilfe. Wie sehen die Pläne aus? Ist die Fettabsaugung also bald Kassenleistung?

Die Fettabsaugung bei Lipödem soll für Patientinnen im Stadium drei ab dem 1. Januar 2020 zunächst befristet bis 2024 zulasten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) verordnet werden können. Mit diesem Vorschlag hat sich Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) gewendet.

Der Minister sprach heute von einer "guten Nachricht" für Frauen, die unter krankhaften Fettverteilungsstörungen leiden. "Endlich hat sich der Gemeinsame Bundes­aus­schuss bewegt und ermöglicht Hilfe für die besonders betroffenen Patientinnen", sagte Spahn der Funke-Mediengruppe. Dazu wurde ein Änderungsantrag zum Terminservice- und Versorgungsgesetz eingebracht, der noch vom Parlament beraten werden muss. Die Liposuktion (Fettabsaugung) bei Lipödem soll in der Folge per Rechtsverordnung dann Kassenleistung werden.

BILD der FRAU spach mit Christian Roessing, seit 20 Jahren Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, über die Liposuktion, ihre Möglichkeiten und die Chancen auf Bewilligung durch die Krankenkassen.

Herr Roessing, was genau passiert bei einer Liposuktion?

Christian Roessing: Bei einer Fettabsaugung werden Fettzellen aus dem Gewebe durch Sog entfernt. Dafür müssen sie zunächst gelöst werden, indem eine Flüssigkeit in die abzusaugenden Regionen gespritzt wird. Anschließend wird über sogenannte Kanülen, die einige Millimeter dick sind, abgesaugt.

Die Techniken haben sich in den letzten Jahren revolutioniert und sind immer schonender geworden. Wir verwenden zumeist die Wasserstrahl assistierte Liposuktion. Hier wird mit erhöhtem Druck die Flüssigkeit eingespritzt und die Saugung kann direkt ohne längere Einwirkzeit beginnen. Dies ist gerade bei größeren Mengen sehr effektiv.

Mit welchen Nachwirkungen ist zu rechnen?

Ist die OP sachgemäß durchgeführt, sind Nachwirkungen selten. In der Regel gibt es Blutergüsse, Schwellungen und postoperative Schmerzen. Diese sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Nach einer Fettabsaugung muss Kompressionswäsche getragen werden. In einigen Fällen ist eine Lymphdrainage erforderlich (Massagen durch Physiotherapeuten).

Wie viele solcher Eingriffe betreuen Sie in Ihrer Praxis in der Woche? Lässt sich hier eine Tendenz ablesen?

Schon von jeher ist die Fettabsaugung eine der gefragtesten Eingriffe, nicht nur in unseren Kliniken. Wir betreuen in Berlin und Köln wöchentlich mehr als 15 Patientinnen und Patienten. Tendenziell steigt die Nachfrage. Dies auch unter medizinischen Aspekten, da eine Liposuktion bei der Erkrankung Lipödem als Therapiemethode zwischenzeitlich anerkannt ist.

Bei welchen Patienten ist ein solcher Eingriff sinnvoll?

Handelt es sich um eine Fettabsaugung aus ästhetischen Gründen, dann eignen sich am besten Patienten mit Problemzonen ohne nennenswertes Übergewicht. Zum Beispiel der berühmte Schwimmring oder die Oberschenkel Innenseiten o.ä.

Sollte jedoch ein diagnostiziertes Lipödem entfernt werden, ist dies keine Schönheits-OP, sondern therapeutisch. Diese Verteilungsstörung besteht in der Regel an den Beinen und Armen, es sind ausschließlich Frauen davon betroffen. Um ein Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten, sollte nicht erst in einem späten Stadium operiert werden, sondern idealerweise im Stadium 2.

Was kostet eine Liposuktion im Schnitt?

Je nach abzusaugender Zone und Anzahl liegt eine Liposuktion zwischen 1500 und 5000 Euro. Die Kosten werden nach der Gebührenordnung errechnet.

Wann übernimmt die Kasse die Kosten einer solchen Operation?

Bisher übernimmt weder die gesetzliche noch die Private Kasse Kosten für eine Fettabsaugung. Allerdings scheint im Moment, angestoßen durch den Bundesgesundheitsminister Spahn, hinsichtlich der Kostenübernahme beim Lipödem Hoffnung aufzukommen.

Frauen mit Lipödem im Stadium drei sind laut G-BA besonders schwer betroffen von der dringlichen Behandlungsindikation, haben den höchsten Leidensdruck und für sie gibt es keine akzeptablen therapeutischen Alternativen.

Die Prüfung der Liposuktion bei Lipödem für Frauen mit Stadium eins und zwei soll dem Vorschlag zufolge nach Abschluss einer kontrollierten Studie erfolgen. Voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2020 könnten die ersten Patientinnen im Rahmen der Studie also operiert werden.

Was können Betroffene tun, um den Bewilligungsprozess zu initiieren oder zu beschleunigen?

Derzeit empfehlen wir, Befundberichte und Behandlungsunterlagen weiterhin einzureichen und mit der Krankenkasse eng in Verbindung zu bleiben. Gern können Sie sich auch an uns für weitere Informationen wenden: www.metropolitan-aesthetics.de.

Was ist eine Lipödemerkrankung: Lesen Sie was passiert, wenn Fettzellen außer Kontrolle geraten sind. Und was ist, wenn Diät und Sport nicht helfen? Lesen Sie alles zum Dickmacher Lipödem.

Nicht immer ist verständlich, welche Leistungen die Krankenkasse übernimmt. Muss sie z.B. die Entfernung einer Fettschürze zahlen?

Ist die Fettabsaugung bald Kassenleistung? Informieren Sie sich hier, bei welchen Patienten eine Liposuktion sinnvoll ist. Denn Fettabsaugen ist kein Abnehmtrick.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: Schlank durch Fettabsaugen.

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