24.01.2019

Unkonventionelle Geburt Der Kaiserschnitt: Alles zu Vorteilen und Risiken

Die Narbe eines Kaiserschnitts ist heute für viele Mütter kein Problem mehr. Aber es gibt auch andere Folgen der Sectio.

Foto: iStock/DashaMuller

Die Narbe eines Kaiserschnitts ist heute für viele Mütter kein Problem mehr. Aber es gibt auch andere Folgen der Sectio.

Rund ein Drittel aller Geburten in Deutschland werden mit Kaiserschnitt durchgeführt. Warum nicht immer ein Notfall dahinter steckt und warum Ärzte immer Nutzen und Risiken gegeneinander abwägen.

Was passiert eigentlich bei einem Kaiserschnitt und wie sehen die Folgen aus – gibt es Spätfolgen? Nicht immer scheinen Frauen im Vorfeld an einen Kaiserschnitt richtig aufgeklärt zu werden. Manchmal führt aber auch einfach kein Weg an dieser Art der Geburt vorbei. Da lohnt es sich, präventiv im Vorfeld Informationen zu sammeln – auch für einen geplanten Kaiserschnitt. Die wichtigsten lesen Sie hier – trotzdem sollten Sie natürlich den Rat von Ihrem Arzt oder der Hebamme einholen.

Der Kaiserschnitt: Worauf ist zu achten?

Der Kaiserschnitt ist heute nicht mehr einfach eine Notoperation, wenn Mutter und Kind einem hohen Risiko ausgesetzt sind. Oft wird er auch geplant durchgeführt, wenn medizinische Gründe vorliegen. Aber auch auf Wunsch übernehmen Ärzte heute Kaiserschnitte, etwa wenn persönliche Gründe vorliegen.

Bei einem Kaiserschnitt, oft auch einfach Sectio (von Sectio caesaria) genannt, findet die Geburt nicht auf natürlichem Wege durch den Scheideneingang der Mutter statt, sondern das Kind wird durch einen Schnitt in Bauchdecke und Gebärmutter aus dem Körper der Mutter geholt.

Warum Kaiserschnitt? Medizinische Gründe

Unterschieden wird erst einmal zwischen absoluten und relativen Gründen bzw. Indikationen. Absolute Indikation für einen Kaiserschnitt besteht aus der Not heraus, wenn die Gesundheit von Mutter und/oder Kind in Gefahr sind. Relative Gründe werden aufgeführt, wenn eine natürliche Geburt zwar möglich, aber risikoreicher ist.

Absolute Gründe sind etwa:

  • Das Kind liegt quer
  • Der Kopf ist zu groß für das Becken der Mutter
  • Die Gebärmutter droht einzureißen
  • Der Mutterkuchen löst sich vorzeitig ab oder liegt vor dem Gebärmutterhals
  • Schwangerschaftsbluthochdruck mit Krämpfen oder in akut starker Form (HELLP-Syndrom) sowie Schwangerschaftsvergiftung
  • Fetale Azidose des Kindes (übersäuerter Stoffwechsel)

Immer dann muss ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, damit weder Mutter noch Kind tödlicher Gefahr ausgesetzt sind.

Relative Gründe treten oft während der Geburt auf, können aber auch im Vorfeld ausschlaggebend sein:

  • Das Kardiotokogramm, das die Herzschläge des Kindes während der Wehen überwacht, ist auffällig
  • Die Geburt dauert zu lange oder steht still
  • Die Mutter ist während der Geburt zu erschöpft, um das Kind auf natürlichem Weg zu gebären
  • Es handelt sich um Drillinge oder noch mehr Kinder
  • Das Gewicht des Kindes überschreitet 4.500 g
  • Die Mutter hatte bereits einen Kaiserschnitt

Liegt das Kind falsch herum (Beckenendlage), muss nicht zwingend ein Kaiserschnitt gemacht werden. Empfohlen wird die Sectio, wenn das Kind mehr als 3.800 g wiegt, die Lage zu kritisch ist und die Mutter eine Beckenanomalie aufweist.

Der Kaiserschnitt auf Wunsch: Warum?

Viele werdende Mütter entscheiden sich aber auch ohne Risiken für einen Kaiserschnitt, etwa weil sie Verletzungen an der Vagina befürchten, sich nicht Stunden oder gar Tage dauernden Schmerzen aussetzen wollen oder können oder aber einfach den Geburtstermin planen möchten. Dabei sollten sich werdende Eltern aber genau überlegen, ob sie diese Art der Geburt tatsächlich wählen möchten. Denn die Nachteile überwiegen nach Ärztemeinungen.

Beim Kaiserschnitt handelt es sich nämlich um eine Operation – und die ist immer schon mit Risiken verbunden. Und auch die Folgen – auch Spätfolgen – können stark beeinträchtigen. Und kritisiert wird auf moralischer Ebene, dass das "Erlebnis Geburt" dabei fehlt und möglicherweise dadurch die Mutter-Kind-Bindung leiden könne. Prinzipiell kann sich aber jede werdende Mutter für einen Wunschkaiserschnitt entscheiden. Schließlich handelt es sich um ihren Körper.

Zudem sollte aber beachtet werden, dass ein Wunschkaiserschnitt nicht immer von den Krankenkassen übernommen wird. Das kommt auf die Klinik an. Kliniken lehnen Wunschkaiserschnitte selten ab – aber nicht jede berechnet diesen über die Krankenkasse. In dem Fall kommen Kosten von 3000 Euro auf die werdende Mutter zu.

Risiken beim Kaiserschnitt genau bedenken

Eine Vollnarkose beim Kaiserschnitt wird heute meist nur im Notfall durchgeführt, da sie zu viele Risiken für Mutter und Kind birgt. Bei einer örtlichen Betäubung gelangen die Mittel nicht ins Blut, sie sind daher schonender – die Wirkung setzt allerdings später ein. Das kann ein entscheidender Nachteil sein, wenn die Zeit drängt.

Die Risiken eines Kaiserschnittes sind zwar in den vergangenen Jahren gesunken, der Eingriff ist aber mittlerweile Routine. Dennoch dürfen sie nicht kleingeredet werden.

Kurzfristige Komplikationen sind folgende:

  • Hoher Blutverlust bei der Mutter, auch nach der OP
  • Probleme bei Narkose und Betäubung
  • Verletzen benachbarter Organe
  • Erhöhte Thrombosen- und Embolie-Gefahr (Blutgerinnsel)
  • Infektionen
  • Störung der Wundheilung nach der OP

Aber auch mit langfristigen Komplikationen sollten Patientinnen rechnen:

  • Verwachsungen bei der Wundheilung
  • Lagerungsschäden (wenn Nerven gereizt werden, kann das zu Kribbeln und Lähmungen führen)

Und auch psychische Probleme können auftreten, etwa:

  • Probleme in der Mutter-Kind-Bindung, weil die Geburt auf nicht natürlichem Wege passiert ist
  • Posttraumatische Belastungsstörung (Angst, Schlafprobleme, Überempfindlichkeit), eher nach einem Not-Kaiserschnitt

Langzeitfolgen beim Kaiserschnitt nicht vernachlässigen

Mütter sollten nach einer Sectio mit ein paar Langzeitfolgen rechnen, die zwar nicht eintreten müssen, aber durchaus können:

  • Außerdem kann sich in nachfolgenden Schwangerschaften das Risiko einer Fehlgeburt oder Totgeburt leicht erhöhen
  • An der Plazenta können in nachfolgenden Schwangerschaften Komplikationen auftreten (Fehllage des Mutterkuchens, Haftungsstörungen, vorzeitige Ablösung)

Aber auch für das bei einem Kaiserschnitt zur Welt gekommene Kind gibt es mögliche langfristige Folgen:

So kann ein erhöhtes Asthmarisiko bis zum Alter von zwölf Jahren sowie ein höheres Adipositas-Risiko (starkes Übergewicht) bis zum Alter von fünf Jahren auftreten. Auch sind wohl die Risiken für Diabetes- und Krebserkrankungen sowie Allergien etwas höher, wie in einer Studie der Universität Karolinska Stockholm herausgefunden wurde. Dies liege laut Studie kurz ausgedrückt daran, dass der Fötus bei einer vaginalen Geburt einem gewissen Stress, einem "positiven Stress" ausgesetzt sei, der die Immunabwehr des Kindes beeinflusse. Dieser Stress tritt bei einem Kaiserschnitt demnach nicht auf. Zudem fehle der Kontakt zu den vaginalen Bakterien der Mutter, die das Immunsystem zusätzlich stärken würden.

Unmittelbare Risiken für das Kind: Beim Kaiserschnitt geringer

Das Kind ist beim Kaiserschnitt allerdings weniger Risiken ausgesetzt, als bei der vaginalen Geburt – vorausgesetzt, es ist sonst gesund und liegt normal.

Für die Mutter sind die Hauptvorteile:

Vorteile und Nachteile abwägen

Der geplante Kaiserschnitt sowie die Sectio auf Wunsch ist in den vergangenen Jahren trotz genannter Restrisiken immer beliebter geworden. Rund ein Drittel aller Geburten werden heute so durchgeführt.

Und manchmal ist der Kaiserschnitt eben unumgänglich. Im Notfall müssen Ärzte schnell zwischen den Risiken beider Geburtsformen abwägen. Beim Wunsch nach einer Sectio sollten Sie im Vorfeld genau mit Ihren behandelnden Ärzten sprechen und sich Für und Wider genauestens aufzeigen lassen.

Bei all den Fragen, die während einer Schwangerschaft auftreten, sollten Sie aber niemals vergessen, wie wunderbar eine solche ist. Damit Sie gut vorbereitet sind sowie sich auch nach der Geburt im Wochenbett wohlfühlen können, sprechen Sie regelmäßig mit Ihrer Hebamme und den Ärzten. Ein Blick auf unsere Themenseite Schwangerschaft lohnt sich aber sicherlich auch.