08.01.2019

Alternativen gesucht? Schneckenkorn: Nicht nur giftig, sondern grausam

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Lästig sind Schnecken, wenn sie sich über den Salat hermachen. Warum Sie auf gefährliches Schneckenkorn verzichten sollten und wie Sie die gefräßigen Weichtiere sonst von Ihren Beeten fernhalten, ohne Mensch und Tier zu gefährden...

Foto: iStock/AlexRaths

Lästig sind Schnecken, wenn sie sich über den Salat hermachen. Warum Sie auf gefährliches Schneckenkorn verzichten sollten und wie Sie die gefräßigen Weichtiere sonst von Ihren Beeten fernhalten, ohne Mensch und Tier zu gefährden...

Damit sich die Weichtiere im Garten nicht über das Blumenbeet oder den Salat hermachen, arbeiten viele Hobbygärtner mit Schneckenkorn. Aber wie gefährlich ist das blaue Gift für Mensch und Tier? Und wie grausam die Anwendung für die Schnecke selbst? Wir stellen Alternativen vor.

Schneckenkorn wird häufig zur Schneckenbekämpfung eingesetzt. Allerdings schneiden sich Hobbygärtner damit ins eigene Fleisch, denn Schnecken werden von den Körnern zwar auf größere Entfernungen angelockt. Der Lockstoff der nicht gefressenen Körner sickert in den Boden und kann dadurch noch weitere Schnecken anlocken. Gleichzeitig aber ist Schneckenkorn giftig – und zwar nicht nur für die Weichtiere. Unsere Expertin, Tierheilpraktikerin Monika Weßeling, erklärt, warum Sie lieber zu Alternativen greifen sollten.

Schneckenkorn ist giftig: Welche Arten von Schneckengiften gibt es im Handel?

Es gibt zwei Arten von Schneckengiften, den sogenannten Molluskiziden – Stoffe, die giftig auf Mollusken wirken, die im Handel erhältlich sind.

Metaldehyde: Metaldehyd wirkt über die Schleimhaut. Die Schnecken schleimen aus und sterben qualvoll am Wasserverlust. Sie trocknen beim Sterben aus – dies kann mehrere Stunden dauern.

Eisen(III)phosphat: Dieses Mittel ist in der biologischen Landwirtschaft zugelassen. Die Schnecken nehmen die Körner oral auf. Da sie Eisen enthalten, wird der Rachen der Schnecken verschlossen und sie können nicht mehr fressen und nicht mehr trinken. Sie verhungern und verdursten innerhalb von mehreren Tagen. In dieser Zeit können sie sich aber noch vermehren und Eier ablegen. 500 Nachkommen können innerhalb kurzer Zeit nach dem Tod einer Schnecke schlüpfen.

Im Gegensatz zum Metaldehyd ist Eisen(III)phosphat per se nicht giftig in dem Sinne, dass es den Körper verändert. Es fungiert als Erstickungsmittel, kann in großen Mengen daher aber auch für größere Tiere gefährlich werden.

Schnecken sind Kannibalen: Tote Tiere locken neue an

Beide Schneckenkorn-Sorten wirken bei allen Schneckenarten, beispielsweise auch bei der Weinbergschnecke, die unter Naturschutz steht, oder bei anderen nützlichen Schnecken, wie dem Tigerschnegel. Der langsame Tod ist Tierquälerei für alle Schneckenarten.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Wenn die toten Tiere nicht rechtzeitig eingesammelt oder nicht gefunden werden, strömen sie einen Verwesungsgeruch aus, der neue Schnecken anlocken kann. Denn Schnecken sind Kannibalen – sie fressen die toten Tiere. Töten Sie also viele Schnecken im Garten und lassen sie dort liegen – was aufgrund der langsamen Sterbezeit meist der Fall ist –, locken Sie umso mehr Schnecken an, die sich neben ihren toten Artgenossen auch wieder über Ihre Pflanzen hermachen. Man geht davon aus, dass Schnecken Reviertiere sind. Rotten Sie also eine Kolonie aus, kommt eine neue an, die das Revier für sich vereinnahmt. Ein Kreislauf entsteht, den Sie ja eigentlich vermeiden wollten.

Wie wirken die Gifte auf Menschen und andere Tiere?

Nicht nur für Schnecken ist Schneckenkorn auf Metaldehyd-Basis giftig. Selbst kleine Mengen können bereits zum Tod von Kleintieren führen. Nicht nur durch das Auflecken können sich Katzen oder Hunde vergiften, sondern wenn sie mit den Pfoten die Erde berühren, in die Schneckenkorn gesickert ist. Säubern sie ihre Pfoten anschließend durch Lecken, gelangt das Gift in ihren Kreislauf.

Genauso gefährlich ist Metaldehyd-Schneckenkorn für Vögel, Bienen, Igel und Eichhörnchen, die sich in unseren Gärten herumtreiben und uns zum einen erfreuen, zum anderen aber auch sehr nützlich sind. Hier ist das Problem noch ein anderes: Diese Säugetiere und Vögel fressen Schnecken. Da das Gift aber sehr langsam in der Schnecke wirkt, kann es durchaus sein, dass sie eine bereits vergiftete Schnecke verspeisen und das Gift damit selbst aufnehmen.

Aber auch für Babys, Kleinkinder und Erwachsene sind die Gifte sehr gefährlich. Gerade für Kleinkinder stellt das Gift eine Gefahr dar. Ein Kind, das durch den Garten krabbelt oder läuft und die kleinen blauen Kugeln sieht, denkt möglicherweise, dass es sich um Bonbons handelt – und steckt sie sich unvermittelt in den Mund. Beim den deutschen Giftzentralen gehen jährlich zahlreiche Notrufe ein, sowohl Menschen als auch Tiere betreffend.

Zwar sind den hier erhältlichen Schneckenkörnern Bitterstoffe zugesetzt, aber auch die schützen nicht hundertprozentig. Gerade Mittel mit Metaldehyd schmecken leicht süßlich

Welche Symptome bei einer Vergiftung gibt es und was ist zu tun?

Symptome einer Schneckenkornvergiftung können sein:

  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Speichelfluss
  • Fieber
  • Atembeschwerden
  • Zittern

Die tödlichen Dosen liegen etwa in folgendem Bereich:

  • Erwachsener: 4 g
  • Kleinkind: 2 g
  • Hund: 0,2 bis 0,4 g je nach Rasse
  • Katze: 0,2 g
  • Kleintiere und Nagetiere: 0,1 bis 0,2 g

Sollte Ihr Tier draußen Schneckenkorn gefressen haben, bringen Sie es sofort in eine nahe gelegene Tierklinik. Zu viel Schneckenkorn kann zum Tod führen. Eine solche Vergiftung wird vom Halter vor allem bei Katzen oft zu spät festgestellt, da sie sich zurückziehen.

Haben Kinder oder Erwachsene Schneckenkorn aufgenommen, hilft am besten der Giftnotruf. Sie erreichen die Giftnotrufzentralen unter den hier genannten Nummern 24 Stunden am Tag. Wichtig ist der Notruf vor allem bei Aufnahme von Metaldehyd-Körnern. Aber auch wenn ein Kleinkind viel Schneckenkorn aus Eisen(III)phosphat aufgenommen hat, sollten Sie einen Arzt konsultieren, da Erstickungsgefahr besteht.

Gibt es Alternativen?

Ein Garten soll zur Entspannung und zur Freude aller Bewohner beitragen. Pflanzen sollen unbeschadet blühen. Viele Blumen werden von Schnecken verschmäht. Pflanzen Sie also am besten Blumen, die die Tiere nicht mögen. Dazu zählen das Alpenveilchen, die Bartnelke, Fuchsien, das Fleißige Lieschen, Hornveilchen, Löwenmäulchen oder Ziergräser.

Sehr gerne fressen Schnecken hingegen Dahlien oder Petunien. Diese Blumen sollten Sie daher am besten in Ampeln aufhängen, damit die Tiere dort nicht rankommen. Weitere Favoriten sind Sonnenblumen und Rittersporn. Schnecken mögen vor allem junge Pflanzen, aber auch schwache und kranke.

  • Eine mechanische Alternative zu Gift ist ein Schneckenzaun: Schneckenkragen können vor allem kleine und junge Pflanzen schützen. Schneckenzäune aus Metall sind teuer, sollen jedoch eine sehr gute Wirkung haben. Schneckenkragen werden aus Plastik hergestellt und werden um einzelne Pflanzen gelegt.
  • Kamille oder Bohnenkraut sollen ebenfalls helfen, die Schädlinge abzuhalten. Sie können um Ihre Beete daraus einen Ring pflanzen. Einen Versuch ist es wert.
  • Haben sich schon Weichtiere angesiedelt? Bieten Sie den Schnecken Alternativen an. Beispielsweise können Sie feuchtes Weißbrot, Gurkenscheiben oder Unkräuter in die Nähe der gefährdeten Pflanzen legen.
  • Wenn die Blumenerde mit Krümeln durchsetzt ist, erschwert diese den Schnecken die Fortbewegung. Sie können den Boden mit Sägemehl mischen. Auch Kaffeepulver hält Schnecken fern.

Mulchen Sie den Boden nicht. Gießen Sie nach Möglichkeit Ihre Beete nicht abends. Bewässern Sie gezielt einzelne Pflanzen alle zwei bis drei Tage. Schnecken verlassen nachts ihre Verstecke und begeben sich auf die Suche nach Futter. Sie lieben Feuchtigkeit.

Schnecken mögen hohes Gras und können sich dort gut verstecken. Halten Sie daher Ihren Rasen um die Beete herum kurz. Dagegen sollten Sie etwas abgelegenere Stellen auf der Wiese nur sehr selten mähen, damit sich dort die Fressfeinde der Schnecken wohl fühlen können. Um die Feinde der Schnecken anzulocken, sollten Sie ein insektenfreundliches Klima schaffen. Pflanzen Sie heimische Gemüsesorten und Blumen an. Steinhaufen im Garten können Käfern Schutz bieten.

Das Absammeln der Schnecken verursacht keine Kosten und ist umweltverträglich. Legen Sie ein Brett oder einen umgedrehten Teller auf den Platz, wo Sie die Schnecken vermuten. Auch große Rhabarberblätter eignen sich. Die Schnecken verstecken sich tagsüber darunter und Sie können sie leicht absammeln. Laufenten sind eine gute Lösung, um das Problem zu bekämpfen – sie zu halten, ist aber nur für wenige Gartenbesitzer umzusetzen.

Verzichten sollten Sie auf Bierfallen. Die Tiere ertrinken elendig, und der Geruch lockt außerdem Schnecken in der Umgebung an. Nur wenige Tiere landen tatsächlich in den Fallen.

Weitere Möglichkeit: das "Opferbeet"

Wenn Sie einen größeren Garten haben, können Sie ein "Opferbeet" anlegen. Darauf können Sie von den Schnecken bevorzugte Gemüsesorten oder Blumen pflanzen. Dazu zählen grüne Salate und Kohlsorten sowie die bereits genannten Petunien und Dahlien. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Schnecken sich dann dort aufhalten und sich dem Angebot widmen werden. Sie können dort auch Gartenkresse aussäen, auch diese lieben Schnecken.

Bitte nutzen Sie aus den genannten Gründen keine Schneckenkörner. Die Alternativen sind vielfältig und Sie schützen damit Haustiere, Kinder und das Ökosystem. Vor allem metaldehydhaltiges Schneckenkorn ist giftig und sollte dem Garten fern bleiben.

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Monika Weßeling ist Tierheilpraktikerin und Katzenexpertin in Langenfeld (Rheinland). Mehr Infos zu ihr und ihrer Arbeit finden Sie auf tierheilpraxis-wesseling.de

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