04.01.2019

Gesund oder ungesund? Beeinflusst Soja die Hormone positiv oder negativ?

Öfter mal zum Tofu greifen? Immer wieder heißt es, Soja würde die Hormone durcheinanderbringen. Warum Sie trotzdem in der Regel eher vom Soja-Konsum profitieren, wann Sie aufpassen sollten.

Foto: iStock/Highwaystarz-Photography

Öfter mal zum Tofu greifen? Immer wieder heißt es, Soja würde die Hormone durcheinanderbringen. Warum Sie trotzdem in der Regel eher vom Soja-Konsum profitieren, wann Sie aufpassen sollten.

Dass Soja den Hormonhaushalt verändern kann, ist immer mal wieder zu hören. Wie Sie Ihren Soja-Konsum Ihrer Gesundheit anpassen, lesen Sie hier.

Eigentlich bietet Soja eine ausgezeichnete Proteinquelle, auf die gerade Vegetarier und Veganer gerne zurückgreifen. Neben der Tatsache, dass der Sojaanbau ökologisch nicht ganz unbedenklich ist, sollten wir aber auch aufgrund gesundheitlicher Faktoren den Verzehr der Bohne und der daraus hergestellten Produkte zumindest genauer unter die Lupe nehmen. Denn es kommt immer wieder der Verdacht auf, dass Soja die Hormone beeinflusst. Stimmt das? Und wenn ja, auf positive oder negative Weise?

Beeinflusst Soja Hormone? Was ist dran?

Der Boom nach sojahaltigen Lebensmitteln ist hierzulande nicht zuletzt durch eine gestiegene Anzahl an Vegetariern und Veganern in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Aber viele Menschen reduzieren ihren Fleischkonsum auch einfach und greifen vermehrt nach der Alternative aus der Sojabohne. Denn aus Soja lassen sich Tofu, Tempeh und mehr herstellen. Menschen mit Laktoseintoleranz greifen gern zur Sojamilch.

In asiatischen Ländern gehört die Sojabohne schon lange Zeit zu den Grundnahrungsmitteln. Nicht von ungefähr: sie ist günstig und zeichnet sich durch einen hohen Protein- und Nährstoffgehalt aus. Ungesättigte Fettsäuren, wenig Cholesterin, viel Kalzium und Folsäure, dazu Eisen, Magnesium, Mangan und Zink – klingt eigentlich nach einer Wunderpflanze, die übrigens schon seit über 5000 Jahren angebaut wird. Hinzu kommt, dass diverse Krebserkrankungen sowie Osteoporose und Herzprobleme im asiatischen Raum, wo viel Soja konsumiert wird, seltener auftreten. Belegt werden konnte der Zusammenhang nicht, aber der Gedanke ist naheliegend.

Warum also negative Schlagzeilen? Soja ist im Zuge dieses Tofu-Booms immer wieder in die Kritik geraten. Oft etwa, weil Soja die am häufigsten genmanipulierte Pflanze weltweit ist. Grund für die Gesundheitskritik ist aber vor allem auch: In Soja stecken Isoflavone – pflanzliche Hormone. Genauer sind dies die sekundären Pflanzenstoffe Genistein und Daidstein. Diese sogenannten Phytoöstrogene sind dem menschlichen Östrogen ähnlich – und so kommen Fragen auf, inwiefern ihre Aufnahme den menschlichen Hormonhaushalt beeinflusst.

Isoflavone können zellschützend, aber auch krebsfördernd wirken

Laut diverser Studien wirken Isoflavone antioxidativ – und daher krebsabwehrend. Weitere Studien haben sich damit befasst, ob ihr Verzehr Wechseljahrsbeschwerden lindert, andere haben untersucht, ob sie gegen Brustkrebs schützen – oder diesen im Gegenteil mitunter hervorrufen, indem sie die Krebszellen schneller wachsen lassen. Denn auch dies kam mitunter heraus. Laut Forschern seien diese sowohl positiven als auch negativen Wirkungen aber bislang ungesichert.

Denn bei Tests, die diese unterschiedlichen Wirkungen gezeigt haben, wurden immer sehr hohe Dosen eingesetzt. Die aber sind über eine normale Nahrungsaufnahme nur schwer zu erreichen.

Ob Isoflavone tatsächlich gegen Probleme in den Wechseljahren helfen, ist noch nicht ganz geklärt. Fakt ist, dass asiatische Frauen seltener unter klassischen Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen leiden. Es wird angenommen, dass die Isoflavone durch ihre Ähnlichkeit zu Östrogen die in der Menopause abfallenden Hormonkonzentration ausgleichen können und daher Symptome der Wechseljahre abschwächen. Allerdings sollten Sie hier nicht auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen, da die meist zu hoch dosiert sind. Es kommt also auf die ausgewogene und insofern richtige Ernährung in den Wechseljahren an.

Schilddrüsenkrankheiten: Wer trotzdem aufpassen sollte

Da Isoflavone dem Östrogen ähneln, können sie die Bildung von Schilddrüsenhormonen behindern. Wer an einer Schilddrüsenerkrankung leidet, sollte den Verzehr von Soja daher in jedem Fall vorher mit dem Arzt absprechen und im Zweifel lieber darauf verzichten.

Personen, die regelmäßig Tofu verzehren, haben dagegen allerdings ein um rund 55 Prozent geringeres Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

Wie so oft gilt: Auf die Dosis kommt es an

Wer körperlich fit ist und weder an einer Schilddrüsenerkrankung noch an einer Soja-Allergie leidet, kann bedenkenlos Sojaprodukte konsumieren – jedenfalls in Maßen. Dies gilt vor allem für Tofu sowie andere nur wenig verarbeitete Produkte aus der Bohne, darunter Sojamilch und Tempeh.

So bestätigt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): "Die Aufnahme von Isoflavonen kann im Rahmen einer normalen Soja-Kost bei üblichen Verzehrsmengen nach dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Kenntnisstand als unbedenklich angesehen werden."

Wer es also als gesunder Mensch mit dem Soja nicht übertreibt, beeinflusst seine Hormone nicht negativ – möglicherweise aber positiv, doch hier muss noch weiter geforscht werden.

Bei Säuglingsnahrung hingegen sollte man nach bisherigem Forschungsstand zumindest vorsichtig sein und lieber auf Soja verzichten. Zum einen sollte die Menge schon aufgrund des Körpergewichtes eines Kleinkindes geringer sein, zum anderen ist die Wirkung dieser sekundären Pflanzenstoffe nicht gänzlich erforscht und daher umstritten. Bis herausgefunden wurde, wie sich Soja auf das Wachstum von Kindern auswirkt, sollte daher auf Alternativen zurückgegriffen werden.

Erwachsene sollten sich laut US-Lebensmittelbehörde FDA an eine Verzehrmenge von 25 g Sojaprotein pro Tag halten. Und die stecken etwa in 300 g Tofu oder 800 ml Sojamilch.

Soja kaufen? Auf Herkunft achten

Wer sich jetzt aber Gedanken über den ökologischen Fußabdruck der Bohne macht, dem hilft vielleicht der folgende Denkansatz:

Zwar ist der Konsum an Sojaprodukten durch den Menschen in den vergangenen Jahren gestiegen. Doch noch immer werden rund 80 Prozent der weltweit angebauten Sojabohnen für die Fütterung von Tieren genutzt, die anschließend beim Schlachter landen und schließlich auf unseren Tischen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich ansehen, wo genau ein Sojaprodukt herkommt. Viele Hersteller schreiben dies deutlich sichtbar auf die Verpackung.

Denn Soja wird heute überall auf der Welt angebaut, sogar in Süddeutschland und Österreich – und zwar nachhaltiger als in den viel kritisierten Monokulturen in Südamerika. Letztere landen eher in der Futtermittelproduktion als in für den Menschen hergestellten Lebensmitteln aus Soja.

Ein Bio-Siegel zeigt außerdem, dass keine gentechnisch veränderten Zutaten verwendet wurden.

Ein moderater Konsum von Soja beeinträchtigt den Hormonhaushalt also zumindest nicht negativ, solange keine Vorerkrankungen vorliegen. Ihren Tofu können Sie sich demnach ruhig schmecken lassen.

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