04.12.2018

Runter damit Tabletten schlucken leicht gemacht

Wie sollen die nur rutschen? Wir verraten Ihnen Tricks beim Tabletten schlucken und auf welche Hilfsmittel Sie lieber verzichten sollten

Foto: iStock/Tijana87

Wie sollen die nur rutschen? Wir verraten Ihnen Tricks beim Tabletten schlucken und auf welche Hilfsmittel Sie lieber verzichten sollten

Vielen bleiben sie wortwörtlich im Halse stecken – oder die Angst, dass genau das passiert, ist groß. Tabletten schlucken sagt nicht jedem zu. Wie Sie es mit ein paar Tricks doch schaffen, Ihre Medizin zu nehmen...

Der Mensch ist es nicht gewohnt, große, trockene und unzerkaute Brocken zu schlucken. Kein Wunder, dass so manchem Pille oder Kapsel im Halse stecken bleibt. Wie das Tabletten schlucken ein wenig einfacher wird und bei welchen Tipps Sie besser aufpassen sollten, lesen Sie hier.

Tabletten schlucken: Je nach Art und Größe gar nicht mal so einfach

Tabletten schlucken ist nie angenehm. Manchmal zumindest machen es einem die Pharmahersteller wenigstens einfach und verpacken den Wirkstoff in kleiner Drageeform, die mit einem Schluck Wasser wie von selbst im Magen landet.

Aber dann wieder hat man wahre "Bomben" in der Hand, etwa so groß wie der Daumennagel. Oder die Tablette ist bröselig und trocken, so dass sie einfach nicht rutschen will. Oft hat das Ganze einfach mit dem Gedanken zu tun: Die Tablette sieht einfach gigantisch aus – "Wie soll ich die nur herunterbekommen?" Von Würgereiz bis hin zu Erbrechen berichten manche Patienten.

Und bei gefüllten Kapseln sieht es nochmals anders aus, denn die sind leichter als Wasser und neigen zudem dazu, auch mal am Gaumen zu kleben. Auch hier hat der eine oder andere seine Probleme.

Auf welche Tricks Sie verzichten sollten

Nun gibt es ja zum Glück ein paar Tricks – aber auch dabei gibt es je nach Tablettenart einiges zu beachten.

Mancher hilft sich damit, die Tabletten gar nicht erst einzunehmen – aber das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Gerade wenn es sich um lebenswichtige Blutdruckmedikamente oder anderes handelt, das der Körper dringend braucht, rät der Arzt zur Einnahme.

Auch das Auflösen in Wasser, das Zerteilen oder gar Zermahlen der Tabletten stehen hoch im Kurs unter Tablettenhassern. Doch die Vorgehensweise ist nicht immer die beste Wahl, etwa wenn es sich um magensaftresistente Dragees mit Überzug handelt, die erst im Darm wirken sollen, oder wenn die Wirkstoffe nach und nach freigesetzt werden sollen – sogenannte Retard-Tabletten.

So sollten Sie nur die Tabletten teilen, auf denen eine Sollbruchstelle erkennbar ist – aber auch hier sprechen Sie am besten noch einmal mit Ihrem Arzt oder Apotheker darüber.

Tricks, die tatsächlich helfen

Erste Regel ist immer: Tabletten sollten immer in aufrechter Haltung eingenommen werden: Also im Sitzen oder Stehen. Im Liegen ist die Gefahr, sich zu verschlucken sehr hoch und die Tablette geht schwerer den Hals herunter.

Findige Mediziner – Pharmakologen der Universität Heidelberg um Professor Walter Haefeli – haben aber mit der Zeit ein paar Tricks entwickelt, die tatsächlich funktionieren – mit ein bisschen Übung – nämlich der Flaschentrick für Tabletten und der Nick-Trick bei Kapseln:

  • Beim Flaschentrick für Tabletten füllen Sie eine dünnwandige, flexible Plastikflasche mit normalem Drehverschluss mit klarem, stillem Wasser. Jetzt die Tablette auf die Zunge legen, die Lippen um die Flaschenöffnung stülpen (so dass keine Luft durch kommt) und kräftig saugen, so dass sich die Flasche zusammenzieht. Dann den Kopf leicht nach hinten legen und das Wasser inklusive Tablette schlucken.
  • Für den Nick-Trick für Kapseln legen Sie die Kapsel auf die Zunge und nehmen einen Schluck stilles Wasser aus einem Glas. Jetzt neigen Sie den Kopf aber nach vorne. Da die Kapsel leichter ist als das Wasser, wird sie zum Rachen getragen – und kann geschluckt werden.

Vorsicht sollten aber Patienten walten lassen, die krankheitsbedingt, etwa nach einem Schlaganfall, unter Schluckstörungen leiden.

Womit schlucken? Klares Wasser ist immer noch am besten

Viele Patienten sind auch der Meinung, dass sich das Tabletten schlucken leichter bewältigen lässt, wenn man nur das richtige Getränk wählt. Wasser mag schließlich nicht jeder. Genau dieses ist und bleibt aber die beste Wahl. Denn mit manch anderer Flüssigkeit kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen:

  • Milch: Milch ist sehr reich an Kalzium, daher sollten Sie vor allem bei Antibiotika vorsichtig sein, denn das Kalzium kann sich mit dem Wirkstoff verbinden und verklumpen – und somit nicht mehr so gut ins Blut übergehen. Das Antibiotikum verliert dadurch einen Teil seiner Wirkung.
  • Kaffee: Das stimulierende Koffein ist vor allem bei blutdrucksenkenden Medikamenten keine gute Wahl – und auch bei Schmerzmitteln ist Vorsicht geboten: Denn die können die anregende Wirkung erhöhen, was sich auf Herz und Kreislauf niederschlägt.
  • Entkoffeinierter Kaffee: Da Kaffee neben Koffein aus rund 800 Inhaltsstoffen besteht, die nicht alle hundertprozentig erforscht sind, können Wechselwirkungen mit Medikamenten nicht ausgeschlossen werden.
  • Grapefruitsaft: In der Pampelmuse steckt der Pflanzenstoff Naringin – und den verarbeitet unsere Leber wie viele Arzneimittel. Ist die Leber also mit Naringin beschäftigt, kann sie sich nicht um eingenommene Medikamente kümmern und die Wirkstoffkonzentration im Blut steigt. Hier sind vor allem Antibiotika, Antidepressiva, Blutdrucksenker und Schmerzmittel betroffen. Die Wirkung kann tagelang anhalten.
  • Diätlimo: Süßstoffe wie Aspartam können leicht abführend wirken. Das kann zum einen Medikamente vorschnell aus dem Körper ausschwemmen, zum anderen aber auch verstärkend auf Medikamente gegen Verstopfung wirken. Durchfall und Austrocknung können folgen.
  • Heißgetränke: An sich ist ungezuckerter Kräutertee, etwa Kamille, auch eine Möglichkeit – allerdings in kalter Form. Heißgetränke können dazu beitragen, dass sich Tabletten schneller auflösen, was die Wirkung beeinträchtigen kann oder gar den Wirkstoff zerstört.
  • Mineralwasser: Auch bei Wasser sollten Sie aufpassen, wenn der Gehalt an Kalzium und Magnesium besonders hoch ist. Denn die können unter anderem die Wirkung von Blutdrucksenkern stören und die von Abführmitteln verstärken. Im Zweifel hilft Ihnen Ihr Arzt weiter.

Am besten eignet sich immer noch Leitungswasser, um Tabletten zu schlucken. Sofern Sie in einer Gegend mit besonders hartem Wasser wohnen, lohnt sich möglicherweise ein Wasserfilter – oder eben der Blick auf die Wasserflasche. Und wie gesagt, im Zweifel helfen Arzt oder Apotheker sicher weiter.

Bei Kopfschmerzen muss es zum Glück nicht immer der Griff zur Tablette sein. Es gibt ein paar Übungen, mit denen Sie Kopfschmerzen & Migräne vorbeugen können. Und auch der Blutdruck kann sich in manchen Fällen ohne Tabletten senken lassen. Allerdings: Sollte Ihr Arzt Ihnen ein Medikament gegen Bluthochdruck verschreiben, dann sollten Sie dieses auch nach Vorschrift einnehmen! Denn ein dauerhafter Bluthochdruck kann gravierende Folgen wie Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.

Hier finden Sie eine bebilderte Anleitung zum Flaschen- und Nick-Trick der Uni Heidelberg.

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