27.11.2018

Verunreinigungen in Wirkstoff Valsartan: Erneut Blutdruckmittel zurückgerufen

Blutdruckmittel in der Kritik: Erneut gibt es einen Rückruf von Valsartan, einem Stoff in Blutdrucksenkern. Was Sie jetzt beachten sollten und warum die Rücksprache mit dem Arzt so wichtig ist.

Foto: iStock/digicomphoto

Blutdruckmittel in der Kritik: Erneut gibt es einen Rückruf von Valsartan, einem Stoff in Blutdrucksenkern. Was Sie jetzt beachten sollten und warum die Rücksprache mit dem Arzt so wichtig ist.

Das Blutdruckmittel Valsartan steht wieder in der Kritik – erneut wurde der Wirkstoff eines Herstellers zurückgerufen, weil Verunreinigungen gefunden worden sind. Um welche Chargen es sich handelt und was Patienten jetzt beachten sollten.

Die bisherigen Rückrufaktionen seit Juli 2018 waren nicht genug. Nun wurde erneut ein Wirkstoff eines Medikamentenherstellers zurückgerufen. Es handelt sich wieder um einen Valsartan-Rückruf, diesmal kommt das Medikament aber von einem anderen Hersteller. Betroffen sind diesmal Chargen von Mylan Laboratories Limited – der Wirkstoff dieses Herstellers darf bis auf weiteres nicht mehr zur Herstellung von Medikamenten mit Valsartan hergestellt werden.

Valsartan-Rückruf: Diese Chargen sind betroffen

Valsartan ist ein blutdrucksenkendes Mittel, das in einer Vielzahl an Medikamenten zur Behandlung von Bluthochdruck steckt. Es wird von verschiedenen Herstellern weltweit produziert. Die Verunreinigungen wurden jetzt in bestimmten, rückverfolgbaren Chargen von Mylan Laboratories Limited aus Indien gefunden.

Es handelt sich dabei um N-Nitrosodiethylamin (NDEA), einen Stoff, der möglicherweise Krebs auslösen kann. Der Stoff kann sich bei der Herstellung von Valsartan bilden, wenn leicht abgewandelter Herstellungsweg angewandt wird als der ursprüngliche.

In einer Mitteilung nennt das Unternehmen die betroffenen Produkte und Chargen:

  • Valsartan dura: 40 mg, 80 mg, 160 mg und 320 mg; 28, 56 und 98 Filmtabletten; PZN 09239582, 09239599, 09239607, 09239613, 09239636, 09333803 und 09333826
  • Valsartan/HCT (Valsartan, Hydrochlorothiazid) Mylan: 80 mg/12,5 mg, 160 mg/12,5 mg, 160 mg/25 mg, 320 mg/12,5 mg, 320 mg/25 mg; 6 und 98 Filmtabletten; PZN 10054959, 10054965, 10054971, 10054988, 10054994, 10055002, 10055019, 10055025, 10055031 und 10055048

Was Patienten jetzt tun sollten: Therapie nicht einfach beenden!

Wichtig: Wer diese Medikamente und die betreffenden Chargen mit den angegebenen PZN (Pharmazentralnummern) bei sich entdeckt, sollte die Therapie auf keinen Fall eigenmächtig überstürzt abbrechen!

Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt. Das Krebsrisiko überwiegt laut Unternehmensmitteilung nicht das Risiko, das entsteht, wenn die Blutdruckmedikamente abrupt abgesetzt werden. Denn die Auswirkungen eines unbehandelten Bluthochdrucks sind unmittelbarer.

Bereits vermehrte Rückrufe von Sartanen

Die Rückrufaktion des Blutdrucksenkers ist nicht die erste. Erst Anfang Juli wurden Chargen des Mittels Valsartan aufgrund von Verunreinigungen zurückgerufen, die Meldungen summieren sich langsam. Damals handelte es sich um valsartanhaltige Arzneimittel des chinesischen Herstellers Zhejiang Huahai Pharmaceuticals, hier wurden krebserregende Substanzen gefunden. Im September gab es eine Meldung, dass auch Blutdrucksenker des indischen Herstellers Hetero Labs verunreinigt waren und daher zurückgerufen wurde.

Zudem werden aktuell Chargen des Mittels Irbesartan Heumann 300 mg zurückgerufen, wie die Deutsche Hochdruckliga berichtet.

Trotz Rückrufen und möglichem Krebsrisiko: Medikamente nicht einfach absetzen!

Sartane gehören zu den Mitteln, die eingesetzt werden, um Bluthochdruck und Herzschwäche zu behandeln und bei diversen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu unterstützen. Auch nach Herzinfarkten werden die Präparate oft eingesetzt.

Sartane stehen aber nicht allein in der Kritik. Kürzlich will eine Studie herausgefunden haben, dass Blutdruckmittel mit ACE-Hemmern Lungenkrebs verursachen können. Kardiologen sind aber skeptisch.

Wie auch bei den verunreinigten Sartanen gilt aber: Blutdrucksenkende Medikamente sollten niemals einfach so abgesetzt werden, die Rücksprache mit Arzt oder Apotheker ist zwingend notwendig. Denn das Risiko, das vom eigenmächtigen Absetzen ausgeht, ist laut Deutscher Hochdruckliga um ein Vielfaches höher als das mögliche, ausgehende Krebsrisiko. Ärzte beraten, wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören und identifizieren mit Ihnen zusammen im Bedarfsfall ein Ersatzmedikament.

Hier finden Sie eine Liste über alle zurückgerufenen Sartan-Medikamente inklusive PZN. Bisher nicht betroffen sollen Medikamente von Novartis und TAD Pharma sowie Aurobindo sein. Die Deutsche Apothekerzeitung bestätigt allerdings, dass sich in Apotheken bereits keine betroffenen Packungen mehr finden lassen sollten. Befragen Sie Ihren Apotheker, sollten Sie unsicher sein!