29.11.2018

Ein Anti-Aging-Experte sagt Gesund altern? Geht mit Genuss viel besser als mit Askese

Genuss statt Askese – das ist die Devise von Anti-Aging Experte Professor Dr. med. Bernd Kleine-Gunk, um gesund und glücklich zu altern.

Foto: iStock/skynesher

Genuss statt Askese – das ist die Devise von Anti-Aging Experte Professor Dr. med. Bernd Kleine-Gunk, um gesund und glücklich zu altern.

Was wird einem im Alter nicht alles vorgeschrieben, was man tun und lassen soll: Sport und Gehirn-Jogging unbedingt, Alkohol trinken und rauchen leider nein. Schnell wird das Leben so ein wenig freudlos – dabei muss das gar nicht sein, sagt ein Anti-Aging-Experte. Seine Devise ist: Genuss statt Askese!

Wer gesund und vor allem lange leben will, muss sich viel bewegen, auf Alkohol und Junk-Food verzichten, auf seinen Body Index achten und mit vielen Kreuzworträtseln sein Gehirn trainieren. Oder?

Jein, sagt Professor Dr. med. Bernd Kleine-Gunk, Frauenarzt im Nürnberger Metropol Medical Center und Präsident der German Society of Anti-Aging Medicine (GSAAM e.V.). In seinem neuen Buch "Warum Abstinenz die Gesundheit gefährdet und Sex vor Krebs schützt" vertritt er die Meinung: bloß nicht auf Spaß verzichten und ein abstinentes Leben führen, um gesund zu altern! Solange man's nicht übertreibt...

Der Anti-Aging-Experte hat mit BILD der FRAU darüber gesprochen, warum sich Genuss und Anti-Aging nicht ausschließen, Askese nicht der gesunde Weg ist, welche veralteten Ansichten heute in einem neuen Licht betrachtet werden, und was er für mehr Spaß im Alter rät.

Anti-Aging-Experte im Interview: Gesund altern mit Genuss statt Askese

Herr Professor Dr. Kleine-Gunk, Lebensgenuss als die DIE Anti-Aging Strategie – ist es wirklich so einfach?

Durchaus. Lange Zeit war es ja so, dass die Anti-Aging Medizin im Wesentlichen mit Verboten arbeitete. Du darfst keinen Alkohol trinken. Du darfst bestimmte Nahrungsmittel nicht konsumieren. Du solltest abends am besten gar nichts essen. Da stellt man sich schon irgendwann die Frage: Lebt man dadurch tatsächlich länger? Oder kommt es einem nur länger vor?

Für viele Menschen hat diese lustfeindliche Komponente des Anti-Aging auch eine ziemlich abschreckende Wirkung. Die sagen sich dann: Lieber etwas früher tot, aber dafür vorher gut gelebt. Vor allem für diese Menschen hat die Anti-Aging-Medizin nun tatsächlich eine gute Nachricht: Genussmenschen leben offensichtlich nicht nur besser, sondern ganz offensichtlich auch länger und gesünder.

Dürfen wir jetzt also hemmungslos "fressen und saufen"?

Das nun auch wieder nicht. In dem Buch heißt es ja nicht: Führe einen ungesunden Lebensstil, fange wieder an zu rauchen oder gibt dich dem Komasaufen hin. Das hat mit Genuss ja auch nur wenig zu tun. Aber definitiv sollten wir uns verabschieden von der Überbetonung der Askese und von einer eher bevormundenden Anti-Aging Medizin, die im Wesentlichen mit Verboten arbeitet und den Genuss verteufelt.

Die neue frohe Botschaft lautet dagegen: Genuss ist gut, Genuss ist gesund, Genuss ist lebensverlängernd.

Nennen Sie uns ein paar Faktoren, die unser Leben vor allem im fortgeschrittenen Stadium wesentlich beeinflussen – was wir bisher dazu zu hören bekamen, und welche Auffassung Sie vertreten?

Gewicht

  • das hieß es bisher: Das Normalgewicht liegt bei einem BMI von 19 bis 25, das Idealgewicht bei 20 bis 21.
  • das sage ich dazu: Wer über 50 schafft das schon? Diesen endlosen Kampf gegen das Hüftgold gewinnt letztlich – das Hüftgold. Lassen Sie es ruhig zu: laut neuen Studien liegt das perfekte Gewicht für diese Altersgruppe bei einem BMI von 25 bis 27. Ein paar Reserven sind bei Krankheiten nämlich ganz hilfreich. Leichtes Übergewicht sehen wir nicht mehr als Risiko, sondern eher als Vorteil.

Alkoholkonsum

  • das hieß es bisher: Alkohol ist generell schädlich, jeder Tropfen schlimm. Punkt.
  • das sage ich dazu: 1 Glas Wein pro Tag sehen wir als aktive Gesundheitsprävention. Wer mit dem Argument kommt, dass das schnell zur Sucht werden kann, hat zwar grundsätzlich recht. Aber: so vieles kann zur Sucht werden, auch Sport – das kann ja nicht im Umkehrschluss bedeuten, dass deshalb alles mit Suchtpotential verboten wird.

Sex

  • das hieß es bisher: Sex überlassen Sie mal den Jüngeren, im gesetzteren Alter geht man besser Golf spielen.
  • das sage ich dazu: Sex befriedigt bis ins hohe Alter und nützt darüber hinaus auch noch der Gesundheit: Bei kaum einer anderen Aktivität schütten wir mehr Hormone aus, wie etwa Oxitocin beim Orgasmus, ein wahres Anti-Aging-Hormon. Sie müssen ja nicht mehr das Kamasutra nachturnen – die Löffelchenstellung ist doch auch schön.

Stress

  • das hieß es bisher: Stress ist unbedingt zu vermeiden, er macht uns krank
  • das sage ich dazu: Stress kann absolut stimulierend wirken und stellt uns vor ganz neue Herausforderungen – wir sollten nicht versuchen, ihn komplett zu vermeiden. Das Hormesis-Prinzip besagt: in kleinen Mengen verabreicht, tun uns vermeintlich schlechte Dinge wie Stress sogar gut! Es ist nur eine Frage der Dosierung. Denken Sie an einen Saunagang: wir schwitzen fürchterlich, es stresst uns enorm, aber den gelegentlichen Besuch der Sauna in Kombination mit der anschließenden Erholungsphase dient uns dennoch als Entspannungshilfe. Viele kleine gelegentliche Stressoren sind ein regelrechter Anti-Aging-Booster.

Demenz

  • das hieß es bisher: Kreuzworträtsel, Sudoku und ähnliches sind die besten Präventionsmaßnahmen.
  • das sage ich dazu: Das Gehirn ist ein soziales Organ, nichts trainiert es besser, als unter Leute zu gehen. Machen Sie einen Tanzkurs – davon haben Sie wesentlich mehr als Rätsel zu lösen!

Bewegung

  • das hieß es bisher: Sport, Sport, Sport.
  • das sage ich dazu: Bewegung ist wichtig, keine Frage, aber: wenig Bewegung ist besser als gar keine. Lassen Sie sich nicht vom Fitness-Wahn abschrecken: Sie müssen keinen Marathon rennen, um etwas für Ihre Fitness zu tun, oft reicht schon etwas Bewegung. Stehen Sie Büro häufiger mal kurz auf, das ist schon viel wert.

Schlaf

  • das hieß es bisher: Schlafen ist unproduktiv, überlassen Sie das den Beamten...
  • das sage ich dazu: Schlafen ist ein sehr wichtiger, kreativer Prozess mit Lerneffekt. Genießen Sie Ihren Schlaf und Ihre Träume, machen Sie das Schlafzimmer zur digitalfreien Zone. Übrigens: zu viel schlafen können Sie gar nicht – wer genug geschlafen hat, wacht auf!

Ihr Tipp für mehr Spaß im Alter?

Gehen Sie am besten nie in den Ruhestand! Dieses Hinfiebern auf ein Leben nach der Arbeit, in dem man nichts mehr tun muss, außer sich auszuruhen, ist der reinste Alterungsbeschleuniger. Nehmen Sie weiter Aufgaben wahr, gehen Sie Hobbys nach, tun Sie Dinge, bei denen Sie gebraucht werden: nichts hält Sie jünger!

Und: Schaffen Sie sich einen Hund an! So macht Ihnen Bewegung garantiert mehr Spaß, und ein paar mal Gassigehen am Tag ist viel besser, als nichts zu tun. Allzu sehr überwinden müssen Sie sich bestimmt nicht: schließlich sitzt Ihr Hund, im Unterschied zum Fitness-Trainer, mit großen Augen an der Tür und will raus – wer kann da schon nein sagen? Sie werden sogar zusätzlich noch belohnt, denn wer seinen Hund streichelt, schüttet das Kuschelhormon Oxitocin aus, und das ist, wie Sie inzwischen ja wissen, auch ein wunderbares Anti-Aging-Hormon.

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