02.11.2018 - 12:05

Nach Studien-Hammer Blutdruckmittel verursacht Lungenkrebs? Kardiologen skeptisch

Rücksprache mit dem Hausarzt dringend notwendig! Fachärzte kritisieren die Studie zu höherem Lungenkrebs-Risiko durch ACE-Hemmer und warnen Patienten: Medikamente nicht einfach absetzen!

Foto: iStock/South_agency

Rücksprache mit dem Hausarzt dringend notwendig! Fachärzte kritisieren die Studie zu höherem Lungenkrebs-Risiko durch ACE-Hemmer und warnen Patienten: Medikamente nicht einfach absetzen!

In einer Studie hatten Forscher kürzlich über den Zusammenhang von ACE-Hemmern als Blutdrucksenker und Lungenkrebs berichtet. Nun melden sich Kardiologen zu Wort – und die sehen das Ganze skeptischer.

Wichtig ist erst einmal: Sollten Sie ACE-Hemmer zur Blutdrucksenkung einnehmen, setzen Sie diese auf keinen Fall einfach so ab! Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt!

Blutdrucksenker – Vorsicht vor diesen Nebenwirkungen
Blutdrucksenker – Vorsicht vor diesen Nebenwirkungen

Unter Herzmedizinern herrscht derzeit eine gewisse Aufregung. Grund ist eine kürzlich veröffentlichte Studie von Forschern aus Kanada, die angaben, dass die oft eingesetzten Blutdrucksenker ACE-Hemmer Lungenkrebs auslösen können (wir berichteten). Nun melden sich Kardiologen zu Wort. Und die nehmen den Inhalt der Studie zwar ernst, sehen sie aber auch kritisch – aus zwei großen Gründen.

Kardiologen kritisch: Können ACE-Hemmer wirklich Lungenkrebs auslösen?

Die Deutsche Hochdruckliga und andere Ärzte haben sich nun zur Studie geäußert und klären über die Aussagekraft der Studie sowie über das tatsächliche Zusammenspiel von Nutzen und Risiken der Blutdruckmedikamente auf. Die Forscher hatten in einem Zeitraum von 10 Jahren fast eine Million Patienten beobachtet, die diese Medikamentenart gegen hohen Blutdruck und Herzschwäche einnahmen. Dabei war aufgefallen, dass das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, unter diesen Patienten mit zunehmender Einnahmedauer immer weiter stieg.

Doch es handele sich hierbei lediglich um eine Beobachtungsstudie, erklären die Fachärzte der Deutschen Hochdruckliga rund um Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Bernhard Krämer. Und die Beweiskraft einer solchen Studienart sei begrenzt, heißt es weiter. Sie zeige lediglich Assoziationen auf. Sprich: Möglicherweise bestehe ein Zusammenhang zwischen ACE-Hemmern und Lungenkrebs, bewiesen sei er damit aber noch nicht. Dafür müsse es weitere Studien geben, um alle störenden Einflüsse auszuschließen.

Lungenkrebs kann durch vieles ausgelöst werden – Studie missachtet das

Das Problem an der Sache, und so auch an der Beobachtungsstudie, sei nämlich, dass Lungenkrebs zu den sogenannten multifaktoriellen Krankheiten zählt. Das bedeutet, dass vieles die Erkrankung auslösen kann, vor allem auch Rauchen oder Übergewicht. Schadstoffe in der Luft sowie der Umgang mit Substanzen wie Asbest, Arsen, Chrom oder Nickel können ausschlaggebend sein, ebenso auch hoher Alkoholkonsum. Auch das Alter und im Fall von Lungenkrebs das Geschlecht müssen mit einfließen, um genaue Ergebnisse zu erhalten. So erkranken an Lungenkrebs beispielsweise rund doppelt so viele Männer wie Frauen.

In der Studie werde aber auf solche Faktoren gar nicht eingegangen, kritisieren die Ärzte der Hochdruckliga. So wies die Gruppe der mit ACE-Hemmern behandelten Patienten weit mehr übergewichtige Teilnehmer auf. Zudem war auch die Zahl der Probanden mit Nikotinsucht und erhöhtem Alkoholkonsum in dieser Gruppe etwas höher als in der Kontrollgruppe. Und auch waren die Patienten in der Medikamentengruppe im Schnitt drei Jahre älter.

"Diese Unterschiede könnten das Ergebnis der Studie und das höhere Lungenkrebsrisiko der mit ACE-Hemmern behandelten Patienten mit beeinflusst haben", heißt es seitens der Herzexperten.

Weitere Studien notwendig

Selbst die Studienautoren hätten weitere Studien im Anschluss gefordert. Daher seien voreilige Schlüsse jetzt zu vermeiden. "Die Beweiskraft der vorliegenden Studie ist somit eher gering", erklärt Prof. Dr. Bernhard Krämer. Stattdessen hätten ACE-Hemmer in bisherigen, kontrollierten Studien Bluthochdruck deutlich senken, Herzschwäche bekämpfen und somit die Sterblichkeit aufgrund von Erkrankungen von Herz-Kreislauf sowie die Gesamtsterblichkeit stark vermindern können.

Fachärzte raten: Blutdruckmedikamente nicht einfach absetzen!

"Wir hoffen, dass das Ergebnis nicht dazu führt, dass Patienten aus Sorge vor Krebs ohne Absprache mit ihrem Hausarzt die Blutdruckmedikation abbrechen", sagt Prof. Dr. Krämer. Dies könne gravierende Folgen haben. Denn wenn Bluthochdruck nicht behandelt wird, kann es zu Schlaganfällen, Herzinfarkten, zu Nierenversagen und auch zu Demenz kommen. Die Folgen treten dabei meist viel früher ein als die Entwicklung einer Krebserkrankung. Bluthochdruck-Symptome erkennen und möglichst schnell handeln : das ist wichtig.

"Verunsicherte Patienten sollten daher mit ihrem Hausarzt reden und das individuelle Risiko besprechen. Bei Bedarf, also wenn der Patient beispielsweise ein erhöhtes familiäres Risiko für Lungenkrebs aufweist oder starker Raucher ist, kann der Arzt erwägen, eine andere blutdrucksenkende Therapie zu verschreiben. In jedem Fall muss aber die Bluthochdrucktherapie fortgesetzt werden", erklärt der Experte.

Wir hatten zuvor über die Studie berichtet: ACE-Hemmer erhöhen Krebs-Risiko Die Pressemeldung der Deutschen Hochdruckliga finden Sie hier.

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