26.10.2018 - 15:17

Lebensrettende OP Bypass-Operation: Umgehungsstraße für die Herzkranzgefäße

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Eine Bypass-Operation wird meist am offenen Herzen durchgeführt – und ist dadurch mit Risiken behaftet.

Foto: iStock/vchal

Eine Bypass-Operation wird meist am offenen Herzen durchgeführt – und ist dadurch mit Risiken behaftet.

Ein Verschluss der Herzkranzgefäße ist lebensbedrohlich. Eine Bypass-Operation ist oft die einzige Möglichkeit, den drohenden Herzinfarkt zu verhindern.

Die Bypass-Operation ist eine der häufigsten Operationen am Herzen. Verschließt sich eines der blutversorgenden Gefäße am Herzen, sorgt ein Herz-Bypass dafür, dass die Durchblutung des Herzmuskels schnellstmöglich wiederhergestellt wird. Erfahren Sie, wie ein Bypass gelegt wird, wie lange eine Bypass-Op dauert und wie das Leben danach aussieht.

Was ist ein Bypass?

Ein Bypass ist eine "Umleitung der Gefäße". Man kann sich das in etwa so vorstellen: Ist die Hauptverkehrsstraße aufgrund übermäßigen Verkehrsaufkommens völlig überlastet oder durch ein Hindernis versperrt, muss möglichst schnell eine Umgehungsstraße eingerichtet werden. Ansonsten kommt es zum Stau und der Verkehr bricht komplett zusammen. Das Gleiche kann auf unseren körpereigenen "Hauptverkehrsadern" passieren, den Arterien und Venen – und ein Infarkt kommt zustande. Verschließt sich ein wichtiges Blutgefäß, ist die Versorgung des nachliegenden Gewebes mit Sauerstoff nicht mehr gewährleistet und es stirbt ab.

Ein Bypass dient dazu, die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung wieder zu ermöglichen. Für die Überbrückung des Gefäßes wird dabei gewöhnlich körpereigenes Material verwendet, also eine Arterie oder Vene, die man andernorts entbehren kann. Ärzte können an den verschiedensten Stellen im Körper Bypässe setzen: am Bein, im Becken oder im Magen. Die mit Abstand häufigste Bypass-Operation ist jedoch der Koronar-Bypass, der Bypass am Herzen.

Herz-Bypass verhindert drohenden Herzinfarkt

Unser Herz ist ein ganz erstaunlicher Muskel. Es ist etwa so groß wie unsere Faust und wiegt 250 bis 350 Gramm. Während eines durchschnittlichen Menschenlebens schlägt es drei Milliarden Mal und pumpt dabei etwa 250 Millionen Liter Blut durch unseren Körper. Das Herz ist der unermüdliche Motor, der unseren Kreislauf am Laufen hält und jedes einzelne Gefäß und jede Zelle mit Sauerstoff versorgt.

Damit der Muskel arbeiten kann, muss er selber gut durchblutet werden. Das erledigen die Koronararterien, die Herzkranzgefäße. Die beiden Koronararterien zweigen direkt am Anfang der großen Schlagader (Aorta) ab und haben nur eine Aufgabe: das Herz selber zu versorgen.

Dummerweise sind die Herzkranzgefäße "funktionelle Endarterien": Sie haben keine Umgehungskreisläufe wie das an anderen Organen der Fall ist. Verschließt sich eines der Gefäße, weil es verkalkt, entzündet und verengt ist, kommt es zur sogenannten koronaren Herzkrankheit (KHK). Im Prinzip ist die koronare Herzkrankheit nichts anders als Arteriosklerose am Herzen und zeichnet sich durch Engstellen und Verschlüsse (Stenosen) der Herzkranzgefäße aus. Als Folge der KHK drohen Herzmuskelschwäche, Angina pectoris und schlimmstenfalls ein Herzinfarkt. Eine Bypass-Operation ist dann oft die einzige Möglichkeit, die Durchblutung des Herzmuskels wiederherzustellen und tödliche Folgen für den Patienten zu verhindern.

Herzinfarkt: vor allem für Frauen gefährlich

Warnzeichen für Herzprobleme ist oft ein schmerzhaftes Enge- oder Druckgefühl in der Brust, das von Panik und Atemnot begleitet wird. Die sogenannte "Angina pectoris" kann gleichsam als Vorbote eines drohenden Herzinfarktes gesehen werden und sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Leider kündigt sich aber gerade bei Frauen der Herzinfarkt selten mit solch typischen Symptomen wie Schmerzen in der Brust und im linken Arm an, sondern eher diffus mit Oberbauchschmerzen, Unwohlsein und Übelkeit. Lebensrettende Maßnahmen erfolgen daher oft zu spät, und Herzinfarkte enden deshalb gerade bei Frauen häufig tödlich.

Herzinfarkt bei Frauen
Herzinfarkt bei Frauen

Koronare Herzerkrankung: Stent oder Bypass?

Bei Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung wird zunächst eine Darstellung der Herzkranzgefäße, eine Koronarangiographie, durchgeführt. Dabei wird unter lokaler Anästhesie ein Katheter von der Leiste bis zum Herzen eingeführt (Herzkatheteruntersuchung). Stoßen die Ärzte dabei auf kleinere Verengungen, können sie diese manchmal sofort beheben, indem sie einen Stent einsetzen. Ein Stent ist ein kleines Röhrchen, welches das Gefäß von innen stützt und offenhält.

Sind allerdings mehr als ein oder zwei Gefäße betroffen oder handelt es sich um komplexe Stenose, entscheiden sich die Ärzte meist gegen Stents und für eine Bypass-OP. Sie ist zwar riskanter und schwieriger durchzuführen, garantiert dem Patienten aber anschließend Beschwerdefreiheit und bietet insgesamt eine bessere Langzeitprognose. Selbst wenn die Frage "Stent oder Bypass" oft im Ermessen der Ärzte liegt, gibt es auch Indikationen, die einen Bypass unvermeidlich machen:

  • eine hochgradige Verengung am Anfang der linken Herzkranzarterie (Hauptstammstenose)
  • eine Verengung aller drei Herzkranzarterien.

Wie wird eine Bypass-Operation durchgeführt?

Eine klassische Bypass-Operation wird am offenen Herzen durchgeführt. Der Operateur muss dafür das Brustbein auf der gesamten Länge spalten, den Brustkorb öffnen (Thorakotomie) und die Rippen zur Seite biegen. Anschließend wird auch der Herzbeutel (Perikard), der das Herz schützend umschließt, eröffnet.

Das Herz wird während der Operation stillgelegt. Damit der Kreislauf und die Versorgung mit Sauerstoff trotzdem weiterfunktionieren, bleibt der Patient während der gesamten OP an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Häufig wird der Körper dabei leicht heruntergekühlt, da der Organismus so weniger Sauerstoff verbraucht. Nun beginnt der eigentliche Teil der Bypass-Operation, die Überbrückung der Stenose, also der Gefäßengstelle.

Arterieller Bypass: Brustwandarterie als Umgehung

Grundsätzlich können als Bypass sowohl Arterien als auch Venen verwendet werden. Beim Herz-Bypass nimmt man aber meistens Arterien, da sie aufgrund ihrer stärkeren Muskelschicht im Vergleich zu den Venen haltbarer sind und unter Belastung nicht so schnell ausleiern. Der medizinische Fachbegriff für den arteriellen Bypass lautet "aortokoronarer Bypass", abgekürzt ACB.

Wenn möglich, verwendet man eine Brustwandarterie, da sie bereits mit der Aorta verbunden ist und nur noch am anderen Ende mit den Herzkranzgefäßen verbunden werden muss. Manchmal wird auch eine Arterie aus dem Unterarm entnommen und am Herzen eingesetzt. Für einen Venenbypass (ACVB) verwendet man meist die gut zugängliche oberflächliche Beinvene, die Vena saphena magna.

Die Operationstechniken beim Legen eines Herz-Bypasses werden ständig modernisiert und verbessert. Neben der beschriebenen klassischen Bypass-Operation am offenen Herzen gibt es inzwischen auch alternative Methoden:

  • Minimalinvasive OP: Bei kleineren Eingriffen wie beim Legen von Stents wird diese risikoärmere und weniger belastende Technik mittels Ballonkatheter verwendet.
  • Partielle Sternotomie: Der Brustkorb wird nur teilweise geöffnet.
  • Operation am schlagenden Herzen: Das Herz wird dabei nicht stillgelegt, sondern schlägt während der gesamten OP weiter. Das erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl von Seiten des Operateurs, hat aber den Vorteil, dass der Patient nicht an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden muss.

Wie lange dauert eine Bypass-OP?

Im Schnitt dauert eine Bypass Operation etwa vier bis fünf Stunden. Das hängt auch von der Operationsmethode sowie der Anzahl der zu überbrückenden Stenosen ab. Müssen zwei Bypässe gelegt werden, spricht man vom zweifachen Bypass, sind es drei, vom dreifachen Bypass.

Operationsrisiken – wie gefährlich ist die Bypass-OP?

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 52.000 Herz-Bypass-Operationen durchgeführt. Die OP ist also ein echter Routine-Eingriff – und dennoch alles andere als eine Lappalie. Die Risiken sind allein durch das Operieren am offenen Herzen und die damit verbundene Infektionsgefahr für den Patienten gegeben. Häufigere Komplikationen stellen in erster Linie allgemeine Operationsrisiken wie Nachblutungen, Infektionen und Thrombosen dar. Außerdem bestehen folgende Risiken:

  • Herzinfarkt: Etwa fünf Prozent der Patienten erleiden bei der OP einen Herzinfarkt, der dann aber sofort behandelt werden kann.
  • Postkardiotomiesyndrom: Dabei kommt es ein bis sechs Wochen nach der Bypass-OP zu einer fieberhaften Herzbeutelentzündung (Perikarditis). Die Infektion wird nicht durch Bakterien verursacht, sondern ist eine Autoimmunantwort auf die bei der OP zerstörten Herzmuskelzellen.
  • Herzbeuteltamponade: Infolge einer Entzündung kann es zu einem Perikarderguss kommen. Dabei füllt sich der Herzbeutel mit Flüssigkeit, die das Herz von außen zusammendrückt und in seiner Funktion stark beeinträchtigt.

Trotz dieser möglichen Komplikationen ist die Sterblichkeit bei Bypass-Operationen aber insgesamt eher gering und liegt in etwa bei ein bis drei Prozent.

Genesung nach dem Bypass: Physiotherapie und Reha

Die Genesungsdauer nach diesem erheblichen Eingriff ist sehr unterschiedlich und hängt auch von der persönlichen körperlichen Verfassung ab. Normalerweise muss der Patient nach der Bypass-OP etwa zehn bis 14 Tage im Krankenhaus bleiben. Direkt im Anschluss erfolgt eine mehrwöchige Rehabilitation einschließlich Physiotherapie in einer Reha-Klinik. Zusätzlich empfehlen die Ärzte meistens die tägliche Einnahme von ASS (Acetylsalicylsäure) für die weitere Zukunft. Es verhindert das Verkleben der Blutkörperchen und wirkt sozusagen blutverdünnend.

Während der nächsten Jahre nach einer OP sollte der Bypass und der Zustand der Herzkranzgefäße außerdem zweimal jährlich von einem Herzspezialisten überprüft werden. Die gute Nachricht ist aber: Ein erneuter Verschluss der Koronararterien an der gleichen Stelle ist eher selten. Nach fünf Jahren sind 80 bis 95 Prozent der Bypässe noch offen.

Lebenserwartung nach Bypass-Operation

Nach einer erfolgreichen Bypass-OP ist die Aussicht auf ein Leben ohne größere Beschwerden und Einschränkungen sehr gut und die Lebenserwartung kann durchaus noch mehrere Jahrzehnte betragen – sofern die Herzgesundheit es zulässt. Denn eines ist klar: Die Bypass-Operation beseitigt zwar das akute Problem, die mangelnde Sauerstoffversorgung des Herzens, ändert aber an der zugrunde liegenden Erkrankung nichts. Wer nicht spätestens dann auf sein Herz achtet und Risikofaktoren abschaltet oder zumindest weitgehend reduziert, wird bald wieder unter Herzproblemen leiden.

Leben mit dem Bypass – die besten Tipps für ein gesundes Herz

  • Rauchen aufgeben: Rauchen gilt als der Hauptrisikofaktor für arterielle Gefäßerkrankungen!
  • In Bewegung bleiben: Sobald die Ärzte wieder grünes Licht geben, tut moderate Bewegung und vor allem regelmäßiges Kreislauftraining wie Radfahren, Schwimmen und Wandern den Gefäßen gut.
  • Stress vermeiden: Beruflicher oder privater Stress treibt den Blutdruck in die Höhe und wirkt sich entsprechend negativ auf die Herzgesundheit aus.
  • Auf gesunde Ernährung setzen: Vitaminreiche, fettarme und ballaststoffreiche Kost ist gut fürs Herz. Fleisch und Wurst sollte man hingegen in Maßen genießen.
  • Übergewicht vermeiden beziehungsweise abbauen, denn es belastet Herz und Kreislauf.
  • Alkohol einschränken: Ein Gläschen Rotwein am Abend tut den Gefäßen gut. Größere Mengen an Alkohol schaden dem Herz hingegen ebenso wie Hochprozentiges.

Weitere Infos zu Herz-Kreislauf-Krankheiten und Tipps für ein gesundes Leben finden Sie auf unserer Themenseite. Übrigens kann ein Herzinfarkt auch durch Stress ausgelöst werden. Und haben Sie schon einmal vom Broken-Heart-Syndrom gehört?

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