10.10.2018 - 07:32

Tampon-Alternative Menstruationstasse: Wird der Tampon abgelöst?

Immer mehr Frauen greifen zur Menstruationstasse, wenn es um die Monatshygiene geht. Aber warum ist sie so beliebt? Wo liegen die Vorteile gegenüber Tampon & Co.?

Foto: iStock/gregory_lee

Immer mehr Frauen greifen zur Menstruationstasse, wenn es um die Monatshygiene geht. Aber warum ist sie so beliebt? Wo liegen die Vorteile gegenüber Tampon & Co.?

Die Menstruationstasse erfreut sich seit Jahren an steigender Beliebtheit. Immer mehr Frauen greifen zur Tampon-Alternative und das nicht ohne Grund. Welche Vorteile die Tasse hat und wie Sie sie richtig nutzen, erfahren Sie hier.

Wenn es um die Monatshygiene geht, sind Frauen gespalten – Binden oder Tampons? Seit einigen Jahren erfreut sich die dritte Möglichkeit an immer wachsender Beliebtheit: die Menstruationstasse. Aber was macht sie so besonders und warum wird sie für immer mehr Frauen zur Alternative?

Die Menstruationstasse oder auch Mondtasse genannt, ist ein glockenförmiger Behälter aus medizinischem Silikon, der während der Menstruation in die Vagina eingeführt wird. Durch einen Unterdruck wird die Tasse an Ort und Stelle gehalten und kann somit die Blutung auffangen. Das Besondere: Die Tasse ist wiederverwendbar.

Die 4 besten Alternativen zu Tampons und Binden
Die 4 besten Alternativen zu Tampons und Binden

Studie beweist: Menstruationstasse beliebt wie nie

Kanadische Forscher untersuchten 2011 im Rahmen einer Studie, ob die Menstruationstasse für Frauen als Tampon-Alternative infrage kommt. Dafür wurden die Teilnehmerinnen in zwei Gruppen geteilt, eine nutzte Menstruationstassen, die andere Tampons.

Anschließend gaben 91 Prozent der Menstruationtassen-Gruppe an, die Tasse auch nach der Studie weiterhin zu nutzen und sie zu empfehlen. Doch warum genau sind so viele Frauen überzeugt?

Billig, langlebig und gut für die Umwelt

Die Menstruationstasse hat viele Vorteil mit denen man sich nicht nur selbst, sondern auch der Umwelt einen riesigen Gefallen tut.

1. Der Preis

In der Anschaffung kostet die Menstruationstasse durchschnittlich um die 20 Euro. Das erscheint auf den ersten Blick teuer, denn eine Packung Tampons kommt im Schnitt auf drei bis fünf Euro. Doch auf einen längeren Zeitraum gerechnet, kann mit dem Menstruationscup bares Geld gespart werden.

Eine Frau gibt im Laufe ihres Lebens rund 20.000 Euro für ihre Periode und deren Begleiterscheinungen aus. "Spiegel Online" berichtet, dass eine Frau in ihrem Leben rund 700 Euro nur für Tampons zahlt. Gerechnet wurde mit einer Frau, die ihre Periode im Alter von 13 bis 51 Jahren hat.

Eine Menstruationstasse kann bis zu zehn Jahre genutzt werden, vorausgesetzt sie wird richtig gepflegt. Normalerweise wird die Tasse jedoch nur rund fünf Jahre verwendet. Geht man davon aus, dass die Tasse alle fünf Jahre gewechselt wird, kommt man auf rund acht Menstruationtassen und 160 Euro im Leben. Eine Menstruationstasse ist somit in der Anschaffung zwar teurer, rechnet sich aber, da man am Ende im Vergleich bis zu 540 Euro sparen kann.

2. Gut für die Umwelt

Durch die Nutzung der Tasse wird weit weniger Müll produziert, als bei der Nutzung von Tampons oder Binden. Das liegt daran, dass die Menstruationstasse wie bereits erwähnt, über mehrere Jahre verwendet wird. Jährlich werden weltweit rund 45 Milliarden Binden und Tampons verwendet, welche anschließend alle im Müll landen. Und da sie einen hohen Plastikanteil haben – alleine die einzelnen Verpackungen –, kann es rund 500 Jahre dauern, bis sie abgebaut werden.

Das Portal "Erdbeerwoche" erklärt nun außerdem, dass laut einer Studie mehr als 80 Prozent der österreichischen Mädchen ihre Tampons in der Toilette entsorgen – obwohl eigentlich mittlerweile bekannt ist, dass Hygieneartikel nicht in die Kanalisation gehören. Kläranlagen haben dadurch große Probleme, diese zu entfernen.

3. Die Tasse muss seltener entleert werden

Eine Menstruationstasse hat den Vorteil, dass sie bis zu 12 Stunden lang ununterbrochen in der Vagina bleiben kann. Durch das Fassungsvermögen ist die Menstruationstasse perfekt für die Nacht.

Um die perfekte Tasse für sich zu finden, gibt es bei den meisten Herstellern zwei Größen. Die kleinere Tasse wird für Frauen unter 30 und jene die noch kein Kind geboren haben, empfohlen. Die Tasse fasst durchschnittlich 20 ml.

Da die Beckenbodenmuskulatur mit zunehmendem Alter abnimmt, sollte mit höherem Alter eine größere Tasse verwendet werden. Diese hat ein Fassungsvermögen von 25 ml.

Das Alter ist hierbei jedoch nur eine allgemeine Angabe. Am besten probieren Sie selbst beim ersten Benutzen aus, welche Tasse Ihnen am meisten zusagt. Die kleinere Version lässt sich dann auch für die schwächeren Tage einsetzen.

4. Die Tasse trocknet die Scheidenwand nicht aus

Viele Frauen kennen das Problem – durch die Benutzung von Tampons während der Periode trocknet die Vagina aus, was zu höllischen Schmerzen beim Einführen, Entfernen und sogar beim Geschlechtsverkehr führen kann. Das liegt daran, dass der Tampon Flüssigkeit aufsaugt und dabei natürlich nicht zwischen Blut und Scheidenflüssigkeit unterscheiden kann.

Da die Menstruationstasse die Blutung nicht aufsaugt, sondern lediglich auffängt, kann der Vagina auch keine Scheidenflüssigkeit entzogen werden.

Das müssen Sie beim Einführen beachten

Die oberste Regel lautet: Hände waschen vor und nach dem Einführen und Entfernen, damit Bakterien von der Vagina ferngehalten werden.

Die größte Angst haben Frauen beim Einführen der Menstruationstasse, da die obere Öffnung sehr groß ist. Mit der richtigen Falttechnik ist das Einführen allerdings gar kein Problem. Es gibt viele verschiedene Techniken um die Tasse einzuführen, eine davon ist die C-Faltung.

Die C-Faltung

  1. Die Menstruationstasse muss mit beiden Zeigefingern und Daumen fest zusammengedrückt werden.
  2. Nun drücken Sie den Rand mit dem rechten Daumen ein und ziehen den linken Daumen über den rechten Daumen, so dass sich die Silikonränder berühren.
  3. Anschließend nehmen Sie den rechten Daumen von der Tasse – die sich nun in Ihrer linken Hand befindet. Sie können die Tasse nun ähnlich wie einen Tampon in die Vagina einführen.

Neben der C-Faltung gibt es viele andere Techniken, etwa die Muschel. Hierbei drücken Sie ein Stück des Randes einfach so weit herunter, bis der übrige Rand wieder zu einem, diesmal kleineren, Kreis wird.

Tasse entfernen: Vorsicht beim Vakuum

Beim Entfernen gibt es eine goldene Regel: erst das entstandene Vakuum entfernen! Dafür führen Sie einen Finger in die Vagina ein und drücken damit die Menstruationstasse an einer Seite ein. So kann etwas Luft an ihr vorbeiweichen. Anschließend lässt sich die Tasse langsam entfernen.

Spülen Sie die Tasse nach jedem Leeren gründlich mit warmem und kaltem Wasser aus. Allerdings ist das ja auf der Arbeit und auf öffentlichen Toiletten nicht immer möglich. Was also tun?

Die Erfinderin der Menstruationstasse "Lunette", Heli Kurjanen, verriet bildderfrau.de im Interview: "Wegen des großen Fassungsvermögens reicht es bei leichter Blutung, wenn man die Tasse einmal morgens und einmal abends entleert. Wenn die Blutung stärker ist, muss man sie auch tagsüber entleeren. Dann gilt es umzudenken: Statt einem Tampon-Vorrat und einem Mülleimer braucht die Frau eine Flasche Wasser, um die Menstruationstasse abzuspülen. Im Notfall kann man die Kappe auch mit Klopapier abwischen und bei nächster Gelegenheit dann ordentlich mit Wasser reinigen."

Es ist tatsächlich kein Problem, die Tasse tagsüber einfach mal mit Toilettenpapier auszuwischen und dann wieder einzusetzen. Wichtig ist natürlich, dass Sie sich zuvor gründlich die Hände gewaschen haben.

Wenn's anfangs nicht klappt: Lassen Sie sich nicht entmutigen

Wie bei allem gilt auch hier: Übung macht den Meister. Es ist ganz normal, dass es beim ersten Einführen und Entfernen zu Schwierigkeiten kommen kann, wichtig ist sich nicht entmutigen zu lassen.

Tipp: Beim ersten Mal können Sie auch ein wenig Gleitgel verwenden. So lässt sich die Tasse leichter einführen. Zum Einführen und Entfernen der Menstruationstasse sollten Sie sich am besten in einer angenehmen Position befinden, beispielsweise mit einem Bein auf der Toilette.

Kein toxisches Schocksyndrom mit Menstruationstasse?

Das toxische Schocksyndrom (TSS) ist eine Art Blutvergiftung, welche viele Menschen mit Tampons in Verbindung bringen. Wird dieser nämlich zu lange in der Vagina gelassen, so bilden sich Giftstoffe, die sich im gesamten Körper ausbreiten können.

Typische Symptome sind zum Beispiel hohes Fiber, Erbrechen und Durchfall. Doch das toxische Schocksyndrom kann sehr gefährlich werden, denn wird die Blutvergiftung nicht schnell genug behandelt kann es zu schwerem Organ- und Kreislaufversagen kommen und sogar zum Tod.

Irrtümlich wird diese Krankheit oft nur auf Tampons bezogen, doch auch mit der Menstruationstasse kann es zum toxischen Schocksyndrom kommen, auch wenn das Risiko verringert ist. Bisher wurde jedoch nur ein Fall verzeichnet, bei dem sich eine Frau mit TSS ansteckte, sich anschließend aber wieder erholte. Achten Sie darauf, auch die Tasse regelmäßig zu entleeren.

Fazit: Geld sparen und Umwelt schonen mit der Menstruationstasse

Die Menstruationstasse hat viele ökonomische und auch ökologische sowie gesundheitliche Vorteile:

  • Geld sparen
  • etwas gutes für die Umwelt tun
  • muss selten entleert werden
  • saugt keine Scheidenflüssigkeit auf

Ob diese einen am Ende überzeugen muss jeder für sich wissen, denn die Periode sollte so angenehm wie möglich verlaufen. Und ob man dazu Tampons, Binden oder Menstruationstassen verwendet muss jeder selbst entscheiden. Übrigens können Sie die Menstruationstasse auch benutzen, wenn Sie eine Kupferspirale oder Kupferkette zur hormonfreien Verhütung tragen. Der beim Herausziehen entstehende Unterdruck ist nicht stark genug, um gut sitzende Spiralen und fest verankerte Ketten herausrutschen zu lassen.

Nur mit dem Rückholfaden des Verhütungsmittels sollten Sie aufpassen. Ist dieser zu lang und besteht die Gefahr, dass dieser zwischen Tassenrand und Scheidenwand eingeklemmt wird, kann es theoretisch in Ausnahmefällen zum Verrutschen kommen. Bei Bedenken können Sie den Faden aber von Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt kürzen lassen.

In Italien und viele asiatischen Ländern dürfen sich Frauen übrigens jetzt drei Tage bezahlten Menstruationsurlaub nehmen. Aber ist Menstruationsurlaub eine gute Idee oder Diskriminierung?

Mehr zum Thema Menstruationstasse und alles rund um die Vagina, finden Sie auf unserer Themenseite.

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