24.09.2018

Von Herbst an frei verkäuflich Der HIV-Selbsttest: Das sollten Sie darüber wissen

Gewissheit mit einem kleinen Pieks: Die HIV-Selbsttests sind jetzt frei verkäuflich.

Foto: imago/epd

Gewissheit mit einem kleinen Pieks: Die HIV-Selbsttests sind jetzt frei verkäuflich.

Grünes Licht für die sogenannten HIV-Heimtests. Am Freitag hat der Bundesrat die Abgabe von HIV-Selbsttests erlaubt. Wie funktionieren sie, wie zuverlässig ist das Ergebnis – und wie geht man mit einem positiven Resultat um?

Bislang durften nur Ärzte, medizinische Laboratorien und besondere Behörden HIV-Schnelltests in Deutschland durchführen. Durch die neue Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung sind HIV-Selbsttests von diesem Herbst an zum Beispiel in Apotheken, Drogerien oder im Internet frei verkäuflich – und das auch ohne ärztliche Verordnung.

Der HIV-Selbsttest: Für wen ist er vorgesehen?

Der Selbsttest soll von Menschen genutzt werden, die bislang vor einem Test beim Arzt zurückschrecken und sich daher bisher gar nicht oder nur unregelmäßig testen lassen. HIV lässt sich dadurch früher nachweisen und schneller behandeln. Der Hintergrund: Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) lässt sich zwar nicht mehr aus dem Körper entfernen, bedeutet aber durch moderne Medikation nicht mehr wie vor 20 Jahren, dass der Erkrankte daran sterben muss. Je früher die Diagnose, umso früher beginnt die Behandlung und umso weniger stark ist im Idealfall der Krankheitsverlauf. Früh diagnostiziert und therapiert, ist die Lebenswartung von HIV-Kranken inzwischen fast genauso hoch wie die von Nicht-Infizierten.

Allerdings wissen Tausende von Menschen gar nichts von ihrer Infektion oder Krankheit. Schätzungen zufolge sind 12.700 der Infizierten in Deutschland ahnungslos, d.h. sie gefährden nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch die der anderen, indem Sie das Virus unwissentlich weitergeben können. Die Idee des Selbsttests: Um sich und andere zu schützen, kann nun jeder selbst testen, ob er Träger des Virus ist.

Der HIV-Selbsttest: Wie funktioniert er?

Wer sich für einen Selbsttest entscheidet, sollte laut der Deutschen AIDS-Hilfe ausschließlich Produkte mit CE-Kennzeichnung wählen. D.h. die Tests müssen nach der Medizinprodukte-Verordnung zugelassen sein und allen gültigen EU-Richtlinien entsprechen. Diese Produkte sind auf der Webseite der Deutschen AIDS-Hilfe gelistet.

Achtung bei Internetbestellungen: Kaufen sollten Sie nur Tests, deren Sensitivität annähernd 100 Prozent beträgt und die für die Anwendung durch Laien konzipiert sind. Empfehlenswert sind laut der Deutschen AIDS-Hilfe der Autotest VIH, der schon in Frankreich verkauft wird, der Insti-HIV-Heimtest und der Exacto-Test. Die Kosten variieren je nach Test und bestellter Menge. Als Orientierungswert kann man bei einer Einzelbestellung etwa 20 Euro plus Versandkosten für einen Bluttest angeben, manche Produkte werden für bis zu 50 Euro angeboten. Die Durchführung ist einfach und für den Laien verständlich. In der Regel nimmt man sich einige Tropfen Blut aus der Fingerkuppe ab und überträgt diese auf den Test. Je nach Produkt wird nach einer bis 15 Minuten ein Ergebnis angezeigt.

Der HIV-Selbsttest: Wie geht man mit dem Ergebnis um?

Ist das Ergebnis negativ, können Sie beruhigt sein. Die Voraussetzung: Die letzte Infektionsmöglichkeit liegt länger als 12 Wochen zurück. Wenn beim Selbsttest ein positives Ergebnis herauskommt, heißt es zunächst, Ruhe bewahren und dieses Ergebnis durch einen Labortest bestätigen lassen. Denn das Ergebnis des heimischen Selbsttests bietet nicht immer eine absolute, sondern eine annähernd 100 %-ige Sicherheit. Der Bestätigungstest im Labor kann von einem Arzt, im Gesundheitsamt, direkt im Labor oder einem Checkpoint der Aidshilfen gemacht werden, so die Deutsche Aids-Hilfe. Beratungen gibt es anschließend persönlich beim Arzt, bei den bekannten offiziellen Stellen, am Telefon oder anonym im Internet. Was ist mit dem psychologischen Aspekt der Durchführung von Heimtests? Die Deutsche Aids-Hilfe sagt dazu: "Bisherige Erfahrungen in anderen Ländern zeigen...: Die Dramen bleiben aus. Obwohl der Test schon in vielen Ländern verfügbar ist, gibt es bisher zum Beispiel keine Berichte von Suizidversuchen. Im Gegenteil: Die Menschen, die ihre HIV-Infektion per Selbsttest festgestellt haben, kommen meist kurz darauf in Arztpraxen oder Testprojekte, um den Test dort zu wiederholen und/oder medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen. Unterm Strich überwiegt der Nutzen des Selbsttests bei weitem."

Fazit: Die Selbstkontrolle daheim hat also ihre Vorteile – die persönliche Intimität ist gewahrt, die Angst vor Stigmatisierung geringer. Durch mehr Tests werden HIV-Erkrankungen außerdem früher diagnostiziert. Dadurch kann die Infektion besser behandelt werden, was sowohl den eigenen Verlauf als auch die Ansteckungsgefahr für andere Menschen mindert. Wichtig ist, dass man sich der vermeintlichen Nachteile der Eigendiagnostik bewusst ist, und sich entsprechend verhält. Ist der Test also positiv, sind professionelle Beratung und Diagnostik unumgänglich. Bewahren Sie Ruhe und lassen Sie das Ergebnis definitiv abklären.

UND: Der Test dient nicht der Nachsorge. Nichts entbindet einen Menschen vom verantwortungsvollen Umgang mit seiner Sexualität. Kondome sind immer noch der ideale Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Persönliche Beratung bieten die Aids-Hilfen. Sie können Ärzte nennen, die in der HIV-Behandlung erfahren sind, und stellen gerne Kontakt zu anderen Menschen mit HIV und Aids her. Die bundesweite Telefonberatung der Aids-Hilfen hat die Nummer 0180-331 94 11 (Montag bis Freitag 9–21 Uhr, Samstag und Sonntag 12–14 Uhr; 9 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz, maximal 42 Cent/Min. aus den deutschen Mobilfunknetzen). Auch im Internet beraten die Aids-Hilfen, und zwar unter www.aidshilfe-beratung.de. Beratung bietet darüber hinaus auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter 0221-89 20 31 sowie im Internet unter www.aidsberatung.de.

Niemand sollte mit seiner Angst allein sein. Lesen Sie, wie HIV heute behandelt wird und was man überAids und die Symptomewissen sollte.

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