25.09.2018

Was bedeuten die Werte? Blutbild-Abkürzungen: Das sagt Ihr Blut über Ihre Gesundheit aus

Blutproben können helfen, Krankheiten zu erkennen. Doch wissen Sie, was hinter den Blutbild-Abkürzungen steckt? Lesen Sie, was die Werte des kleinen und großen Blutbilds bedeuten.

Foto: imago/Jochen Tack

Blutproben können helfen, Krankheiten zu erkennen. Doch wissen Sie, was hinter den Blutbild-Abkürzungen steckt? Lesen Sie, was die Werte des kleinen und großen Blutbilds bedeuten.

Sie waren beim Arzt und haben sich einige Milliliter Blut abzapfen lassen – und jetzt ist der Laborbericht da. Was aber bedeuten nur all diese Abkürzungen? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

Hin und wieder muss es ja sein: Der Arzt zapft Blut ab und untersucht es auf verschiedene Dinge. Einen Ausdruck mit Ihren Werten bekommen Sie im Anschluss meist auf Nachfrage vorgelegt – voller kryptischer Bezeichnungen allerdings. Was steckt dahinter? Wir haben Ihnen die wichtigsten Blutbild-Abkürzungen und deren Bedeutung zusammengestellt.

Blutbild: Abkürzungen entschlüsselt – was bedeutet was?

Normalerweise besteht Blut aus rund 45 Prozent zellulären Bestandteilen und rund 55 Prozent Blutplasma. In unserem Blut steckt viel Aussagekraft über unseren Gesundheitszustand. Normalerweise hilft der Arzt dabei, die Abkürzungen im Laborbericht zu deuten und klärt Sie darüber auf. Hin und wieder möchte man aber vielleicht im Nachhinein noch einmal einen Blick darauf werfen.

Sie haben vielleicht schon einmal von kleinem und großem Blutbild gehört. Das kleine Blutbild benötigt nur wenige Milliliter Blut. Es beinhaltet folgende Punkte:

  • Die Konzentration der Blutzellen (Erythrozyten (RBC oder ERY) – rote Blutkörperchen, Leukozyten (WBC oder LEUK) – weiße Blutkörperchen und Thrombozyten (PLT oder THRO) – Blutplättchen)
  • Die Konzentration des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin (HGB oder HG) – zusammen mit dem Erythrozyten-Volumen (MCV), der durchschnittlichen Hämoglobinmenge pro Erythrozyt (MCH) sowie der Konzentration des Hämoglobins innerhalb der Erythrozyten (MCHC)
  • Der Hämatokritwert (HTC oder HKT, Anteil der Blutzellen am Gesamtblut – Dicke des Blutes/Verhältnis zwischen festen und flüssigen Bestandteilen)

Zusätzlich gibt es noch die Retikulozyten (Retis), also noch nicht voll ausgereifte rote Blutkörperchen. Aus ihnen wachsen die Erythrozyten heran.

Die zellulären Bestandteile des Blutes: Was ist das alles?

Erythrozyten

Die Erythrozyten, also die roten Blutkörperchen, transportieren Sauerstoff und Kohlendioxid durch den Körper. Der Blutfarbstoff Hämoglobin gehört zu ihnen – er bindet den Sauerstoff im Blut an sich. Ist der Wert zu hoch, liegt ein Sauerstoffmangel vor. Auch Erkrankungen des Knochenmarks sowie Stress und das Rauchen können den Wert nach oben treiben.

Zu niedrig ist der Wert bei Blutarmut nach Blutverlust, Eisenmangel, Folsäure-Mangel oder Vitamin-B12-Mangel, bei Zöliakie, Nierenschäden oder diversen Infektionen.

Leukozyten

Die weißen Blutkörperchen sind dafür zuständig, den Körper vor Erregern zu schützen. Ist der Wert zu hoch, können Allergien vorliegen sowie Blutungen, eine akute Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Parasiten oder eine akute Vergiftung. Auch ein Schock kann den Wert nach oben treiben. Bei Leukämie ist die Anzahl der Leukozyten ebenfalls erhöht.

Ist er dagegen zu niedrig, kann das auf Virusinfektionen, Malaria oder Typhus oder eine Milz-Überfunktion hinweisen. Auch lassen Knochenmarkschäden – etwa nach Bestrahlung – sowie Antibiotika-Behandlungen den Wert fallen.

Thrombozyten

Die Blutplättchen lassen bei Verletzungen unser Blut gerinnen. Ein zu hoher Wert kommt durch hohen Blutverlust, aber auch schwere Infektionen sowie Krebs vor. Der Wert kann aber auch einfach durch Sport steigen.

Aufgrund von Vitamin-B12- oder Folsäure-Mangel kann der Wert fallen, ebenso durch Bestrahlung, verschiedene Medikamente oder Alkohol. Zu niedrige Werte können auch auf Blutarmut oder Malaria hindeuten.

Hämoglobin

Der rote Blutfarbstoff bindet Sauerstoff und Kohlendioxid an sich und transportiert beide durch den Körper. Ist der Wert zu hoch, könnte das auf einen Schlaganfall, eine Hirnhautentzündung oder auch einen Gehirntumor hinweisen. Der Wert ist aber auch höher, wenn man sich in großer Höhe befindet, zu wenig Flüssigkeit getrunken hat oder zu viel geraucht hat.

Ein zu niedriger Wert weist auf Eisenmangel und damit Anämie (Blutarmut) hin, oder auch auf entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen oder Nierenleiden.

Hämatokrit

Die Menge an festen und flüssigen Bestandteilen im Blut wird durch diesen Wert angegeben. Ein zu hoher Hämatokritwert liegt bei dickflüssigem Blut vor – die Gefahr von Blutgerinnseln steigt und damit das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt sowie auch Diabetes. Hohe Werte können auf Austrocknung hinweisen.

Niedrige Werte hingegen können an zu viel Flüssigkeitsaufnahme liegen, aber auch auf Blutarmut oder Blutverlust hinweisen. Blutbild-Abkürzungen und Richtwerte finden Sie hier:

  Frauen Männer
Erythrozyten (RBC oder ERY) 4,1-5,2 Mio. / µl 4,5-5,9 Mio. / µl
Leukozyten (WBC oder LEUK) 4-10 Tsd. / µl 4-10 Tsd. / µl
Thrombozyten (PLT oder THRO) 150-380 Tsd / µl 150-380 Tsd. / µl
Hämoglobin (HGB oder HG) 12-16 g / dl 13-17 g / dl
Hämoglobinmenge pro Erythrozyt (MCH) 27-34 pg / Zelle 27-34 pg / Zelle
durchschn. Hämoglobinkonzentration pro Erythrozyt 32-36 g / dl 32-36 g / dl
durchschn. Volumen eines Erythrozyten 85-98 fl 85-98 fl
Hämatokrit (HTC oder HKT) 37-45 % 42-50 %
Retikulozyten pro 1000 Erythrozyten (Retis) 3-18 / 1000 Erys 3-18 / 1000 Erys

Das große Blutbild schlüsselt weiter auf

Für ein großes Blutbild werden Ihnen ein paar Milliliter Blut mehr abgezapft. Neben den Werten des kleinen Blutbildes wird hier noch zusätzlich das Differenzialblutbild bestimmt. Dieses gibt mehr Aufschluss über die verschiedenen Typen von weißen Blutkörperchen. Das heißt, die im kleinen Blutbild genannte Gesamt-Leukozyten-Zahl spaltet sich hier noch einmal auf in die Granulozyten, die Lymphozyten und die Monozyten.

Granulozyten

Es gibt stabkernige, segmentkernige und eosinophile sowie basophile Granulozyten. Die stabkernigen und segmentkernigen Granulozyten werden auch neutrophile Granulozyten genannt. Ihr Wert kann bei Stress, Bakterien-, Pilz- oder Protozoen-Infektionen sowie akuten Herzerkrankungen in die Höhe schnellen, aber auch durch Vergiftungen, Verbrennungen oder Blutungen. Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille, Epinephrin, Lithium und Glukokortikoide erhöhen den Wert nach Einnahme dieser Medikamente.

Infektionskrankheiten wie typische Kinderkrankheiten (Masern, Windpocken, Röteln, Mumps), Typhus und Malaria senken den Wert, genau wie bösartige Tumore, Knochenmarkschäden oder eine Leberzirrhose.

Sind die eosinophilen Granulozyten zu häufig vertreten, kann das auf Hautkrankheiten oder Allergien, manche Krebsarten oder auf eine Würmerinfektion hinweisen – aber auch mit der Einnahme von Penicillin oder Acetylsalicylsäure zusammenhängen.

Ein zu geringer Wert weist auf Blutvergiftung, Bauchfellentzündung, Lungenentzündung oder Typhus sowie das Cushing-Syndrom hin. Auch Stress oder eine Kortikoid-Therapie können den Wert senken.

Ist der Wert der basophilen Granulozyten zu hoch, weist das auf chronisch-myelotische Leukämie hin. Zu niedrig ist dieser Wert nur, wenn auch der Gesamt-Leukozyten-Wert niedrig ist.

Lymphozyten

Die Lymphozyten gehören zur "spezifischen" Immunabwehr. Sie lernen mit der Zeit, welche Stoffe sie abwehren sollen und welche nicht. Daher werden sie auch lernende Fresszellen genannt. Kinder haben oft erhöhte Werte. Auch bei Erwachsenen steigt der Wert bei viralen oder bakteriellen Infektionen, was aber meist ein gutes Zeichen ist, denn es zeigt, dass die Zellen arbeiten. Liegt aber keine Infektion vor, kann ein erhöhter Wert auch aufgrund einer chronischen Erkrankung vorliegen, etwa einer Schilddrüsenüberfunktion. Bei Erkrankungen des lymphatischen Systems hingegen ist der Wert niedrig.

Monozyten

Die Monozyten sind Vorläufer der Fresszellen und werden aktiv, wenn körperfremde Strukturen eindringen. Im Blut kämpfen sie als Monozyten, zu anderem Gewebe können sie durchdringen und werden dort zu sogenannten Makrophagen oder Dendritischen Zellen, die Fremdkörper in sich aufnehmen. Wie bei Lymphozyten ist ein erhöhter Wert meist ein gutes Zeichen für eine funktionierende Immunabwehr. Ein niedriger Wert liegt meist an Problemen bei der Blutbildung.

  Frauen und Männer
Stabkernige Granulozyten 150-400 / µl
Stegmentkernige Granulozyten 3000-5800 / µl
Eosinophile Granulozyten 50-250 / µl
Basophile Granulozyten 15-50 / µl
Lymphozyten 1500-3000 / µl
Monozyten 280-500 / µl

Zusätzlich finden Sie meist noch folgende Werte:

  • Blutfette: Lipide wie Cholesterin – LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin
  • Glucose: Blutzucker
  • Nierenwerte: Harnstoff und Kreatinin
  • Leberwerte: Hier werden verschiedene Enzyme kontrolliert: GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase), GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase), Gamma-GT (Gamma-Glutamyl-Transferase) und AP (alkalische Phosphatase)

Blutwerte immer mit dem Arzt abklären lassen

Wie Sie sehen, ist das Zusammenspiel der Werte wichtig, um Diagnosen treffen zu können. Die Werte hängen auf verschiedene Weise zusammen und werden durch unterschiedlichste Schwankungen beeinflusst.

Bei all diesem neuen Wissen über die Blutbild-Abkürzungen: Machen Sie sich keine vorschnellen Sorgen, wenn mal ein Wert aus dem Rahmen fällt. Denn dass die Werte schwanken, ist ganz normal. Und genau deswegen sollten Sie Ihr Blutbild immer mit einem Arzt zusammen besprechen.

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