21.09.2018

Ginseng für ein langes Leben Adaptogene: Das können die Stresskiller aus der Natur

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Ginseng ist die vielleicht bekannteste Adaptogenpflanze, deren Wirkung gut belegt ist. Es gilt: Je älter die Pflanze, desto höher die Heilkraft. Mehr über Adaptogene im Artikel.

Foto: iStock/beemore

Ginseng ist die vielleicht bekannteste Adaptogenpflanze, deren Wirkung gut belegt ist. Es gilt: Je älter die Pflanze, desto höher die Heilkraft. Mehr über Adaptogene im Artikel.

Adaptogene sind die neuen Must Haves für alle, die gesund alt werden wollen. Sie stabilisieren das Immun- und Nervensystem, wirken verjüngend und gegen Stress. Das hierzulande bekannteste Adaoptogen ist Ginseng.

Als gebürtige Russin kennt Natalia Leutnant Adaptogene schon seit ihrer Kindheit und weiß um ihre starken Anti-Aging-Eigenschaften. In ihrer Heimat gelten Adaptogene als Schlüsselkomponente für eine gesunde Langlebigkeit, denn sie wirken gegen Stress, der unsere Abwehrmechanismen schwächt und das vorzeitige Altern beschleunigt.

Die Diplom-Biologin und Heilpflanzenexpertin betreibt mit ihrem Mann eine Bioland-Gärtnerei mit Heilpflanzengarten und Kräutermanufaktur bei Walsrode in der Lüneburger Heide. Sie hat den Adaptogenen ein ganzes Buch gewidmet, in dem sie neben Ginseng – dem hier wahrscheinlich bekanntesten Adaptogen – auch weniger bekannte wie Taigawurzel, Schisandra oder Rosenwurz und nahezu unbekannte Vertreter wie Hirschwurzel, Araliabaum und Igelkraftwurz vorstellt.

Adaptogene sind in Russland und Fernost bekannter als hier

Natalia Leutnant: "Seit Jahren beschäftige ich mich mit Adaptogenpflanzen. Da die meisten Adaptogene in der Sibirischen Taiga, im Altaigebirge und in Fernost wachsen, sind sie in meiner Heimat Russland sehr gut bekannt und werden aktiv für gesundheitliche Zwecke genutzt. Sie werden in Russland auch schon seit Jahrzehnten wissenschaftlich und klinisch untersucht und beschrieben. Es gibt zahlreiche Studien von sowjetischen und russischen Wissenschaftlern zu Adaptogenen, die der westlichen Naturmedizin zum Teil noch wenig bekannt sind."

Der Begriff "Adaptogen" wurde 1958 von dem russischen Wissenschaftler und Arzt Dr. Nicolai Vasilevich Lazarev geprägt. "Adaptare" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "sich anpassen". Gemeint ist damit die große Widerstandskraft der Pflanzen, die zu den Adaptogenen gezählt werden, denn sie wachsen unter äußerst widrigen Umständen. So können zum Beispiel die Schwankungen zwischen Winter- und Sommertemperaturen bei bis zu 100 Grad Celsius liegen.

Adaptogene gegen Stress

Stress führt zu einer Vielzahl von Reaktionen im Körper: Hormone wie Noradreanlin, Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, die Herzfrequenz, Puls und Atemfrequenz erhöhen sich. Insgesamt führt Stress zu einem Zustand, in dem auch unser Immunsystem nicht mehr optimal arbeitet und überlastet ist. Die Folge: Wir sind anfällig für ernste Krankheiten. Das gilt übrigens auch für positiven Stress.

Adaptogene helfen bei der Stressminimierung, indem sie die Ausschüttung von Cortisol senken und damit vielen stressbedingten Krankheiten und Beschwerden vorbeugen.

Gemäß einer Definition des "Comitee on Herbal Medicinal Products" (CHMP) der "Europäischen Arzneimittelagentur" (EMA) sollen Adaptogene die Resistenz des Organismus gegen ein breites Spektrum an widrigen biologischen, chemischen und physikalischen Faktoren verbessern. Anders als bei Stärkungsmitteln (Tonika) und Stimulanzien hält ihre Wirkung auch noch an, nachdem sie abgesetzt wurden. Ein weiterer Vorteil: Sie haben – richtig dosiert eingenommen – keine Nebenwirkungen.

Für ein langes Leben: Ginseng im Kurzportrait

Ginseng gehört zu den hierzulande bekanntesten und auch am besten analysierten Adaptogenen. Er wurde vor 5000 Jahren in China entdeckt und wird heute als Kulturpflanze weltweit angebaut. Verwendet wird die getrocknete Wurzel (Ginseng radix). Sie wird ausgegraben, wenn die Pflanze 6 Jahre oder älter ist und ein Gewicht von 60 bis 100 Gramm erreicht hat.

Bisher wurden über 150 verschiedene Substanzen in der Wurzel entdeckt, die vor allem durch ihr Zusammenspiel wirken. Zu den Hauptwirkstoffen gehören Saponine, die für ihre antibakterielle und antifungizide Wirkung bekannt sind. Zu dieser Gruppe gehören auch die Ginsenoside, die nur im Ginseng vorkommen.

Sie sind für eine gesteigerte Aktivität des zentralen Nervensystems verantwortlich, da sie die Produktion und Ausschüttung von Noradrenalin und Serotonin anregen. Eine Erhöhung dieser Botenstoffe führt zu einer Steigerung der Konzentration und Aufmerksamkeit. Außerdem sollen die Ginsenoside die Zellen des Immunsystems anregen und dadurch die natürliche Widerstandskraft gegen physikalische, chemische und emotionale Stressfaktoren steigern.

So können Sie Ginseng zu sich nehmen

Ginseng wird als Alkoholauszug, Aufguss, Pulver, Honig, Sirup, Wein und in Fertigpräparaten verwendet. Man kann frische oder getrocknete Wurzeln nutzen. Günstige Ginsengfertigarzneimittel sind oft unterdosiert. Die Tagesmenge an Ginsenosiden sollte mindestens 10 Milligramm betragen, das entspricht 1 bis 2 Gramm Ginseng. Die Anwendungsdauer (auch prophylaktisch) sollte 3 Monate nicht übersteigen. Nach 2 bis 3 Monaten Pause kann man erneut mit der Einnahme beginnen.

Vorsicht: Bei Überdosierung kann es zu Bluthochdruck, Spannung in den Brüsten und Durchfall kommen. Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte Ginseng nicht genutzt werden. Bei gleichzeitiger Einnahme von Antikoagulantien (Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung) ist eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt notwendig.

Adaptogene in der Rotation

Adaptogene kann man als Kapseln oder in Pulverform im Internet bestellen. Allgemein gilt: Aufgrund der tonisierenden und stimulierenden Wirkung der Adaptogene sollten diese nicht später als fünf bis sechs Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden.

Wenn man schon einzelne Adaptogene ausprobiert und Erfahrungen mit ihnen hat, können sie auch in einer Rotation eingenommen werden: Drei bis fünf Favoriten werden ausgewählt und nacheinander eingenommen. "Sie beginnen mit einem Präparat für 30 Tage und gehen dann nach einer 2-wöchigen Pause zum nächsten über", empfiehlt Natalia Leutnant. "Wenn Sie so vorgehen, halten Sie die positive Wirkung der Adaptogene auf einem dauerhaft hohen Niveau, und ein Gewöhnungseffekt wird ausgeschlossen."

Folgende Rotationen empfiehlt die Expertin in ihrem Buch:

  • Für hoch beanspruchte Berufstätige, aber auch für Frauen in den Wechseljahren: Rosenwurz (Stress, depressive Zustände, Burnout oder Burnoutgefahr), Hirschwurzel (körperliche und psychische Stärkung, Potenzsteigerung), Taigawurzel (Stärkung des Immun-, Kreislauf- und Nervensystems).
  • Für gesunde, junge und sportliche Menschen wird empfohlen: Schisandra (stärkend, Erhöhung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit), Hirschwurzel (körperliche und psychische Stärkung, Potenzsteigerung), Aralia (Stärkung des Zentralnervensystems, Konzentrationssteigerung, verbessertes Gedächtnis- und Lernvermögen).
  • Für ältere Menschen ist ein Rotieren mit Ginseng, Hirschwurzel und Aralia sinnvoll.

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