30.08.2018

Gefahr für Mensch und Tier West-Nil-Virus: Tödlicher Erreger in Deutschland entdeckt

Südeuropäische Länder melden derzeit verstärkt tödliche Fälle vom West-Nil-Fieber. Nun wurde bei einem toten Vogel in Deutschland der gefährliche West-Nil-Virus nachgewiesen, wie das das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mitteilte.

Foto: Darren McCollester/Newsmakers

Südeuropäische Länder melden derzeit verstärkt tödliche Fälle vom West-Nil-Fieber. Nun wurde bei einem toten Vogel in Deutschland der gefährliche West-Nil-Virus nachgewiesen, wie das das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mitteilte.

Erstmals wurde das West-Nil-Virus in Deutschland festgestellt. Der tödlichen Erreger wurde in einem Vogel nachgewiesen. Südeuropäische Länder melden derzeit verstärkt tödliche Fälle von West-Nil-Fieber vor allem bei älteren Menschen.

Das West-Nil-Virus (WNV) hat Deutschland erreicht. Der Erreger wurde bei einem Bartkauz in Halle (Saale) nachgewiesen, wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems am Mittwoch mitteilte.

Das West-Nil-Virus hat Deutschland erreicht

Der Vogel sei Mitte August tot in seiner Voliere gefunden worden, meldet das Institut. Der eigentliche Hauptwirt des West-Nil-Virus sind Wildvögel, doch auch Säugetiere können sich infizieren – als sogenannter Fehlwirt. Über Stechmücken kann das Virus auf andere Wirte wie Pferde und den Menschen übertragen werden. Menschen untereinander können sich nicht anstecken.

Vor allem in Süd- und Südosteuropa ist das Virus derzeit weit verbreitet. In diesem Jahr erkranken vergleichsweise viele Menschen am West-Nil-Virus, erklärte der Epidemiologe Klaus Stark vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin sagte.

In Italien, Griechenland und Serbien sind bereits 47 Menschen an der Virusinfektion gestorben

Das West-Nil-Virus ist auf der ganzen Welt verbreitet. Aktuell tritt es in einigen Regionen aber ungewöhnlich häufig auf – und wird so zur Gefahr für den Menschen. Allein in Italien, Griechenland und Serbien sind bereits 47 Menschen an der Virusinfektion gestorben. Mindestens 400 Personen in Europa sind nachweislich infiziert – die tatsächliche Zahl dürfte sogar noch höher liegen. Auch in Rumänien, dem Kosovo, Bosnien, Kroatien, Ungarn und Frankreich wurden bereits bestätigte West-Nil-Virus-Fälle gemeldet.

In Deutschland tritt die Erkrankung nur sehr selten auf, bisher hatten sich alle Betroffenen im Ausland infiziert.

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Das sind die Symptome vom West-Nil-Virus

Das West-Nil-Fieber ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit. Typische Symptome sind Muskel- und Gliederschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Fieber, Durchfall und möglicherweise Hautausschlag an Brust, Rücken oder Armen. Es gibt keine Schutzimpfung gegen die Krankheit. Bei etwa einer von 100 Infektionen komme es zu einem schweren, das Gehirn betreffenden Krankheitsverlauf, erklärte RKI-Experte Stark. Außerdem kann es zu Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen kommen und in seltenen Fällen, insbesondere bei älteren Personen, auch zum Tod.

Wie viele Menschen wirklich an dem Virus erkrankt sind, ist nicht bekannt. Viele Infizierte haben keine oder nur harmlose Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen – und gehen deshalb nicht zum Arzt. Experten sagen, dass nur bei etwa 20 Prozent der Fälle Symptome auftreten, etwa eine von hundert Infektionen führt zu einem schweren Krankheitsverlauf.

Warum ist das West-Nil-Virus gerade so verbreitet?

In diesem Jahr sind laut Experten die Fallzahlen besonders hoch, während im Vorjahr nur insgesamt 55 Infektionen und ein Todesfall erfasst wurden. Die Gründe seien unklar, Einfluss hätten zum Beispiel bestimmte Mücken- und Vogelpopulationen sowie das auch dort schon lange anhaltende Sommerwetter, sagt Stark. Reisenden, die in den betroffenen Ländern unterwegs sind, wird empfohlen, Insektenschutzmittel zu verwenden, um Mückenstichen vorzubeugen.

Das das West-Nil-Virus nun Deutschland erreicht hat, sollte bisher kein Grund zur Beunruhigung sein, denn die Ansteckungs-Gefahr für den Menschen ist aktuell sehr gering. Die Experten werden den toten Vogel aus Halle detailliert untersuchen, um herauszufinden, wie der Erreger nach Halle gelangt ist. Geprüft wird auch, ob Stechmücken in der Umgebung das Virus in sich tragen.

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