24.10.2019

Gefahr für Mensch und Tier West-Nil-Virus: Erste Infektionen in Deutschland – durch heimische Mücken?

Das West-Nil-Fieber breitet sich nach dem ersten Fund im Jahr 2018 auch dieses Jahr weiter aus. Als Grund vermuten Forscher den zu milden Winter: Stechmücken mit dem Virus hätten so überleben können. Jetzt gibt es erste Infizierte in Deutschland.

Foto: Darren McCollester/Newsmakers

Das West-Nil-Fieber breitet sich nach dem ersten Fund im Jahr 2018 auch dieses Jahr weiter aus. Als Grund vermuten Forscher den zu milden Winter: Stechmücken mit dem Virus hätten so überleben können. Jetzt gibt es erste Infizierte in Deutschland.

Nachdem das West-Nil-Virus im vergangenen Jahr erstmals in Deutschland festgestellt worden war, gibt es jetzt keine Entwarnung – im Gegenteil: Der tödliche Erreger breitet sich vor allem im Osten Deutschlands aus, denn es konnte aufgrund des zu milden Klimas in Stechmücken überwintern. Gefährdet sind vor allem Tiere, aber auch Menschen. Erste infizierte Menschen gibt es etwa in Sachsen und Berlin.

Das West-Nil-Virus (WNV) breitet sich weiter in Deutschland aus. Das geht aus Expertenberichten hervor: Forscher haben den Erreger bei Pferden und Vögeln nachweisen können. Man geht davon aus, dass das Virus aufgrund des zu milden letzten Winters in Stechmücken überwintern konnte. Jetzt gibt es auch erste Menschen, die sich angesteckt haben – und das offenbar zuhause.

West-Nil-Virus in Deutschland: Frau aus Berlin muss sich zuhause angesteckt haben

Update vom 24.10.2019: Schon Ende September wurde bekannt, dass erstmals eine Infektion mit dem West-Nil-Virus bei einem Menschen in Deutschland nachgewiesen worden war – übertragen durch infizierte Mücken. Ein 70-jähriger Mann aus dem Leipziger Umland war Mitte August an einer Gehirnhautentzündung erkrankt. Man fand das Virus in seinem Körper. Dem Mann gehe es mittlerweile wieder gut. Zuvor hatte sich bis dato ein Tierarzt in Bayern bei der Untersuchung eines infizierten Vogels angesteckt, ansonsten war das Virus nur bei Menschen gefunden worden, die von einer Reise zurückkamen.

Jetzt sind zwei weitere Fälle in Berlin und Sachsen-Anhalt bekannt geworden. Zwei im Spätsommer erkrankte Frauen in Berlin und Wittenberg seien betroffen, wie Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte. Zudem gebe es weitere Verdachtsfälle im Umkreis des zuvor infizierten Mannes aus der Leipziger Region – auch jüngere Patienten.

Im Falle der Frau aus Berlin, eine Frau zwischen 40 und 50, wurde die Infektion durch einen Labortest beim BNITM bestätigt, heißt es im Wochenbericht des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales. Demnach litt die Frau unter grippeähnlichen Symptomen sowie einem leichten Hautausschlag. Besonders daran: Sie habe sich in der letzten Zeit nur in Berlin aufgehalten. Die Behörden gehen daher davon aus, dass sie sich auch dort infiziert haben muss – möglicherweise über einen Mückenstich.

Dunkelziffer der Infizierten vermutlich höher als angenommen

Lediglich ein Prozent der Infektionen führe zu schweren neuroinvasiven Erkrankungen – die Zahl der schweren Krankheitsverläufe sei daher erschreckend, so Schmidt-Chanasit: "Das ist nur die Spitze des Eisbergs". Man könne daher von Hunderten weiteren Infektionen mit leichtem Verlauf ausgehen, bei denen eine Diagnose fehlt. "Das West-Nil-Virus betrifft offenbar schon weit mehr Menschen in Deutschland als bisher angenommen", erklärt Schmidt-Chanasit.

Laut Robert-Koch-Institut sei damit zu rechnen, dass sich das West-Nil-Virus in Deutschland weiter etabliere und es in den kommenden Jahren zu weiteren Fällen auch bei Menschen kommen könne, vor allem in überdurchschnittlich warmen und langen Sommern.

West-Nil-Virus breitet sich in Deutschland aus: Milder Winter ist schuld

Update vom 23.09.2019: Keine Entwarnung gibt es also für hiesige Lande. Bereits der vergangen Winter war zu mild, so dass viele Mücken, die bei eisigen Temperaturen normalerweise sterben, einfach weitergelebt haben. So konnte wohl auch das Virus überleben – so erklären es sich die Experten zumindest. Sie befürchten nun eine dauerhafte Ansiedlung der Krankheit.

Weiterhin sind vor allem östliche Teile Deutschlands betroffen. Eine Vielzahl von Vögeln sowie vereinzelt Pferde seien infiziert. Übertragen wird das West-Nil-Virus von Stechmücken. Vögel sind die Hauptwirte. Da das Virus aber auch Säugetiere und somit auch den Menschen befallen kann, schlagen Experten nun Alarm. Die Symptome ähneln denen einer Grippe, in seltenen Fällen kann es auch zu einer tödlichen Hirnhautentzündung kommen.

Die Gefahr wird möglicherweise also weiterhin bestehen – denn Wetterexperten gehen bereits davon aus, dass uns ein Rekordwinter erwartet: mit Temperaturen weit über dem Durchschnitt. Das würde bedeuten, dass noch mehr Mücken den Winter überstehen könnten. Durch das milde Wetter konnten sich bereits 3 gefährliche Mückenarten bei uns ausbreiten, die unter anderem das West-Nil-Virus mitbringen können, aber auch als Überträger anderer exotischer Krankheiten wie dem Dengue-Fieber infrage kommen. Klimaforscher melden bereits, dass die vergangenen fünf Jahre die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen waren.

So berichtete BILD der FRAU zuvor:

Meldung vom 30.08.2018: Das West-Nil-Virus hat 2018 Deutschland erreicht: Der Erreger wurde bei einem Bartkauz in Halle (Saale) nachgewiesen, wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems am Mittwoch mitteilte.

Das West-Nil-Virus hat Deutschland erreicht

Der Vogel sei Mitte August tot in seiner Voliere gefunden worden, meldet das Institut. Der eigentliche Hauptwirt des West-Nil-Virus sind Wildvögel, doch auch Säugetiere können sich infizieren – als sogenannter Fehlwirt. Über Stechmücken kann das Virus auf andere Wirte wie Pferde und den Menschen übertragen werden. Menschen untereinander können sich nicht anstecken.

Vor allem in Süd- und Südosteuropa ist das Virus derzeit weit verbreitet. In diesem Jahr erkranken vergleichsweise viele Menschen am West-Nil-Virus, erklärte der Epidemiologe Klaus Stark vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin sagte.

In Italien, Griechenland und Serbien sind bereits 47 Menschen an der Virusinfektion gestorben

Das West-Nil-Virus ist auf der ganzen Welt verbreitet. Aktuell tritt es in einigen Regionen aber ungewöhnlich häufig auf – und wird so zur Gefahr für den Menschen. Allein in Italien, Griechenland und Serbien sind bereits 47 Menschen an der Virusinfektion gestorben. Mindestens 400 Personen in Europa sind nachweislich infiziert – die tatsächliche Zahl dürfte sogar noch höher liegen. Auch in Rumänien, dem Kosovo, Bosnien, Kroatien, Ungarn und Frankreich wurden bereits bestätigte West-Nil-Virus-Fälle gemeldet.

In Deutschland tritt die Erkrankung nur sehr selten auf, bisher hatten sich alle Betroffenen im Ausland infiziert.

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Mückenstich

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Das sind die Symptome vom West-Nil-Virus

Das West-Nil-Fieber ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit. Typische Symptome sind Muskel- und Gliederschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Fieber, Durchfall und möglicherweise Hautausschlag an Brust, Rücken oder Armen. Es gibt keine Schutzimpfung gegen die Krankheit. Bei etwa einer von 100 Infektionen komme es zu einem schweren, das Gehirn betreffenden Krankheitsverlauf, erklärte RKI-Experte Stark. Außerdem kann es zu Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen kommen und in seltenen Fällen, insbesondere bei älteren Personen, auch zum Tod.

Wie viele Menschen wirklich an dem Virus erkrankt sind, ist nicht bekannt. Viele Infizierte haben keine oder nur harmlose Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen – und gehen deshalb nicht zum Arzt. Experten sagen, dass nur bei etwa 20 Prozent der Fälle Symptome auftreten, etwa eine von hundert Infektionen führt zu einem schweren Krankheitsverlauf.

Warum ist das West-Nil-Virus gerade so verbreitet?

In diesem Jahr sind laut Experten die Fallzahlen besonders hoch, während im Vorjahr nur insgesamt 55 Infektionen und ein Todesfall erfasst wurden. Die Gründe seien unklar, Einfluss hätten zum Beispiel bestimmte Mücken- und Vogelpopulationen sowie das auch dort schon lange anhaltende Sommerwetter, sagt Stark. Reisenden, die in den betroffenen Ländern unterwegs sind, wird empfohlen, Insektenschutzmittel zu verwenden, um Mückenstichen vorzubeugen.

Das das West-Nil-Virus nun Deutschland erreicht hat, sollte bisher kein Grund zur Beunruhigung sein, denn die Ansteckungs-Gefahr für den Menschen ist aktuell sehr gering. Die Experten werden den toten Vogel aus Halle detailliert untersuchen, um herauszufinden, wie der Erreger nach Halle gelangt ist. Geprüft wird auch, ob Stechmücken in der Umgebung das Virus in sich tragen.

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