Aktualisiert: 17.07.2020 - 09:52

Gefahr für Mensch und Tier West-Nil-Virus: RKI hält Ansteckungen bei uns dauerhaft für möglich

Das West-Nil-Fieber breitet sich nach dem ersten Fund im Jahr 2018 auch dieses Jahr weiter aus. Als Grund vermuten Forscher den zu milden Winter: Stechmücken mit dem Virus hätten so überleben können. Vergangenes Jahr gab es Infizierte in Deutschland, jetzt wurde das Virus wieder gefunden.

Foto: Darren McCollester/Newsmakers

Das West-Nil-Fieber breitet sich nach dem ersten Fund im Jahr 2018 auch dieses Jahr weiter aus. Als Grund vermuten Forscher den zu milden Winter: Stechmücken mit dem Virus hätten so überleben können. Vergangenes Jahr gab es Infizierte in Deutschland, jetzt wurde das Virus wieder gefunden.

Nachdem das West-Nil-Virus vor zwei Jahren erstmals in Deutschland festgestellt worden war, gibt es jetzt keine Entwarnung – im Gegenteil: Der tödliche Erreger breitet sich vor allem im Osten Deutschlands aus, denn es konnte aufgrund des zu milden Klimas in Stechmücken überwintern. Gefährdet sind vor allem Tiere, aber auch Menschen. Jetzt warnt das RKI vor bleibender Gefahr.

Das West-Nil-Virus (WNV) breitet sich weiter in Deutschland aus. Forscher hatten den Erreger bereits vergangenes Jahr bei Pferden und Vögeln nachweisen können. Dann gab es auch erste Menschen, die sich angesteckt hatten – und das offenbar zuhause. Nun wurde der Erreger in einem toten Wildvogel in Berlin entdeckt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht nach Erfahrungen in südeuropäischen Ländern davon aus, dass sich das West-Nil-Fieber auch hierzulande weiter ausbreiten und etablieren werde – so heißt es im aktuellen Epidemiologischen Bulletin des Instituts.

West-Nil-Virus in Deutschland: RKI warnt vor weiterer Ausbreitung

Update vom 17.07.2020: Auch, wenn es möglicherweise derzeit den Anschein hat: Das Coronavirus (Sars-CoV-2) ist längst nicht das einzige Virus, das uns hierzulande beschäftigt. Aufgrund milder Winter und längerer, heißerer Sommer, wie es sie in den vergangenen Jahren vermehrt gegeben hat, können sich nämlich auch Tiere hier ausbreiten, die eigentlich in tropischen Gefilden leben. Und sie bringen Krankheitserreger mit, die wir ebenfalls ursprünglich nur aus den Tropen kennen. Einer davon ist das West-Nil-Virus, das eine gefährliche Fiebererkrankung auslösen kann.

Wo kommt das West-Nil-Virus genau her?

Ursprünglich stammt das West-Nil-Virus aus Afrika – von dort kann es über Zugvögel nach Europa gelangen. Dabei überträgt es sich aber nicht direkt von Tier zu Tier oder von Mensch zu Mensch. Es wird durch Stechmücken übertragen, die Vögel stechen und das Virus dann weitergeben. Sticht eine Mücke – hierzulande etwa die weit verbreitete Stechmücke der Gattung Culex – erst einen Vogel und nimmt das Virus auf, kann sie es später auf andere Stichopfer, etwa auf Säugetiere wie Pferde, aber auch auf den Menschen übertragen. Hier kann es dann Schaden anrichten, aber immerhin nicht weiter übertragen werden.

Das Problem ist, dass das Virus mittlerweile in Deutschland überwintern kann – so wird es im Bulletin erklärt. Vergangenes Jahr hatten sich nachweislich fünf Menschen mit dem Virus angesteckt. Alle Infektionen waren laut RKI auf heimische Mückenstiche zurückzuführen.

Das sind die Symptome vom West-Nil-Virus

Wie viele Menschen wirklich an dem Virus erkrankt sind, ist nicht bekannt. Viele Infizierte haben keine oder nur harmlose Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen – und gehen deshalb nicht zum Arzt. Experten sagen, dass nur bei etwa 20 Prozent der Fälle Symptome auftreten, etwa eine von hundert Infektionen führt zu einem schweren Krankheitsverlauf.

Das West-Nil-Fieber ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit. Typische Symptome bei sind Muskel- und Gliederschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Fieber, Durchfall und möglicherweise Hautausschlag an Brust, Rücken oder Armen. Die Symptome treten abrupt auf. Es gibt keine Schutzimpfung gegen die Krankheit. Bei etwa einer von 100 Infektionen komme es zu einem schweren, das Gehirn betreffenden Krankheitsverlauf, erklärte RKI-Experte Stark. Außerdem kann es zu Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen kommen und in seltenen Fällen, insbesondere bei älteren Personen oder Menschen mit Immunschwäche, auch zum Tod.

Mückenschutz ist aufgrund der fehlenden Impfung wohl das beste Mittel, um sich vor dem West-Nil-Fieber zu schützen. Am besten funktioniert Mückenschutz-Kleidung, vor allem, wenn Sie draußen in der Natur unterwegs sind. Tragen Sie am besten lange Klamotten aus hellen, fest gewebten Stoffen. Ansonsten können Sie auch mit selbstgemachtem Insektenspray versuchen, die Plagegeister zu vertreiben.

West-Nil-Virus in Deutschland: Frau aus Berlin muss sich zuhause angesteckt haben

Update vom 24.10.2019: Schon Ende September wurde bekannt, dass erstmals eine Infektion mit dem West-Nil-Virus bei einem Menschen in Deutschland nachgewiesen worden war – übertragen durch infizierte Mücken. Ein 70-jähriger Mann aus dem Leipziger Umland war Mitte August an einer Gehirnhautentzündung erkrankt. Man fand das Virus in seinem Körper. Dem Mann gehe es mittlerweile wieder gut. Zuvor hatte sich bis dato ein Tierarzt in Bayern bei der Untersuchung eines infizierten Vogels angesteckt, ansonsten war das Virus nur bei Menschen gefunden worden, die von einer Reise zurückkamen.

Jetzt sind zwei weitere Fälle in Berlin und Sachsen-Anhalt bekannt geworden. Zwei im Spätsommer erkrankte Frauen in Berlin und Wittenberg seien betroffen, wie Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte. Zudem gebe es weitere Verdachtsfälle im Umkreis des zuvor infizierten Mannes aus der Leipziger Region – auch jüngere Patienten.

Im Falle der Frau aus Berlin, eine Frau zwischen 40 und 50, wurde die Infektion durch einen Labortest beim BNITM bestätigt, heißt es im Wochenbericht des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales. Demnach litt die Frau unter grippeähnlichen Symptomen sowie einem leichten Hautausschlag. Besonders daran: Sie habe sich in der letzten Zeit nur in Berlin aufgehalten. Die Behörden gehen daher davon aus, dass sie sich auch dort infiziert haben muss – möglicherweise über einen Mückenstich.

Dunkelziffer der Infizierten vermutlich höher als angenommen

Lediglich ein Prozent der Infektionen führe zu schweren neuroinvasiven Erkrankungen – die Zahl der schweren Krankheitsverläufe sei daher erschreckend, so Schmidt-Chanasit: "Das ist nur die Spitze des Eisbergs". Man könne daher von Hunderten weiteren Infektionen mit leichtem Verlauf ausgehen, bei denen eine Diagnose fehlt. "Das West-Nil-Virus betrifft offenbar schon weit mehr Menschen in Deutschland als bisher angenommen", erklärt Schmidt-Chanasit.

Laut Robert-Koch-Institut sei damit zu rechnen, dass sich das West-Nil-Virus in Deutschland weiter etabliere und es in den kommenden Jahren zu weiteren Fällen auch bei Menschen kommen könne, vor allem in überdurchschnittlich warmen und langen Sommern.

West-Nil-Virus breitet sich in Deutschland aus: Milder Winter ist schuld

Update vom 23.09.2019: Keine Entwarnung gibt es also für hiesige Lande. Bereits der vergangen Winter war zu mild, so dass viele Mücken, die bei eisigen Temperaturen normalerweise sterben, einfach weitergelebt haben. So konnte wohl auch das Virus überleben – so erklären es sich die Experten zumindest. Sie befürchten nun eine dauerhafte Ansiedlung der Krankheit.

Weiterhin sind vor allem östliche Teile Deutschlands betroffen. Eine Vielzahl von Vögeln sowie vereinzelt Pferde seien infiziert. Übertragen wird das West-Nil-Virus von Stechmücken. Vögel sind die Hauptwirte. Da das Virus aber auch Säugetiere und somit auch den Menschen befallen kann, schlagen Experten nun Alarm. Die Symptome ähneln denen einer Grippe, in seltenen Fällen kann es auch zu einer tödlichen Hirnhautentzündung kommen.

Die Gefahr wird möglicherweise also weiterhin bestehen – denn Wetterexperten gehen bereits davon aus, dass uns ein Rekordwinter erwartet: mit Temperaturen weit über dem Durchschnitt. Das würde bedeuten, dass noch mehr Mücken den Winter überstehen könnten. Durch das milde Wetter konnten sich bereits 3 gefährliche Mückenarten bei uns ausbreiten, die unter anderem das West-Nil-Virus mitbringen können, aber auch als Überträger anderer exotischer Krankheiten wie dem Dengue-Fieber infrage kommen. Klimaforscher melden bereits, dass die vergangenen fünf Jahre die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen waren.

So berichtete BILD der FRAU zuvor:

Meldung vom 30.08.2018: Das West-Nil-Virus hat 2018 Deutschland erreicht: Der Erreger wurde bei einem Bartkauz in Halle (Saale) nachgewiesen, wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems am Mittwoch mitteilte.

Das West-Nil-Virus hat Deutschland erreicht

Der Vogel sei Mitte August tot in seiner Voliere gefunden worden, meldet das Institut. Der eigentliche Hauptwirt des West-Nil-Virus sind Wildvögel, doch auch Säugetiere können sich infizieren – als sogenannter Fehlwirt. Über Stechmücken kann das Virus auf andere Wirte wie Pferde und den Menschen übertragen werden. Menschen untereinander können sich nicht anstecken.

Vor allem in Süd- und Südosteuropa ist das Virus derzeit weit verbreitet. In diesem Jahr erkranken vergleichsweise viele Menschen am West-Nil-Virus, erklärte der Epidemiologe Klaus Stark vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

In Italien, Griechenland und Serbien sind bereits 47 Menschen an der Virusinfektion gestorben

Das West-Nil-Virus ist auf der ganzen Welt verbreitet. Aktuell tritt es in einigen Regionen aber ungewöhnlich häufig auf – und wird so zur Gefahr für den Menschen. Allein in Italien, Griechenland und Serbien sind bereits 47 Menschen an der Virusinfektion gestorben. Mindestens 400 Personen in Europa sind nachweislich infiziert – die tatsächliche Zahl dürfte sogar noch höher liegen. Auch in Rumänien, dem Kosovo, Bosnien, Kroatien, Ungarn und Frankreich wurden bereits bestätigte West-Nil-Virus-Fälle gemeldet.

In Deutschland tritt die Erkrankung nur sehr selten auf, bisher hatten sich alle Betroffenen im Ausland infiziert.

Warum ist das West-Nil-Virus gerade so verbreitet?

In diesem Jahr sind laut Experten die Fallzahlen besonders hoch, während im Vorjahr nur insgesamt 55 Infektionen und ein Todesfall erfasst wurden. Die Gründe seien unklar, Einfluss hätten zum Beispiel bestimmte Mücken- und Vogelpopulationen sowie das auch dort schon lange anhaltende Sommerwetter, sagt Stark. Reisenden, die in den betroffenen Ländern unterwegs sind, wird empfohlen, Insektenschutzmittel zu verwenden, um Mückenstichen vorzubeugen.

Das das West-Nil-Virus nun Deutschland erreicht hat, sollte bisher kein Grund zur Beunruhigung sein, denn die Ansteckungsgefahr für den Menschen ist aktuell sehr gering. Die Experten werden den toten Vogel aus Halle detailliert untersuchen, um herauszufinden, wie der Erreger nach Halle gelangt ist. Geprüft wird auch, ob Stechmücken in der Umgebung das Virus in sich tragen.

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