03.09.2018

Tipps zur Anwendung Abführmittel: Wirkung und Nebenwirkungen

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Wer unter Verstopfung leidet, greift sehr schnell zu rezeptfreien Abführmitteln aus der Apotheke. Sie sollten jedoch unbedingt auf die richtige Anwendung achten oder besser auf alternative Hausmittel zurückgreifen.

Foto: iStock/RapidEye

Wer unter Verstopfung leidet, greift sehr schnell zu rezeptfreien Abführmitteln aus der Apotheke. Sie sollten jedoch unbedingt auf die richtige Anwendung achten oder besser auf alternative Hausmittel zurückgreifen.

Wenn die Verdauung streikt, einfach zu frei verkäuflichen Abführmitteln greifen? Lieber nicht! Experten raten von einem sorglosen Gebrauch ab.

Abführmittel (Laxanzien) gehören laut der Gesundheitsberichterstattung des Bundes zu den Top 10 der umsatzstärksten Arzneimittel, die in deutschen Apotheken zur Selbstmedikation verkauft werden. Viele hoffen auf eine schnelle Abführmittel-Wirkung. Doch solche potenziellen Verdauungs-Booster können bei dauerhaftem Einsatz unerwünschte Nebenwirkungen auslösen und eine Verstopfung (Obstipation) sogar verstärken oder überhaupt erst hervorrufen.

Abführmittel: Wirkung bei echter Verstopfung?

Fälscherweise gehen nämlich viele Menschen davon aus, sie hätten eine Verdauungsstörung, wenn sie nicht täglich ihren Darm entleeren. Tatsächlich gilt laut Deutschem Krebsforschungszentrum aber: Man muss nicht jeden Tag "müssen". Dreimal am Tag ist genauso normal wie drei Mal pro Woche. Erst wer seltener einen harten und klumpigen Stuhlgang hat, gleichzeitig Symptome wie starkes Pressen, ein Gefühl der unvollständigen Darmentleerung oder der Blockade im Darmausgang, Blähungen, Völlegefühl und Bauchschmerzen verspürt, ist von einer Verstopfung betroffen und sollte der Ursache auf den Grund gehen. Die Wirkung frei verkäuflicher Abführ-Präparate ist nicht immer gegeben.

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Halten die Beschwerden länger an oder wechseln sie sich mit Durchfall ab, muss ein Arzt zurate gezogen werden. In der Deutschen Apotheker Zeitung warnen Experten außerdem, dass Blut im Stuhl ein ernst zu nehmendes Alarmzeichen ist: Es kann auf Darmerkrankungen oder Verletzungen im Analbereich hinweisen und erfordert eine Diagnose. Lesen Sie hier mehr über Symptome und Ursachen einer Verstopfung und wann Sie zum Arzt sollten.

Ursachen für Verstopfungen – Abführmittel nicht immer geeignet

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) können vielfältige Faktoren die Darmtätigkeit negativ beeinträchtigen:

  • Stress
  • Ballaststoffarme Ernährung
  • Mangelnde Bewegung
  • Krankheiten wie Diabetes mellitus
  • Arzneimittel

Sogar eine Schwangerschaft oder ein Ortswechsel auf Reisen kann eine Verstopfung auslösen. Auch Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Reizdarmsyndrom, Krebserkrankungen oder Hämorrhoiden wirken sich auf die Verdauung aus.

Wenn die Verstopfung nur kurzzeitig besteht, können Sie es erst einmal mit folgenden Hausmitteln versuchen:

Hausmittel gegen Verstopfung

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Häufig führt eine Änderung des Lebensstils schon zu einer erheblichen Besserung. Deshalb raten Experten stets zu einer Ernährung mit vielen Ballaststoffen, einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr und regelmäßiger Bewegung. Der Griff zu Abführmitteln hingegen wird nur in bestimmten Fällen und unter ärztlicher Anleitung empfohlen – etwa dann, wenn die Ernährungs- und Bewegungsempfehlungen nicht anschlagen, um den Darm wieder in Schwung zu bringen.

Laxanzien kommen darüber hinaus für bestimmte medizinische Zwecke zum Einsatz: Sie müssen zum Beispiel vor einer Darmspiegelung eingenommen werden, damit der "gereinigte" Darm bei dem Untersuchungsverfahren aussagekräftige Bilder liefert.

Verdauungsbeschwerden bei Kindern erfordern eine ärztliche Beratung. Frei verkäufliche Abführmittel zur Selbstmedikation ohne Empfehlung vom Arzt sind für sie ungeeignet!

Für Krebspatienten sind in Bezug auf Verstopfungen und Abführmittel besondere Hinweise zu beachten. Betroffene finden beim Krebsinformationsdienst alle nützlichen Informationen sowie eine Hotline für Fragen.

Wie wirken Abführmittel?

Es gibt verschiedene Wirkungsweisen von Abführmitteln, die zum Ziel haben, die Stuhlentleerung anzutreiben – viele Mittel verfügen über mehrere der aufgeführten Eigenschaften. Nach Angaben des Bundesverbands für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz wird die Wirkungsweise von Abführmitteln in vier Gruppen unterteilt:

  • Osmotisch wirkende Abführmittel (z. B. Wirkstoff Macrogol oder Zuckeralkohole wie Sorbit): Sie halten die Flüssigkeit im Darm zurück und machen den Stuhl so weicher. Zudem vergrößern sie das Stuhlvolumen und lösen durch den Dehnungsreiz eine Entleerung aus. Auch Bittersalze oder Glaubersalz sind Abführmittel, die auf diese Weise wirken – beide werden zu Beginn des Heilfastens eingesetzt. Das Deutsche Krebsforschungszentrum erklärt außerdem, dass hydragoge Abführmittel den gleichen Effekt erzielen, indem sie mehr Wasser in den Darm abgeben und antiresorptive Abführmittel dem Darminhalt weniger Wasser entziehen. Auch Rizinusöl wirkt antiresorptiv und hydragog.
  • Darmstimulierende Abführmittel (z. B. Wirkstoff Bisacodyl, Rizinusöl): Diese Abführmittel reizen die Darmwände und regen so die Fortbewegung der Nahrung an. Dadurch, dass sie schneller transportiert wird, bleibt der Stuhl weicher und lässt sich besser ausscheiden.
  • Gleitmittel (z. B. Zäpfchen oder Paraffinöl zum Einnehmen) und Klistiere (Einläufe): Solche Mittel werden bei Problemen des Enddarms verwendet. In den After eingeführt bewirken sie, dass der Speisebrei weitertransportiert wird.
  • Quellmittel (z. B. Flohsamenschalen, Leinsamen, Weizenkleie): Sie binden Wasser, quellen auf und vergrößern so das Volumen des Stuhls. Der Dehnungsreiz regt die Darmtätigkeit an. Wichtig: Solche Quellmittel brauchen viel Flüssigkeit, um wirken zu können.

Bei äußerst starker Verstopfung kann die Einnahme rezeptpflichtiger Medikamente erforderlich sein. Die sogenannten Prokinetika werden vom Arzt verschrieben und regen die Magen-Darm-Bewegungen an. Der Arzneistoff Domperidon findet Anwendung bei der Linderung von Sodbrennen während einer Refluxkrankheit. Nach Angaben der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) birgt der Wirkstoff Metoclopramid das Risiko von neurologischen Nebenwirkungen – wie etwa Muskelspasmen im Kopf- und Halsbereich. Aus diesem Grund wurden im Jahr 2014 Metoclopramid-Tropfen (MCP), die der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen dienten, zurückgerufen und die Anwendungsbereiche des Wirkstoffs eingeschränkt.

Abführmittel richtig dosieren

Sowohl Dosierung als auch Dauer der Anwendung von Abführmitteln sind individuell vom Patienten und dem vorliegenden Behandlungsgrund abhängig. "Grundsätzlich sollten Abführmittel in der Selbstmedikation nur bei Bedarf und kurzfristig eingesetzt werden", sagt Professor Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der AMK in der Zeitschrift der Deutschen Apotheker. Hier heißt es, sie sollen maximal zwei Wochen lang angewendet werden, wenn vom Arzt nicht anders empfohlen. Wer zu oft Abführmittel nimmt, braucht auch zum Thema Absetzen eine Beratung: Möglicherweise wird der Arzt eine Entwöhnung vorschlagen, die schrittweise erfolgt.

Die Hoffnung auf die Abführmittel-Wirkung kann also zur Sucht werden. Ein Abführmittelmissbrauch liegt vor, wenn die Arznei über mehrere Monate mehr als einmal pro Woche eingenommen wird. Die Deutsche Apotheker Zeitung erklärt, dass es sich ebenfalls um einen Missbrauch handelt, wenn die Abführmittel zur Gewichtsreduktion führen sollen. Dies ist etwa bei Essstörungen wie einer Bulimie der Fall, kommt aber auch bei sonst gesunden Diätmachenden vor.

Erstere müssen sich aufgrund ihrer Essstörung in eine ärztliche Behandlung begeben, Letzteren sei gesagt: Durch Abführmittel stellt sich kein langfristiger Abnehmerfolg ein, dafür gehen mit der missbräuchlichen Einnahme aber Nebenwirkungen und das Risiko für eine anhaltende Verstopfung einher.

Welche Nebenwirkungen sind bei Abführmitteln möglich?

Bei einer regelmäßigen Einnahme von Abführmitteln ist Vorsicht geboten – das gilt auch für pflanzliche Mittel wie Sennesblätter oder Rhabarberwurzel. Meist befinden sich Betroffene in einem Teufelskreis: Sie haben zu häufig unbegründet zu dem Mittel gegriffen und nun funktioniert ihre Verdauung tatsächlich nicht mehr einwandfrei, weil sich der Darm an seine Helfer gewöhnt hat.

Durch eine dauerhafte Einnahme ergeben sich laut Zeitschrift der Deutschen Apotheker außerdem noch weitere Probleme: Aufgrund des hohen Wasserverlusts kommt es zu Beeinträchtigungen des Elektrolythaushalts, Kalium- und Magnesiummangel können entstehen und im schlimmsten Fall sogar Herzrhythmusstörungen hervorrufen.

Auch Schädigungen der Darmschleimhaut können auftreten und sie anfälliger für Entzündungen werden lassen. Außerdem wird die Darmflora bei einem Missbrauch von Abführmitteln in Mitleidenschaft gezogen. Und dass, obwohl gerade diese Bakterienkultur besonders wichtig für das menschliche Wohlbefinden ist, wie jüngste Studien zur Darmgesundheit bewiesen haben.

Natürliche Abführmittel: Träger Darm, beweg dich!

Mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag sind empfehlenswert, um den Stoffwechsel mithilfe von Lebensmitteln anzuregen – dazu rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Gute Lieferanten sind Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sowie Getreideprodukte aus Vollkorn. Hier finden Sie die zehn ballaststoffreichsten Lebensmittel.

War die Ernährung vorher ballaststoffarm, sollte die Zufuhr langsam erhöht werden. Auch der Verzehr von milchsäurehaltigen Lebensmitteln wie Joghurt, Kefir oder Buttermilch schmeckt dem Darm gut. Zudem gilt: Trinken Sie mindestens 1,5 Liter kalorienarme Flüssigkeit über den Tag verteilt.

Wenn Sie eine Soforthilfemaßnahme brauchen, können Sie mit diesen drei Tipps versuchen, die Verdauung anzukurbeln:

  • 1. Auf nüchternem Magen ein Glas Wasser trinken.
  • 2. Noch im Bett vor dem Aufstehen den Bauch massieren.
  • 3. In Wasser eingeweichtes Trockenobst essen.

Mit Hausmitteln gegen Verstopfung sollten Sie es also zuerst probieren. Dann können Sie – nach Rücksprache mit Ihrem Arzt im Notfall doch noch auf Abführmittel und deren Wirkung setzen.

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