Aktualisiert: 02.07.2019 - 13:34

Chronische Darmerkrankung Morbus Crohn: Mit der Ernährung Beschwerden lindern

Beschwerden bei der Darmerkrankung Morbus Crohn können mit der Ernährung gelindert werden. Lesen Sie, auf was Sie in den Remissionsphasen achten sollten.

Foto: iStock/vgajic

Beschwerden bei der Darmerkrankung Morbus Crohn können mit der Ernährung gelindert werden. Lesen Sie, auf was Sie in den Remissionsphasen achten sollten.

Wenn der Darm entzündet ist: Morbus Crohn zählt zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die bisher nicht heilbar sind. Die Ernährung kann jedoch helfen, Beschwerden zu lindern – wie, erfahren Sie hier.

Immer mehr Menschen leiden heutzutage unter Verdauungsbeschwerden und Darmerkrankungen. Zu letzteren zählen auch die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (kurz: CED) wie Morbus Chron, bei denen in Teilen des Darms oder im gesamten Verdauungstrakt Entzündungen vorkommen. Und laut Medizinern gibt es bisher keine Heilung. Doch eine leicht verdauliche Ernährung soll die mit Morbus Crohn zusammenhängenden Beschwerden zumindest lindern können.

Wie die Ernährung bei Morbus Crohn aussehen kann, warum eine ausreichende Nährstoffversorgung wichtig ist und welche spezifischen Ernährungsformen laut Studien vielversprechend sind, erfahren Sie hier.

Ernährung bei Morbus Crohn: Verdauungsschwierigkeiten und Nährstoffmangel

Bei Morbus Crohn liegen Entzündungen im Dünn- und/oder Dickdarm oder auch im gesamten Verdauungstrakt vor. Neben der entzündeten Darmschleimhaut kann es außerdem zu Abszessen und Fisteln entlang des Darms kommen. Mit Morbus Crohn verbundene Beschwerden reichen von Bauchschmerzen und Durchfall bis hin zu Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Auch eine Disbalance der Darmflora sowie Unverträglichkeiten wie Laktose- und Fruktoseintoleranz können durch Morbus Crohn entstehen.

Bei Morbus Crohn unterscheidet man zwischen akuten Schüben und sogenannten Remissionsphasen, in denen keine Schübe vorkommen. Akute Schübe von Morbus Crohn sind in den meisten Fällen mit starken Bauchschmerzen, Krämpfen und Durchfall verbunden, der auch sehr heftig ausfallen kann. Betroffene können dann bis zu 30 Mal am Tag an Durchfall leiden. In dieser Zeit kann es aufgrund des Durchfalls, aber auch wegen Appetitlosigkeit und erhöhtem Kalorienbedarf, zu einer Unterernährung und Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen wie Eisen, Calcium oder auch Vitamin A und D kommen.

Eine Betroffene hat mit uns über ihr Leben mit der Darmerkrankung Morbus Chron gesprochen.

Je nachdem, wie stark ein Morbus-Crohn-Schub ausfällt, umfasst die Ernährung in dieser Zeit leicht verdauliche Lebensmittel und Mahlzeiten wie püriertes Obst, gedünstetes Gemüse, Gemüsesuppen und Brei – manchmal ist sogar eine Ernährung in Form von Trinkfläschchen oder über eine Sonde nötig. Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie die Versorgung bei Nährstoffmangel. Hierzu werden über den behandelnden Arzt die Nährstoffwerte im Blick gehalten und, wenn nötig, Nahrungsergänzungsmittel eingenommen.

Leicht verdauliche Ernährung in der Remissionsphase

Wenn längere Zeit keine akuten Schübe von Morbus Crohn auftreten, wird von der Remissionsphase gesprochen. In dieser Zeit sind die Betroffenen weitestgehend beschwerdefrei. Dennoch können auch in dieser Zeit schwer verdauliche Speisen, blähende sowie ballaststoffreiche Lebensmittel zu Beschwerden bei der Verdauung führen. Gleichzeitig ist die Remissionsphase die Zeit, in der sich der Darm und die Darmflora regenerieren können. Die Ernährung kann hierbei unterstützen.

Zwar gibt es bisher keine allgemein gültige Ernährungsempfehlungen für Morbus Crohn – wichtig ist aber, dass Betroffene auf die individuelle Bekömmlichkeit und Verträglichkeit achten. Bausteine einer leicht verdaulichen, nährstoffreichen und vollwertigen Ernährung sind:

  • Ausreichend frisches Obst und Gemüse (Sorten nach Bekömmlichkeit und ggf. mit Blick auf eine Low-FODMAP-Diät – sehen Sie hierzu weiter unten)
  • Getreide wie Hafer, Hirse, Quinoa, Naturreis (aufgrund des Ballastsoffgehalts auf individuelle Verträglichkeit achten)
  • Mischkorn- und Vollkornprodukte, die fein gemahlen wurden (kein Körnerbrot)
  • Eiweißquellen wie fettarmer Fisch und Fleisch (Geflügel), weich gekochte Eier in angemessenen Maßen
  • Gesunde Fette wie kaltgepresste Öle, eingeweichte oder gemahlene Nüsse und Saaten in Maßen
  • Hülsenfrüchte und blähendes Gemüse wie Kohl in Maßen und nur bei Verträglichkeit
  • Milch und Milchprodukte in Maßen und nur bei Verträglichkeit

Was Betroffene meiden sollten:

  • Stark verarbeitete Nahrungsmittel wie Süßigkeiten, industriell hergestellte Backwaren, Fertiggerichte und -produkte und Fast Food
  • Fleisch- und Wurstwaren
  • Alkohol und Zigaretten

Außerdem kann gerade bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen die Art der Zubereitung sowie das Essverhalten eine Erleichterung für den Darm darstellen. So kann es helfen, keine zu scharfen, zu heißen oder zu kalten Speisen zu essen, Rohkost zu meiden, da diese nur schwer verdaulich ist, ausreichend zu kauen und beim Essen auf eine ruhige und entspannte Atmosphäre zu achten.

Erfahren Sie auch, wie Sie Ihre Darmflora ganz natürlich wieder aufbauen.

Um die individuell richtige Ernährungsweise bei Morbus Crohn heraus zu finden, kann es ratsam sein, mit einer Ernährungsberaterin/einem Ernährungsberater zusammen zu arbeiten. Zusätzlich kann ein Ernährungstagebuch helfen.

Morbus Crohn: Gibt es doch die eine richtige Ernährung?

Ersten Studien und Erfahrungsberichten zufolge haben bestimmte Ernährungsweisen bei Morbus Crohn zu einer verstärkten Linderung von Symptomen geführt. Dazu zählen unter anderem die Low-FODMAP-Diät sowie die spezielle Kohlenhydratdiät (Specific Carbohydrate Diet, kurz SCD). Bei diesen Ernährungsweisen werden bestimmte Kohlenhydrate ausgespart, die den Darm verstärkt reizen bzw. die Darmflora aus der Balance bringen könnten.

Lesen Sie, inwieweit die Low-FODMAP-Diät als Ernährungsweise bei Reizdarm helfen kann.

Hinzugekommen ist der Gedanke, dass eine vegane Ernährung helfen kann. So zeigen Ärzte in einem Fallbericht die Geschichte eines Mannes, der seine Beschwerden nicht mit Medikamenten lindern konnte, dem am Ende aber eine Ernährungsumstellung auf vegane Kost Erleichterung brachte. Nach chronischer Müdigkeit, Blähungen, Bauchschmerzen und Übelkeit hatte der Mann nach der Diagnose intravenös Medikamente verabreicht bekommen, die aber über ein Jahr lang keine Besserung brachten. Während einer 40-tägigen Fastenperiode aber, bei der er alle tierischen Produkte vom Speiseplan gestrichen hatte und nur auf Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte zurückgriff, verbesserten sich seine Beschwerden bis hin zur kompletten Remission, heißt es. Die Ärzte konnten bei einer Darmspiegelung sehen, dass die Darmschleimhaut verheilt war.

Dass die streng vegane Ernährungsweise jedem Morbus-Crohn-Patienten hilft, ist damit allerdings nicht bewiesen. Denn die Krankheit verläuft individuell sehr unterschiedlich. Verschiedene Studien weisen aber darauf hin, dass eine rein pflanzliche Ernährung der Darmschleimhaut helfen kann, sich vor Entzündungen zu schützen. Forscher vermuten, dass sekundäre Pflanzenstoffe hinter der Wirkung stecken.

Da es sich bei Morbus Crohn um eine entzündliche Krankheit handelt, sollen generell entzündungshemmende Nahrungsmittel geeignet sein, um Entzündungsherde zu reduzieren und Beschwerden zu lindern.

Ob diese Ernährungsweisen bei Morbus Crohn tatsächlich bei einer Mehrzahl an Betroffenen lindernd wirken, kann bisher aber ebenfalls nicht gesagt werden.

Fazit: Morbus Crohn-Remissionsphasen durch die Ernährung verlängern

Zwar soll es für Morbus Crohn bisher keine bestätigte Heilmethode geben, und auch die Ernährungsrichtlinien sind bisher nicht ausreichend wissenschaftlich hinterlegt. Dennoch berichten zahlreiche Betroffene, dass mit der richtigen Ernährung die mit Morbus Chron verbundenen Beschwerden gelindert werden können. Ziel sollte es sein, durch eine leicht bekömmliche, vollwertige, gesunde und nährstoffreiche Ernährungsweise die Remissionsphase von Morbus Crohn so lang wie möglich aufrechtzuerhalten.

Weitere Ratgeber für die richtige Ernährungsweise in jeder Lebenslage finden Sie bei unserer Kolumnistin Natürlich Nadine.

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