27.08.2018

Langzeitverhütung Hormonfrei verhüten mit Kupferspirale und Kupferkette

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Dem Einsetzen einer Kupferspirale, einer Kupferkette oder eines Kupferballs sollte in jedem Fall eine ausführliche gynäkoligische Beratung vorangehen.

Foto: iStock/YakobchukOlena

Dem Einsetzen einer Kupferspirale, einer Kupferkette oder eines Kupferballs sollte in jedem Fall eine ausführliche gynäkoligische Beratung vorangehen.

Praktisch, sicher und am liebsten ohne Hormone – so wünschen sich viele Frauen Verhütung. Die Kupferspirale und die Kupferkette sind trotz möglicher Nebenwirkungen echte Alternativen.

In letzter Zeit hat Kupfer zur Verhütung ein regelrechtes Comeback erfahren. Das liegt zum einen am Wunsch der Frauen nach einer Verhütungsmethode, die möglichst wenig in den Zyklus eingreift. Zum anderen aber auch an den neuen "gebärmutterfreundlichen" Modellen. Lesen Sie hier, welche Vor- und Nachteile die Kupferspirale und ihre kleinen Schwestern, Kupferkette und Kupferball, haben und für wen sie geeignet sind.

Kupferspirale, Kupferkette & Co: Was ist das überhaupt?

Die Kupferspirale ist ein sogenanntes Intrauterinpessar: Sie liegt innerhalb (intra) der Gebärmutter (Uterus). Vom Frauenarzt wird sie in die Gebärmutter eingesetzt und kann dort bis zu fünf Jahre liegenbleiben. Die klassische Spirale besteht aus einem T-förmigen Kunststoffträger, der mit Kupferdraht umwickelt ist. In der Gebärmutter gibt sie minimale Mengen von Kupfer ab, die die empfängnisverhütende Wirkung verursachen.

Sofern sie richtig angepasst wird und korrekt sitzt, verhütet die Kupferspirale eine Schwangerschaft sehr zuverlässig. Leider hat sie bei einigen Frauen den unangenehmen Nebeneffekt von verstärkten Monatsblutungen. Neuere Studien haben aber gezeigt, dass das Risiko von Infektionen und Eileiterschwangerschaften wohl lange nicht so hoch ist, wie gedacht. Die Empfehlung, die Kupferspirale nur Frauen einzusetzen, die bereits ein Kind geboren haben, gilt deshalb inzwischen als überholt.

Es gibt aber auch kleinere Varianten, die anderes aufgebaut sind: die Kupferkette oder den Kupferball. Erstere wird im Gebärmutter-Muskel verankert, der Ball entfaltet sich in der Gebärmutter und bleibt so an Ort und Stelle.

So wirkt die Kupferspirale

Die Kupferionen greifen an verschiedenen Stellen in den natürlichen Weg der Befruchtung ein und verhindern so eine Schwangerschaft:

  • Sie lähmen die Spermien in ihrer Beweglichkeit, so dass die Eizelle nicht befruchten wird.
  • Sie verändern die Gebärmutterschleimhaut und machen eine Einnistung der Eizelle unmöglich.
  • Sie verursachen in der Gebärmutter minimale Entzündungen, die die körpereigenen Abwehrzellen zur Vernichtung der Spermien anregen.

Klingt schön und gut, doch wenn die Mediziner ehrlich sind, wissen sie bis heute nicht, wie das genau funktioniert. Dass es funktioniert, steht aber außer Frage. Denn die Kupferspirale gehört neben Kondom und Pille zu den bewährtesten Verhütungsmitteln und ihr hoher Verhütungsschutz ist durch zahlreiche Langzeitstudien belegt.

Kupferspirale: Ähnlich sicher wie die Pille

Die Sicherheit der Kupferspirale wird mit einem Pearl Index von 0,3 bis 0,8 angegeben (Zahlen: pro familia). Je niedriger der Pearl Index, desto sicherer ist die Verhütung. In diesem Fall bedeutet das: Wenn 1000 Frauen ein Jahr lang mit der Methode verhüten, werden 3 bis 8 von ihnen trotz Spirale schwanger. Der Wert ist damit vergleichbar mit dem der Pille (0,1 – 0,9). Allerdings gibt es bei der Kupferspirale deutlich weniger Anwendungsfehler, da man sie nicht einfach mal vergessen kann. In der praktischen Anwendung dürfte die Sicherheit also sogar höher liegen – vorausgesetzt die Spirale passt und wird regelmäßig vom Frauenarzt kontrolliert.

Kupferspirale, Kupferkette oder lieber Kupferball?

Aktuell stehen drei Modelle von IUPs in verschiedenen Größen zur Verfügung: neben der klassischen Kupferspirale gibt es die Kupferkette (bekannt unter dem Markennamen Gynefix) und seit kurzem auch den Intrauterinball, auch IUB oder Kupferball genannt. Von ihrer Wirkweise sind beide der Kupferspirale sehr ähnlich und können ebenfalls fünf Jahre verbleiben.

Die Kupferkette ist flexibler als die Kupferspirale und passt sich daher der Gebärmutter besser an. Sie muss allerdings in der Gebärmutterwand fixiert werden, was einige Erfahrung von Seiten des Arztes voraussetzt und schmerzhaft sein kann. Sitz und passt sie perfekt, wird ihre Sicherheit sogar etwas höher als bei der Kupferspirale angegeben, mit einem Pearl Index von 0,1 bis 0,5.

Vergleichsweise neu auf dem Verhütungsmarkt ist der Kupferball. Er besteht aus dreidimensionalem formstabilen Material, das sich erst in der Gebärmutter wieder in seine ursprüngliche Ballform entfaltet. Dadurch ist das Einsetzen relativ schmerzfrei möglich. Das Material wird seit Jahren für chirurgische Stents verwendet, ist also bestens bewährt. Der Pearl Index dürfte ähnlich wie bei Kupferkette und -spirale liegen, allerdings fehlen bisher noch langfristige Studien dazu.

Kosten der Kupferspirale: auf Dauer mit der Pille vergleichbar

Die klassische Kupferspirale ist am günstigsten und kostet zwischen 120 und 300 Euro. In diesem Preis enthalten sind die vorausgehende Untersuchung, das Einsetzen wie auch die Spirale selber. Diese Kosten muss man leider selber tragen, sie werden nicht von der Krankenkasse übernommen. Die Kupferkette kostet etwa 250 bis 450 Euro, der Kupferball 400 bis 500 Euro. Das ist auf einen Schlag natürlich ein stolzer Batzen Geld. Auf fünf Jahre umgerechnet ergibt sich jedoch ein monatlicher Preis von etwa fünf bis acht Euro – und das ist sogar etwas günstiger als die meisten Antibabypillen. Kupferkette und Kupferball sind allerdings nicht in jeder Frauenarztpraxis erhältlich, da das Einsetzen spezielle Schulungen erfordert.

Welche Spirale für wen?

Erste praktische Erfahrungswerte zeigen, dass der Kupferball von Frauen, die bereits geboren haben, sehr gut vertragen wird und überhaupt keine Schmerzen macht. Allerdings hat er eine vergleichsweise hohe Abstoßungsrate. Frauen ohne Kinder mit sehr kleiner Gebärmutter kommen meist besser mit der Kupferkette zurecht, da sich der Ball in der Gebärmutter ausdehnt, was zu Dehnungsschmerzen führen kann. Ob im Einzelfall die klassische Kupferspirale, die Kupferkette oder der Kupferball die beste Wahl ist, sollte eine Frau immer mit ihrem Gynäkologen besprechen. Das hängt nämlich von der Form und Größe ihrer Gebärmutter ab. Das Wichtigste ist immer, dass die Spirale nicht verrutschen kann und nirgends scheuert, um Schmerzen, Entzündungen und Abstoßungsreaktionen zu vermeiden.

Kupferspirale oder Hormonspirale?

Die Vorteile der Kupferspirale gegenüber der Hormonspirale liegen auf der Hand: Es werden keine Hormone abgegeben, deshalb werden Zyklus und Stoffwechsel nicht beeinflusst. Folglich gibt es keine Thrombosegefahr, keine unerwünschte Gewichtszunahme und keine anderen hormonell bedingten Nebenwirkungen wie Depressionen oder Libidoverlust. Auch ist nach neueren Studien die Gefahr von Pilzinfektionen geringer, da Kupfer antibakteriell wirkt. Für Frauen mit starker Periode bleibt aber ein entscheidender Nachteil: Gerade weil die Kupferspirale nicht in den Zyklus eingreift, bleibt die Blutung bestehen und ist zumindest im ersten Jahr meist stärker als zuvor. Mit Hormonspirale hingegen wird die Menstruation geringer und verschwindet bei den vielen Frauen sogar komplett.

Die Vorteile von Kupferspirale, Kupferkette und Kupferball

  • Langzeitverhütung: Kann bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter bleiben
  • Hohe Sicherheit: Pearl Index von 0,3 – 0,8 bzw. 0,1 – 0,5
  • Praktisch: Man kann sie nicht vergessen
  • Meist gute Verträglichkeit
  • Hormonfrei
  • Kein Einfluss auf den Eisprung und auf den Zyklus
  • Keinen Eingriff in den Stoffwechsel
  • Fruchtbarkeit ist direkt nach Entfernung wiederhergestellt

Die Nachteile der Kupferspirale und anderer IUPs

  • Einsetzen und Entfernen kann schmerzhaft sein, vor allem für Frauen, die noch kein Kind haben.
  • Nebenwirkungen wie verstärkte Regelblutungen, Schmerzen und Bauchkrämpfe sind möglich
  • Aufsteigende Infektionen sind möglich
  • Allergische Reaktionen sind trotz der minimalen Kupferabgabe möglich
  • Muss alle sechs Monate kontrolliert werden
  • Einmalig hohe Kosten
  • Kein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten

Infektionen: mögliche Nebenwirkung bei Kupferspirale, Kupferkette und IUB

Das Risiko von Unterleibsinfektionen ist vor allem direkt nach dem Einsetzen der Spirale erhöht, geht nach wenigen Wochen aber wieder auf Normalwert zurück. Auslöser sind fast immer unbemerkte Scheideninfektionen, die nach oben verschleppt werden. Eine vorherige Untersuchung auf Chlamydien und andere Keime ist deshalb empfehlenswert. Eine gute Nachricht gibt es aber auch: Die Kupferspirale schützt wohl zu einem gewissen Maße vor Gebärmutterhalskrebs. So tritt das Zervixkarzinom bei Frauen, die mit IUP verhüten, nur halb so oft auf wie bei anderen.

Kupferspirale: Eileitschwangerschaft sind selten aber möglich

Nicht ganz wegzudiskutieren ist hingegen das Risiko einer Eileiterschwangerschaft. Wird man trotz Kupferspirale schwanger, muss sich die Eizelle notgedrungen außerhalb der Gebärmutterhöhle einnisten, da diese ja "besetzt" ist. Allerdings sind Schwangerschaften mit der Spirale ohnehin sehr selten, insofern ist das Risiko sehr viel geringer als weithin verbreitet wird. Plötzliche Bauchschmerzen und Zwischenblutungen außer der Regel sollte man aber ernst nehmen und immer vom Frauenarzt abklären lassen.

Grundsätzlich gilt das etwas erhöhte Risiko von Infektionen und Eileiterschwangerschaften aber heute nicht mehr als Entscheidungsgrund gegen die Kupferspirale. Auch Frauen, die bisher keine Kinder haben, können diese Methode bedenkenlos verwenden.

Kupferspirale einsetzen – am besten während der Periode

Einige körperliche Gegebenheiten wie beispielsweise eine sehr kleine Gebärmutter können das Einsetzen der Kupferspirale schwierig bis unmöglich machen können. Deshalb erfolgt vorher immer eine umfassende Beratung und Untersuchung beim Frauenarzt. Außerdem muss jede Frau im Vorfeld eine Erklärung unterschreiben, dass sie über Risiken und Nebenwirkungen ausreichend aufgeklärt wurde.

Der beste Zeitpunkt für das Einsetzen der Spirale ist zwischen dem zweiten und fünften Tag der Menstruation, da der Muttermund dann ohnehin leicht geöffnet ist. Eine Lokalanästhesie hilft gegen den Schmerz. Trotzdem sind leichte Schmerzen in den ersten Tagen ebenso normal wie Schmierblutungen. Nach dem Einsetzten verbleibt ein kleines Rückholfädchen aus Kunststoff in der Scheide, mit dem die Frau den korrekten Sitz selber kontrollieren kann. Stört es beim Sex, kann der Frauenarzt das Fädchen noch etwas weiter abschneiden.

Auch die Kupferkette sollte während der Periode eingesetzt werden. Sie wird mithilfe einer feinen Nadel und einem Knoten im Muskel verankert und wächst nach einigen Tagen dort fest.

Entfernen der Spirale ist jederzeit möglich

Wenn die Spirale entfernt werden soll, kann sie der Frauenarzt relativ einfach ziehen, sofern das Rückholfädchen gut erreichbar ist. Nach höchstens fünf Jahren kann ebenso die Kupferkette durch ruckartiges Ziehen am Fädchen relativ schmerzfrei wieder entfernt werden. Sobald der Fremdkörper aus der Gebärmutter entfernt wurde, ist die normale Fruchtbarkeit wiederhergestellt. Man sollte allerdings wegen der Infektionsgefahr ein paar Tage auf Sex verzichten. Doch dann steht einem schnellen Schwangerwerden nichts mehr im Wege.

Spirale danach: Die Kupferspirale als Notfallverhütung

Die Kupferspirale sowie die Kupferkette haben noch einen weiteren Vorteil: Sie können als Notfallverhütung nach Verhütungspannen oder ungeschütztem Sex eingesetzt werden, ähnlich wie die Pille danach. Das abgegebene Kupfer sorgt dafür, dass eine eventuell bereits befruchtete Eizelle sich nicht in der Gebärmutter einnisten kann. Anschließend kann das Verhütungsmittel in der Gebärmutter verbleiben und weiterhin zur Verhütung genutzt werden. Die "Spirale danach" gilt als sehr sicher und kann bis zu fünf Tage nach dem Sex eine Schwangerschaft wirkungsvoll verhindern.

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