15.08.2018

Das Gleichgewicht trainieren Mit diesen Übungen können Sie Schwindel austricksen

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Schwindelanfälle können Betroffene überall überraschen. Wir zeigen einfache, aber effektive  Übungen gegen Schwindel.

Foto: iStock/BakiBG

Schwindelanfälle können Betroffene überall überraschen. Wir zeigen einfache, aber effektive Übungen gegen Schwindel.

Gezielte Gleichgewichtsübungen können Schwindelanfällen tatsächlich vorbeugen. Wir erklären, wie Sie Ihre Balance ganz einfach zu Hause trainieren, und mit welchen Tricks Sie plötzlichen Lagerungsschwindel garantiert stoppen können.

Schwindelgefühle kommen für viele plötzlich, überrumpelnd und häufig auch ziemlich regelmäßig. Lassen sich Schwindelanfälle überhaupt vorbeugen? Wir erklären, welche Übungen gegen Schwindel helfen. Lesen Sie, wie ein einfaches Gleichgewichtstraining und "immun" gegen Schwindel machen und ihn bei Anfällen sogar stoppen kann.

Übungen gegen Schwindel – kann das überhaupt funktionieren?

BILD der FRAU hat bei Prof. Michael Strupp vom Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrums an der Neurologischen Klinik in München-Großhadern nachgefragt:

BILD der FRAU: Können wir unsere beiden Gleichgewichtsorgane im Innenohr tatsächlich trainieren und so Schwindelgefühlen vorbeugen?

Prof. Strupp: Ja, das klappt sogar in jedem Alter. Ganz ausgezeichnet etwa trainiert Tanzen das Gefühl für die richtige Balance. Aber auch Sportarten wie Badminton oder Tennis sind effektiv, weil sie den Gleichgewichtssinn und die Koordination fördern.

Als Schwindel-Vorbeugung ideal sind auch drei kurze Spaziergänge täglich von etwa 20 Minuten, am besten auf einem unebenen Boden wie z. B. im Wald oder auf einer Wiese. Dabei sollte bewusst ein Fuß vor den anderen gesetzt werden. Denn langsame Bewegungen steuern wir bewusst über den Gleichgewichtssinn, den wir damit fördern.

Wie wirkt ein gezieltes Balance-Training?

Es hilft bei einem einseitigen oder beidseitigen Ausfall der Gleichgewichtsorgane. Das Gehirn lernt dabei, seine Balance-Defizite auszugleichen. Die Übungen können z. B. durch gezielte Kopfbewegungen wichtige Hirnstamm-Reflexe neu eichen und die Blickstabilität verbessern, die bei Schwindelattacken sehr oft gestört ist. Die Übungen regulieren auch Stand- und Geh-Unsicherheiten. Ideal ist ein Balance-Training von dreimal täglich 30 Minuten, das nach Anleitung durch einen Physiotherapeuten oder Arzt auch zu Hause klappt.

Erfahren Sie mehr über die Ursachen von Schwindelanfällen.

Hilft eine Balance-Training auch bei Lagerungsschwindel, der häufigsten Schwindelart?

Besondere "Befreiungsmanöver" (siehe unten) helfen – und zwar zu 100 Prozent. Denn es sind meist verrutschte Steinchen im Innenohr schuld. Diese frei umherschwimmenden Ohr-Kristalle reizen z. B. beim Umdrehen oder Aufrichten die Haar-Sinneszellen in den Bogengängen der beiden Gleichgewichtsorgane. Sie senden dann verwirrende Signale ans Gehirn. Durch gezielte Kopf- und Körperdrehungen bewegen sie die Steinchen aus dem betroffenen Bogengang zurück an den Ursprungsort, wo sie keine Unruhe mehr stiften können. Allerdings liegt die Rückfallquote bei rund 50 Prozent. Dann müssen erneut Befreiungsmanöver eingesetzt werden.

Schwindel vorbeugen: Einfache Gleichgewichtsübungen für zu Hause

Haben Ihnen diese Übungen gegen Schwindel weitergeholfen? Was Sie noch bei Schwindel tun können, erfahren Sie auch anhand dieser wertvollen Tipps.

Übungen bei Lagerungsschwindel

Diese zwei Befreiungsmanöver stoppen Lagerungsschwindel garantiert – sie beugen vor und helfen auch effektiv bei akuten Beschwerden:

1. Aufrecht auf die Mitte der Bettkante oder der Couch setzen. Den Kopf um 45 Grad nach rechts drehen. Mit dem Oberkörper nach links fallen, Kopfhaltung beibehalten. 1 Minute liegen bleiben. Oder so lange, bis der Schwindel abklingt. Oberkörper so schnell wie möglich aufrichten und nach rechts fallen lassen. Kopfhaltung beibehalten. 1 Minute liegen bleiben. Oder Position halten, bis der Schwindel abklingt. Langsam wieder aufsetzen, Kopf zur Mitte drehen. 3 Minuten so sitzen bleiben.

2. Auf den Boden knien, Füße unter das Gesäß. Die Handflächen mit ausgestreckten Armen vor dem Körper auf dem Boden aufsetzen. Den Kopf dabei so weit wie möglich in den Nacken legen, die Augen blicken Richtung Decke. Nun die Stirn dicht über den Boden senken und den Kopf in dieser Höhe zum rechten Ellenbogen drehen. In dieser Kopfposition den Oberkörper möglichst schnell mit den Armen hochstemmen. Und dabei den Kopf ruckartig wieder in den Nacken legen und an die Decke schauen. Die ganze Übung nun zur linken Seite ausführen.

Hier gibt's mehr Infos über die Ursachen von Lagerungsschwindel und zwei weitere Übungen.

Bekommen Frauen eigentlich öfter Schwindelattacken als Männer? Prof. Strupp erklärt: "Frauen ist zwar öfter schwindelig. Das liegt aber wohl vor allem an der Schwindel-Migräne, die bei Frauen doppelt so häufig wie bei Männern auftritt. Da gesellen sich dann zum Schwindelgefühl noch Kopfschmerzen und eine Licht-oder Lärmempfindlichkeit."

Bei uns können Sie sich nicht nur zu Übungen gegen Schwindel informieren. Wie Sie durch einfachen Sport und Fitness Ihrer Gesundheit Gutes tun, erfahren Sie auf unserer Themenseite.

Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 27.

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