10.08.2018 - 12:20

Langzeitverhütung Sterilisation bei Frauen – das sind die Vor- und Nachteile

Einer Sterilisation bei der Frau sollte in jedem Fall eine ausführliche Beratung vorangehen. Diese Form der Verhütung eignet sich nämlich nur dann, wenn der Kinderwunsch abgeschlossen ist.

Foto: iStock/RossHelen

Einer Sterilisation bei der Frau sollte in jedem Fall eine ausführliche Beratung vorangehen. Diese Form der Verhütung eignet sich nämlich nur dann, wenn der Kinderwunsch abgeschlossen ist.

Für Frauen, die sich sicher sind, nicht mehr schwanger werden zu wollen, ist die Sterilisation eine Option. Was Sie über Nebenwirkungen, Sicherheit und Kosten wissen sollten.

Die Sterilisation bei Frauen ist für viele die beste Möglichkeit, auf Dauer sicher zu verhüten. Sterilisation bedeutet, dass beide Eileiter (Tuben) chirurgisch verschlossen oder vollständig durchtrennt werden. Menstruation und Eisprung bestehen weiterhin und werden dadurch nicht beeinflusst. Das befruchtungsfähige Ei gelangt in den Eileiter, bleibt dann aber auf halber Strecke stecken. Ebenso können Spermien nicht zu dem reifen Ei gelangen. Es bleibt also unbefruchtet und kann sich auch nicht in der Gebärmutter einnisten. Die Schleimhaut im Eileiter baut dann das Ei langsam und ganz natürlich ab.

Sterilisation bei Frauen: Die wichtigsten Vor- und Nachteile

Die Sterilisation der Frau ist in den meisten Fällen unwiderruflich, also eine Entscheidung für immer. Für viele Frauen ist genau dieser Punkt einer der wichtigsten Vorteile dieser radikalen Verhütungsmethode. Die weiteren Pluspunkte der Sterilisation für die Frau:

  • Die Sterilisation ist eine besonders sichere Verhütungsmethode und hat einen Pearl Index von 0,2 bis 0,3. Dieser Wert bedeutet, von 1.000 sterilisierten Frauen werden zwei bis drei innerhalb eines Jahres trotz des Eingriffs schwanger. Zum Vergleich: Die Pille hat einen Pearl Index von 0,1 bis 0,9, die Minipille 0,5 bis drei.
  • Es handelt sich nur um eine einzige Behandlung, danach ist die Frau in den meisten Fällen für immer unfruchtbar.
  • Das Thema Verhütung kann die Frau nach der Sterilisation also meistens vergessen, sie ist absolut unabhängig und kann die Sexualität frei genießen.
  • Die Sterilisation beeinflusst den Hormonhaushalt in der Regel nicht.

Die Sterilisation bei der Frau kann aber auch Nachteile, Nebenwirkungen und Komplikationen haben. Die wichtigsten:

  • Als Nebenwirkung kann sehr selten die Hormonproduktion gestört werden, die Wechseljahre treten dann früher ein.
  • Manche Frauen fühlen sich nach der Sterilisation nicht mehr als "richtige" Frau, weil sie nicht mehr fruchtbar sind.
  • Frauen, die sich sterilisieren ließen, haben ein leicht erhöhtes Risiko für eine Bauchhöhlen- oder Eileiterschwangerschaft.
  • Wie jeder Eingriff im Bauchraum birgt auch die Sterilisation der Frau Operationsrisiken, wie etwa Entzündungen. Bei der Frau ist die Sterilisation ein größerer Eingriff als beim Mann (Vasektomie).
  • Einen hundertprozentigen Schutz bietet die Sterilisation nicht, siehe Pearl Index. Es kann also in wenigen Ausnahmefällen sein, dass die Frau schwanger trotz Sterilisation wird.
  • Um sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen, müssen auch nach einer Sterilisation Kondome verwendet werden, weil sie eine Ansteckung nicht verhindert.
  • Die Sterilisation bei einer Frau kann nicht einfach rückgängig gemacht werden. Absicht des Eingriffs ist ja, die Eileiter sicher und dauerhaft zu unterbrechen, was sich nicht einfach wieder ungeschehen machen lässt.

Sterilisation rückgängig machen – trotzdem möglich?

Wenn eine Frau – etwa durch eine veränderte Lebenssituation wie einen neuen Partner – trotz Sterilisation schwanger werden möchte, lassen sich in manchen Fällen die Eileiter wieder verbinden. Immerhin erfüllt sich nach diesem operativen Eingriff, der Refertilisation, bei 25 bis 80 Prozent der Frauen der Kinderwunsch.

Das sind die Frühzeichen einer Schwangerschaft:

Frühzeichen für Schwangerschaft

Frühzeichen für Schwangerschaft

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Eine Alternative für die Operation ist die künstliche Befruchtung, wobei der Frau reife Eier entnommen, mit den Spermien des Mannes befruchtet und ein oder mehrere befruchtete Eizellen in die Gebärmutter eingebracht werden.

Voraussetzungen und Kosten der Sterilisation

Wer also in Erwägung zieht, als dauerhafte Verhütungsmethode die Sterilisation zu wählen, sollte sich sicher sein, dass der Kinderwunsch abgeschlossen ist – egal, ob es sich um die Sterilisation der Frau oder die Sterilisation beim Mann handelt. Denn die Vasektomie lässt sich zwar leichter rückgängig machen, funktioniert aber auch nicht immer.

Abgesehen von medizinischen Gründen für die Sterilisation, wie etwa gefährlichen Erbkrankheiten, lehnen Frauenärzte eine Altersgrenze, unter der sie strikt von der Sterilisation abraten, zwar ab. Vernünftigerweise sollte jedoch das Alter über 35 Jahre betragen. Bei jüngeren Frauen kann eine grundlegende Änderung der Lebenssituation mit erneutem Kinderwunsch wesentlich häufiger auftreten als bei älteren. Immerhin bereuen nach einer Sterilisation fünf bis zehn Prozent der Frauen ihren Entschluss, wie Pro Familia in der Broschüre "Sterilisation" (15. Auflage 2013) betont.

Die Kosten für die Sterilisation bei der Frau belaufen sich je nach Operationsmethode auf durchschnittlich 900 Euro. Die Krankenkassen erstatten die Kosten übrigens nur in Ausnahmefällen. Das ist etwa dann der Fall, wenn ein medizinischer Grund die Sterilisation nötig macht und andere Verhütungsmittel nicht vertragen oder angewendet werden können. Diesen Punkt sollten Sie also, wenn Sie eine Sterilisation in Erwägung ziehen, schon im Vorfeld mit der Krankenkasse besprechen.

Laparoskopie, Hysteroskopie und Laparotomie – die Methoden der Sterilisation bei Frauen

Es gibt drei verschiedene Techniken der Sterilisation:

1. Die Laparoskopie

Die am häufigsten angewandte ist die Sterilisation per Laparoskopie. Diese Methode ist laut einer neuen Studie auch die am besten verträglichste Operationsform mit der niedrigsten Komplikationsrate.

Der Chirurg führt mit einer Bauchspiegelung über einen winzigen Schnitt am Bauchnabel eine kleine Sonde zu den Eileitern, die Kamera und winzigste Instrumente enthält. Unter Sichtkontrolle per Monitor kann der Arzt nun die Eileiter verschließen, etwa mit Strom veröden (Elektrokoagulation), mit Kunststoffbändern oder Clips abklemmen. Als weitere Technik kann er die Eileiter durchtrennen und abbinden (Tubenligatur). Die Laparoskopie kann je nach Methode unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt werden, dauert etwa 45 Minuten und Sie können oft noch am gleichen Tag nach Hause gehen.

2. Die Laparotomie

Manche Frauen entscheiden sich für eine Sterilisation im Rahmen eines Kaiserschnitts, wenn sie sich sicher sind, nach dieser Schwangerschaft keine weitere mehr zu wünschen. Wenn das Kind auf die Welt geholt wurde, nutzt der Chirurg den Kaiserschnitt, also die kleine Öffnung in der Bauchdecke, gleich dazu, die Eileiter zu unterbinden. Dieses Verfahren, Sterilisation über einen Bauchschnitt, heißt Laparotomie. Weil der Bauchschnitt doch ein massiverer Eingriff ist, bleibt die Frau nach dem Kaiserschnitt einige Tage im Krankenhaus.

3. Über Hysteroskopie – Essure-Methode

Kaum noch wird dagegen die vormals beliebte Essure-Methode durchgeführt, weil sie sich als nebenwirkungsreich erwiesen hat. Es kommt häufig zu Blutungen, Krämpfen und Infektionen.

Der Eingriff erfolgt ohne Schnitt im Rahmen einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie). Der Arzt platziert über die Gebärmutter Spiralen in den Eileitern. Durch diesen Fremdkörper gereizt, vernarben sie nach und nach, sind nicht mehr durchgängig. Deshalb müssen in der ersten Zeit nach der Behandlung zusätzlich Verhütungsmittel, etwa Kondome benutzt werden. Nach drei Monate kontrolliert der Arzt mit Ultraschall, ob sich die Eileiter geschlossen haben. Erst danach ist keine weitere Verhütung mehr nötig. Die Essure-Methode erfolgt unter lokaler Betäubung und dauert rund 30 Minuten, die Frau kann danach die Praxis verlassen.

Ganz wichtig: Sicher sein über den Abschluss des Kinderwunsches

Übrigens sind in Deutschland etwa ein bis zwei Prozent der Frauen sterilisiert. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld. In Großbritannien haben sich mehr als zehn Prozent der Frauen für diese endgültige Verhütungsmethode entschlossen, in Italien dagegen weniger als ein Prozent.

Frauen, die sich für eine Sterilisation entscheiden, sollten vorher gründlich geprüft haben, ob das Kapitel Kinderwunsch bei ihnen tatsächlich geschlossen ist. Danach sollten sie sich von ihrem Gynäkologen beraten lassen, welche der Methoden für sie sinnvoll ist. Die besonders häufig angewandte Technik der Laparoskopie gilt als sicher und lässt sich ambulant durchführen, ist also besonders schonend. Trotzdem darf nicht vergessen werden, dass die Sterilisation bei der Frau eine belastendere Behandlung darstellt als die Vasektomie, also die Sterilisation des Mannes.

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